Soziodemografie
Einwanderungsherkunft und Haushaltsgrößen: Wie unterscheiden sich EU, Afrika, Asien und der Nahe Osten?
Wer aus der EU nach Deutschland kommt, lebt in anderen Haushaltsstrukturen als Menschen aus dem Nahen Osten oder Afrika. Diese Unterschiede sind kein Zufall — sie spiegeln unterschiedliche Einwanderungsmotive, rechtliche Rahmenbedingungen und wirtschaftliche Ausgangssituationen wider. Ein nüchterner Blick auf Zahlen, die oft missverstanden werden.
24,3 %
Armutsgefährdungsquote bei Menschen mit Einwanderungsgeschichte (2022)
11,5 %
Armutsgefährdungsquote bei Menschen ohne Einwanderungsgeschichte — halb so hoch
60,1 %
EU-Eingewanderte finanzieren ihren Lebensunterhalt durch Erwerbstätigkeit
21,4 %
Eingewanderte aus Asien (ohne Nahen Osten) bestreiten Unterhalt durch Angehörigenunterstützung
8 %
Anteil von Menschen afrikanischer Herkunft unter untergebrachten wohnungslosen Personen
Erwerbsbeteiligung nach Herkunft
Was sind Haushaltsgrößen und warum unterscheiden sie sich nach Herkunftsregion?
Ein Haushalt bezeichnet alle Personen, die gemeinsam wohnen und ihren Alltag gemeinsam organisieren. Die durchschnittliche Haushaltsgröße sagt viel darüber aus, wie Menschen ihr Leben strukturieren — wie viele Kinder sie haben, ob Großeltern oder andere Verwandte im selben Haushalt leben, und wie stark familiäre Netzwerke zur Absicherung genutzt werden.
Zwischen verschiedenen Einwanderungsgruppen in Deutschland bestehen dabei beträchtliche Unterschiede. Diese Unterschiede entstehen nicht durch Zufall oder kulturelle Vorurteile, sondern lassen sich auf drei wesentliche Faktoren zurückführen: das Einwanderungsmotiv, die rechtlichen Bedingungen des Aufenthalts und die wirtschaftliche Ausgangssituation der jeweiligen Gruppe.
Menschen, die zur Arbeitsaufnahme nach Deutschland kommen, bringen häufig andere Familienkonstellationen mit als Menschen, die vor Krieg oder Verfolgung fliehen. Wer im Rahmen der europäischen Freizügigkeit einwandert, hat andere Möglichkeiten als jemand, der jahrelang auf eine Aufenthaltserlaubnis wartet und währenddessen keine Arbeit aufnehmen darf. Diese strukturellen Unterschiede prägen die Haushaltsformen entscheidend.
EU-Einwanderung: Arbeit als zentrales Motiv — kleinere, erwerbsorientierte Haushalte
Die Migration aus EU-Mitgliedstaaten nach Deutschland ist in besonderer Weise arbeitsmarktorientiert. Seit der EU-Osterweiterung ab 2004 sind allein aus den neuen Mitgliedstaaten Millionen Menschen nach Deutschland gezogen — aus Polen und Rumänien jeweils rund 2,8 Millionen, aus Bulgarien über eine Million. Hinzu kommen Hunderttausende aus Ungarn, Italien und anderen EU-Ländern.
Wer wegen eines Jobs kommt, kommt oft zunächst allein oder zu zweit. Familien folgen nach, wenn sich das Einkommen und die Wohnsituation stabilisiert haben. Das spiegelt sich in den Zahlen wider: Über 60 Prozent der Menschen mit Einwanderungsgeschichte aus EU-Staaten finanzieren ihren Lebensunterhalt durch eigene Erwerbstätigkeit. Dieser Wert ist vergleichbar mit dem der deutschen Bevölkerung ohne Einwanderungsgeschichte.
Die Haushalte sind im Durchschnitt kleiner, die Erwerbsbeteiligung ist hoch, und familiäre Unterstützungsnetzwerke spielen eine geringere Rolle bei der wirtschaftlichen Absicherung. Das ist kein Zufall: Wer legal und mit gesichertem Aufenthaltsstatus arbeiten darf, muss weniger auf informelle Strukturen zurückgreifen.
