Wohnungslosigkeit 2024
Obdachlosigkeit und Wohnungslosigkeit in Deutschland 2024 — Zahlen, Ursachen und Wege aus der Wohnungslosigkeit
Im Februar 2024 lebten rund 107.700 Menschen in Deutschland ohne eigene Wohnung und ohne institutionelle Unterkunft — auf der Straße oder vorübergehend bei anderen. Die Zahl stieg innerhalb von zwei Jahren um 14 Prozent. Wer diese Menschen sind, warum sie wohnungslos wurden und welche Auswege es gibt, zeigt dieser Überblick.
107.700
nicht institutionell untergebrachte Wohnungslose in Deutschland (Feb. 2024) — auf der Straße oder verdeckt bei Bekannten
47.270
Menschen ohne jede Unterkunft — sie schlafen im Freien, in Parks, Bahnhöfen oder anderen öffentlichen Räumen
60.435
verdeckt Wohnungslose — vorübergehend bei Bekannten oder Familie untergebracht, ohne eigene Wohnung
+14 %
mehr als 2022 — bei Menschen ohne Unterkunft sogar +21 %, bei verdeckt Wohnungslosen +9 %
531.600
So viele Menschen waren Anfang 2024 in Deutschland insgesamt wohnungslos — untergebracht, verdeckt wohnungslos oder ohne jede Unterkunft.
47.300
Menschen lebten Anfang 2024 ganz ohne Unterkunft, also obdachlos im engeren Sinn — ohne Wohnung und ohne jedes Dach über dem Kopf.
40 %
der untergebrachten wohnungslosen Personen waren zum Stichtag 31. Januar 2024 unter 25 Jahre alt.
0,2 %
der Berliner Bevölkerung waren 2024 obdachlos oder verdeckt wohnungslos — doppelt so hoch wie der Bundesdurchschnitt von 0,1 %.
48 %
Frauenanteil unter den Wohnungslosen verzeichnet Bremen — der höchste Wert aller Bundesländer.
531.600
So viele Menschen waren Anfang 2024 in Deutschland wohnungslos: 439.500 untergebracht, 60.400 verdeckt wohnungslos, 47.300 ohne jede Unterkunft.
67 %
So stark stieg die hochgerechnete Zahl Wohnungsloser zwischen dem 30.06.2021 (268.000) und dem 30.06.2022 (447.000).
2020
Seit diesem Jahr gibt es eine gesetzliche Pflicht zur bundesweiten Erhebung von Wohnungslosigkeit. Zuvor gab es keine offizielle Statistik.
0,2 %
Anteil verdeckt wohnungsloser oder obdachloser Menschen an der Berliner Gesamtbevölkerung 2024 — doppelt so hoch wie der Bundesdurchschnitt von 0,1 %.
2030
Bis zu diesem Jahr will die Bundesregierung Obdach- und Wohnungslosigkeit überwinden. Der Nationale Aktionsplan dazu wurde am 24. April 2024 verabschiedet.
531.600
Wohnungslose Menschen in Deutschland zum Stichtag 31. Januar 2024, gezählt in institutionell Untergebrachten, verdeckt Wohnungslosen und Menschen ohne jede Unterkunft.
439.500
Davon waren institutionell untergebracht, etwa in Notunterkünften oder Einrichtungen der Kommunen.
60.400
Menschen waren verdeckt wohnungslos — sie kamen ohne eigene Wohnung vorübergehend bei Bekannten oder Angehörigen unter.
47.300
Menschen lebten ganz ohne Unterkunft, etwa auf der Straße oder im öffentlichen Raum.
2030
Bis zu diesem Jahr soll Wohnungs- und Obdachlosigkeit in Deutschland laut Nationalem Aktionsplan überwunden werden.
Schlüsselzahlen — Februar 2024
Wohnungslose Feb. 2024
Wohnungslosigkeit hat viele Gesichter. Das bekannteste ist das des Mannes auf der Parkbank — sichtbar, offensichtlich ohne Obdach, mit allem, was er besitzt, neben sich. Dieses Bild ist real, aber es erfasst nur einen Teil der Realität. Die Mehrheit der Menschen, die in Deutschland keine eigene Wohnung haben, ist für die Öffentlichkeit unsichtbar: Sie schlafen bei Bekannten auf dem Sofa, auf einer Luftmatratze bei der Schwester, im Auto. Sie haben keine eigene Wohnung, aber auch keine sichtbare Obdachlosigkeit. Beide Gruppen zusammen ergeben das Gesamtbild der nicht institutionell untergebrachten Wohnungslosigkeit — und dieses Gesamtbild ist für das Jahr 2024 klarer als je zuvor erhoben worden.
Wie viele Menschen sind in Deutschland wohnungslos?
Die Zahl von 107.700 nicht institutionell untergebrachten Wohnungslosen im Februar 2024 ist das Ergebnis einer bundesweiten Stichtagserhebung. Sie erfasst zwei klar unterschiedliche Gruppen: Menschen, die tatsächlich ohne Unterkunft sind und im Freien, in Parks, Bahnhöfen oder öffentlichen Toiletten schlafen — und Menschen, die zwar ein vorübergehendes Dach über dem Kopf haben, aber keine eigene Wohnung. Diese zweite Gruppe, die sogenannten verdeckt Wohnungslosen, macht mit rund 60.435 Personen den größeren Teil aus.
Hinzu kommen 8.653 Minderjährige unter den nicht institutionell Untergebrachten: 2.051 von ihnen leben ohne jede Unterkunft, 6.602 verdeckt wohnungslos. Dass fast neun Tausend Kinder und Jugendliche von Wohnungslosigkeit betroffen sind, gehört zu den erschütternden Befunden dieser Erhebung.
Die Erhebung erfasst bewusst nur die nicht institutionell untergebrachten Wohnungslosen — also jene, die nicht in Sammelunterkünften, Notunterkünften oder anderen institutionellen Einrichtungen leben. Wer eine Notunterkunft nutzt, taucht in dieser Statistik nicht auf. Das Gesamtbild der Wohnungslosigkeit in Deutschland ist damit noch größer als die genannte Zahl vermuten lässt.
Wohnungslosigkeit 2024: Auf einen Blick
- Stichtag
- Februar 2024
- Gesamt
- 107.700 nicht institutionell untergebrachte Wohnungslose
- Ohne Unterkunft
- 47.270 Personen (schlafen im Freien oder in öffentlichen Räumen)
- Verdeckt wohnungslos
- 60.435 Personen (vorübergehend bei Bekannten/Familie, ohne eigene Wohnung)
- Minderjährige
- 8.653 — davon 2.051 ohne Unterkunft, 6.602 verdeckt
- Veränderung zu 2022
- +14 % gesamt; ohne Unterkunft +21 %, verdeckt +9 %
- Großstädte
- 59 % der Betroffenen leben in Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern
Warum die Zahlen gestiegen sind — und wie sie einzuordnen sind
Der Anstieg von 14 Prozent gegenüber 2022 ist erheblich — aber er spiegelt nicht allein eine reale Verschlechterung wider. Ein Teil des Anstiegs erklärt sich durch einen methodischen Effekt: Die Erhebung von 2022 fand in einer Phase statt, in der viele Hilfseinrichtungen und Kommunen noch nicht wieder im Regelbetrieb nach der Coronapandemie arbeiteten. Die Daten von 2022 dürften daher die tatsächliche Zahl der Wohnungslosen unterschätzt haben. Der Vergleich zwischen 2022 und 2024 ist deshalb mit Vorsicht zu interpretieren — er zeigt eine Entwicklung, aber keine exakte Verdoppelung der Wohnungslosigkeit innerhalb von zwei Jahren.
Trotzdem: Auch wenn man den Corona-Effekt einrechnet, bleibt ein realer Anstieg. Die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt, steigende Mieten bei Neuvermietungen und fehlende günstige Wohnungen haben dazu beigetragen, dass mehr Menschen ihre Wohnungen verloren haben — und weniger schnell neue gefunden haben.
Wer ist betroffen — und wo?
Mehr als die Hälfte aller nicht institutionell untergebrachten Wohnungslosen in Deutschland lebt in den sieben größten Städten: Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt am Main, Stuttgart und Düsseldorf. 59 Prozent der Betroffenen befinden sich in Kommunen mit über 500.000 Einwohnern. Das ist kein Zufall. In Großstädten ist die Konkurrenz um günstigen Wohnraum am größten, die Mietpreise sind am höchsten und die Zahl der Menschen, die sich die Mieten nicht leisten können, ist überproportional gestiegen.
