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Berliner Sozialbericht 2025: Armut, Wohnungslosigkeit und Altersarmut in Zahlen

Rund 20 Prozent der Berliner sind armutsgefährdet — mehr als im Bundesdurchschnitt. Diese Seite ordnet die Kennzahlen zu Armutsgefährdung, Wohnungslosigkeit und Altersarmut ein und zeigt, wo Betroffene in Berlin konkrete Hilfe finden.

5 Min. Lesezeit

~20 %

der Menschen in Berlin waren 2023 armutsgefährdet — über dem Bundesdurchschnitt

39.000

wohnungslose Menschen in Berliner Unterkünften untergebracht (ab Berichtsjahr 2022)

7 %

der älteren Menschen in Berlin von Altersarmut betroffen

seit 2015

wird die Berliner Armutsgefährdungsquote als Zeitreihe fortgeschrieben

60 %

des Medianeinkommens: Schwelle, unterhalb der Armutsgefährdung gilt

Wie hoch ist die Armutsgefährdung in Berlin?

Kurzantwort: Rund 20 Prozent der Menschen in Berlin waren 2023 armutsgefährdet. Der Wert liegt über dem bundesweiten Durchschnitt. Armutsgefährdet ist, wer über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügt.

Armutsgefährdet ist nach der amtlichen Definition, wer über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median) verfügt. Es geht nicht um absolute Not, sondern um den Abstand zur gesellschaftlichen Mitte. Wer unter dieser Schwelle lebt, kann sich vieles nicht leisten, was in Deutschland als normal gilt: eine warme Wohnung im Winter, Klassenfahrten für Kinder, Ersatz für eine kaputte Waschmaschine.

Für Berlin weist die Berichterstattung für das Jahr 2023 eine Quote von rund 20 Prozent aus. Das bedeutet: Etwa jede fünfte Person in der Stadt lebt in einem Haushalt mit einem Einkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle. Berlin hat dabei strukturelle Besonderheiten: vergleichsweise viele Einpersonenhaushalte, viele Alleinerziehende und einen großen Mietwohnungsmarkt mit wenig günstigem Bestand — alle drei Faktoren wirken auf die Einkommensverteilung.

Eine Quote von 20 Prozent bedeutet zudem nicht, dass es immer dieselben Menschen sind. Armutsgefährdung ist für viele Haushalte eine Phase — nach Trennung, Jobverlust oder Krankheit. Für andere ist es ein Dauerzustand.

Was die Quote nicht zeigt

Die Armutsgefährdungsquote ist ein reines Einkommensmaß. Sie sagt nichts darüber aus, wie hoch die Miete im Verhältnis zum Einkommen ist oder ob Rücklagen vorhanden sind. In einer Stadt mit hohen Mieten bedeutet ein und derselbe Einkommensbetrag deutlich weniger Handlungsspielraum als in einer Region mit niedrigen Wohnkosten. Die Quote sollte deshalb immer gemeinsam mit den Wohnkostenbelastungsdaten gelesen werden.

Wie viele wohnungslose Menschen gibt es in Berlin?

Kurzantwort: Etwa 39.000 wohnungslose Menschen waren in Berlin in Unterkünften untergebracht. Nicht enthalten sind Menschen ohne jede Unterkunft und verdeckt Wohnungslose. Die Zahl gilt als untere Grenze.

Erfasst werden Menschen, die von Kommunen oder Trägern in Unterkünften untergebracht sind — in Gemeinschaftsunterkünften, Notunterkünften oder von Ämtern angemieteten Wohnungen. Wohnungslos heißt nicht automatisch, auf der Straße zu leben. Der größere Teil der Betroffenen ist untergebracht, oft über Monate oder Jahre, häufig in Zimmern ohne eigene Küche und ohne Privatsphäre.

Nicht in dieser Zahl enthalten sind Menschen, die verdeckt wohnungslos sind: Wer bei Freunden auf dem Sofa schläft, bei Verwandten unterkommt oder in einer Zweckbeziehung bleibt, um nicht auf der Straße zu stehen, taucht in der Statistik nicht auf. Die ausgewiesenen etwa 39.000 Personen sind deshalb als untere Grenze zu lesen, nicht als Gesamtzahl der Wohnungsnotfälle.