Südwesteuropa: Zwischen Gastarbeitertradition und neuer Zuwanderung
Eine besondere Rolle spielen Eingewanderte aus Südwesteuropa — also aus Ländern wie Italien, Spanien, Griechenland und Portugal. Diese Gruppe weist eine lange Geschichte in Deutschland auf, die bis in die Gastarbeiteranwerbung der 1950er und 1960er Jahre zurückreicht. Viele Nachkommen dieser ersten Generation sind längst vollständig in den deutschen Arbeitsmarkt integriert und belegen häufiger mittlere und höhere Angestelltenpositionen als andere Migrantengruppen.
Gleichzeitig kamen nach der Finanzkrise 2008 viele junge Südeuropäer erneut nach Deutschland, diesmal nicht auf Einladung der Bundesregierung, sondern wegen der Arbeitslosigkeit in ihren Heimatländern. Auch diese Gruppe ist ausgeprägt erwerbsorientiert und bildet vergleichsweise kleine, mobile Haushalte.
Naher Osten und Afrika: Fluchtmigration mit anderen Ausgangsbedingungen
Anders ist die Situation bei Menschen, die aus dem Nahen und Mittleren Osten sowie aus Afrika eingewandert sind. Für diese Gruppen ist Fluchtmigration das dominante Einwanderungsmotiv — aus Syrien, dem Irak, Afghanistan, aber auch aus eritreischen und somalischen Krisengebieten sowie aus nordafrikanischen Ländern.
Dieser Unterschied im Einwanderungsgrund hat unmittelbare strukturelle Folgen: Wer Asyl beantragt oder auf einen Schutzstatus wartet, unterliegt in Deutschland für eine bestimmte Zeit rechtlichen Beschränkungen beim Zugang zum Arbeitsmarkt. Während der Wartezeit auf eine Entscheidung sind viele Menschen auf staatliche Unterstützung angewiesen — nicht weil sie nicht arbeiten wollen, sondern weil das Recht dazu zunächst fehlt oder stark eingeschränkt ist.
Größere Haushalte als strukturelle Reaktion
In Kontexten, in denen staatliche Absicherung begrenzt oder unsicher ist, übernehmen Familien und erweiterte Haushalte eine Schutzfunktion. Das gilt sowohl in den Herkunftsländern als auch oft noch in den ersten Jahren nach der Ankunft in Deutschland. Menschen leben zusammen, teilen Kosten, organisieren Kinderbetreuung gemeinsam und sichern sich gegenseitig ab.
Dieses Muster ergibt sich nicht aus kultureller Rückständigkeit, wie gelegentlich behauptet wird, sondern ist eine rationale Reaktion auf ökonomische Unsicherheit. Auch in Deutschland gab es historisch Phasen, in denen Mehrgenerationenhaushalte die Norm waren — aus denselben wirtschaftlichen Gründen.
Hinzu kommt: Wer geflohen ist, hat oft den Kontakt zu Teilen seiner Familie verloren oder konnte Angehörige nicht mitnehmen. Der Familiennachzug ist rechtlich eingeschränkt und dauert mitunter Jahre. Die tatsächlichen Haushalte in Deutschland sind deshalb nicht zwangsläufig so groß, wie es das Bild der "Großfamilie" suggeriert — die Mehrzahl der Geflüchteten lebt zunächst allein oder in kleinen Einheiten.
Asien und Amerika: Die Bedeutung familiärer Netzwerke
Eine besondere Gruppe sind Eingewanderte aus asiatischen Ländern — mit Ausnahme des Nahen und Mittleren Ostens. Diese Menschen kommen teils aus Ländern mit starker Bildungsmigration (etwa aus Indien, China oder Südkorea), teils im Rahmen von Fachkräftezuwanderung, teils als Familiennachzügler.
Auffällig: Rund ein Fünftel der in Deutschland lebenden Menschen mit asiatischer Herkunft gibt an, den Lebensunterhalt durch Unterstützung von Angehörigen zu bestreiten. Dieser Wert ist deutlich höher als bei EU-Eingewanderten. Ähnlich verhält es sich bei Eingewanderten aus Nord- und Südamerika: Auch hier spielen familiäre Transfers eine überdurchschnittliche Rolle.
Das kann verschiedene Hintergründe haben: Studierende, die von ihren Familien im Ausland unterstützt werden, Ehepartnerinnen, die zunächst nicht arbeiten, oder Menschen, die gerade erst angekommen sind und noch keinen Job gefunden haben. Diese Zahl sagt also wenig über den langfristigen Integrationserfolg der Gruppe aus — sie beschreibt eher eine Phase im Einwanderungsprozess.
