Wohnen & Obdachlosigkeit
Anzahl Obdachlose in Deutschland: Aktuelle Zahlen
Anfang 2024 waren in Deutschland rund 531.600 Menschen wohnungslos, davon 47.300 ohne jede Unterkunft. Die Seite erklärt, wie sich diese Zahlen zusammensetzen und wer betroffen ist.
531.600
So viele Menschen waren Anfang 2024 in Deutschland wohnungslos. Die Zahl umfasst untergebrachte, verdeckt wohnungslose und Menschen ohne jede Unterkunft.
47.300
Menschen lebten Anfang 2024 ganz ohne Unterkunft, also auf der Straße, in Parks oder Notschlafstellen im Freien. Sie gelten im engeren Sinn als obdachlos.
60.400
Menschen waren verdeckt wohnungslos. Sie kamen ohne eigenen Mietvertrag vorübergehend bei Bekannten, Freunden oder Angehörigen unter.
14 %
So gering ist der Anteil der untergebrachten wohnungslosen Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit. Darunter befinden sich 136.900 Ukrainerinnen und Ukrainer in Geflüchtetenunterkünften.
0,1 %
Anteil der obdachlosen und verdeckt wohnungslosen Menschen an der Gesamtbevölkerung auf Bundesebene. In Berlin liegt der Anteil mit 0,2 Prozent doppelt so hoch.
Wie viele Obdachlose gibt es aktuell in Deutschland?
Kurzantwort: Anfang 2024 waren rund 531.600 Menschen in Deutschland wohnungslos. 47.300 von ihnen lebten ohne jede Unterkunft und gelten damit als obdachlos im engeren Sinn.
Die aktuell belastbarste bundesweite Zahl stammt aus dem Wohnungslosenbericht 2024 der Bundesregierung. Er weist für Anfang 2024 rund 531.600 wohnungslose Menschen in Deutschland aus. Diese Gesamtzahl setzt sich aus drei Gruppen zusammen:
- 439.500 untergebrachte wohnungslose Personen — sie leben in Notunterkünften, Wohnheimen, Gemeinschaftsunterkünften oder Geflüchtetenunterkünften, ohne eigenen Mietvertrag.
- 60.400 verdeckt wohnungslose Personen — sie kommen vorübergehend bei Freunden, Bekannten oder Angehörigen unter, ohne Anspruch auf eine eigene Wohnung.
- 47.300 Personen ohne jede Unterkunft — sie schlafen auf der Straße, in Parks, Treppenhäusern, Autos oder Zelten. Diese Gruppe ist gemeint, wenn im Alltag von Obdachlosen gesprochen wird.
Woher kommen die Zahlen?
Grundlage ist das Wohnungslosenberichterstattungsgesetz. Es verpflichtet zu einer regelmäßigen bundesweiten Erhebung. Die Zahl der untergebrachten Personen wird über die Meldungen der Kommunen und Einrichtungen erfasst und vom Statistischen Bundesamt zusammengeführt.
Menschen ohne Unterkunft und verdeckt Wohnungslose erscheinen in keiner Meldestatistik. Für sie wird eine gesonderte Erhebung durchgeführt: Zwischen dem 1. und 7. Februar 2024 wurden 2.250 zufällig ausgewählte nicht institutionell untergebrachte wohnungslose Menschen in 200 deutschen Städten und Gemeinden befragt. Aus dieser Stichprobe wird das Dunkelfeld geschätzt.
Wie genau sind die Angaben?
Die Zahl der untergebrachten Personen ist gut dokumentiert, weil sie auf Verwaltungsdaten beruht. Die 47.300 Menschen ohne Unterkunft und die 60.400 verdeckt Wohnungslosen sind Schätzwerte aus einer Stichprobe und daher mit Unsicherheit verbunden. Aktuellere bundesweite Gesamtzahlen als der Stichtag Anfang 2024 liegen derzeit nicht vor. Wer mit diesen Zahlen arbeitet, sollte den Erhebungszeitpunkt immer mitnennen.
Wer ist betroffen: Geschlecht, Alter und Staatsangehörigkeit
Kurzantwort: Knapp zwei Drittel aller wohnungslosen Personen sind männlich. Nur 14 Prozent der untergebrachten Wohnungslosen haben die deutsche Staatsangehörigkeit.