Gleichzeitig zeigt die Erhebung: 41 Prozent der Wohnungslosen leben in kleineren Gemeinden. Wohnungslosigkeit ist längst kein Problem, das sich auf Großstädte beschränkt. Auch in Mittelstädten, in ländlichen Räumen und in Regionen, die auf den ersten Blick keine erkennbare Obdachlosenszene haben, gibt es Menschen, die verdeckt oder offen ohne eigene Wohnung leben — oft ohne dass die lokale Öffentlichkeit es wahrnimmt.
Der Übergang: Wer wird wohnungslos — und wie schnell?
Wohnungslosigkeit entsteht selten plötzlich. Die Erhebung zeigt ein bemerkenswertes Muster: Unter den Menschen, die erst seit weniger als drei Monaten wohnungslos sind, lebt ein Drittel ohne Unterkunft und zwei Drittel verdeckt. Mit zunehmender Dauer kehrt sich dieses Verhältnis um — je länger die Wohnungslosigkeit andauert, desto höher wird der Anteil derer, die tatsächlich auf der Straße schlafen. Das ist kein Zufall, sondern Logik: Wer wohnungslos wird, versucht zunächst, bei Bekannten und Verwandten unterzukommen. Das ist der erste und naheliegendste Ausweg. Erst wenn diese sozialen Netzwerke erschöpft sind, landen Menschen auf der Straße. Verdeckte Wohnungslosigkeit ist also nicht nur eine andere Form derselben Not — sie ist oft die erste Station eines Weges, der ohne Intervention weiter nach unten führt.
Wie entsteht Wohnungslosigkeit — die Ursachen
Die Geschichte, die hinter einer Wohnungslosigkeit steckt, folgt selten einem einzelnen dramatischen Ereignis. Häufiger ist es eine Abfolge von Schwierigkeiten, die sich aufschichten: Einer verliert seinen Arbeitsplatz. Die Miete läuft weiter. Das Bürgergeld reicht nicht für die Miete in einer Großstadt. Die Schulden wachsen. Der Vermieter kündigt. Und wer dann eine neue Wohnung sucht — ohne Einkommen, ohne aktuelle Schufa, ohne bürgerliche Referenzen — findet auf dem privaten Wohnungsmarkt faktisch keine Chance.
Eine Spirale: Von der Mietkündigung auf die Straße
Ein Beispiel, das so oder ähnlich täglich vorkommt: Eine alleinerziehende Mutter verliert nach einer längeren Erkrankung ihren Job. Die Jobcenter-Leistungen starten erst mit Verzögerung, die Mietschulden häufen sich auf zwei Monatsmieten. Die Vermieterin kündigt fristlos. Die Frau wendet sich an das Sozialamt — aber der Termin lässt Wochen auf sich warten. In der Zwischenzeit zieht sie mit Kind zur Schwester. Die Schwester wohnt selbst in einer Zweizimmerwohnung. Die Situation ist unhaltbar, aber sie ist noch nicht sichtbar obdachlos. Wenn der Platz bei der Schwester wegfällt, fängt das wirkliche Problem erst an.
Diese Spirale ist kein Einzelfall. Sie ist der Normalfall. Und sie erklärt, warum die Gruppe der verdeckt Wohnungslosen größer ist als die der offen Obdachlosen: Menschen kämpfen zuerst mit allen verfügbaren sozialen Mitteln gegen die sichtbare Obdachlosigkeit — und geraten dabei trotzdem in eine Situation, die kein stabiles Leben zulässt.
Strukturelle Ursachen: Der Wohnungsmarkt
Im Jahr 2023 wurden in Deutschland 294.399 neue Wohnungen fertiggestellt — deutlich weniger als die politisch angestrebten 400.000 pro Jahr. Gleichzeitig existierte ein Bauüberhang von mehr als 826.800 genehmigten, aber noch nicht fertiggestellten Wohnungen. Trotz dieser Bautätigkeit stiegen die Mieten, besonders bei Neuvermietungen, weiter an. Der Markt produziert Wohnungen — aber nicht die, die Menschen mit geringem Einkommen brauchen. Günstige Sozialwohnungen verschwinden schneller aus dem Bestand, als neue entstehen.
Wer kein regelmäßiges Einkommen nachweisen kann, hat auf dem privaten Markt keine reale Chance auf eine Wohnung — unabhängig davon, wie viele Wohnungen es theoretisch gibt. Das ist keine Frage mangelnden Willens, sondern strukturell verdrängter Nachfrage. Bezahlbarer Wohnraum ist im europäischen Vergleich der entscheidende Faktor zur Überwindung von Wohnungslosigkeit — und sein Fehlen der wichtigste strukturelle Treiber dafür, dass Menschen wohnungslos bleiben oder werden.
Diskriminierung als Alltag: 71 Prozent der auf der Straße lebenden Menschen haben Diskriminierung erlebt — Beschimpfungen, Benachteiligungen, Ausgrenzung — weil sie wohnungslos sind. Bei verdeckt Wohnungslosen sind es immer noch 51 Prozent. Wohnungslosigkeit ist nicht nur eine materielle Not. Sie geht mit sozialer Ausgrenzung einher, die den Weg zurück in ein stabiles Leben erschwert.
Was gegen Wohnungslosigkeit hilft — und was noch fehlt
Prävention: Den Wohnungsverlust verhindern
Der wirkungsvollste Punkt im System ist derjenige, an dem Wohnungslosigkeit noch nicht eingetreten ist. Mietschuldenprävention, schnelle Interventionen durch Sozialämter bei Räumungsklagen und der direkte Kontakt zwischen Jobcentern und betroffenen Mietern können verhindern, dass aus einer Schuldenspirale ein Wohnungsverlust wird. Eine Facharbeitsgruppe im Rahmen des Nationalen Forums gegen Wohnungslosigkeit erarbeitet derzeit Maßnahmen zum Wohnungserhalt auch für Menschen in Haft — weil der Verlust einer Wohnung während einer Inhaftierung einer der häufigsten Einstiegspunkte in Langzeitwohnungslosigkeit ist.
Das Nationale Forum gegen Wohnungslosigkeit
Seit April 2022 existiert das Bündnis bezahlbarer Wohnraum, und das Nationale Forum gegen Wohnungslosigkeit ist seither aktiv. Die politische Agenda enthält Maßnahmen zur Prävention, zur Krisenintervention und zur Reintegration. Dass Wohnungslosigkeit als eigenständiges politisches Handlungsfeld anerkannt ist, ist ein Fortschritt. Die Lücke zwischen politischer Agenda und Umsetzung ist aber noch groß — insbesondere was die tatsächliche Schaffung von bezahlbarem Wohnraum betrifft.
Housing First: Wohnung zuerst, dann alles andere
Der europäische Vergleich zeigt: In Ländern, die konsequent auf das Modell "Housing First" setzen — also auf die sofortige Bereitstellung einer stabilen Wohnung ohne Vorbedingungen —, sinkt Langzeitwohnungslosigkeit deutlich. Das Modell kehrt die traditionelle Logik der Wohnungslosenhilfe um: Nicht erst Stabilisierung, dann Wohnung, sondern zuerst Wohnung, dann Stabilisierung. Wie dieser Ansatz mit chronischer Wohnungslosigkeit zusammenhängt, beschreibt der Artikel zur Langzeitwohnungslosigkeit in Deutschland.
Was Betroffene jetzt tun können
Für Menschen, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind oder bereits wohnungslos sind, gibt es konkrete Anlaufstellen:
- Sozialamt oder kommunale Wohnhilfe — erste Anlaufstelle bei drohendem Wohnungsverlust und für Notunterbringung
- Schuldnerberatung — wenn Mietschulden den Ausgangspunkt bilden; viele Wohlfahrtsverbände bieten kostenlose Beratung
- Jobcenter — für Bürgergeld-Leistungen und Übernahme von Mietkosten
- Beratungsstellen der Wohnungslosenhilfe — Caritas, Diakonie, AWO und Paritätischer betreiben solche Stellen in vielen Städten
- Straßensozialarbeit — aufsuchende Hilfe für Menschen, die bereits auf der Straße leben
- Notunterkünfte — kommunal oder bei Wohlfahrtsverbänden, meist ohne Voranmeldung zugänglich
Wer sich über die Situation in einzelnen Bundesländern informieren möchte, findet einen detaillierten Vergleich im Artikel zum Bundesländervergleich Wohnungslosigkeit. Dass Wohnungslosigkeit auch mit Gewalt gegen Wohnungslose zusammenhängt und diese sich gegenseitig verstärken, beschreibt ein gesonderter Artikel.