Einnahme-Quellen nach Herkunftsregion — Überblick
| Herkunftsregion | Haupteinnahmequelle | Besonderheit |
|---|---|---|
| EU-Staaten | Erwerbstätigkeit (60,1 %) | Hohe Erwerbsbeteiligung, EU-Freizügigkeit ermöglicht sofortigen Arbeitsmarktzugang |
| Nord- und Südamerika | Erwerbstätigkeit (61,6 %) | Höchster Erwerbsanteil; gleichzeitig 19,9 % Angehörigenunterstützung |
| Asien (ohne Naher Osten) | Gemischt | 21,4 % Angehörigenunterstützung — höchster Anteil aller Gruppen |
| Naher/Mittlerer Osten | Staatliche Leistungen | Fluchtmigration; oft rechtliche Beschränkungen beim Arbeitsmarktzugang |
| Afrika | Staatliche Leistungen | Starker Fluchtanteil; 8 % der untergebrachten Wohnungslosen aus Afrika |
Armutsgefährdung: Warum die Herkunft die Risiken strukturell beeinflusst
Die Armutsgefährdungsquote ist der zentrale Indikator für wirtschaftliche Prekarität: Sie gibt an, welcher Anteil einer Bevölkerungsgruppe mit weniger als 60 Prozent des gesellschaftlichen Medianeinkommens auskommen muss. Dieser Schwellenwert entspricht dem, was allgemein als gesellschaftlicher Mindeststandard gilt.
Das Gefälle zwischen Menschen mit und ohne Einwanderungsgeschichte ist dabei erheblich: Während knapp 12 Prozent der deutschen Bevölkerung ohne Einwanderungsgeschichte als armutsgefährdet gelten, liegt dieser Wert bei Menschen mit Einwanderungsgeschichte mehr als doppelt so hoch — bei über 24 Prozent. Das bedeutet: Nahezu jede vierte Person mit Einwanderungsgeschichte lebt unter Bedingungen, die als armutsgefährdet eingestuft werden.
Strukturelle Gründe für erhöhte Armutsgefährdung
Diese Ungleichheit ist keine Frage individueller Eigenschaften oder mangelnden Willens. Sie entsteht aus strukturellen Faktoren, die eng mit dem Einwanderungsweg zusammenhängen:
- Verzögerter Arbeitsmarktzugang: Wer erst nach Monaten oder Jahren legal arbeiten darf, verliert wertvolle Zeit für den Aufbau von Einkommen, Rentenansprüchen und beruflicher Qualifikation.
- Anerkennung von Abschlüssen: Ausländische Bildungsabschlüsse werden in Deutschland häufig nicht oder nur eingeschränkt anerkannt. Ingenieure arbeiten als Hilfskräfte, Ärztinnen als Pflegehilfskräfte.
- Sprachbarrieren: Ohne ausreichende Deutschkenntnisse sind die meisten Berufe nicht erreichbar. Sprachkurse sind oft rar, die Wartezeiten lang.
- Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt: Empirische Studien belegen, dass Bewerber mit fremdklingenden Namen trotz gleicher Qualifikation seltener zu Vorstellungsgesprächen eingeladen werden.
- Wohnungsmarkt: Menschen mit Einwanderungsgeschichte sind überproportional von Wohnungslosigkeit und beengten Wohnverhältnissen betroffen, was ihrerseits die Jobsuche erschwert.
Wichtiger Hinweis: Die erhöhte Armutsgefährdung bei Menschen mit Einwanderungsgeschichte ist kein Beleg dafür, dass Integration "gescheitert" ist. Die Zahlen beschreiben häufig die frühe Phase nach der Einwanderung. Langzeitstudien zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation vieler Eingewanderter mit zunehmender Aufenthaltsdauer deutlich verbessert — sofern strukturelle Hürden abgebaut werden.
Wohnungslosigkeit: Wo Herkunft und Obdachlosigkeit zusammentreffen
Ein besonders ernster Aspekt der sozialen Lage betrifft Wohnungslosigkeit. Unter den Menschen, die in Deutschland ohne gesicherte Unterkunft leben oder in Notunterkünften untergebracht sind, ist der Anteil von Menschen ohne deutschen Pass deutlich überproportional.
Rund 20 Prozent der nicht institutionell untergebrachten wohnungslosen Personen haben die Staatsangehörigkeit eines asiatischen Landes — darunter besonders häufig Menschen aus Syrien und Afghanistan, je etwa 6 Prozent. Weitere 8 Prozent sind afrikanischer Herkunft. Diese Zahlen spiegeln die Schutzlosigkeit vieler Geflüchteter wider, die keinen regulären Zugang zur staatlichen Wohnraumversorgung haben oder aus verschiedenen Gründen keine Unterkunft in Geflüchteteneinrichtungen bewohnen.
