Arbeitsmarkt & Verdienste
Lohnungleichheit in Deutschland: Was Arbeitnehmer je nach Bundesland verdienen — und was das mit Armut zu tun hat
Ein durchschnittlicher Vollzeitjob in Hamburg bringt fast 40 Prozent mehr Bruttostundenlohn als derselbe Job in Mecklenburg-Vorpommern. Die Lohnkarte Deutschlands ist auch eine Armutskarte.
21,92 €
Durchschnittlicher Bruttostundenverdienst Deutschland gesamt (Vollzeit und Teilzeit, ohne Minijobs, 2018)
24,13 €
Hamburg — höchster Bruttostundenverdienst aller Bundesländer (2018)
17,16 €
Mecklenburg-Vorpommern — niedrigster Bruttostundenverdienst (2018) — 29 % unter Hamburg
1,4 Mio.
Offene Stellen im Jahresdurchschnitt 2023 — trotz Arbeitskräftemangel bleibt Niedriglohn ein Strukturproblem
507.800
Tage Ersatzfreiheitsstrafe 2024 durch gemeinnützige Arbeit abgewendet — Armutsfolgen im Rechtssystem
18 %
So groß war der unbereinigte Gender Pay Gap 2023: Frauen verdienten pro Stunde im Durchschnitt 18 Prozent weniger als Männer.
6 %
So groß war der bereinigte Gender Pay Gap 2023 — also die Lücke, die bleibt, wenn Beruf, Qualifikation, Branche und Arbeitszeit vergleichbar sind.
44,3 %
Gender Care Gap 2022: Frauen leisteten täglich 1 Stunde und 19 Minuten mehr unbezahlte Arbeit als Männer. 2012/13 lag der Wert noch bei 52,4 Prozent.
39,4 %
So groß ist der Gender Pension Gap: Frauen ab 65 Jahren haben im Durchschnitt 39,4 Prozent geringere eigene Alterseinkünfte als Männer.
28 %
Frauenanteil in der ersten Führungsebene der Privatwirtschaft und bei Hochschulprofessuren — obwohl 62 Prozent der 25- bis 29-jährigen Frauen Abitur oder Fachhochschulreife haben.
Bruttostundenverdienst nach Bundesland (2018)
Deutschland hat Vollbeschäftigung als politisches Ziel propagiert — und statistisch oft als erreicht gefeiert. Doch Beschäftigung und auskömmliches Einkommen sind nicht dasselbe. Wer in Deutschland arbeitet, verdient sehr unterschiedlich viel: je nach Region, Branche, Geschlecht und Beschäftigungsform. Die Lohnkarte Deutschlands zeigt eine Spaltung, die sich nicht mit der Wiedervereinigung erklärt, sondern mit strukturellen Entscheidungen, die bis heute fortwirken.
Bruttostundenverdienste: Was Arbeitnehmer je nach Bundesland verdienen
Die Bruttostundenverdienste vollzeit- und teilzeitbeschäftigter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer — ohne geringfügig Beschäftigte, also ohne Minijobs — lagen 2018 deutschlandweit im Schnitt bei 21,92 Euro. Diese Zahl verbirgt eine erhebliche regionale Spannweite.
An der Spitze steht Hamburg mit 24,13 Euro pro Stunde, gefolgt von Hessen (24,07 Euro) und Baden-Württemberg (23,58 Euro). Bayern liegt mit 23,15 Euro ebenfalls deutlich über dem Bundesschnitt. Am anderen Ende der Skala stehen die ostdeutschen Flächenländer: Mecklenburg-Vorpommern kommt auf 17,16 Euro, Sachsen-Anhalt auf 17,56 Euro, Thüringen auf 17,70 Euro und Brandenburg auf 17,84 Euro. Sachsen liegt mit 18,06 Euro knapp darüber.
Die Differenz zwischen Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern beträgt fast sieben Euro je Arbeitsstunde — bei einer Vollzeitstelle von 40 Stunden in der Woche entspricht das einem monatlichen Bruttoeinkommensunterschied von über 1.200 Euro. Das ist keine Marginalie, das ist eine andere Lebenswirklichkeit.