Welche Hauptursachen der Obdachlosigkeit gibt es in Deutschland?
Kurzantwort: Die Hauptursachen der Obdachlosigkeit in Deutschland liegen in drei Ebenen: strukturell im Mangel an bezahlbarem Wohnraum und in der ungleichen Vermögensverteilung, migrationsbedingt im starken Anstieg wohnungslos untergebrachter Geflüchteter in den Jahren 2022 und 2023, und individuell in persönlichen Krisen wie Mietschulden, Trennung, Suchterkrankung oder psychischer Erkrankung. Belastbar quantifizierbar sind vor allem die strukturellen und migrationsbedingten Ursachen.
Wer nach den Ursachen von Wohnungslosigkeit fragt, sucht meist nach einem Grund. Die Datenlage zeigt: Es gibt keinen. Wohnungslosigkeit ist das Ergebnis mehrerer Entwicklungen, die gleichzeitig wirken. Auf der einen Seite steht ein Wohnungsmarkt, auf dem günstige Wohnungen fehlen. Auf der anderen Seite stehen Menschen, deren Einkommen oder Lebenssituation nicht ausreicht, um auf diesem Markt zu bestehen. Wo beides zusammenkommt, entsteht Wohnungslosigkeit.
Es hilft, drei Ursachenebenen zu unterscheiden:
- Strukturelle Ursachen: Sie betreffen alle Menschen mit niedrigem Einkommen gleichzeitig — fehlende bezahlbare Wohnungen, steigende Mieten bei Neuvermietung, eine sehr ungleiche Verteilung von Vermögen und damit fehlende finanzielle Puffer.
- Migrationsbedingte Ursachen: Wer nach Deutschland flieht und keine eigene Wohnung findet, wird in der amtlichen Statistik als wohnungslos untergebracht erfasst. Zwischen 2022 und 2023 ist diese Gruppe stark gewachsen.
- Individuelle Ursachen: Mietschulden, Trennung oder Scheidung, Verlust der Arbeit, Suchterkrankung, psychische Erkrankung, Haftentlassung. Sie entscheiden häufig darüber, wen es trifft — nicht darüber, wie viele es trifft.
Diese Unterscheidung ist keine akademische Übung. Sie bestimmt, was wirkt: Individuelle Ursachen lassen sich mit Beratung, Schuldenregulierung und Betreuung bearbeiten. Strukturelle Ursachen lassen sich nur wohnungspolitisch bearbeiten. Wer nur das eine tut, verschiebt das Problem.
Wie wirken Wohnungsmarkt und Vermögensverteilung als Ursache?
Kurzantwort: Fehlender bezahlbarer Wohnraum und hohe Wohnkosten sind der wichtigste strukturelle Treiber von Wohnungslosigkeit. Verstärkt wird er durch eine stark ungleiche Vermögensverteilung: Die reichsten zehn Prozent der Haushalte verfügen über rund 56 Prozent des gesamten Nettovermögens in Deutschland. Wer kein Vermögen hat, kann eine Mietschuld, eine Kaution oder einen Einkommensausfall nicht abfedern.
Der Zusammenhang ist einfacher, als er klingt. Eine Wohnung zu verlieren ist selten eine Frage des Willens, sondern eine Frage von Reserven. Wer drei Monatsmieten auf dem Konto hat, übersteht eine Krankheit, eine Kündigung oder eine Trennung ohne Mietschulden. Wer nichts hat, gerät nach wenigen Wochen in Rückstand — und Mietschulden sind der häufigste Weg in eine Kündigung.
Genau hier ist die Vermögensverteilung in Deutschland relevant. Nettovermögen ist ungleich verteilt: Der obere Zehntel der Haushalte hält rund 56 Prozent des gesamten Nettovermögens. Im unteren Bereich der Verteilung existieren praktisch keine Reserven, teils sogar negative Vermögen durch Schulden. Für diese Haushalte gibt es keinen Puffer zwischen einem Einkommensausfall und dem Wohnungsverlust.
Dazu kommt der Wohnungsmarkt selbst. Günstige Wohnungen fehlen, besonders in Ballungsräumen. Bei Neuvermietung liegen die Mieten deutlich über den Bestandsmieten. Das hat zwei Folgen: Erstens steigt das Risiko, die Wohnung zu verlieren, wenn das Einkommen sinkt. Zweitens — und das ist entscheidend — sinkt die Chance, nach einem Wohnungsverlust wieder eine Wohnung zu finden. Wohnungslosigkeit dauert dadurch länger. Aus einer kurzen Notlage wird ein Dauerzustand.
Wie stark die Vermögensverteilung in Deutschland auseinandergeht und welche Rolle die Mietbelastung armer Haushalte dabei spielt, zeigen die Zahlen der amtlichen Sozialberichterstattung.
Faktenbox: Strukturelle Treiber
- Vermögenskonzentration
- Die reichsten 10 Prozent der Haushalte halten rund 56 Prozent des gesamten Nettovermögens.
- Wirkung
- Ohne Vermögensreserve führt schon ein kurzer Einkommensausfall zu Mietschulden.
- Wohnungsmarkt
- Fehlender günstiger Wohnraum verlängert bestehende Wohnungslosigkeit, weil der Wiedereinzug scheitert.
- Betroffene Gruppen
- Haushalte mit niedrigem Einkommen, Alleinerziehende, Menschen im Bürgergeldbezug.
Welche Rolle spielt Fluchtmigration beim Anstieg der Zahlen?
Kurzantwort: Der starke Anstieg der wohnungslos untergebrachten Personen zwischen 2022 und 2023 geht überwiegend auf Fluchtmigration zurück. Die Zahl der untergebrachten wohnungslosen Personen mit Fluchthintergrund stieg von 178.145 im Jahr 2022 auf 372.060 zum Stichtag 31. Januar 2023. Davon waren rund 130.000 Menschen aus der Ukraine geflüchtet.
Diese Zahlen erklären einen großen Teil der Debatte über „steigende Obdachlosigkeit“ — und sie werden häufig missverstanden. Wichtig ist, was sie messen und was nicht.
Erfasst werden hier untergebrachte wohnungslose Personen. Also Menschen, die in einer kommunalen Unterkunft, einer Gemeinschaftsunterkunft oder einer vergleichbaren Einrichtung leben, weil sie keine eigene Wohnung haben. Das ist etwas anderes als Obdachlosigkeit im engeren Sinn, also das Leben auf der Straße. Wer aus der Ukraine flieht und in einer Sammelunterkunft untergebracht wird, ist statistisch wohnungslos untergebracht — aber nicht obdachlos.
Der Sprung von 178.145 auf 372.060 Personen zwischen 2022 und dem Stichtag 31. Januar 2023 bedeutet also: Sehr viele Menschen kamen in kurzer Zeit an und hatten keinen Zugang zu eigenem Wohnraum. Rund 130.000 dieser Personen waren ukrainische Geflüchtete. Der Anstieg beschreibt in erster Linie eine Unterbringungslage, nicht eine Zunahme von Menschen, die im Freien schlafen.
Trotzdem ist der Zusammenhang zur Obdachlosigkeit real. Denn Fluchtmigration und Wohnungsnot konkurrieren um denselben knappen Bestand an günstigen Wohnungen. Wenn viele Menschen gleichzeitig eine bezahlbare Wohnung suchen, verlängert sich die Wartezeit für alle Gruppen. Das trifft geflüchtete Familien ebenso wie langjährig wohnungslose Menschen aus Deutschland.
Für die Einordnung ist deshalb wichtig: Die Erhebung zu den nicht institutionell untergebrachten Wohnungslosen im Februar 2024 mit rund 107.700 Personen und die Statistik der untergebrachten Wohnungslosen zum Stichtag 31. Januar 2023 zählen unterschiedliche Gruppen. Sie dürfen nicht addiert und nicht gegeneinander gerechnet werden.
Faktenbox: Untergebrachte Wohnungslose mit Fluchthintergrund
- 2022
- 178.145 untergebrachte wohnungslose Personen mit Fluchthintergrund
- Stichtag 31. Januar 2023
- 372.060 untergebrachte wohnungslose Personen mit Fluchthintergrund
- davon aus der Ukraine
- rund 130.000 Personen
- Abgrenzung
- „Untergebracht“ heißt: in einer Einrichtung, nicht auf der Straße. Diese Gruppe ist nicht Teil der 107.700 nicht institutionell untergebrachten Wohnungslosen vom Februar 2024.
