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Soziale Sicherung

Mindestsicherung in Deutschland: 7,2 Millionen Empfänger und die Gründe für den Anstieg

Ende 2022 lebten 7,2 Millionen Menschen in Deutschland von Mindestsicherungsleistungen. Der Anstieg gegenüber dem Vorjahr geht vor allem auf geflüchtete Menschen aus der Ukraine zurück.

6 Min. Lesezeit

7,2 Mio.

Menschen erhielten am Jahresende 2022 Mindestsicherungsleistungen in Deutschland.

8,5 %

der Bevölkerung waren zum Stichtag Jahresende 2022 auf Mindestsicherung angewiesen.

+8,7 %

mehr Empfängerinnen und Empfänger als am Jahresende 2021.

804.000

Personen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit bezogen Ende 2022 Mindestsicherung.

+1.871 %

Zuwachs bei ukrainischen Staatsangehörigen gegenüber dem Vorjahr — Sondereffekt der Fluchtmigration.

Kennzahlen 2022

Wie viele Menschen beziehen Mindestsicherung in Deutschland?

Kurzantwort: Am Jahresende 2022 erhielten 7,2 Millionen Menschen in Deutschland Mindestsicherungsleistungen. Das waren 8,5 Prozent der Bevölkerung und 8,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Die Mindestsicherung ist das unterste Netz der sozialen Sicherung in Deutschland. Sie greift, wenn eigenes Einkommen, Vermögen und vorgelagerte Leistungen wie Arbeitslosengeld oder Rente nicht ausreichen, um den Lebensunterhalt zu decken. Gezählt werden dabei alle Personen, die zum Stichtag eine solche Leistung erhalten — also auch Kinder und Jugendliche in den Haushalten.

Der Wert von 8,5 Prozent bedeutet: Etwa jede zwölfte Person in Deutschland war Ende 2022 auf eine Mindestsicherungsleistung angewiesen. Diese Quote ist eine Stichtagsbetrachtung. Sie sagt nichts darüber aus, wie lange die einzelnen Personen im Leistungsbezug bleiben. Manche benötigen die Unterstützung nur wenige Monate, andere über Jahre.

Für die Jahre 2015 bis 2021 werden auf dieser Seite keine Jahreswerte ausgewiesen, weil dafür keine vergleichbaren, geprüften Stichtagswerte vorliegen. Belastbare Zeitreihen zur Mindestsicherungsquote veröffentlicht das Statistische Bundesamt in seiner Sozialberichterstattung.

Warum ist die Zahl der Empfänger 2022 so stark gestiegen?

Kurzantwort: Der Anstieg um 8,7 Prozent ist vor allem auf geflüchtete Menschen aus der Ukraine zurückzuführen. Knapp 804.000 Personen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit bezogen Ende 2022 Mindestsicherung — ein Zuwachs um 1.871 Prozent gegenüber 2021.

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 kamen innerhalb weniger Monate sehr viele Menschen nach Deutschland. Sie erhielten schnell einen Aufenthaltstitel und damit Zugang zu den Leistungen der Grundsicherung. Das erklärt den außergewöhnlich hohen prozentualen Zuwachs in dieser Gruppe: Die Ausgangszahl vor 2022 war klein, die Zahl der neu hinzukommenden Personen groß.

Daraus folgt eine wichtige Einordnung: Der Sprung der Empfängerzahl 2022 war in erster Linie ein Sondereffekt der Fluchtmigration. Er belegt nicht, dass sich die wirtschaftliche Lage der Bevölkerung in Deutschland insgesamt im gleichen Maß verschlechtert hätte. Wer die Entwicklung der Armut in Deutschland beurteilen will, muss die Zahlen deshalb nach Gruppen getrennt lesen.

Wer ist neben Geflüchteten auf Mindestsicherung angewiesen?

Kurzantwort: Mindestsicherung erreicht sehr unterschiedliche Lebenslagen — unter anderem Alleinerziehende, ältere Menschen mit kleiner Rente, Menschen mit dauerhaft verminderter Erwerbsfähigkeit und Erwerbstätige mit zu niedrigem Einkommen.

Die Zusammensetzung der Empfängergruppe ergibt sich aus dem Aufbau der Leistungen selbst. Sie richten sich an Menschen in klar beschriebenen Bedarfslagen:

  • Alleinerziehende: Ein Erwachsenengehalt muss mehrere Personen tragen, gleichzeitig begrenzt die Kinderbetreuung den möglichen Arbeitsumfang.
  • Ältere Menschen: Wer im Alter eine Rente unterhalb des Existenzminimums bezieht, kann Grundsicherung im Alter beantragen — etwa nach unterbrochenen Erwerbsbiografien, langer Teilzeit oder niedrigen Löhnen.
  • Menschen mit voller Erwerbsminderung: Wer aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft nicht oder nur sehr eingeschränkt arbeiten kann, erhält Grundsicherung bei Erwerbsminderung.
  • Erwerbstätige mit geringem Einkommen: Ein Teil der Leistungsbeziehenden arbeitet, verdient aber nicht genug, um den Bedarf der Familie zu decken.
  • Kinder und Jugendliche: Sie sind als Mitglieder der Bedarfsgemeinschaft in den Zahlen enthalten, auch wenn sie selbst keinen Antrag stellen.