Geschlecht
Knapp zwei Drittel aller wohnungslosen Personen sind männlich. Frauen sind in der Statistik seltener sichtbar, weil sie überproportional häufig verdeckt wohnungslos sind: Sie kommen bei Bekannten, Freunden oder Angehörigen unter, statt Notunterkünfte oder den öffentlichen Raum zu nutzen. Diese Form der Wohnungslosigkeit fällt in Meldestatistiken nicht auf.
Alter
Das Durchschnittsalter der 2023 untergebrachten wohnungslosen Personen lag bei 31 Jahren, ein Jahr niedriger als 2022 (32 Jahre). Der Wert ist niedriger, als viele erwarten. Ein Grund: In den untergebrachten Gruppen befinden sich auch Familien mit Kindern und junge Erwachsene.
Staatsangehörigkeit
Bei den untergebrachten wohnungslosen Personen besitzen lediglich 14 Prozent die deutsche Staatsangehörigkeit. Darunter sind 136.900 Ukrainerinnen und Ukrainer, die in Geflüchtetenunterkünften leben. Das erklärt einen erheblichen Teil der hohen Gesamtzahl bei den untergebrachten Personen: Wer in einer Geflüchtetenunterkunft lebt und keinen eigenen Mietvertrag hat, zählt nach der Definition als wohnungslos.
Für die Einordnung ist das wichtig: Die 531.600 beschreiben nicht 531.600 Menschen auf der Straße, sondern alle Menschen ohne eigene Wohnung — mit sehr unterschiedlichen Lebenslagen.
Regionale Unterschiede: Berlin, Bremen und der Bundesvergleich
Kurzantwort: Berlin liegt mit 0,2 Prozent obdachlosen und verdeckt wohnungslosen Menschen doppelt so hoch wie der Bundesdurchschnitt von 0,1 Prozent. Bremen verzeichnet mit 48 Prozent den höchsten Frauenanteil.
Wohnungslosigkeit verteilt sich nicht gleichmäßig über Deutschland. Sie konzentriert sich in großen Städten, weil dort Wohnraum knapper und teurer ist und weil Hilfsangebote, Notunterkünfte und Beratungsstellen dort vorhanden sind.
Bundesebene und Berlin im Vergleich
| Kennzahl | Bundesebene | Berlin |
|---|---|---|
| Anteil obdachloser und verdeckt wohnungsloser Personen an der Bevölkerung | 0,1 % | 0,2 % |
| Untergebrachte wohnungslose Menschen | 439.500 | 39.375 |
| Obdachlose oder verdeckt wohnungslose Menschen | 107.700 (47.300 + 60.400) | 8.396 (2024) |
In Berlin lebten 39.375 untergebrachte wohnungslose Menschen. Zusätzlich waren 2024 dort 8.396 Menschen obdachlos oder verdeckt wohnungslos. Der Bevölkerungsanteil ist damit doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt.
Bremen: höchster Frauenanteil
Bei der Zusammensetzung zeigen sich ebenfalls deutliche Unterschiede zwischen den Ländern. Den höchsten Anteil an wohnungslosen Frauen verzeichnet Bremen mit 48 Prozent — also nahezu die Hälfte. Bundesweit sind knapp zwei Drittel der Betroffenen männlich.
Eine vollständige Rangfolge aller sechzehn Bundesländer nach Zahl der Obdachlosen lässt sich aus den vorliegenden Auswertungen nicht ableiten. Absolute Zahlen und Bevölkerungsanteile führen außerdem zu unterschiedlichen Ergebnissen: Ein bevölkerungsreiches Land hat mehr Betroffene in absoluten Zahlen, ohne dass der Anteil höher sein muss.
Warum steigt die Zahl der Obdachlosen?
Kurzantwort: Die Zahl wohnungsloser Menschen in Deutschland steigt stetig an. Bei rund 60 Prozent der Betroffenen steht am Anfang der Wohnungslosigkeit ein Wohnungsverlust in Deutschland.
Die Zahl wohnungsloser Menschen in Deutschland nimmt stetig zu. Über die Ursachen gibt der Wohnungslosenbericht 2024 einen wichtigen Hinweis: Bei der Mehrheit der Betroffenen war nicht die Zuwanderung, sondern der Verlust einer bestehenden Wohnung der Auslöser.