Warum sind Männer und Frauen unterschiedlich betroffen?
Kurzantwort: Rund zwei Drittel der wohnungslosen Menschen in Deutschland sind männlich. Bei Frauen verläuft Wohnungslosigkeit häufiger verdeckt: Sie kommen bei Bekannten, Verwandten oder in wechselnden Partnerschaften unter, statt öffentliche Angebote zu nutzen. Dadurch erscheinen Frauen in Statistiken seltener, als sie tatsächlich betroffen sind.
Die Geschlechterverteilung ist eines der stabilsten Muster in der Wohnungslosenberichterstattung: Etwa zwei von drei erfassten wohnungslosen Personen sind Männer. Das Bild des obdachlosen Mannes im öffentlichen Raum ist deshalb nicht falsch — aber es ist unvollständig.
Denn die Statistik erfasst gut, was sichtbar ist. Frauen in Wohnungsnot vermeiden Sichtbarkeit. Sie bleiben eher in einer Wohnung, in der sie nicht bleiben wollen, sie ziehen zu Bekannten, sie wechseln zwischen Unterkünften im privaten Umfeld. Diese verdeckte Wohnungslosigkeit ist keine mildere Form: Sie bedeutet Abhängigkeit von Menschen, bei denen man untergekommen ist, keine eigene Adresse, kein eigenes abschließbares Zimmer.
Die Erhebung 2024 stützt das indirekt: Mit rund 60.435 Personen ist die Gruppe der verdeckt Wohnungslosen größer als die Gruppe der Menschen ganz ohne Unterkunft mit 47.270 Personen. Verdeckte Wohnungslosigkeit ist also der Normalfall, nicht der Ausnahmefall.
In der Praxis der Wohnungslosenhilfe wird berichtet, dass Frauen gemischte Unterkünfte häufig meiden und dass geschlechtsspezifische Schutzangebote nachgefragt werden. Für die Häufigkeit von Gewalterfahrungen in Unterkünften liegen uns keine belastbaren Zahlen vor; wir verzichten daher auf eine Quantifizierung. Frauen in akuter Not finden Hilfe über Beratungs- und Schutzangebote für wohnungslose Frauen.
Welche individuellen Risikofaktoren führen in die Wohnungslosigkeit?
Kurzantwort: Als individuelle Risikofaktoren gelten Mietschulden, Trennung oder Scheidung, Verlust der Arbeit, Suchterkrankungen, psychische Erkrankungen und der Übergang aus Haft oder Klinik. Wie stark jeder einzelne Faktor zur Wohnungslosigkeit in Deutschland beiträgt, ist für diesen Beitrag nicht belegt — belastbare Anteilszahlen liegen uns nicht vor. Wir nennen die Faktoren daher nur qualitativ.
In der Beratungspraxis tauchen bestimmte Lebenslagen immer wieder auf, wenn Menschen ihre Wohnung verlieren:
- Mietschulden: Sie stehen am Anfang der meisten Kündigungen. Zwei Monatsmieten Rückstand genügen für eine fristlose Kündigung.
- Trennung und Scheidung: Ein gemeinsamer Haushalt wird zu zwei Haushalten. Wer auszieht, braucht Kaution, Umzug und eine neue Wohnung gleichzeitig.
- Verlust der Arbeit: Das Einkommen sinkt schneller als die Wohnkosten.
- Suchterkrankung: Sie erschwert es, Fristen, Post und Termine einzuhalten — genau das, was zur Abwendung einer Kündigung nötig ist.
- Psychische Erkrankung: Behördenkontakte, Widersprüche und Gerichtstermine werden zur unüberwindbaren Hürde.
- Übergänge aus Institutionen: Nach Haft, Klinik oder Jugendhilfe fehlt oft eine Anschlusswohnung.
Wichtig für die Einordnung: Diese Faktoren erklären, warum es bestimmte Menschen trifft. Sie erklären nicht, warum die Gesamtzahl steigt. Wenn Wohnungen fehlen, führt derselbe individuelle Rückschlag zu Wohnungslosigkeit, der bei einem entspannten Wohnungsmarkt nur einen Umzug bedeutet hätte.
Bei drohendem Wohnungsverlust sind schnelle Schritte entscheidend. Was bei Rückstand und Räumungsandrohung möglich ist, steht unter Mietschulden und Zwangsräumung: Hilfe und Fristen. Zur Übernahme von Mietschulden durch das Jobcenter gibt es eigene Regeln, siehe Bürgergeld: Wohnkosten und Mietschulden.
Wissenslücke: Uns liegen keine belastbaren bundesweiten Anteilszahlen zu den einzelnen individuellen Auslösern vor. Sobald geprüfte Daten verfügbar sind, ergänzen wir sie hier.
Was tut die Politik gegen Wohnungslosigkeit?
Kurzantwort: Die Bundesregierung hat am 24. April 2024 den Nationalen Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit beschlossen. Sein erklärtes Ziel ist, Wohnungslosigkeit in Deutschland bis 2030 zu überwinden. Der Plan bündelt Maßnahmen zur Prävention von Wohnungsverlust, zum Zugang zu Wohnraum und zur Verbesserung der Datengrundlage.
Der Nationale Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit — kurz NAP W — ist der erste bundesweite Rahmen dieser Art. Beschlossen wurde er am 24. April 2024. Die Zielmarke lautet: Wohnungslosigkeit soll bis zum Jahr 2030 überwunden werden.
Für Betroffene ist zunächst wichtig zu wissen, was ein solcher Plan ist und was nicht. Der NAP W schafft keinen einklagbaren Anspruch auf eine Wohnung. Er ist ein politisches Programm, das Ziele und Handlungsfelder festlegt. Zuständig für die konkrete Unterbringung bleiben die Länder und Kommunen.
Inhaltlich setzt der Plan an drei Punkten an, die zu den beschriebenen Ursachen passen: Erstens Prävention — Wohnungsverluste sollen verhindert werden, bevor sie eintreten. Zweitens Zugang zu Wohnraum — Wohnungslosigkeit endet erst mit einer Wohnung, nicht mit einer Unterkunft. Drittens bessere Daten — ohne verlässliche Zahlen lässt sich nicht steuern, wo Hilfe gebraucht wird.
Wie das Zusammenspiel von Kommune, Jobcenter und Sozialamt im Einzelfall funktioniert, beschreibt die Übersicht Wohnungslosenhilfe: Anlaufstellen und Ansprüche.
Faktenbox: Nationaler Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit
- Beschluss
- 24. April 2024
- Ziel
- Überwindung von Wohnungslosigkeit in Deutschland bis 2030
- Schwerpunkte
- Prävention von Wohnungsverlust, Zugang zu Wohnraum, bessere Datengrundlage
- Rechtscharakter
- Politisches Programm — kein individueller Rechtsanspruch auf eine Wohnung
Wo ist die Datenlage zu den Ursachen unvollständig?
Kurzantwort: Drei Bereiche sind derzeit nicht belastbar darstellbar: die Anteile einzelner individueller Auslöser wie Sucht oder Trennung, die Unterschiede zwischen Stadt und Land jenseits der Großstadtquote, und Zahlen für 2024 und 2025 bei den untergebrachten Wohnungslosen. Wir kennzeichnen diese Punkte als Lücke, statt Schätzungen als Fakten darzustellen.
- Individuelle Auslöser: Keine belastbaren bundesweiten Anteilszahlen verfügbar.
- Stadt und Land: Bekannt ist, dass 59 Prozent der nicht institutionell untergebrachten Wohnungslosen in Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern leben. Eine differenzierte Ursachenanalyse für ländliche Räume liegt uns nicht vor.
- Aktuellere Jahre: Für 2024 und 2025 liegen uns keine geprüften Zahlen zu untergebrachten Wohnungslosen mit Fluchthintergrund vor.
Sobald geprüfte Daten vorliegen, wird dieser Abschnitt aktualisiert.
Wie viele Menschen sind in Deutschland wohnungslos?
Kurzantwort: Anfang 2024 waren rund 531.600 Menschen in Deutschland wohnungslos — davon 439.500 institutionell untergebracht, 60.400 verdeckt wohnungslos und 47.300 ganz ohne Unterkunft.
