Lebensformen & Familie
Lebensformen im Wandel: mehr Alleinlebende, weniger Eheschließungen
Die Ehe bleibt die häufigste Lebensform in Deutschland, verliert aber an Gewicht: Alleinlebende sind fast gleich viele, geheiratet wird seltener und später. Am stärksten von Armut betroffen sind alleinerziehende Mütter.
17,3 Mio.
Ehepaare lebten 2023 in Deutschland — weiterhin die häufigste Lebensform.
17,0 Mio.
Menschen lebten 2023 allein, ein Plus von 8 Prozent gegenüber 2013.
390.700
Eheschließungen 2022; Erstheiratsalter: knapp 35 Jahre (Männer), 32,5 Jahre (Frauen).
43 %
der alleinerziehenden Mütter leben von einem jährlichen Nettoäquivalenzeinkommen unter 18.209 Euro.
29,8 %
ihres Einkommens geben Alleinerziehende für Miete aus — bei Paaren mit Kindern sind es 22,0 Prozent.
Kennzahlen 2022/2023
Ehepaare, Lebensgemeinschaften und Alleinlebende: die Zahlen im Überblick
Kurzantwort: 2023 lebten in Deutschland 17,3 Millionen Ehepaare, 3,4 Millionen nichtehelich Zusammenlebende und 17,0 Millionen Menschen allein. Die Zahl der Alleinlebenden ist seit 2013 um 8 Prozent gestiegen.
Die Ehe ist mit 17,3 Millionen Paaren nach wie vor die verbreitetste Lebensform. Daneben stehen 3,4 Millionen Lebensgemeinschaften, also Paare ohne Trauschein. Auffällig ist die Entwicklung beim Alleinleben: 17,0 Millionen Menschen führten 2023 einen eigenen Haushalt ohne weitere Person — acht Prozent mehr als zehn Jahre zuvor.
Damit stehen sich zwei Lebensformen zahlenmäßig fast gleichauf gegenüber. Wichtig für die Einordnung: Ehepaare werden als Paare gezählt, Alleinlebende als Einzelpersonen. Die 17,3 Millionen Ehepaare umfassen also rund 34,6 Millionen Menschen. Der Vergleich zeigt keinen Gleichstand der Bevölkerungsanteile, wohl aber, wie stark der Einpersonenhaushalt das Bild der Lebensformen prägt.
Alleinleben ist dabei kein einheitliches Phänomen. Es umfasst Studierende in der Ausbildungsphase, Berufstätige zwischen zwei Partnerschaften und vor allem ältere Menschen, die nach dem Tod des Partners oder der Partnerin allein zurückbleiben. Für die soziale Lage macht das einen großen Unterschied: Ein Einpersonenhaushalt trägt Miete, Strom und Grundgebühren allein, ohne die Einsparungen, die ein gemeinsamer Haushalt mit sich bringt.
Langzeitvergleich: Lebensformen über mehrere Jahrzehnte
Kurzantwort: Der Wandel lässt sich in den vorliegenden Daten für die vergangenen zehn bis zwanzig Jahre belegen: plus 8 Prozent Alleinlebende zwischen 2013 und 2023 und ein um rund drei Jahre höheres Erstheiratsalter als vor zwei Jahrzehnten.
Zwei Entwicklungslinien sind über diesen Zeitraum klar erkennbar. Erstens wächst die Gruppe der Alleinlebenden kontinuierlich: von rund 15,7 Millionen im Jahr 2013 auf 17,0 Millionen im Jahr 2023 — das ist der genannte Zuwachs von acht Prozent. Zweitens verschiebt sich der Zeitpunkt der Heirat nach hinten. Vor zwanzig Jahren heirateten Männer im Schnitt mit etwa 32, Frauen mit etwa 29,5 Jahren; 2022 lag das durchschnittliche Erstheiratsalter bei knapp 35 beziehungsweise 32,5 Jahren.