- 59 Prozent der Wohnungslosen ohne Unterkunft wurden nach einem Wohnungsverlust in Deutschland wohnungslos.
- 60 Prozent der verdeckt Wohnungslosen ebenfalls.
Wohnungsverlust bedeutet in der Praxis meist: Kündigung, Zwangsräumung, Trennung vom Partner oder der Partnerin, Auszug aus einer Einrichtung ohne Anschlusswohnung. Wer einmal keinen Mietvertrag mehr hat, findet auf angespannten Wohnungsmärkten schwer zurück — besonders mit Mietschulden, negativem Schufa-Eintrag oder ohne festes Einkommen.
Was Betroffene tun können
Wohnungslosigkeit lässt sich am wirksamsten verhindern, bevor sie eintritt. Wichtige Anlaufpunkte:
- Bei Mietschulden früh reagieren: Das Jobcenter oder Sozialamt kann Mietschulden nach § 22 Absatz 8 SGB II beziehungsweise § 36 SGB XII als Darlehen übernehmen, wenn dadurch Wohnungslosigkeit vermieden wird.
- Kündigung nicht ignorieren: Bei einer Räumungsklage informiert das Gericht die zuständige Stelle der Kommune. Wer sich selbst dort meldet, hat mehr Zeit für Lösungen.
- Fachstelle aufsuchen: Kommunale Fachstellen zur Verhinderung von Wohnungslosigkeit sowie Beratungsstellen der Diakonie, Caritas und der Wohnungslosenhilfe beraten kostenlos und vertraulich.
Für die Frage, wie sich die Zahlen künftig entwickeln, gibt es derzeit keine belastbaren amtlichen Prognosen für 2025 und 2026.
Obdachlos, wohnungslos, verdeckt wohnungslos: die Begriffe
Kurzantwort: Obdachlos bedeutet: ohne jede Unterkunft. Wohnungslos ist der Oberbegriff und umfasst zusätzlich untergebrachte und verdeckt wohnungslose Menschen ohne eigenen Mietvertrag.
Die beiden Begriffe werden im Alltag oft gleichgesetzt, bezeichnen in der Statistik aber unterschiedlich große Gruppen. Grundlage der Einteilung ist die europäische Typologie ETHOS Light, die Wohnungsnotlagen nach der Wohnsituation ordnet.
| Begriff | Bedeutung | Anfang 2024 |
|---|---|---|
| Obdachlos (ohne jede Unterkunft) | Übernachtung im öffentlichen Raum, in Notschlafstellen im Freien, Autos, Zelten | 47.300 |
| Untergebracht wohnungslos | Unterbringung in Notunterkunft, Wohnheim, Gemeinschafts- oder Geflüchtetenunterkunft ohne eigenen Mietvertrag | 439.500 |
| Verdeckt wohnungslos | Vorübergehend bei Freunden, Bekannten oder Angehörigen, ohne eigenen Mietvertrag | 60.400 |
| Wohnungslos (Oberbegriff) | Alle drei Gruppen zusammen | 531.600 |
Für die Berichterstattung ist die Unterscheidung entscheidend. Die Aussage "531.600 Obdachlose in Deutschland" ist falsch — richtig ist "531.600 Wohnungslose, davon 47.300 ohne jede Unterkunft". Wer Zahlen aus verschiedenen Quellen vergleicht, sollte immer prüfen, welche der Gruppen gezählt wurde.
Quellen
- STA Statistikbericht 2020
- Gerull Lebenslagenuntersuchung 2025
- schutzauftrag-kindeswohlgefaehrdung 2025
- Arbeitsmarktbericht Juli 2026
- statistik grundsicherung 20260803143257
- Sozialgesetzbuch XII
- Sozialgesetzbuch XI
- Sozialgesetzbuch X
- Sozialgesetzbuch VIII
- Sozialgesetzbuch VII
- Sozialgesetzbuch VI
- Sozialgesetzbuch V
Häufige Fragen
Wie viele Obdachlose gibt es in Deutschland 2024?+
Anfang 2024 lebten in Deutschland 47.300 Menschen ohne jede Unterkunft — sie gelten als obdachlos im engeren Sinn. Insgesamt waren rund 531.600 Menschen wohnungslos. Zu dieser Gesamtzahl gehören zusätzlich 439.500 untergebrachte Personen in Notunterkünften, Wohnheimen und Geflüchtetenunterkünften sowie 60.400 verdeckt wohnungslose Menschen, die vorübergehend bei Bekannten oder Angehörigen unterkommen. Die Zahlen stammen aus dem Wohnungslosenbericht 2024 der Bundesregierung. Aktuellere bundesweite Gesamtzahlen liegen bisher nicht vor.