Der Wohnungslosenbericht 2024 der Bundesregierung liefert die bislang umfassendste Zählung: Rund 531.600 Menschen waren zum Stichtag wohnungslos. Diese Gesamtzahl setzt sich aus drei unterschiedlichen Gruppen zusammen. Die größte Gruppe, 439.500 Personen, war institutionell untergebracht — etwa in Notunterkünften, Übergangswohnheimen oder Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe. Rund 60.400 Menschen lebten verdeckt wohnungslos, also ohne eigene Wohnung, aber vorübergehend bei Bekannten oder Verwandten. Die dritte Gruppe, 47.300 Personen, hatte keinerlei Unterkunft und lebte im öffentlichen Raum.
Wichtig ist die Unterscheidung der Begriffe: Wohnungslos ist der Oberbegriff für alle Menschen ohne eigene, mietrechtlich abgesicherte Wohnung — unabhängig davon, ob sie untergebracht sind oder nicht. Obdachlos im engeren Sinn sind nur jene, die zusätzlich auch keine andere Unterkunft haben und im Freien oder in provisorischen Verhältnissen leben. Für eine detaillierte Wohnungslosenstatistik mit weiterer Aufschlüsselung lohnt sich ein vertiefender Blick.
Warum ist die erfasste Zahl von 2022 auf 2023 so stark gestiegen?
Kurzantwort: Der Sprung von 178.000 auf knapp 372.000 institutionell untergebrachte Personen beruht überwiegend auf einer verbesserten Datenmeldung, nicht auf einer realen Verdopplung der Wohnungslosigkeit.
Die Wohnungsnotfallstatistik zeigt zwischen den ersten beiden Erhebungsjahren einen auffälligen Anstieg: Am 31. Januar 2022 waren 178.000 Personen institutionell untergebracht gemeldet, ein Jahr später bereits knapp 372.000. Dieser Sprung lässt sich nicht als reale Verdopplung der Wohnungslosigkeit innerhalb eines Jahres lesen. Er ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die Gemeinden im zweiten Erhebungsjahr deutlich vollständiger und zuverlässiger an das Statistische Bundesamt gemeldet haben als im ersten Jahr der neuen bundesweiten Statistik. Eine neue Statistik braucht Zeit, bis alle meldepflichtigen Stellen sie routiniert umsetzen — die Zahl von 2022 dürfte die tatsächliche Situation daher deutlich unterschätzt haben.
Für die Einordnung der Zahlen bedeutet das: Wer 2022 und 2023 direkt vergleicht, überschätzt den realen Anstieg der Wohnungslosigkeit erheblich. Verlässlicher sind die differenzierten Zahlen des Wohnungslosenberichts 2024, die auf einer ausgereifteren Datengrundlage beruhen.
Wer ist von Wohnungslosigkeit betroffen? Geschlecht, Alter und Herkunft
Kurzantwort: Rund zwei Drittel der Wohnungslosen sind männlich, das Durchschnittsalter lag 2023 bei 31 Jahren, und der Frauenanteil unterscheidet sich deutlich nach Staatsangehörigkeit.
Knapp zwei Drittel aller wohnungslosen Personen in Deutschland sind männlich. Frauen sind zwar in der Minderheit, aber überproportional häufig in der verdeckten Wohnungslosigkeit anzutreffen — sie kommen also eher bei Bekannten oder Angehörigen unter, statt sichtbar auf der Straße zu leben. Ein auffälliger Unterschied zeigt sich bei der Staatsangehörigkeit: Unter den Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit liegt der Frauenanteil bei 39 Prozent, unter deutschen Staatsangehörigen dagegen nur bei 4 Prozent. Mehr zur genauen Verteilung nach Geschlecht und Staatsangehörigkeit liefert eine eigene Auswertung.
Auch die Altersstruktur ist auffällig jung: Zum Stichtag 31. Januar 2024 waren 40 Prozent der untergebrachten wohnungslosen Personen unter 25 Jahre alt. Das Durchschnittsalter der Untergebrachten lag 2023 bei 31 Jahren, ein Jahr zuvor noch bei 32 Jahren.
Zu den Ursachen des Wohnungsverlusts liefert der Bericht ebenfalls Zahlen: 59 Prozent der Menschen ohne Unterkunft und 60 Prozent der verdeckt Wohnungslosen wurden nach einem Wohnungsverlust wohnungslos. Ein Fluchthintergrund betrifft 7 Prozent der Menschen ohne Unterkunft.
Regionale Unterschiede: Berlin und die Bundesländer
Kurzantwort: In Berlin waren 2024 rund 8.396 Menschen obdachlos oder verdeckt wohnungslos — das entspricht 0,2 Prozent der Bevölkerung und ist doppelt so hoch wie der Bundesdurchschnitt von 0,1 Prozent.
Wohnungslosigkeit verteilt sich nicht gleichmäßig über Deutschland. Der Berliner Sozialbericht 2025 weist für 2024 insgesamt 8.396 obdachlose oder verdeckt wohnungslose Menschen in der Hauptstadt aus. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung liegt der Anteil in Berlin bei 0,2 Prozent — doppelt so hoch wie der bundesweite Vergleichswert von 0,1 Prozent. Auch in Berlin betrifft verdeckte Wohnungslosigkeit und Obdachlosigkeit Männer deutlich häufiger als Frauen, ebenso Personen ab 30 Jahren häufiger als jüngere Menschen. Besonders markant sind die Unterschiede nach Staatsangehörigkeit: Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit sind in Berlin in weit größerem Umfang betroffen als Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit. Weitere Hintergründe bietet der Beitrag Obdachlosigkeit in Berlin — Hilfe und Zahlen.
Auch zwischen den Bundesländern gibt es deutliche Unterschiede bei der Zusammensetzung der Betroffenen: Bremen verzeichnet mit 48 Prozent den bundesweit höchsten Frauenanteil unter den Wohnungslosen. Einen umfassenden Bundesländer-Vergleich zur Wohnungslosigkeit zeigt, wie sich die Zahlen regional unterscheiden.
Wie entsteht Wohnungslosigkeit — die Ursachen
Kurzantwort: Wohnungslosigkeit entsteht meist aus dem Zusammenspiel persönlicher Krisen wie Mietschulden oder Jobverlust mit strukturellen Faktoren wie fehlendem bezahlbarem Wohnraum.
Die Geschichte, die hinter einer Wohnungslosigkeit steckt, folgt selten einem einzelnen dramatischen Ereignis. Häufiger ist es eine Abfolge von Schwierigkeiten, die sich aufschichten: Ein Jobverlust, eine Erkrankung, eine Trennung — während die Miete weiterläuft. Wenn Schulden entstehen und eine Kündigung folgt, wird die Suche nach einer neuen Wohnung ohne stabiles Einkommen und mit angespannter Kassenlage auf dem privaten Wohnungsmarkt oft aussichtslos.
Diese individuellen Krisen treffen auf strukturelle Rahmenbedingungen: einen Mangel an bezahlbarem Wohnraum, steigende Mieten bei Neuvermietungen und zu wenige Sozialwohnungen. Keine dieser Ursachen wirkt für sich allein — sie verstärken sich gegenseitig und erklären, warum ein Wohnungsverlust so häufig am Anfang einer Wohnungslosigkeit steht. Mehr zu Dauer und sozialen Faktoren liefert der Beitrag Ursachen von Wohnungslosigkeit in Deutschland: Dauer, Hergang und soziale Faktoren.
Wie viele Menschen sind in Deutschland aktuell wohnungslos?
Kurzantwort: Anfang 2024 waren rund 531.600 Menschen in Deutschland wohnungslos.
Anfang 2024 waren rund 531.600 Menschen in Deutschland wohnungslos. Die Zahl setzt sich aus drei Gruppen zusammen, die unterschiedlich erfasst wurden.
Zum Stichtag 31. Januar 2024 waren rund 439.500 Personen institutionell untergebracht — etwa in kommunalen Notunterkünften oder Einrichtungen der Sozialhilfe. Hinzu kommen 60.400 Menschen, die als verdeckt wohnungslos gelten: Sie haben keine eigene Wohnung, leben aber vorübergehend bei Bekannten oder Angehörigen. Weitere 47.300 Menschen lebten ohne jede Unterkunft, also auf der Straße, in Notschlafstellen oder anderen provisorischen Unterkünften.
Diese drei Gruppen zusammen ergeben das Gesamtbild von 531.600 wohnungslosen Menschen. Wichtig für das Verständnis: Die größte Gruppe ist institutionell untergebracht und damit für die Öffentlichkeit oft unsichtbar. Das verbreitete Bild vom Menschen auf der Straße erfasst nur einen kleinen Teil der tatsächlichen Wohnungslosigkeit.