Auffällig ist, dass selbst westdeutsche Bundesländer mit vergleichsweise schwacher Wirtschaftsstruktur deutlich unter den Spitzenwerten liegen: Schleswig-Holstein (20,12 Euro), Niedersachsen (20,90 Euro) und Rheinland-Pfalz (21,37 Euro) sind merklich unter dem Bundesdurchschnitt. Das zeigt: Die Ost-West-Spaltung überlagert eine generelle Schichtung, die mit wirtschaftlicher Verdichtung, Infrastruktur und Branchenstruktur zusammenhängt.
Lohnungleichheit in Deutschland: Auf einen Blick
- Definition
- Systematische Unterschiede in Bruttostundenverdiensten zwischen Regionen, Branchen und Beschäftigungsformen, die zu ungleicher Einkommensverteilung führen
- Spannweite
- Hamburg 24,13 € bis Mecklenburg-Vorpommern 17,16 € — Unterschied von 41 % (2018, Bruttostundenlohn)
- Trend
- Angleichung läuft, aber langsam — 35 Jahre nach der Wiedervereinigung bleibt ein struktureller Ost-West-Abstand
- Ursachen
- Unterschiedliche Branchen- und Unternehmensstruktur, Tarifbindungsquoten, wirtschaftliche Verdichtung, Abwanderung von Fachkräften
- Folgen
- Niedriglohn erhöht Armutsrisiko trotz Arbeit, begrenzt Vermögensaufbau, führt zu geringeren Rentenansprüchen
- Irrtum
- Wer arbeitet, ist nicht arm — das stimmt nicht. Rund 8 % der Beschäftigten in Deutschland zählen zu den Working Poor
Warum der Abstand so hartnäckig bleibt
Die Lohnunterschiede zwischen Ost und West haben tiefe strukturelle Wurzeln, die nicht allein mit der wirtschaftlichen Ausgangslage nach der Wiedervereinigung zu erklären sind.
Tarifbindung und Unternehmensstruktur
In Westdeutschland sind deutlich mehr Betriebe tarifgebunden — sie zahlen nach Flächentarifverträgen, die Branchenstandards setzen. In Ostdeutschland ist der Organisationsgrad der Gewerkschaften und die Tarifbindung von Unternehmen deutlich niedriger. Das Ergebnis: Löhne werden häufiger individuell ausgehandelt — und der strukturell schwächere Verhandlungspartner ist in solchen Verhandlungen die Arbeitnehmerin, nicht das Unternehmen.
Dazu kommt die Unternehmensstruktur: Ostdeutsche Wirtschaft ist kleinteilig. Große Industriebetriebe mit überdurchschnittlichen Löhnen fehlen weitgehend — bis auf Ausnahmen wie die Automobilindustrie in Sachsen und Thüringen. Die Lücke der ehemaligen Kombinate wurde nie vollständig durch lohnstarke Industrie ersetzt.
Abwanderung und Fachkräftemangel
Ostdeutsche Regionen kämpfen seit Jahrzehnten mit Abwanderung — besonders junger und gut ausgebildeter Menschen. Wer mehr verdienen will, geht dorthin, wo mehr gezahlt wird. Das entzieht den Regionen genau die Arbeitskräfte, die eine Lohnanpassung nach oben ermöglichen würden. Der Fachkräftemangel zeigt sich bundesweit: Im Jahresdurchschnitt 2023 waren rund 1,4 Millionen Stellen unbesetzt — aber auch hier ist die regionale Verteilung ungleich. In wirtschaftlich schwachen Regionen treffen offene Stellen im Niedriglohnbereich auf Menschen, die sich höhere Löhne wünschen, aber oft keine Alternative haben.
Branchen- und Sektoreffekte
Verdienste hängen stark von der Branche ab. Finanzdienstleistungen, Pharma, Automobil und Technologie zahlen überdurchschnittlich — und konzentrieren sich in bestimmten Regionen: Frankfurt, München, Stuttgart, Hamburg. Handel, Gastgewerbe, Pflege, Reinigung zahlen unterdurchschnittlich — und sind flächendeckend präsent. Wer in einem strukturell niedriglöhnigen Beruf arbeitet, dem hilft eine gute Konjunktur wenig, wenn die Branche selbst keine Spielräume nach oben hat.
Das führt direkt zu einem der zentralen Armutsprobleme: Armut trotz Arbeit. Rund acht Prozent der Vollzeitbeschäftigten in Deutschland zählen statistisch zu den Working Poor — Menschen, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen, aber trotzdem armutsgefährdet sind. Für sie ist mehr Arbeit keine Lösung: Der Stundenlohn bleibt gleich niedrig, egal wie viele Stunden gearbeitet werden. Wer zusätzlich in einer Region mit schlechtem Nahverkehr lebt und kein Auto besitzt, ist dabei vom Arbeitsmarkt doppelt abgehängt — wie der Artikel zu ÖPNV und Mobilitätsarmut zeigt.