Besonders auffällig ist der hohe Anteil von Personen, die erst seit sehr kurzer Zeit wohnungslos sind — ein Hinweis darauf, dass Eingewanderte häufiger in kurzfristige Wohnungslosigkeit geraten, also in eine Situation, die ohne schnelle Hilfe dauerhaft werden kann. Menschen aus osteuropäischen EU-Ländern hingegen sind oft schon lange wohnungslos, was auf andere, verfestigte Problemlagen hinweist.
Diskriminierung bei der Wohnungssuche
Zur Wohnungslosigkeit trägt auch direkte Diskriminierung bei: Rund 18 Prozent der nichtdeutschen wohnungslosen Menschen berichten von Diskriminierungserfahrungen bei der Wohnungssuche. Das ist keine Randerscheinung, sondern ein systemisches Problem auf einem angespannten Wohnungsmarkt, auf dem Vermieter unter vielen Bewerbern auswählen können und dabei Vorurteile eine Rolle spielen.
Armut und Wohnungslosigkeit sind selten Einzelschicksale — sie entstehen aus dem Zusammenspiel von Einkommensarmut, eingeschränkten rechtlichen Möglichkeiten und gesellschaftlichen Barrieren. Wer keinen sicheren Aufenthaltsstatus hat, kann keine langfristigen Mietverträge abschließen. Wer kein geregeltes Einkommen vorweisen kann, bekommt keine Wohnung. Ein Teufelskreis, der sich nur durch gezielte politische Eingriffe durchbrechen lässt.
Was können Betroffene tun — und was muss sich strukturell verändern?
Für Menschen, die in Deutschland eingewandert sind und sich in einer wirtschaftlich schwierigen Situation befinden, gibt es verschiedene Anlaufstellen. Caritas, Diakonie und das Deutsche Rote Kreuz bieten in vielen Städten kostenlose Beratung zu Sozialleistungen, Wohnungssuche und Aufenthaltsfragen. Migrationsberatungsstellen des Bundes (MBE) sind bundesweit verfügbar und bieten niedrigschwellige Unterstützung.
Wer Bürgergeld bezieht, hat Anspruch auf Leistungen zur Eingliederung in Arbeit — darunter Sprachkurse, Qualifizierungsmaßnahmen und Bewerbungscoaching. Das Anerkennungsgesetz gibt Eingewanderten das Recht, ihre ausländischen Berufsabschlüsse prüfen zu lassen und eine Beratung zu erhalten, wie eine Angleichung möglich ist.
Strukturell braucht es schnellere Asylverfahren, früheren Arbeitsmarktzugang für Schutzsuchende und eine Reform der Abschlusserkennung. Auch der geförderte Wohnungsbau muss deutlich ausgebaut werden — nicht nur für Eingewanderte, sondern für alle Menschen mit geringem Einkommen. Denn letztlich betrifft die Wohnungskrise alle: Einkommensungleichheit und Wohnungsnot sind keine migrations-, sondern Gesellschaftsprobleme.
Kurz gesagt: Rund jede vierte Person in Deutschland hat eine Einwanderungsgeschichte — 2023 waren es 25,2 Prozent oder 21,2 Millionen Menschen. Ihre Lebensverhältnisse unterscheiden sich messbar von denen der Bevölkerung ohne Einwanderungsgeschichte: Sie zahlen im Durchschnitt höhere Quadratmetermieten (9,20 statt 8,40 Euro), geben einen größeren Teil ihres Einkommens für das Wohnen aus (30,1 statt 27,6 Prozent) und ihre Kinder besuchen deutlich seltener ein Gymnasium (34,2 statt 48,3 Prozent). Wie groß die Unterschiede ausfallen, hängt stark von der Herkunftsregion, dem Einwanderungsmotiv und dem Aufenthaltsstatus ab.
Wie viele Menschen in Deutschland haben eine Einwanderungsgeschichte?