Manche Erhebungen — etwa frühere Stichtagserhebungen zu einzelnen Zeitpunkten des Jahres 2024 — betrachten ausschließlich die nicht institutionell untergebrachten Wohnungslosen, also nur die verdeckt Wohnungslosen und die Menschen ohne jede Unterkunft, ohne die in Einrichtungen untergebrachten Personen. Solche Teilzahlen sind kleiner als die Gesamtzahl von 531.600 und schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern ergänzen sich: Sie beschreiben unterschiedliche Ausschnitte derselben Grundgesamtheit, je nachdem, ob institutionelle Unterbringung mitgezählt wird oder nicht. Wer Zahlen zur Wohnungslosigkeit vergleicht, sollte deshalb immer prüfen, welche Gruppen jeweils eingeschlossen sind. Weitere Einordnungen zur Anzahl der Obdachlosen in Deutschland und zu weiteren Wohnungslosenstatistiken vertiefen einzelne Teilaspekte dieser Zahlen.
Wie hat sich die Zahl der Wohnungslosen entwickelt?
Kurzantwort: Eine frühere Hochrechnung stieg von 268.000 Menschen Mitte 2021 auf 447.000 Mitte 2022 — ein Anstieg von 67 Prozent.
Vor der aktuellen amtlichen Erhebung stammten die Schätzungen zur Wohnungslosigkeit aus eigenen Hochrechnungen von Wohlfahrtsverbänden. Zum Stichtag 30. Juni 2021 wurden rund 268.000 wohnungslose Menschen ermittelt, zum 30. Juni 2022 waren es bereits 447.000 — ein Anstieg von 67 Prozent innerhalb eines Jahres.
Bis 2019 gab es in Deutschland keine offizielle bundesweite Erhebung zur Wohnungslosigkeit. Erst 2020 wurde eine gesetzliche Grundlage geschaffen, die die Bundesregierung verpflichtet, alle zwei Jahre einen Wohnungslosenbericht vorzulegen.
Diese frühere Hochrechnung und der aktuelle Bericht beruhen auf unterschiedlichen Erhebungsmethoden und sind deshalb nicht direkt miteinander vergleichbar. Die ältere Zeitreihe zeigt zwar einen Trend, lässt sich aber nicht einfach mit der aktuellen Zahl von 531.600 gleichsetzen oder fortschreiben. Mehr zu den Hintergründen und weiteren Ursachen von Wohnungslosigkeit findet sich im Beitrag Ursachen von Wohnungslosigkeit in Deutschland: Dauer, Hergang und soziale Faktoren.
Wer ist von Wohnungslosigkeit betroffen — nach Geschlecht und Herkunft?
Kurzantwort: Knapp zwei Drittel der wohnungslosen Menschen sind männlich, Frauen sind dagegen bei verdeckter Wohnungslosigkeit überproportional vertreten — besonders unter Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit.
Es zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Geschlechtern und Herkunftsgruppen. Knapp zwei Drittel aller wohnungslosen Personen sind männlich. Frauen sind dagegen überproportional häufig in verdeckter Wohnungslosigkeit anzutreffen — sie kommen also eher bei Bekannten oder Angehörigen unter, als offen auf der Straße zu leben.
Besonders deutlich zeigt sich das bei der Staatsangehörigkeit: Unter den untergebrachten Wohnungslosen mit ausländischer Nationalität liegt der Frauenanteil bei 39 Prozent, bei Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit dagegen nur bei 4 Prozent. Regional gibt es ebenfalls Unterschiede: Bundesweit verzeichnet Bremen mit 48 Prozent den höchsten Anteil wohnungsloser Frauen.
Zu den Ursachen: 59 Prozent der Wohnungslosen ohne Unterkunft und 60 Prozent der verdeckt Wohnungslosen wurden nach einem Wohnungsverlust in Deutschland wohnungslos. 7 Prozent der Wohnungslosen ohne Unterkunft haben einen Fluchthintergrund. Eine ausführliche Aufschlüsselung nach Geschlecht und Staatsangehörigkeit bietet der Beitrag Wohnungslosigkeit in Deutschland: Verteilung nach Geschlecht und Staatsangehörigkeit. Mehr zu den strukturellen und persönlichen Ursachen von Wohnungslosigkeit liefert der Beitrag Wohnungslosigkeit — Ursachen in Deutschland.
Wie sieht die Lage in Berlin im Vergleich zum Bundesdurchschnitt aus?
Kurzantwort: In Berlin waren 2024 rund 8.396 Menschen obdachlos oder verdeckt wohnungslos — ihr Anteil an der Bevölkerung ist mit 0,2 Prozent doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt.
Zum Erhebungszeitpunkt 2024 waren in Berlin insgesamt 8.396 Menschen obdachlos oder verdeckt wohnungslos. Gemessen an der Gesamtbevölkerung entspricht das einem Anteil von 0,2 Prozent — bundesweit liegt dieser Wert bei 0,1 Prozent.
Auch bei den Berliner Zahlen zeigt sich: Verdeckte Wohnungslosigkeit und Obdachlosigkeit betreffen Männer deutlich häufiger als Frauen. Zudem sind Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit in Berlin in weit größerem Umfang betroffen als Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit. Weitere regionale Unterschiede zeigt der Beitrag Wohnungslosigkeit im Bundesländervergleich, konkrete Hilfsangebote für Berlin listet Obdachlosigkeit in Berlin — Hilfe und Zahlen.
Was plant die Bundesregierung gegen Obdachlosigkeit?
Kurzantwort: Die Bundesregierung will Obdach- und Wohnungslosigkeit in Deutschland bis 2030 überwinden — Grundlage ist der Nationale Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit vom 24. April 2024.
Im Koalitionsvertrag hat sich die Bundesregierung das Ziel gesetzt, Wohnungs- und Obdachlosigkeit bis zum Jahr 2030 in Deutschland zu überwinden. Als ersten Schritt dazu verabschiedete das Bundeskabinett am 24. April 2024 den Nationalen Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit.
Der Aktionsplan ist als bundesweiter Handlungsleitfaden angelegt. Er bildet erstmals die gemeinsamen Anstrengungen von Bund, Ländern und Kommunen zur Überwindung von Wohnungs- und Obdachlosigkeit ab und benennt Rahmenbedingungen sowie Herausforderungen für alle beteiligten Akteure. Dem Plan ging ein Beteiligungsprozess voraus, in den auch Menschen mit eigener Erfahrung von Wohnungslosigkeit eingebunden wurden. Kritik gab es unter anderem vom Deutschen Mieterbund, der die enthaltenen Maßnahmen — etwa im Bereich Mietrecht und Kündigungsschutz — als nicht ausreichend bewertet, um das Ziel zu erreichen. Welche gesetzlichen Rechte und Ansprüche obdachlose Menschen in Deutschland konkret haben, beschreibt der Beitrag Rechte und Ansprüche obdachloser Menschen in Deutschland.
Wie viele Menschen sind in Deutschland wohnungslos?
Kurzantwort: Zum Stichtag 31. Januar 2024 waren rund 531.600 Menschen in Deutschland wohnungslos — das ist die aktuelle amtliche Zahl für Deutschland.
Die aktuellste bundesweite Stichtagszahl liegt bei rund 531.600 wohnungslosen Menschen in Deutschland Anfang 2024. Diese Zahl setzt sich aus drei Gruppen zusammen: 439.500 Personen waren institutionell untergebracht, etwa in kommunalen Notunterkünften oder Einrichtungen. 60.400 Menschen waren verdeckt wohnungslos — sie hatten keine eigene Wohnung, kamen aber vorübergehend bei Bekannten oder Angehörigen unter. Und 47.300 Menschen lebten ganz ohne Unterkunft, etwa auf der Straße oder in öffentlichen Räumen.
Diese Erhebung erfolgt regelmäßig alle zwei Jahre und umfasst erstmals systematisch alle drei genannten Gruppen wohnungsloser Menschen. Frühere bundesweite Zahlen waren methodisch anders angelegt und daher nur eingeschränkt vergleichbar.
Frühere Schätzungen zur Wohnungslosigkeit
Vor dieser amtlichen Erhebung stützten sich Zahlen zur Wohnungslosigkeit in Deutschland auf Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe. Diese Schätzungen wiesen für Mitte 2021 rund 268.000 und für Mitte 2022 rund 447.000 wohnungslose Menschen aus — ein Anstieg von 67 Prozent innerhalb eines Jahres. Diese älteren Werte beruhen auf einer anderen Erhebungsmethodik als die heutige amtliche Zählung und sind mit den aktuellen Zahlen nur eingeschränkt vergleichbar. Sie zeigen aber, dass Wohnungslosigkeit bereits vor der heutigen amtlichen Erfassung als wachsendes Problem beschrieben wurde.