Eine belegte zahlenmäßige Aufschlüsselung dieser Gruppen zum Stichtag Jahresende 2022 wird hier nicht ausgewiesen. Die Darstellung bleibt daher bewusst beschreibend, ohne Anteile zu nennen.

Was zählt zur Mindestsicherung?

Kurzantwort: Zur Mindestsicherung gehören mehrere Leistungen: das Bürgergeld beziehungsweise die Grundsicherung für Arbeitsuchende, die Hilfe zum Lebensunterhalt, die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz sowie Leistungen der Kriegsopferfürsorge.

Der Begriff Mindestsicherung ist ein statistischer Sammelbegriff. Er fasst Leistungen zusammen, die dasselbe Ziel haben: das Existenzminimum sichern, wenn eigene Mittel fehlen. Die einzelnen Bausteine unterscheiden sich in Rechtsgrundlage und Zielgruppe:

Leistungsarten der Mindestsicherung

  • Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II) — für erwerbsfähige Personen und ihre Haushaltsangehörigen; seit 2023 als Bürgergeld bezeichnet.
  • Hilfe zum Lebensunterhalt (SGB XII, 3. Kapitel) — für Menschen, die nicht erwerbsfähig sind, aber keinen Anspruch auf Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung haben.
  • Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung (SGB XII, 4. Kapitel) — für Menschen ab der Regelaltersgrenze und dauerhaft voll Erwerbsgeminderte.
  • Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz — für Asylsuchende und bestimmte weitere Gruppen während des laufenden Verfahrens.
  • Kriegsopferfürsorge (Soziales Entschädigungsrecht) — für Menschen mit anerkannten Schädigungsfolgen und ihre Angehörigen.

Wie sich die 7,2 Millionen Empfängerinnen und Empfänger zum Jahresende 2022 auf diese einzelnen Leistungsarten verteilen, wird hier nicht ausgewiesen, weil dazu keine geprüften Einzelwerte vorliegen. Die genannte Gesamtzahl umfasst alle aufgeführten Leistungsarten zusammen.

Regionale Unterschiede: Was ist bekannt, was nicht?

Kurzantwort: Für einen Vergleich der Mindestsicherungsquote zwischen den Bundesländern werden auf dieser Seite keine Werte genannt, weil dazu keine geprüften Länderzahlen vorliegen. Länderergebnisse veröffentlicht die amtliche Statistik in ihrer Sozialberichterstattung.

Die bundesweite Quote von 8,5 Prozent ist ein Durchschnittswert. Er verdeckt Unterschiede zwischen Regionen: Städte mit angespanntem Wohnungsmarkt, strukturschwache Kreise und wirtschaftlich starke Regionen unterscheiden sich in ihren Bedarfslagen deutlich. Belastbare Aussagen dazu sind nur mit Länder- und Kreiszahlen möglich.

Solche Werte werden im Rahmen der amtlichen Sozialberichterstattung nach Bundesländern ausgewiesen. Sobald geprüfte Länderwerte für den Stichtag vorliegen, wird dieser Abschnitt um einen Vergleich ergänzt. Bis dahin werden hier keine Zahlen zu einzelnen Bundesländern genannt.

Mindestsicherung und Wohnungslosigkeit sind nicht dasselbe

Kurzantwort: Die Zahl der Mindestsicherungsempfänger und die Zahl wohnungsloser Menschen sind zwei verschiedene Kennzahlen. Sie werden getrennt erhoben und dürfen nicht gleichgesetzt werden.

Die Mindestsicherungsstatistik zählt Personen, die eine bestimmte Sozialleistung erhalten. Sie sagt nichts darüber aus, wie diese Menschen wohnen. Die meisten Leistungsbeziehenden leben in einer eigenen Wohnung, deren Kosten im Rahmen der Bedarfsdeckung übernommen werden.

Wohnungslosigkeit beschreibt dagegen eine Wohnsituation: Menschen ohne mietvertraglich gesicherte Wohnung. Sie wird in eigenen Erhebungen erfasst. Beide Kennzahlen überschneiden sich teilweise, messen aber Unterschiedliches. Wer nach Zahlen zur Wohnungslosigkeit sucht, findet sie deshalb nicht in der Mindestsicherungsstatistik.

Wie die Zahlen richtig gelesen werden

Kurzantwort: Die Mindestsicherungsquote ist ein Stichtagswert und misst den Bezug einer Leistung — nicht Armut insgesamt. Prozentuale Zuwächse bei kleinen Ausgangszahlen wirken besonders groß.