Verdienste und Armutsrisiko: Wer verliert, wer gewinnt
Lohnungleichheit ist keine abstrakte Verteilungsfrage — sie entscheidet über Armutsrisiken, Rentenansprüche und Vermögensaufbau. Wer dauerhaft wenig verdient, spart weniger, baut keine Rücklage auf und ist bei Jobverlust, Krankheit oder Pflege schneller auf staatliche Hilfe angewiesen.
Rente und Altersarmut
Die Rentenversicherung basiert auf Entgeltpunkten: Wer ein Jahr lang exakt den Durchschnittsverdienst aller Versicherten verdient, erwirbt einen Entgeltpunkt. Wer dauerhaft unter dem Durchschnitt liegt — also zum Beispiel in einem ostdeutschen Bundesland — sammelt entsprechend weniger Punkte. Das Ergebnis: niedrigere Rentenansprüche im Alter. Altersarmut ist also keine zufällige Erscheinung am Lebensende — sie ist oft die kumulierte Wirkung eines Arbeitslebens im Niedriglohnbereich.
Frauen und geschlechtsspezifische Lohnlücken
Der regionale Lohnabstand überlagert sich mit dem Gender Pay Gap. Deutschland hat einen der höchsten unbereinigten Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen in der EU — im Schnitt verdienen Frauen rund 18 Prozent weniger als Männer (unadjustierter Gap). Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit, häufiger in niedrig entlohnten Branchen und häufiger in Berufen, die gesellschaftlich als weniger wert gelten — obwohl sie oft hohe Qualifikation erfordern. Die Folge: Frauen sind im Alter überproportional von Altersarmut betroffen.
Minijobs: Sichtbare Beschäftigung, unsichtbare Armutsgefahr
Die Bruttostundenverdienststatistik schließt Minijobs bewusst aus — denn sie verzerren das Bild erheblich nach unten. Rund sieben Millionen Menschen in Deutschland haben einen Minijob als einzige Beschäftigung. Sie sind sozialversicherungsrechtlich nicht vollständig abgesichert, bauen kaum Rentenansprüche auf und haben im Krankheitsfall keinen Anspruch auf Krankengeld. Der Minijob als Dauerzustand ist eine Armutsrisiko-Konstruktion, die der Gesetzgeber ausdrücklich zugelassen hat.
Für Menschen, die in Schuldensituationen stecken oder auf Grundsicherung angewiesen sind, ist die Rückkehr in den regulären Arbeitsmarkt oft durch strukturelle Hindernisse erschwert: fehlende Kinderbetreuung, gesundheitliche Einschränkungen, Lücken im Lebenslauf — und in manchen Regionen schlicht ein Arbeitsmarkt, der nur Niedriglohnjobs anbietet, die selbst mit Vollzeitstelle kein auskömmliches Leben ermöglichen.
Exportstärke und innere Lohnrealität: Ein Widerspruch
Deutschland ist eine der größten Exportnationen der Welt. Das Exportvolumen lag 2025 bei 1.351 Milliarden Euro — ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Das verfügbare Einkommen aller privaten Haushalte betrug 2018 insgesamt 2.360 Milliarden Euro. Diese Zahlen klingen nach einem wohlhabenden Land — und Deutschland ist wohlhabend. Aber Wohlstand verteilt sich nicht automatisch.
Die volkswirtschaftliche Stärke konzentriert sich in exportorientierten Leitbranchen: Automobilbau, Maschinenbau, Chemie, Elektrotechnik. Diese Branchen zahlen gut — aber sie beschäftigen nur einen Teil der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Die große Mehrheit arbeitet im Dienstleistungssektor: im Handel, der Pflege, der Gastronomie, der Reinigung, im Handwerk. Und genau diese Bereiche stagnieren lohnpolitisch.