Wer ist von Wohnungslosigkeit betroffen?
Kurzantwort: Knapp zwei Drittel der wohnungslosen Menschen in Deutschland sind männlich; Frauen sind überproportional häufig verdeckt wohnungslos bei Angehörigen untergebracht.
Es zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Knapp zwei Drittel aller wohnungslosen Personen sind männlich. Frauen sind dagegen überproportional häufig verdeckt wohnungslos: Sie kommen häufiger bei Bekannten oder Angehörigen unter, statt in Notunterkünften oder ganz ohne Unterkunft zu leben.
Bei Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit liegt der Frauenanteil unter den untergebrachten Wohnungslosen bei 39 Prozent — bei Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit dagegen nur bei 4 Prozent. Zwischen den Bundesländern gibt es zudem deutliche Unterschiede: Bremen verzeichnet mit 48 Prozent den höchsten Anteil wohnungsloser Frauen unter den Bundesländern.
Das Durchschnittsalter der 2023 untergebrachten wohnungslosen Personen lag bei 31 Jahren, im Jahr davor bei 32 Jahren.
Wie Menschen wohnungslos werden
Der Wohnungsverlust ist die häufigste unmittelbare Ursache: 59 Prozent der Menschen ohne Unterkunft und 60 Prozent der verdeckt Wohnungslosen wurden nach dem Verlust ihrer Wohnung wohnungslos. Das deckt sich mit der Beobachtung, dass Wohnungslosigkeit selten aus einem einzigen Ereignis entsteht, sondern meist das Ergebnis mehrerer sich verstärkender Krisen ist — etwa Mietschulden, Jobverlust oder Trennung, verstärkt durch fehlenden bezahlbaren Wohnraum. Mehr zu diesen Zusammenhängen finden Sie im Abschnitt zu den Ursachen von Wohnungslosigkeit.
Wohnungslosigkeit in Berlin: Regionale Zahlen
Kurzantwort: In Berlin waren 2024 insgesamt 8.396 Menschen obdachlos oder verdeckt wohnungslos — ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung liegt mit 0,2 Prozent doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt.
Regionale Daten zeigen ein differenziertes Bild: Zum Erhebungszeitpunkt 2024 waren in Berlin insgesamt 8.396 Menschen obdachlos oder verdeckt wohnungslos. Das entspricht einem Anteil von 0,2 Prozent an der Berliner Gesamtbevölkerung — bundesweit liegt dieser Anteil bei 0,1 Prozent, also nur halb so hoch.
Auch bei der verdeckten Wohnungslosigkeit in Berlin zeigen sich klare Muster: Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen, und Menschen ab 30 Jahren häufiger als Menschen unter 30 Jahren. Besonders ausgeprägt sind die Unterschiede nach Staatsangehörigkeit: Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit sind in deutlich größerem Umfang von verdeckter Wohnungslosigkeit und Obdachlosigkeit betroffen als Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit. Detaillierte Zahlen zur Situation in der Hauptstadt bietet der Beitrag Obdachlosigkeit in Berlin — Hilfe und Zahlen.
Nationaler Aktionsplan: Ziel Ende der Obdachlosigkeit bis 2030
Kurzantwort: Die Bundesregierung will Wohnungs- und Obdachlosigkeit in Deutschland bis 2030 überwinden — Grundlage ist der am 24. April 2024 beschlossene Nationale Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit.
Am 24. April 2024 wurde der Nationale Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit im Bundeskabinett beschlossen. Er bildet als bundesweiter Handlungsleitfaden erstmals die gemeinschaftlichen Anstrengungen aller staatlichen Ebenen ab, um Wohnungs- und Obdachlosigkeit in Deutschland bis zum Jahr 2030 zu überwinden. Dem Beschluss ging ein Beteiligungsprozess voraus, in den auch Menschen mit eigener Erfahrung von Wohnungslosigkeit eingebunden waren.
Ein zentrales Element bei der Umsetzung ist die Schaffung von ausreichend bezahlbarem Wohnraum. Die regelmäßige, gesetzlich vorgeschriebene Berichterstattung zur Wohnungslosigkeit liefert dabei die Datengrundlage, an der sich der Erfolg des Aktionsplans künftig messen lässt. Wer sich über konkrete Rechte und Ansprüche informieren möchte, findet weiterführende Informationen unter Rechte und Ansprüche obdachloser Menschen.
Quellen
- Wohnungslosenbericht 2024 (Bundesregierung)
- Sozialbericht berlin 2025
- Von untergebrachten wohnungslosen Menschen und einem Nationalen Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit – Aktuelle Sozialpolitik
- BMWSB Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit
Häufige Fragen
Wie viele Menschen sind in Deutschland obdachlos?+
Im Februar 2024 lebten rund 107.700 Menschen in Deutschland ohne eigene Wohnung und ohne institutionelle Unterkunft. Davon schliefen 47.270 ohne jede Unterkunft im Freien oder in öffentlichen Räumen. Weitere 60.435 waren verdeckt wohnungslos — vorübergehend bei Bekannten oder Familie untergebracht, ohne eigene Wohnung. Die Zahl schließt keine Menschen in Notunterkünften oder anderen institutionellen Einrichtungen ein — das Gesamtausmaß der Wohnungslosigkeit ist also noch größer.
Was ist der Unterschied zwischen Obdachlosigkeit und Wohnungslosigkeit?+
Obdachlos ist, wer buchstäblich keine Unterkunft hat und im Freien, in Parks, Bahnhöfen oder anderen öffentlichen Räumen schläft. Wohnungslos ist ein weiterer Begriff: Er umfasst alle, die keine eigene Wohnung haben — also auch Menschen, die vorübergehend bei Bekannten schlafen (verdeckte Wohnungslosigkeit) oder in Notunterkünften untergebracht sind. Alle Obdachlosen sind wohnungslos, aber nicht alle Wohnungslosen sind obdachlos.
Warum gibt es mehr Wohnungslose als 2022?+
Der Anstieg von 14 Prozent gegenüber 2022 hat zwei Ursachen: Erstens war die Erhebung 2022 durch den Corona-Nachwirkeffekt verzerrt — viele Einrichtungen arbeiteten damals noch nicht im Regelbetrieb, sodass die Zahl 2022 die Realität wahrscheinlich unterschätzte. Zweitens hat die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt mit steigenden Mieten bei Neuvermietungen und fehlendem günstigem Wohnraum dazu geführt, dass mehr Menschen ihre Wohnungen verloren — und weniger schnell neue gefunden haben.
Wer ist besonders häufig von Wohnungslosigkeit betroffen?+
Menschen mit geringem oder fehlendem Einkommen, Menschen nach Trennungen oder Scheidungen, Menschen mit Schulden oder psychischen Erkrankungen sowie Menschen, die aus der Haft entlassen werden, sind besonders gefährdet. Auch Alleinerziehende geraten bei Einkommensverlusten schnell in Zahlungsschwierigkeiten. Knapp 8.700 der Betroffenen sind minderjährig — Kinder und Jugendliche sind also keine Ausnahme in der Statistik der Wohnungslosen.
Was kann ich tun, wenn ich von Wohnungslosigkeit bedroht bin?+
Erste Anlaufstelle ist das örtliche Sozialamt oder die kommunale Wohnhilfe — am besten sofort, nicht erst wenn die Kündigung bereits ausgesprochen ist. Wer Mietschulden hat, sollte schnell eine kostenlose Schuldnerberatung aufsuchen, die viele Wohlfahrtsverbände anbieten. Das Jobcenter kann in bestimmten Fällen Mietschulden übernehmen. Beratungsstellen der Wohnungslosenhilfe (Caritas, Diakonie, AWO) helfen auch bei der Wohnungssuche und weiteren Folgeproblemen.
Warum hilft mehr Wohnungsbau allein nicht?+
2023 wurden in Deutschland 294.399 neue Wohnungen fertiggestellt — und trotzdem stiegen die Mieten weiter, besonders bei Neuvermietungen. Das Problem ist nicht allein die Zahl der Wohnungen, sondern ihre Preisklasse. Der Markt produziert vor allem Wohnungen im mittleren und oberen Segment. Für Menschen ohne regelmäßiges Einkommen, ohne Schufa-Auskunft oder mit Mietschulden in der Geschichte gibt es auf dem privaten Wohnungsmarkt faktisch kein Angebot. Sozialwohnungen verschwinden schneller aus dem Bestand, als neue entstehen.