Bevor es um Unterschiede zwischen Herkunftsregionen geht, lohnt sich der Blick auf die Größenordnung. Eine Einwanderungsgeschichte hat, wer selbst eingewandert ist oder wessen beide Eltern eingewandert sind. Im Jahr 2023 traf das auf 21,2 Millionen Menschen zu — 25,2 Prozent der Bevölkerung in Deutschland. Hinzu kommen 4,8 Prozent, bei denen nur ein Elternteil eingewandert ist. Zusammengenommen hat also rund ein Drittel der Bevölkerung eine familiäre Einwanderungsgeschichte, ein Viertel im engeren statistischen Sinn.
Diese Zahl ist wichtig, weil sie eine verbreitete Verzerrung korrigiert. "Menschen mit Einwanderungsgeschichte" ist keine kleine Randgruppe und keine einheitliche Gruppe. Darin enthalten sind polnische Pflegekräfte, in Deutschland geborene Kinder türkischer Gastarbeiter, syrische Geflüchtete, indische IT-Fachkräfte und spanische Rentnerinnen. Ein einzelner Durchschnittswert für diese 21,2 Millionen Menschen sagt deshalb wenig aus — er verdeckt mehr, als er erklärt. Aussagekräftig wird die Statistik erst, wenn man nach Herkunftsregion, Einwanderungsmotiv und Aufenthaltsdauer unterscheidet.
Gleichzeitig zeigen die Durchschnittswerte, dass es strukturelle Unterschiede gibt, die sich nicht mit individuellen Entscheidungen erklären lassen. Die Armutsgefährdungsquote von Menschen mit Einwanderungsgeschichte lag 2022 bei 24,3 Prozent und damit mehr als doppelt so hoch wie bei Menschen ohne Einwanderungsgeschichte (11,5 Prozent). Ähnliche Muster finden sich beim Wohnen und in der Bildung.
Kurzantwort: 2023 hatten 21,2 Millionen Menschen in Deutschland eine Einwanderungsgeschichte — 25,2 Prozent der Bevölkerung. Bei weiteren 4,8 Prozent ist ein Elternteil eingewandert. Die Gruppe ist sehr heterogen: Sie umfasst Arbeitsmigration, Fluchtmigration, Bildungsmigration und in Deutschland geborene Nachkommen. Aussagekräftige Vergleiche sind deshalb nur nach Herkunftsregion und Einwanderungsmotiv möglich.
Wohnkosten und Mietbelastung im Vergleich
Haushaltsgröße und Wohnsituation hängen unmittelbar zusammen. Wer eine Wohnung sucht, ist auf einen Markt angewiesen, der nicht für alle gleich funktioniert. Die Zahlen zeigen einen doppelten Nachteil: Menschen mit Einwanderungsgeschichte zahlen pro Quadratmeter mehr und müssen zugleich einen größeren Anteil ihres Einkommens für das Wohnen aufbringen.
Die durchschnittliche Nettokaltmiete lag bei Haushalten mit Einwanderungsgeschichte bei 9,20 Euro je Quadratmeter, bei Haushalten ohne Einwanderungsgeschichte bei 8,40 Euro. Der Unterschied von 80 Cent je Quadratmeter summiert sich: Bei einer 70-Quadratmeter-Wohnung sind das rund 56 Euro mehr im Monat oder etwa 670 Euro im Jahr — für Wohnraum, der nicht besser ist.
Warum die Quadratmetermiete höher liegt
Für den Unterschied gibt es mehrere strukturelle Gründe. Menschen mit Einwanderungsgeschichte leben überdurchschnittlich häufig in großen Städten und Ballungsräumen, wo die Mieten generell höher sind. Sie wohnen seltener im Eigentum und sind damit häufiger von Marktmieten betroffen. Und sie ziehen im Durchschnitt häufiger um — jeder Umzug bedeutet einen neuen Mietvertrag zu aktuellen, meist höheren Konditionen, während lange bestehende Mietverhältnisse von günstigen Altverträgen profitieren.
Was die Mietbelastungsquote bedeutet
Die Mietbelastungsquote gibt an, welchen Anteil des verfügbaren Haushaltseinkommens die Bruttokaltmiete beansprucht. Bei Haushalten mit Einwanderungsgeschichte lag sie bei 30,1 Prozent, bei Haushalten ohne Einwanderungsgeschichte bei 27,6 Prozent. Als Überbelastung gilt in der amtlichen Statistik eine Quote von mehr als 40 Prozent.
Der Abstand von 2,5 Prozentpunkten klingt klein, hat aber Folgen für den Alltag. Je höher die Mietbelastung, desto weniger Geld bleibt für Ernährung, Gesundheit, Mobilität, Bildung der Kinder und Rücklagen. Haushalte mit hoher Mietbelastung haben kaum Puffer, wenn die Waschmaschine kaputtgeht oder eine Nebenkostennachzahlung kommt. Genau an dieser Stelle entstehen Mietschulden — und aus Mietschulden können Kündigung und Wohnungsverlust folgen.