Das führt zu einer strukturellen Paradoxie: Ein Land kann exportweltmeisterlich und gleichzeitig niedriglohnintensiv sein. Die Erträge aus der Exportstärke fließen in Unternehmensgewinne und obere Einkommensgruppen — nicht automatisch in die Löhne der breiten Beschäftigten. Der Gini-Koeffizient für Einkommen liegt bei 0,29, jener für Vermögen bei 0,73 — ein deutlicher Hinweis auf diese Asymmetrie. Wie extrem die Konzentration an der Spitze konkret aussieht, zeigt der Artikel zu Millionärseinkommen und Einkommenskontrast. Die strukturellen Messkonzepte erklärt der Artikel zu Einkommensungleichheit.
Was der Mindestlohn bringt — und was nicht
Der gesetzliche Mindestlohn, seit 2015 schrittweise angehoben und 2024 bei 12,41 Euro je Stunde, hat das Lohnniveau an der Untergrenze tatsächlich angehoben. Millionen von Beschäftigten haben von den Erhöhungen profitiert. Doch der Mindestlohn ist keine Antwort auf alle Formen der Lohnungleichheit: Er adressiert die absolute Untergrenze, nicht die strukturelle Spreizung zwischen Branchen und Regionen. Wer auf den Mindestlohn angewiesen ist, ist in vielen Großstädten trotzdem armutsgefährdet — weil die Wohnkosten den Lohnvorteil auffressen.
Für Menschen, die ergänzend auf Bürgergeld angewiesen sind, weil ihr Arbeitslohn nicht zum Leben reicht, ist der Mindestlohn eine Untergrenze, die noch nicht ausreicht. Aufstockende Bürgergeldleistungen sind dabei kein Versagen des Einzelnen — sie sind das statistische Ergebnis eines Arbeitsmarkts, der in bestimmten Branchen systematisch unter dem Existenzminimum zahlt.
Wenn Arbeit und Armut zusammentreffen: Rechtliche Konsequenzen
Niedriglohn und finanzielle Prekarität haben nicht nur soziale Folgen — sie haben auch rechtliche. Das zeigt sich an einem Indikator, der selten in Arbeitmarktdebatten auftaucht: der Ersatzfreiheitsstrafe.
Wer eine Geldstrafe nicht bezahlen kann, riskiert Inhaftierung. Im Jahr 2024 wurden durch gemeinnützige Arbeit mehr als 507.800 Tage Ersatzfreiheitsstrafe abgewendet — eine enorme Zahl, die zeigt, wie viele Menschen in Deutschland nicht in der Lage sind, gerichtliche Geldstrafen zu begleichen. Zwischen 2007 und 2024 nahmen Geldstrafenverurteilungen zwar um rund 20 Prozent ab — dennoch saßen Ende Januar 2025 noch rund 3.400 Menschen wegen Ersatzfreiheitsstrafen in Haft. Nach einer Reform des entsprechenden Paragrafen sank die Zahl bis November 2025 auf rund 2.800.
Diese Menschen sind in der Regel nicht kriminell im umgangssprachlichen Sinn — sie sind arm. Fahren ohne Ticket, Ladendiebstahl kleiner Beträge, Strafzettel: All das endet für Menschen ohne ausreichendes Einkommen im schlimmsten Fall in Inhaftierung. Mit allen Folgekosten: Jobverlust, Wohnungsverlust, sozialer Abstieg. Ein Arbeitsmarkt mit auskömmlichen Löhnen für alle würde diesen Kreislauf unterbrechen. Ein Mindestlohn, der wirklich ein Leben über der Armutsgrenze ermöglicht, ist deshalb auch eine kriminalpolitische Maßnahme.
Wer von Armut betroffen ist oder Unterstützung sucht, findet auf den Seiten zu Sozialleistungen, Bürgergeld und Grundsicherung konkrete Informationen zu Rechten und Anlaufstellen. Die strukturellen Zusammenhänge zwischen Einkommen und gesellschaftlicher Teilhabe erklärt der Artikel zu sozialer Teilhabe.
Neben dem Ost-West-Gefälle gibt es eine zweite große Lohnlücke: Frauen verdienten 2023 pro Stunde im Schnitt 18 Prozent weniger als Männer. Warum das so ist und was es für das Armutsrisiko bedeutet, erklärt der Abschnitt Warum verdienen Frauen weniger?.
Warum verdienen Frauen weniger? Ursachen der Lohnlücke
Kurzantwort: Frauen verdienten 2023 pro Stunde unbereinigt 18 Prozent weniger als Männer. Rechnet man Unterschiede in Beruf, Branche, Qualifikation und Arbeitszeit heraus, bleiben 6 Prozent übrig. Der größere Teil der Lücke entsteht also nicht bei gleicher Arbeit, sondern dadurch, dass Frauen häufiger in schlechter bezahlten Berufen, in Teilzeit und mit Unterbrechungen arbeiten.