Wo finden wohnungslose Menschen in Berlin Hilfe?

Erste Anlaufstelle ist das Sozialamt des Bezirks, in dem sich die betroffene Person aufhält. Wichtig: Ein Antrag sollte gestellt werden, bevor die Wohnung verloren ist. Je früher der Kontakt zustande kommt, desto größer ist die Chance, den Wohnraum zu erhalten.

  • Bei drohendem Wohnungsverlust sofort beim Sozialamt vorsprechen und den Sachverhalt schriftlich schildern.
  • Unterlagen mitbringen: Mietvertrag, Kündigung oder Räumungstitel, Mahnungen, Einkommensnachweise.
  • Bei Mietschulden nach Übernahme als Darlehen fragen — auch wenn schon gekündigt wurde.
  • Wer bereits ohne Unterkunft ist: Unterbringung beim Sozialamt einfordern; in Abend- und Nachtstunden bieten Träger der Wohnungslosenhilfe Notübernachtungen an.
  • Beratungsstellen der freien Wohlfahrtspflege begleiten kostenlos zu Ämtern und helfen beim Ausfüllen von Anträgen.

Wie stark ist Altersarmut in Berlin?

Kurzantwort: 7 Prozent der älteren Menschen in Berlin waren von Altersarmut betroffen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Viele Berechtigte beantragen keine Grundsicherung im Alter — die tatsächliche Zahl der Bedürftigen liegt wahrscheinlich höher.

Altersarmut wird in der Sozialberichterstattung über zwei Wege gemessen: über die Armutsgefährdungsquote der Menschen ab 65 Jahren und über den Bezug von Grundsicherung im Alter. Beide Werte fallen unterschiedlich aus, weil viele Berechtigte die Grundsicherung nicht beantragen — aus Scham, aus Unkenntnis oder aus der irrigen Befürchtung, Kinder müssten dann zahlen.

Zwei Faktoren verstärken Altersarmut in Berlin besonders: Erstens sind Frauen häufiger betroffen, weil Erwerbsunterbrechungen und Teilzeitarbeit die Rentenansprüche senken. Zweitens schlägt die Berliner Miete besonders stark durch — eine kleine Rente reicht bei hohen Wohnkosten schneller nicht mehr aus.

Grundsicherung im Alter: Was Betroffene wissen sollten

Grundsicherung im Alter — Rechtsgrundlagen

Rechtsgrundlage
§§ 41–46b SGB XII (Sozialgesetzbuch Zwölftes Buch)
Voraussetzung
Regelaltersgrenze erreicht, Einkommen reicht nicht zum Leben
Zuständig
Sozialamt des Bezirks (Berlin hat 12 Bezirke)
Wirkung ab
Monat der Antragstellung — nicht rückwirkend
Kinder haften?
Nur bei eigenem Einkommen über 100.000 Euro/Jahr (seit 2020)

Wer die Regelaltersgrenze erreicht hat und dessen Rente oder sonstiges Einkommen nicht zum Leben reicht, kann Grundsicherung im Alter beantragen. Die Leistung übernimmt neben dem Regelsatz auch die angemessenen Kosten für Unterkunft und Heizung. Wer unsicher ist, ob ein Anspruch besteht, kann den Antrag trotzdem stellen — die Prüfung übernimmt das Amt. Sozialverbände und Beratungsstellen unterstützen kostenlos.

Einordnung: Was der Berliner Sozialbericht 2025 leistet

Kurzantwort: Sozialberichte machen Entwicklungen sichtbar, die statistisch fassbar sind. Zu Herausgeberschaft und Methodik des Berliner Berichts liegen noch keine belegten Angaben vor.

Sozialberichte haben eine einfache Funktion: Sie machen Entwicklungen sichtbar, die im Alltag nur einzelne Menschen betreffen, in der Summe aber politisch bearbeitet werden müssen. Sie liefern die Datengrundlage für Entscheidungen über Unterbringung, Beratungsangebote und soziale Infrastruktur.

Auf Bundesebene erscheint der Sozialbericht als 18. Ausgabe einer langjährigen Reihe; eine zentrale Datengrundlage ist das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) am DIW Berlin. Die hier angeführten Berliner Kennzahlen beziehen sich auf die Berliner Berichterstattung — Methodik und Herausgeberschaft werden ergänzt, sobald die Originalveröffentlichung ausgewertet ist.