Beide Linien zusammen ergeben ein Muster: Partnerschaften und Familiengründung beginnen später im Lebenslauf, und die Phase des Alleinlebens vor, zwischen und nach Partnerschaften wird länger. Die Ehe verschwindet nicht, sie beginnt später und ist seltener der einzige Rahmen für ein gemeinsames Leben — daneben stehen 3,4 Millionen Lebensgemeinschaften.
Für einen Vergleich, der weiter zurückreicht — etwa bis 1991 oder in die Zeit vor der Wiedervereinigung —, sind die hier verwendeten Werte nicht ausgelegt. Ältere Vergleichszeitpunkte lassen sich mit den vorliegenden Zahlen nicht seriös darstellen, weil sich Erhebungsmethoden und Haushaltsdefinitionen über so lange Zeiträume verändert haben.
Weniger und spätere Eheschließungen
Kurzantwort: 2022 wurden 390.700 Ehen geschlossen. Das durchschnittliche Erstheiratsalter erreichte knapp 35 Jahre bei Männern und 32,5 Jahre bei Frauen — rund drei Jahre mehr als zwanzig Jahre zuvor.
390.700 Eheschließungen im Jahr 2022: Diese Zahl markiert kein einmaliges Ereignis, sondern liegt im Trend eines langfristig zurückgehenden Heiratsverhaltens. Gleichzeitig steigt das Alter bei der ersten Heirat stetig. Wer heute heiratet, tut das im Schnitt drei Jahre später als die Generation der Eltern.
Welche Faktoren dahinter stehen, ist mit den vorliegenden Zahlen nicht abschließend zu beantworten. Belegbar ist der Zusammenhang mit anderen Verschiebungen, die dieselbe Lebensphase betreffen: Die Zahl der Lebensgemeinschaften liegt bei 3,4 Millionen, das heißt, ein Zusammenleben ohne Trauschein ist eine verbreitete Alternative geworden. Und die Kinderlosigkeit ist in den Jahrgängen 1968 bis 1972 auf den höchsten Nachkriegsstand gestiegen — bei Akademikerinnen deutlich stärker als bei Frauen ohne Hochschulabschluss.
Für die soziale Lage ist die Heiratsentscheidung nicht nebensächlich. Ehe und eingetragene Lebenspartnerschaft sind rechtlich mit Unterhaltspflichten, Steuerklassen und Ansprüchen in der Hinterbliebenenversorgung verbunden. Wer ohne Trauschein zusammenlebt, hat diese Absicherung nicht automatisch. Umgekehrt werden Partnerinnen und Partner in einer Bedarfsgemeinschaft beim Bürgergeld mit ihrem Einkommen berücksichtigt — unabhängig davon, ob sie verheiratet sind.
Alleinerziehende: Armutsrisiko und Wohnkosten
Kurzantwort: Alleinerziehende Mütter sind die am stärksten armutsgefährdete Familienform. 43 Prozent von ihnen leben von einem jährlichen Nettoäquivalenzeinkommen unter 18.209 Euro.
Keine andere Familienform trägt ein so hohes Armutsrisiko. 43 Prozent der alleinerziehenden Mütter liegen unterhalb der genannten Einkommensschwelle von 18.209 Euro im Jahr. Das Nettoäquivalenzeinkommen ist dabei ein rechnerischer Wert: Das Haushaltseinkommen wird auf eine Vergleichsgröße pro Person umgerechnet, damit Haushalte unterschiedlicher Größe miteinander verglichen werden können.
Beim Wohnen verschärft sich die Lage. Alleinerziehende Mütter und Väter gaben 29,8 Prozent ihres Einkommens für die Miete aus, Paare mit Kindern 22,0 Prozent. Der Abstand von fast acht Prozentpunkten bedeutet: Von jedem verfügbaren Euro bleibt Alleinerziehenden deutlich weniger für Lebensmittel, Kleidung, Schulbedarf oder Rücklagen. Eine Mietbelastung über 30 Prozent gilt in der Wohnungspolitik als kritische Marke.