Verstärkt wird die Lage durch Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt. Wer bei der Wohnungssuche wegen des Namens oder der Herkunft aussortiert wird, hat weniger Auswahl und muss häufiger schlechtere Angebote zu höheren Preisen annehmen. Eine Benachteiligung wegen der ethnischen Herkunft bei der Wohnraumvermietung ist nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz unzulässig; Betroffene können sich an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes wenden.
Kurzantwort: Haushalte mit Einwanderungsgeschichte zahlen im Schnitt 9,20 Euro Nettokaltmiete je Quadratmeter, Haushalte ohne Einwanderungsgeschichte 8,40 Euro. Die Mietbelastungsquote liegt bei 30,1 gegenüber 27,6 Prozent des verfügbaren Einkommens. Ursachen sind die häufigere Wohnlage in teuren Ballungsräumen, seltenes Wohneigentum, mehr Umzüge und Diskriminierung bei der Wohnungssuche. Höhere Mietbelastung bedeutet weniger Spielraum für alles Übrige — und ein größeres Risiko für Mietschulden.
Bildungsteilhabe: Wer besucht ein Gymnasium?
Bildung entscheidet in Deutschland stärker als in vielen anderen Ländern darüber, welche Chancen ein Kind später auf dem Arbeitsmarkt hat. Beim Zugang zum Gymnasium zeigt sich der größte Unterschied zwischen Kindern mit und ohne Einwanderungsgeschichte: 34,2 Prozent der Schülerinnen und Schüler mit Einwanderungsgeschichte besuchen ein Gymnasium, gegenüber 48,3 Prozent ohne Einwanderungsgeschichte. Das ist ein Abstand von 14,1 Prozentpunkten.
Woher der Abstand kommt
Der Unterschied lässt sich nicht mit unterschiedlicher Begabung erklären. Wesentlich sind soziale und materielle Faktoren, die sich überlagern:
- Einkommen und Wohnverhältnisse: Wer in einer beengten Wohnung ohne eigenen Arbeitsplatz lernt, hat schlechtere Voraussetzungen. Die höhere Mietbelastung lässt weniger Geld für Lernmittel, Nachhilfe oder Musikunterricht.
- Bildungsabschlüsse der Eltern: Viele Eltern haben ihre Abschlüsse im Ausland erworben und können das deutsche Schulsystem mit seinen frühen Übergangsentscheidungen schwer einschätzen.
- Sprache: Wenn Deutsch nicht Familiensprache ist, fehlt Unterstützung bei Hausaufgaben und beim Aufbau von Bildungssprache — nicht wegen mangelnden Interesses, sondern wegen fehlender Möglichkeiten.
- Früher Übergang: Die Entscheidung über die weiterführende Schule fällt in den meisten Bundesländern nach der vierten Klasse. Sprachliche Rückstände sind zu diesem Zeitpunkt oft noch nicht ausgeglichen.
- Wohnort: Schulen in Stadtteilen mit hoher Armutsquote haben mit schwierigeren Rahmenbedingungen zu arbeiten, was sich auf Empfehlungen und Übergänge auswirkt.
Welche Unterstützung es gibt
Für Familien mit geringem Einkommen bestehen Rechtsansprüche, die häufig nicht ausgeschöpft werden. Der Bildungsbedarf für Schülerinnen und Schüler nach § 28 SGB II beziehungsweise § 34 SGB XII umfasst Schulbedarf, Schulausflüge und mehrtägige Klassenfahrten, Schülerbeförderung, Lernförderung, Mittagsverpflegung sowie Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben. Anspruch haben Kinder in Familien mit Bürgergeld, Sozialhilfe, Wohngeld, Kinderzuschlag oder Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Die Leistungen müssen bei der zuständigen Stelle beantragt werden — meist beim Jobcenter, beim Sozialamt oder bei der Kommune.
Beratung gibt es zudem bei Migrationsberatungsstellen, bei der Jugendmigrationsberatung für junge Menschen bis 27 Jahre und in den Beratungsstellen der Wohlfahrtsverbände. Auch ein späterer Wechsel auf einen höheren Bildungsweg ist möglich: Ein Realschulabschluss mit guten Noten, eine Berufsausbildung mit anschließender Fachoberschule oder das Abendgymnasium führen ebenfalls zu Fachhochschulreife oder Abitur. Die Entscheidung nach der vierten Klasse ist keine endgültige.