Wie sich Aufbau, Themen und Kennzahlen der deutschen Sozialberichterstattung über Jahrzehnte verändert haben, zeigt die Übersicht zur Geschichte der Sozialberichte in Deutschland von 1983 bis 2024.

Was die Zahlen für Betroffene bedeuten

Kurzantwort: Armut in Berlin ist kein Randphänomen. Rechtliche Ansprüche bestehen unabhängig davon, wie viele Menschen betroffen sind — und sollten früh geltend gemacht werden.

Statistiken helfen niemandem beim Bezahlen der Miete. Sie sind aber nützlich, um eine Sache klarzustellen: Wer in Berlin von Armut, Wohnungsverlust oder einer zu kleinen Rente betroffen ist, gehört zu einer großen Gruppe. Das ist kein persönliches Versagen und kein Ausnahmefall.

Drei Grundsätze gelten unabhängig von jeder Statistik: Anträge wirken ab dem Tag der Stellung — also früh stellen, nicht warten. Ablehnungen sind angreifbar — ein Widerspruch ist innerhalb der angegebenen Frist möglich. Und Beratung ist kostenlos — Sozialverbände, Wohlfahrtsverbände und Beratungsstellen der Wohnungslosenhilfe helfen ohne Gegenleistung.

Häufige Fragen

Wie hoch war die Armutsgefährdungsquote in Berlin 2023?+

Rund 20 Prozent der Menschen in Berlin waren 2023 armutsgefährdet. Damit lebte etwa jede fünfte Person in einem Haushalt unter der Armutsgefährdungsschwelle von 60 Prozent des mittleren Einkommens. Der Wert liegt über dem bundesweiten Durchschnitt.

Wie viele wohnungslose Menschen leben in Berlin?+

Etwa 39.000 wohnungslose Menschen waren in Berlin in Unterkünften untergebracht. Menschen ohne jede Unterkunft und verdeckt wohnungslose Menschen — die vorübergehend bei Freunden oder Verwandten unterkommen — sind darin nicht enthalten. Die Zahl gilt daher als untere Grenze der tatsächlichen Wohnungsnotfälle in Berlin.

Wie stark ist Altersarmut in Berlin?+

7 Prozent der älteren Menschen in Berlin waren von Altersarmut betroffen. Die tatsächliche Zahl der Bedürftigen kann höher liegen, weil viele Berechtigte keine Grundsicherung im Alter beantragen — aus Scham, aus Unkenntnis oder aus der Sorge, Kinder könnten herangezogen werden (was seit 2020 nur bei Jahreseinkommen über 100.000 Euro gilt).

Wohin wende ich mich in Berlin bei drohendem Wohnungsverlust?+

Erste Anlaufstelle ist das Sozialamt des Bezirks, in dem Sie sich aufhalten. Suchen Sie den Kontakt so früh wie möglich — am besten bereits bei Mietschulden oder nach Erhalt einer Kündigung, nicht erst nach der Zwangsräumung. Mitbringen: Mietvertrag, Kündigung, Mahnungen, Einkommensnachweise. Beratungsstellen der Wohnungslosenhilfe begleiten kostenlos.

Wer kann Grundsicherung im Alter beantragen?+

Wer die Regelaltersgrenze erreicht hat und dessen Einkommen nicht zum Leben reicht, kann Grundsicherung im Alter nach dem SGB XII beantragen. Zuständig ist das Sozialamt des Berliner Bezirks. Der Anspruch beginnt mit dem Monat der Antragstellung — Warten kostet Geld. Sozialverbände unterstützen kostenlos bei Antragstellung und Widerspruch.

Was bedeutet armutsgefährdet?+

Armutsgefährdet ist, wer über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median) der Bevölkerung verfügt. Es handelt sich um ein relatives Maß: Es beschreibt den Abstand zur gesellschaftlichen Mitte, nicht das Fehlen des Existenznotwendigen. Wohnkosten fließen in diese Kennzahl nicht ein — in einer teuren Stadt wie Berlin kann das gleiche Einkommen deutlich weniger Handlungsspielraum bedeuten als anderswo.