Drei Punkte helfen bei der Einordnung:

  • Stichtag statt Jahresverlauf: Gezählt wird der Bestand am Jahresende. Menschen, die nur im Frühjahr Leistungen bezogen haben, erscheinen nicht in dieser Zahl.
  • Leistungsbezug statt Armut: Wer Anspruch hat, aber keinen Antrag stellt, taucht in der Statistik nicht auf. Die Quote ist deshalb nicht mit der Armutsgefährdungsquote identisch, die auf Einkommensdaten beruht.
  • Basiseffekt bei Prozentwerten: Der Zuwachs von 1.871 Prozent bei ukrainischen Staatsangehörigen entsteht auch dadurch, dass die Vergleichszahl für 2021 sehr niedrig war. Die absolute Zahl von knapp 804.000 Personen ist hier die aussagekräftigere Größe.

Wo Betroffene Unterstützung finden

Kurzantwort: Zuständig sind je nach Leistung das Jobcenter, das Sozialamt oder die Aufnahmebehörde. Kostenlose Beratung bieten die Sozialverbände und die Wohlfahrtspflege vor Ort.

Wer nicht sicher ist, welche Leistung passt, kann sich zuerst an eine unabhängige Beratungsstelle wenden. Erste Orientierung:

  • Erwerbsfähig und ohne ausreichendes Einkommen: Antrag beim Jobcenter des Wohnorts.
  • Ab der Regelaltersgrenze oder dauerhaft voll erwerbsgemindert: Antrag beim Sozialamt der Stadt oder des Kreises.
  • Im laufenden Asylverfahren: zuständig ist die jeweilige Aufnahme- oder Sozialbehörde.
  • Unsicher oder Bescheid unklar: Sozialberatung der Wohlfahrtsverbände, Sozialverbände oder kommunale Beratungsstellen — die Beratung ist in der Regel kostenfrei.

Wichtig für die Praxis: Leistungen werden grundsätzlich ab dem Monat der Antragstellung gezahlt, nicht rückwirkend für die Zeit davor. Wer Bedarf hat, sollte den Antrag deshalb nicht aufschieben — er kann formlos gestellt und später vervollständigt werden.

Häufige Fragen

Wie viele Menschen beziehen Mindestsicherung in Deutschland?+

Am Jahresende 2022 erhielten 7,2 Millionen Menschen in Deutschland Mindestsicherungsleistungen. Das entspricht 8,5 Prozent der Bevölkerung, also etwa jeder zwölften Person. Gegenüber dem Jahresende 2021 war das ein Anstieg um 8,7 Prozent.

Warum ist die Zahl der Mindestsicherungsempfänger 2022 so stark gestiegen?+

Der Anstieg geht vor allem auf geflüchtete Menschen aus der Ukraine zurück. Knapp 804.000 Personen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit bezogen Ende 2022 Mindestsicherungsleistungen — ein Zuwachs von 1.871 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Sprung war damit in erster Linie ein Sondereffekt der Fluchtmigration und kein Zeichen einer allgemeinen Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in Deutschland.

Wie hat sich die Mindestsicherungsquote in den Jahren vor 2022 entwickelt?+

Für die Jahre 2015 bis 2021 werden auf dieser Seite keine Jahreswerte genannt, weil dazu keine geprüften und vergleichbaren Stichtagswerte vorliegen. Gesichert ist nur der Vorjahresvergleich: Ende 2022 lag die Zahl der Empfänger 8,7 Prozent über dem Wert von Ende 2021. Längere Zeitreihen weist die amtliche Sozialberichterstattung aus.

Gibt es regionale Unterschiede bei der Mindestsicherungsquote?+

Die Quote von 8,5 Prozent ist ein Bundesdurchschnitt und verdeckt regionale Unterschiede. Konkrete Werte für einzelne Bundesländer werden hier nicht genannt, weil dazu keine geprüften Länderzahlen vorliegen. Länderergebnisse werden im Rahmen der amtlichen Sozialberichterstattung veröffentlicht.

Welche Leistungen gehören zur Mindestsicherung?+

Zur Mindestsicherung zählen die Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem SGB II (seit 2023 Bürgergeld), die Hilfe zum Lebensunterhalt nach dem SGB XII, die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nach dem SGB XII, Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz und die Kriegsopferfürsorge. Die Zahl von 7,2 Millionen Empfängern umfasst alle diese Leistungsarten zusammen; eine Aufschlüsselung nach einzelnen Leistungsarten wird hier nicht ausgewiesen.

Ist die Zahl der Mindestsicherungsempfänger dasselbe wie die Zahl der Wohnungslosen?+

Nein. Die Mindestsicherungsstatistik zählt Menschen, die eine bestimmte Sozialleistung erhalten — unabhängig davon, wie sie wohnen. Wohnungslosigkeit beschreibt dagegen eine Wohnsituation und wird in eigenen Erhebungen erfasst. Beide Kennzahlen überschneiden sich teilweise, messen aber Unterschiedliches.