Was ist der Unterschied zwischen obdachlos und wohnungslos?+
Obdachlos ist die engere Gruppe: Menschen ohne jede Unterkunft, die auf der Straße, in Parks, Zelten oder Autos übernachten. Wohnungslos ist der Oberbegriff und umfasst zusätzlich zwei weitere Gruppen: Menschen, die in Notunterkünften, Wohnheimen oder Geflüchtetenunterkünften untergebracht sind, und verdeckt wohnungslose Menschen, die ohne eigenen Mietvertrag bei Freunden oder Angehörigen wohnen. Grundlage dieser Einteilung ist die europäische Typologie ETHOS Light. Von 531.600 wohnungslosen Menschen Anfang 2024 waren 47.300 obdachlos.
In welchem Bundesland gibt es die meisten Obdachlosen?+
Eine vollständige Rangfolge aller Bundesländer lässt sich aus den vorliegenden Auswertungen nicht ableiten. Klar belegt ist, dass Berlin deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegt: Der Anteil obdachloser und verdeckt wohnungsloser Menschen an der Bevölkerung beträgt dort 0,2 Prozent gegenüber 0,1 Prozent bundesweit. In Berlin lebten 39.375 untergebrachte wohnungslose Menschen, zusätzlich waren 2024 dort 8.396 Menschen obdachlos oder verdeckt wohnungslos. Generell konzentriert sich Wohnungslosigkeit in großen Städten.
Wie viele Frauen sind von Obdachlosigkeit betroffen?+
Knapp zwei Drittel aller wohnungslosen Personen in Deutschland sind männlich, ein gutes Drittel weiblich. Frauen erscheinen in der Statistik jedoch seltener, als es ihrer tatsächlichen Betroffenheit entspricht: Sie sind überproportional häufig verdeckt wohnungslos und kommen bei Bekannten, Freunden oder Angehörigen unter, statt Notunterkünfte oder den öffentlichen Raum zu nutzen. Regional gibt es große Unterschiede — den höchsten Frauenanteil unter Wohnungslosen verzeichnet Bremen mit 48 Prozent.
Wie werden die Zahlen zur Obdachlosigkeit erhoben?+
Grundlage ist das Wohnungslosenberichterstattungsgesetz. Die untergebrachten wohnungslosen Personen werden über Meldungen der Kommunen und Einrichtungen erfasst und vom Statistischen Bundesamt zusammengeführt. Menschen ohne Unterkunft und verdeckt Wohnungslose tauchen in keiner Verwaltungsstatistik auf. Für sie wird eine gesonderte Erhebung durchgeführt: Zwischen dem 1. und 7. Februar 2024 wurden 2.250 zufällig ausgewählte nicht institutionell untergebrachte wohnungslose Menschen in 200 deutschen Städten und Gemeinden befragt. Daraus wird das Dunkelfeld geschätzt.
Warum steigt die Zahl der wohnungslosen Menschen?+
Die Zahl wohnungsloser Menschen in Deutschland steigt stetig an. Der wichtigste Auslöser ist der Verlust einer bestehenden Wohnung: 59 Prozent der Wohnungslosen ohne Unterkunft und 60 Prozent der verdeckt Wohnungslosen wurden nach einem Wohnungsverlust in Deutschland wohnungslos. Typische Wege dorthin sind Kündigung, Zwangsräumung, Trennung oder ein Auszug aus einer Einrichtung ohne Anschlusswohnung. Wer Mietschulden hat, sollte früh das Jobcenter oder Sozialamt einschalten: Nach § 22 Absatz 8 SGB II und § 36 SGB XII können Mietschulden als Darlehen übernommen werden, wenn dadurch Wohnungslosigkeit vermieden wird.