Kernzahlen Geschlechterlücke 2022/2023
- 18 %
- unbereinigter Gender Pay Gap 2023: Differenz im durchschnittlichen Bruttostundenverdienst zwischen Männern und Frauen
- 6 %
- bereinigter Gender Pay Gap 2023: verbleibende Differenz, wenn Beruf, Qualifikation, Branche und Arbeitszeit rechnerisch angeglichen werden
- 44,3 %
- Gender Care Gap 2022: So viel mehr Zeit als Männer wenden Frauen täglich für unbezahlte Arbeit auf (2012/13: 52,4 %)
- 39,4 %
- Gender Pension Gap: Abstand der eigenen Alterseinkünfte von Frauen ab 65 Jahren gegenüber Männern
- 28 %
- Frauenanteil in der ersten Führungsebene der Privatwirtschaft — genauso hoch wie der Anteil bei Hochschulprofessuren
Datenstand: 2022 und 2023. Neuere Werte lagen bei Redaktionsschluss nicht vor.
Der Begriff Gender Pay Gap bezeichnet den Abstand zwischen den durchschnittlichen Bruttostundenverdiensten von Männern und Frauen. Er wird in zwei Varianten berechnet. Die unbereinigte Lücke vergleicht einfach alle Männer mit allen Frauen: Sie lag 2023 bei 18 Prozent. Die bereinigte Lücke vergleicht nur Beschäftigte mit vergleichbarem Beruf, vergleichbarer Qualifikation und vergleichbarem Arbeitsumfang. Sie betrug 6 Prozent.
Aus dem Vergleich beider Zahlen lässt sich ablesen, wo die Ungleichheit entsteht. Rund zwei Drittel des Abstands gehen darauf zurück, dass Männer und Frauen unterschiedlich beschäftigt sind: Frauen arbeiten häufiger in Branchen und Berufen mit niedrigeren Tarifen, häufiger in Teilzeit und häufiger mit Unterbrechungen der Erwerbsbiografie. Das verbleibende Drittel — die 6 Prozent — bleibt auch dann bestehen, wenn diese Merkmale herausgerechnet sind.
Wichtig für die Einordnung: Die bereinigte Lücke ist keine Messung von Diskriminierung im Einzelfall. Sie zeigt lediglich den Teil des Abstands, den die verfügbaren Merkmale nicht erklären. Und die unbereinigte Lücke ist nicht die "unwichtigere" Zahl: Für das tatsächliche Einkommen, für die Rentenanwartschaften und damit für das Armutsrisiko zählt genau der volle Abstand von 18 Prozent — nicht der rechnerisch bereinigte.
Unbezahlte Arbeit: der Gender Care Gap als Erklärungsfaktor
Kurzantwort: Frauen leisteten 2022 täglich 1 Stunde und 19 Minuten mehr unbezahlte Arbeit als Männer — ein Abstand von 44,3 Prozent. Diese Zeit fehlt für Erwerbsarbeit. Wer weniger Stunden arbeitet und häufiger unterbricht, verdient weniger und steigt seltener auf. Der Gender Care Gap ist damit eine der wichtigsten Ursachen der Lohnlücke.
Unbezahlte Arbeit heißt: Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen, Haushalt, Einkäufe, Termine, Organisation. Der Gender Care Gap misst, um wie viel Prozent Frauen dafür täglich mehr Zeit aufwenden als Männer. 2022 lag dieser Wert bei 44,3 Prozent, in absoluten Zahlen bei 1 Stunde und 19 Minuten pro Tag. Gegenüber 2012/13 ist der Abstand gesunken: Damals betrug er 52,4 Prozent. Die Lücke schrumpft also — aber langsam.
Noch deutlicher wird das Bild, wenn man bezahlte und unbezahlte Arbeit zusammen betrachtet. Frauen kamen auf eine Gesamtarbeitswoche von rund 46 Stunden. Davon entfielen fast zwei Drittel, also etwa 30 Stunden, auf unbezahlte Arbeit. Bei Männern war es weniger als die Hälfte ihrer Arbeitszeit, rund 21 Stunden. Die Gesamtbelastung ist damit ähnlich hoch — bezahlt wird sie sehr unterschiedlich.