Kurzantwort: 34,2 Prozent der Schülerinnen und Schüler mit Einwanderungsgeschichte besuchen ein Gymnasium, gegenüber 48,3 Prozent ohne Einwanderungsgeschichte. Ursachen sind vor allem Einkommen, Wohnverhältnisse, Sprache im Elternhaus und der frühe Übergang nach der vierten Klasse. Familien mit geringem Einkommen haben Anspruch auf Bildungsbedarfe nach § 28 SGB II beziehungsweise § 34 SGB XII — von Schulbedarf über Lernförderung bis zur Mittagsverpflegung. Zweite Bildungswege bleiben offen.
Häufige Fragen
Wie viele Menschen in Deutschland haben eine Einwanderungsgeschichte?+
2023 hatten 21,2 Millionen Menschen in Deutschland eine Einwanderungsgeschichte, das entspricht 25,2 Prozent der Bevölkerung. Als Einwanderungsgeschichte gilt, wenn eine Person selbst eingewandert ist oder beide Eltern eingewandert sind. Bei weiteren 4,8 Prozent der Bevölkerung ist nur ein Elternteil eingewandert. Damit hat rund ein Viertel der Bevölkerung eine Einwanderungsgeschichte im engeren Sinn und etwa ein Drittel eine familiäre Einwanderungsgeschichte.
Zahlen Menschen mit Einwanderungsgeschichte höhere Mieten?+
Ja, im Durchschnitt. Haushalte mit Einwanderungsgeschichte zahlen 9,20 Euro Nettokaltmiete je Quadratmeter, Haushalte ohne Einwanderungsgeschichte 8,40 Euro. Auch die Mietbelastungsquote ist höher: 30,1 Prozent des verfügbaren Einkommens gegenüber 27,6 Prozent. Gründe sind unter anderem die häufigere Wohnlage in teuren Ballungsräumen, weniger Wohneigentum, mehr Umzüge und damit mehr neue Mietverträge sowie Diskriminierung bei der Wohnungssuche.
Welche Unterstützung gibt es für Schulkosten bei geringem Einkommen?+
Familien mit Bürgergeld, Sozialhilfe, Wohngeld, Kinderzuschlag oder Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz haben Anspruch auf Bildungsbedarfe nach § 28 SGB II beziehungsweise § 34 SGB XII. Dazu gehören Schulbedarf, Schulausflüge und Klassenfahrten, Schülerbeförderung, Lernförderung bei Versetzungsgefährdung, Mittagsverpflegung in der Schule und ein Betrag für Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben. Die Leistungen müssen beantragt werden, in der Regel beim Jobcenter, beim Sozialamt oder bei der Kommune.
Wie viele Menschen in Deutschland haben eine Einwanderungsgeschichte?+
2023 hatten 21,2 Millionen Menschen in Deutschland eine Einwanderungsgeschichte, das entspricht 25,2 Prozent der Bevölkerung. Als Einwanderungsgeschichte gilt, wenn eine Person selbst eingewandert ist oder beide Eltern eingewandert sind. Bei weiteren 4,8 Prozent der Bevölkerung ist nur ein Elternteil eingewandert. Damit hat rund ein Viertel der Bevölkerung eine Einwanderungsgeschichte im engeren Sinn und etwa ein Drittel eine familiäre Einwanderungsgeschichte.
Zahlen Menschen mit Einwanderungsgeschichte höhere Mieten?+
Ja, im Durchschnitt. Haushalte mit Einwanderungsgeschichte zahlen 9,20 Euro Nettokaltmiete je Quadratmeter, Haushalte ohne Einwanderungsgeschichte 8,40 Euro. Auch die Mietbelastungsquote ist höher: 30,1 Prozent des verfügbaren Einkommens gegenüber 27,6 Prozent. Gründe sind unter anderem die häufigere Wohnlage in teuren Ballungsräumen, weniger Wohneigentum, mehr Umzüge und damit mehr neue Mietverträge sowie Diskriminierung bei der Wohnungssuche.