Hinzu kommt eine Belastung, die sich nicht in Euro messen lässt: 40 Prozent der alleinerziehenden Mütter berichteten von Einsamkeit — häufiger als andere befragte Gruppen. Wer allein für Kinder sorgt, hat weniger Zeit für Kontakte, weniger Möglichkeiten zur Betreuungsvertretung und weniger Entlastung im Alltag.
Für Betroffene gibt es Ansprüche, die diese Lücke abfedern sollen: Kindergeld und Kinderzuschlag, Unterhaltsvorschuss wenn der andere Elternteil nicht zahlt, Wohngeld oder Bürgergeld sowie den steuerlichen Entlastungsbetrag für Alleinerziehende. Auskunft geben Jugendamt, Familienkasse, Wohngeldstelle und Jobcenter.
Steigende Kinderlosigkeit — besonders bei Akademikerinnen
Kurzantwort: In den Geburtsjahrgängen 1968 bis 1972 sind 21 bis 22 Prozent der Frauen kinderlos — der höchste Wert der Nachkriegszeit. Bei Akademikerinnen liegt die Quote bei 26 bis 27 Prozent.
Die Kinderlosenquote beschreibt den Anteil der Frauen eines Geburtsjahrgangs, die zeitlebens kein Kind geboren haben. Für die Jahrgänge 1968 bis 1972 liegt dieser Anteil bei 21 bis 22 Prozent und damit höher als in allen früheren Nachkriegsjahrgängen. Rund jede fünfte Frau dieser Jahrgänge hat kein Kind.
Nach Bildungsabschluss unterscheiden sich die Werte deutlich: Unter Akademikerinnen sind 26 bis 27 Prozent kinderlos, unter Frauen ohne Hochschulabschluss weniger. Die Zahlen zeigen einen Zusammenhang zwischen Bildungsweg und Familiengründung, sagen aber nichts darüber aus, ob Kinderlosigkeit gewollt oder ungewollt ist.
Für die Frage nach Armut ist dieser Befund doppelt relevant. Kinder erhöhen den Bedarf eines Haushalts und damit das Armutsrisiko — besonders dann, wenn nur ein Elternteil das Einkommen erwirtschaftet. Gleichzeitig sind Erziehungszeiten in der Rentenversicherung anrechenbar, sodass Kinderlosigkeit und Elternschaft die Alterssicherung auf unterschiedliche Weise beeinflussen.
Regionale Unterschiede: Ost und West, Stadt und Land
Kurzantwort: Zu regionalen Unterschieden zwischen Ost und West sowie zwischen Stadt und Land liegen in den hier verwendeten Zahlen keine gesonderten Werte vor. Die genannten Angaben beziehen sich auf Deutschland insgesamt.
Alle Zahlen dieser Seite sind Bundeswerte. Eine Aufteilung nach Bundesländern, nach den ostdeutschen und westdeutschen Ländern oder nach Gemeindegröße enthalten sie nicht. Wer regionale Werte benötigt, findet sie in den Ergebnissen des Mikrozensus, die das Statistische Bundesamt und die Statistischen Landesämter nach Bundesländern veröffentlichen, sowie in den kommunalen Statistikstellen größerer Städte.
Was der Wandel für die soziale Lage bedeutet
Kurzantwort: Kleinere Haushalte verteilen Kosten und Risiken auf weniger Schultern. Besonders sichtbar wird das bei Alleinerziehenden, deren Mietbelastung mit 29,8 Prozent deutlich über der von Paaren mit Kindern liegt.
Der Trend zu kleineren Haushalten hat eine wirtschaftliche Seite. Miete, Heizung, Grundgebühren und Anschaffungen fallen pro Haushalt an, nicht pro Person. Je weniger Menschen einen Haushalt teilen, desto höher sind die Kosten je Kopf. Ein Einkommensausfall durch Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Trennung lässt sich in einem Einpersonenhaushalt oder einem Haushalt mit nur einem verdienenden Elternteil kaum abfedern.