Hinzu kommt eine Belastung, die in Stundenzahlen kaum auftaucht: die Planungs- und Organisationsarbeit im Haushalt, also das Mitdenken von Terminen, Bedarfen und Zuständigkeiten. Laut der Vermächtnisstudie 2023 tragen Frauen davon den Großteil. Fast die Hälfte der Mütter fühlt sich dadurch gestresst und hat weniger Zeit für sich selbst.
Der Zusammenhang zur Lohnlücke ist direkt: Wer die Hauptlast der unbezahlten Arbeit trägt, reduziert häufiger die Erwerbsarbeitszeit, nimmt längere Auszeiten und wechselt seltener in Positionen mit hoher zeitlicher Verfügbarkeit. Genau diese Merkmale — Teilzeit, Unterbrechungen, Branchenwahl — erklären den größeren Teil des unbereinigten Gender Pay Gap.
Folgen im Alter: die Rentenlücke von Frauen
Kurzantwort: Der Gender Pension Gap liegt bei 39,4 Prozent: Frauen ab 65 Jahren haben im Schnitt fast 40 Prozent geringere eigene Alterseinkünfte als Männer. Die Rentenlücke ist mehr als doppelt so groß wie die Lohnlücke, weil sich niedrigere Löhne, Teilzeit und Erwerbsunterbrechungen über ein ganzes Arbeitsleben summieren.
Die gesetzliche Rente folgt dem Prinzip der Teilhabeäquivalenz: Wie hoch sie ausfällt, hängt davon ab, wie viele Jahre und mit welchem Einkommen eingezahlt wurde. Jede Lücke im Erwerbsleben und jede reduzierte Arbeitszeit schlägt deshalb doppelt durch — einmal beim laufenden Lohn und ein zweites Mal Jahrzehnte später bei der Rente.
Das Ergebnis: ein Abstand von 39,4 Prozent bei den eigenen Alterseinkünften von Frauen ab 65 Jahren gegenüber Männern. Solange Paare zusammenleben, wird dieser Abstand im Haushalt oft ausgeglichen. Sichtbar wird er nach Trennung, Scheidung oder Verwitwung — also genau dann, wenn das eigene Alterseinkommen allein tragen muss.
Wie stark der Gender Pension Gap rechnerisch auf die Armutsquote älterer Frauen durchschlägt, lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht exakt beziffern. Belegt ist der Abstand bei den eigenen Alterseinkünften; eine belastbare Zuordnung zu konkreten Armutsquoten liegt der Redaktion derzeit nicht vor. Diese Lücke ist offen und wird nachgetragen, sobald Zahlen vorliegen.
Trotz besserer Bildung: Frauen in Führungspositionen unterrepräsentiert
Kurzantwort: Junge Frauen sind formal besser qualifiziert als junge Männer — 2022 hatten 62 Prozent der Frauen zwischen 25 und 29 Jahren Abitur oder Fachhochschulreife, aber nur 54 Prozent der Männer. In der ersten Führungsebene der Privatwirtschaft liegt der Frauenanteil dennoch bei 28 Prozent, bei Hochschulprofessuren ebenfalls bei 28 Prozent. Fehlende Qualifikation erklärt diese Lücke nicht.
Der Bildungsvorsprung ist messbar: In der Altersgruppe 25 bis 29 Jahre hatten 2022 62 Prozent der Frauen Abitur oder Fachhochschulreife, bei den Männern waren es 54 Prozent. Beim Aufstieg kehrt sich das Verhältnis um. In der ersten Führungsebene der Privatwirtschaft sind 28 Prozent der Positionen von Frauen besetzt, bei Hochschulprofessuren ist der Anteil genauso hoch.
Weil höhere Führungsebenen in der Regel deutlich besser bezahlt sind, wirkt diese Unterrepräsentation direkt auf den Durchschnittsverdienst: Fehlen Frauen in den obersten Lohngruppen, vergrößert das die unbereinigte Lohnlücke. Welche Mechanismen im Einzelnen wie stark wirken — Arbeitszeitkultur, Beurteilungsverfahren, Netzwerke, Elternzeitfolgen — geht aus den hier verwendeten Daten nicht hervor. Belegt ist das Ergebnis: Der Bildungsvorsprung von Frauen übersetzt sich nicht in gleiche Aufstiegschancen.