Welche Unterstützung gibt es für Schulkosten bei geringem Einkommen?+
Familien mit Bürgergeld, Sozialhilfe, Wohngeld, Kinderzuschlag oder Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz haben Anspruch auf Bildungsbedarfe nach § 28 SGB II beziehungsweise § 34 SGB XII. Dazu gehören Schulbedarf, Schulausflüge und Klassenfahrten, Schülerbeförderung, Lernförderung bei Versetzungsgefährdung, Mittagsverpflegung in der Schule und ein Betrag für Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben. Die Leistungen müssen beantragt werden, in der Regel beim Jobcenter, beim Sozialamt oder bei der Kommune.
Warum sind Menschen aus dem Nahen Osten und Afrika stärker armutsgefährdet als EU-Eingewanderte?+
Der entscheidende Unterschied liegt im Einwanderungsweg. Menschen aus dem Nahen Osten und Afrika kommen häufig als Schutzsuchende — und haben für die Dauer des Asylverfahrens eingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt. Wer nicht arbeiten darf, kann kein Einkommen aufbauen. EU-Eingewanderte hingegen dürfen sofort und ohne Einschränkungen arbeiten. Dazu kommen Sprachbarrieren, fehlende Abschlusserkennung und Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt, die unabhängig vom Einwanderungsweg wirken.
Haben Menschen aus bestimmten Herkunftsregionen grundsätzlich größere Haushalte?+
Größere Haushalte entstehen häufig dort, wo wirtschaftliche Unsicherheit familiäre Netzwerke als Schutz notwendig macht — das gilt für Geflüchtete ebenso wie für Menschen in anderen prekären Situationen. Allerdings ist das Bild komplexer als es wirkt: Viele Geflüchtete leben zunächst allein, weil Familiennachzug rechtlich begrenzt und aufwendig ist. Die "Großfamilie" als Regelfall ist ein Klischee, das die Datenlage nicht stützt.
Was bedeutet die hohe Armutsgefährdungsquote bei Eingewanderten für die Gesellschaft?+
Wenn nahezu jede vierte Person mit Einwanderungsgeschichte armutsgefährdet ist, hat das gesellschaftliche Folgekosten: höhere Ausgaben für Sozialleistungen, geringere Steuereinnahmen, verpasstes wirtschaftliches Potenzial. Gleichzeitig zeigen Langzeitstudien, dass Integration gelingt, wenn strukturelle Hürden abgebaut werden. Investitionen in Sprachkurse, Abschlusserkennung und frühzeitigen Arbeitsmarktzugang zahlen sich langfristig aus — für Eingewanderte und für die Gesellschaft insgesamt.
Warum sind nichtdeutsche Staatsbürger überproportional von Wohnungslosigkeit betroffen?+
Mehrere Faktoren kommen zusammen: eingeschränkte Rechtslage (kein gesicherter Aufenthalt, deshalb kein langfristiger Mietvertrag), Armutsgefährdung durch fehlenden Arbeitsmarktzugang, Diskriminierung bei der Wohnungssuche und fehlende soziale Netzwerke, die bei der Wohnungssuche helfen könnten. Besonders gefährdet sind Menschen, die gerade angekommen sind und noch keine staatliche Unterkunft zugewiesen bekommen haben — oder die aus staatlichen Unterkünften entlassen wurden, ohne eine eigene Wohnung gefunden zu haben.
Welche Hilfsmöglichkeiten gibt es für eingewanderte Menschen in wirtschaftlicher Not?+
Je nach Aufenthaltsstatus gibt es unterschiedliche Zugänge: Bürgergeld-Bezieher haben Anspruch auf Eingliederungsleistungen inklusive Sprachkursen. Migrationsberatungsstellen (MBE) des Bundes beraten kostenlos zu Sozialleistungen und Aufenthaltsfragen. Caritas, Diakonie und Rotes Kreuz bieten Sozialberatung an. Für Fragen zur Abschlusserkennung gibt es die Beratungsstelle "Faire Integration" sowie das Portal make-it-in-germany.com. Im Falle von Wohnungslosigkeit ist das örtliche Sozialamt die erste Anlaufstelle — ein Anspruch auf Notunterbringung besteht unabhängig von der Staatsbürgerschaft.
Das könnte dich auch interessieren
- Wohnungslosigkeit in Deutschland Ursachen, Zahlen und Hilfsangebote
- Kinderarmut Wie Armut das Aufwachsen beeinflusst
- Bildungsarmut Zusammenhang von Bildung und sozialem Aufstieg
- Bürgergeld Leistungen, Voraussetzungen und Rechte
- Einkommensungleichheit Schere zwischen arm und reich in Deutschland
- Soziale Teilhabe Was gesellschaftliche Teilhabe bedeutet und kostet