Was ist die häufigste Ursache für Obdachlosigkeit in Deutschland?+
Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum gilt als wichtigster struktureller Treiber. Er wirkt doppelt: Er erhöht das Risiko, die Wohnung zu verlieren, und er verlängert die Wohnungslosigkeit, weil ein Wiedereinzug scheitert. Individuelle Auslöser wie Mietschulden oder Trennung entscheiden vor allem darüber, wen es trifft — nicht, wie viele Menschen insgesamt betroffen sind.
Warum sind die Zahlen der Wohnungslosen zwischen 2022 und 2023 so stark gestiegen?+
Der Anstieg geht überwiegend auf Fluchtmigration zurück. Die Zahl der untergebrachten wohnungslosen Personen mit Fluchthintergrund stieg von 178.145 im Jahr 2022 auf 372.060 zum Stichtag 31. Januar 2023, davon rund 130.000 Geflüchtete aus der Ukraine. Erfasst sind hier Menschen in Unterkünften, nicht Menschen, die auf der Straße leben.
Welche Rolle spielt die Vermögensverteilung bei Wohnungslosigkeit?+
Vermögen ist ein Puffer gegen Wohnungsverlust. In Deutschland halten die reichsten zehn Prozent der Haushalte rund 56 Prozent des gesamten Nettovermögens. Haushalte ohne Reserven können einen Einkommensausfall, eine Kaution oder eine Mietschuld nicht abfedern. Schon zwei Monate Mietrückstand genügen für eine fristlose Kündigung.
Sind Frauen anders von Wohnungslosigkeit betroffen als Männer?+
Ja. Rund zwei Drittel der erfassten wohnungslosen Menschen sind männlich. Frauen erleben Wohnungslosigkeit häufiger verdeckt: Sie kommen bei Bekannten, Verwandten oder in wechselnden Partnerschaften unter und nutzen öffentliche Angebote seltener. Dadurch erscheinen sie in Statistiken seltener, als sie tatsächlich betroffen sind. Es gibt eigene Schutz- und Beratungsangebote für Frauen.
Was ist der Nationale Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit?+
Der Nationale Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit wurde am 24. April 2024 beschlossen. Sein Ziel ist, Wohnungslosigkeit in Deutschland bis 2030 zu überwinden. Schwerpunkte sind Prävention von Wohnungsverlust, Zugang zu Wohnraum und eine bessere Datengrundlage. Ein individueller Rechtsanspruch auf eine Wohnung entsteht daraus nicht; zuständig für Unterbringung bleiben Länder und Kommunen.
Unterscheiden sich die Ursachen von Wohnungslosigkeit in Stadt und Land?+
Dazu liegen uns keine belastbaren Daten vor. Bekannt ist, dass 59 Prozent der nicht institutionell untergebrachten Wohnungslosen in Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern leben. Eine differenzierte Ursachenanalyse für ländliche Räume ist nicht verfügbar. Wir kennzeichnen diesen Punkt als Datenlücke und ergänzen ihn, sobald geprüfte Zahlen vorliegen.
Wie viele Menschen sind aktuell in Deutschland wohnungslos?+
Anfang 2024 waren laut Wohnungslosenbericht der Bundesregierung rund 531.600 Menschen in Deutschland wohnungslos. Davon waren 439.500 institutionell untergebracht, 60.400 verdeckt wohnungslos bei Bekannten oder Verwandten und 47.300 ganz ohne Unterkunft.
Warum ist die Zahl der erfassten Wohnungslosen von 2022 auf 2023 so stark gestiegen?+
Die institutionell untergebrachten Personen stiegen von 178.000 im Jahr 2022 auf knapp 372.000 im Jahr 2023. Dieser Anstieg beruht überwiegend auf einer verbesserten Datenmeldung der Gemeinden im zweiten Jahr der Statistik, nicht auf einer tatsächlichen Verdopplung der Wohnungslosigkeit.
Wie unterscheidet sich Wohnungslosigkeit in Berlin vom Bundesdurchschnitt?+
In Berlin lag der Anteil obdachloser und verdeckt wohnungsloser Menschen an der Bevölkerung 2024 bei 0,2 Prozent, bundesweit bei 0,1 Prozent. Berlin liegt damit doppelt so hoch wie der Durchschnitt.
Was ist der Unterschied zwischen wohnungslos und obdachlos?+
Wohnungslos ist der Oberbegriff für alle Menschen ohne eigene, mietrechtlich abgesicherte Wohnung — dazu zählen auch institutionell untergebrachte Personen und verdeckt Wohnungslose bei Bekannten. Obdachlos im engeren Sinn sind nur jene, die zusätzlich keine andere Unterkunft haben und ohne jedes Dach über dem Kopf leben.
Welche Bundesländer haben besonders viele wohnungslose Frauen?+
Bremen verzeichnet mit 48 Prozent den bundesweit höchsten Frauenanteil unter den Wohnungslosen laut Wohnungslosenbericht 2024.
Wie viele Menschen sind in Deutschland aktuell wohnungslos?+
Anfang 2024 waren rund 531.600 Menschen in Deutschland wohnungslos. Davon waren 439.500 institutionell untergebracht, 60.400 verdeckt wohnungslos und 47.300 lebten ohne jede Unterkunft.
Seit wann gibt es offizielle Statistiken zur Wohnungslosigkeit in Deutschland?+
Bis 2019 gab es keine offizielle bundesweite Erhebung. Erst 2020 wurde die gesetzliche Grundlage geschaffen, die die Bundesregierung zu einem Bericht alle zwei Jahre verpflichtet. Der aktuelle Bericht mit Daten für 2024 wurde im Januar 2025 vorgelegt.
Wie hat sich die Zahl der Wohnungslosen zwischen 2021 und 2022 entwickelt?+
Nach einer früheren Hochrechnung stieg die Zahl von 268.000 Menschen am 30. Juni 2021 auf 447.000 am 30. Juni 2022 — ein Anstieg von 67 Prozent. Diese Hochrechnung ist methodisch nicht direkt mit der aktuellen Gesamtzahl vergleichbar.
Will die Bundesregierung Obdachlosigkeit abschaffen?+
Ja. Ziel der Bundesregierung ist die Überwindung von Obdach- und Wohnungslosigkeit in Deutschland bis 2030. Grundlage dafür ist der Nationale Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit, den das Bundeskabinett am 24. April 2024 verabschiedet hat.
Sind Männer oder Frauen häufiger von Wohnungslosigkeit betroffen?+
Knapp zwei Drittel der wohnungslosen Menschen sind männlich. Frauen sind aber überproportional häufig in verdeckter Wohnungslosigkeit anzutreffen, kommen also eher bei Bekannten oder Angehörigen unter statt offen auf der Straße zu leben.
Wie viele Menschen sind aktuell in Deutschland wohnungslos?+
Zum Stichtag 31. Januar 2024 waren rund 531.600 Menschen in Deutschland wohnungslos.
Was ist der Unterschied zwischen wohnungslos, obdachlos und verdeckt wohnungslos?+
Wohnungslos ist ein Oberbegriff für Menschen ohne eigene mietrechtlich gesicherte Wohnung. Obdachlos bedeutet, dass jemand zusätzlich keine andere Unterkunft hat, etwa auf der Straße lebt. Verdeckt wohnungslos sind Menschen, die keine eigene Wohnung haben, aber vorübergehend bei Bekannten oder Angehörigen unterkommen.
Wie viele wohnungslose Menschen leben ganz ohne Unterkunft?+
Rund 47.300 Menschen in Deutschland lebten Anfang 2024 ganz ohne Unterkunft, etwa auf der Straße oder im öffentlichen Raum.
Sind mehr Männer oder Frauen von Wohnungslosigkeit betroffen?+
Knapp zwei Drittel der wohnungslosen Personen in Deutschland sind männlich. Frauen sind dagegen überproportional häufig verdeckt wohnungslos bei Bekannten oder Angehörigen untergebracht.
Wie ist die Situation in Berlin im Vergleich zum Bundesdurchschnitt?+
In Berlin waren 2024 insgesamt 8.396 Menschen obdachlos oder verdeckt wohnungslos. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung liegt mit 0,2 Prozent doppelt so hoch wie der Bundesdurchschnitt von 0,1 Prozent.
Was plant die Bundesregierung gegen Obdachlosigkeit?+
Mit dem am 24. April 2024 beschlossenen Nationalen Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit verfolgt die Bundesregierung das Ziel, Wohnungs- und Obdachlosigkeit in Deutschland bis 2030 zu überwinden.
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