Genau das zeigen die Zahlen zu Alleinerziehenden: höhere Mietbelastung, höheres Armutsrisiko, häufigere Einsamkeit. Der Wandel der Lebensformen ist damit nicht nur eine demografische Statistik, sondern eine Frage sozialer Absicherung — von der Verfügbarkeit bezahlbarer kleiner Wohnungen über die Kinderbetreuung bis zur Anerkennung von Erziehungszeiten in der Rente.
Begriffe kurz erklärt
- Lebensgemeinschaft
- Zwei Menschen leben als Paar in einem Haushalt zusammen, ohne verheiratet zu sein.
- Nettoäquivalenzeinkommen
- Haushaltseinkommen nach Steuern und Abgaben, rechnerisch auf eine Person umgelegt, damit unterschiedlich große Haushalte vergleichbar werden.
- Mietbelastungsquote
- Anteil des Haushaltseinkommens, der für die Miete aufgewendet wird.
- Kinderlosenquote
- Anteil der Frauen eines Geburtsjahrgangs ohne geborenes Kind.
Häufige Fragen
Wie viele Menschen leben in Deutschland allein?+
2023 lebten 17,0 Millionen Menschen in Deutschland allein. Das sind rund acht Prozent mehr als zehn Jahre zuvor. Zum Vergleich: Im selben Jahr gab es 17,3 Millionen Ehepaare und 3,4 Millionen Lebensgemeinschaften.
Warum heiraten immer weniger Menschen in Deutschland?+
2022 wurden 390.700 Ehen geschlossen, und das Erstheiratsalter stieg auf knapp 35 Jahre bei Männern und 32,5 Jahre bei Frauen — rund drei Jahre mehr als zwanzig Jahre zuvor. Parallel dazu leben 3,4 Millionen Paare ohne Trauschein zusammen, und die Kinderlosigkeit hat in den Jahrgängen 1968 bis 1972 den höchsten Nachkriegsstand erreicht. Diese Entwicklungen verlaufen gemeinsam; welche davon Ursache und welche Folge ist, lässt sich aus den Zahlen nicht ableiten.
Warum sind Alleinerziehende besonders von Armut betroffen?+
43 Prozent der alleinerziehenden Mütter leben von einem jährlichen Nettoäquivalenzeinkommen unter 18.209 Euro. Sie sind damit die am stärksten armutsgefährdete Familienform. Hinzu kommen hohe Wohnkosten: Ihre Mietbelastungsquote liegt bei 29,8 Prozent gegenüber 22,0 Prozent bei Paaren mit Kindern. Ein Erwachsener trägt Erwerbsarbeit, Betreuung und Haushalt allein — Ausfälle lassen sich kaum auffangen.
Wie viele Frauen bleiben in Deutschland kinderlos?+
In den Geburtsjahrgängen 1968 bis 1972 sind 21 bis 22 Prozent der Frauen kinderlos geblieben — der höchste Wert der Nachkriegszeit. Bei Akademikerinnen liegt die Quote mit 26 bis 27 Prozent deutlich höher als bei Frauen ohne Hochschulabschluss.
Ist die Ehe noch die häufigste Lebensform in Deutschland?+
Ja. 2023 lebten 17,3 Millionen Ehepaare in Deutschland, mehr als in jeder anderen Paar- oder Haushaltsform. Gezählt werden dabei Paare, also rund 34,6 Millionen Menschen. Die 17,0 Millionen Alleinlebenden sind Einzelpersonen — die Zahlen sind deshalb nicht unmittelbar vergleichbar.
Gibt es Zahlen zu Lebensformen für einzelne Bundesländer oder Städte?+
Die auf dieser Seite genannten Werte sind Bundeswerte ohne regionale Aufteilung. Ergebnisse nach Bundesländern veröffentlichen das Statistische Bundesamt und die Statistischen Landesämter im Rahmen des Mikrozensus; für größere Städte führen kommunale Statistikstellen eigene Auswertungen zu Haushaltsstrukturen.