Altersarmut bei Frauen Teilzeit und Armutsrisiko Gender Care GapWarum verdienen Frauen weniger? Ursachen des Gender Pay Gap
Kurzantwort: Frauen verdienten 2023 pro Stunde unbereinigt 18 Prozent weniger als Männer. Bei vergleichbarem Beruf, Qualifikation und Arbeitszeit bleiben 6 Prozent Unterschied — der Rest erklärt sich aus unterschiedlichen Erwerbsverläufen.
Der Gender Pay Gap ist die Verdienstlücke zwischen Frauen und Männern. Er wird in zwei Varianten berechnet. Der unbereinigte Gender Pay Gap vergleicht schlicht die durchschnittlichen Bruttostundenverdienste aller Frauen mit denen aller Männer. Er lag 2023 bei 18 Prozent. Der bereinigte Gender Pay Gap rechnet Unterschiede in Beruf, Branche, Qualifikation, Erfahrung und Arbeitszeit heraus. Er lag bei 6 Prozent.
Die Differenz zwischen 18 und 6 Prozent ist der eigentlich aufschlussreiche Teil. Sie zeigt: Der größere Teil der Lücke entsteht nicht dadurch, dass Frauen für dieselbe Arbeit weniger Geld bekommen, sondern dadurch, dass Frauen und Männer im Durchschnitt unterschiedlich arbeiten. Drei Faktoren wirken zusammen:
- Arbeitszeit: Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit. Teilzeitstellen sind seltener mit Verantwortung, Zuschlägen und Aufstiegsmöglichkeiten verbunden.
- Branche und Beruf: Frauen sind stärker in Bereichen vertreten, in denen die Löhne im Durchschnitt niedriger liegen.
- Erwerbsunterbrechungen: Zeiten für Kinderbetreuung und Pflege fehlen später bei Berufserfahrung, Betriebszugehörigkeit und Beförderungen.
Die verbleibenden 6 Prozent des bereinigten Gap lassen sich mit den erfassten Merkmalen nicht erklären. Sie sind ein Hinweis darauf, dass vergleichbare Arbeit nicht immer gleich bezahlt wird. Eine belastbare Aufschlüsselung dieses Restwerts nach einzelnen Branchen liegt in vergleichbarer Form nicht vor.
Gender Care Gap: Unbezahlte Arbeit als Erklärungsfaktor
Kurzantwort: Frauen leisteten 2022 täglich 1 Stunde und 19 Minuten mehr unbezahlte Arbeit als Männer — ein Gender Care Gap von 44,3 Prozent. Diese Zeit fehlt für bezahlte Erwerbsarbeit.
Der Gender Care Gap misst, um wie viel Prozent Frauen mehr unbezahlte Arbeit leisten als Männer. Dazu zählen Hausarbeit, Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen und Ehrenamt. 2022 lag dieser Wert bei 44,3 Prozent. Das entspricht 1 Stunde und 19 Minuten pro Tag. Gegenüber 2012/13, als der Gap noch 52,4 Prozent betrug, ist das eine Verbesserung — die Lücke besteht aber weiter.
Noch deutlicher wird das Bild, wenn man die gesamte Arbeitswoche betrachtet. Bei einer Arbeitswoche von rund 46 Stunden verbrachten Frauen fast zwei Drittel — etwa 30 Stunden — mit unbezahlter Arbeit. Bei Männern war es weniger als die Hälfte, rund 21 Stunden.
| Arbeitswoche (rund 46 Stunden) | Frauen | Männer |
|---|---|---|
| Zeit für unbezahlte Arbeit | ca. 30 Stunden | ca. 21 Stunden |
| Anteil an der Gesamtarbeitszeit | fast zwei Drittel | weniger als die Hälfte |
Hinzu kommt die organisatorische Seite. Die Vermächtnisstudie 2023 zeigt, dass Frauen den Großteil der mentalen Planungs- und Organisationsarbeit im Haushalt tragen — also das Mitdenken von Terminen, Einkäufen und Betreuungsfragen. Fast die Hälfte der Mütter fühlt sich dadurch gestresst und hat weniger Zeit für sich.
Der Zusammenhang zum Lohn ist direkt: Wer täglich mehr unbezahlte Arbeit übernimmt, kann seltener Vollzeit arbeiten, seltener Überstunden leisten und seltener Aufgaben mit Führungsverantwortung annehmen. Der Gender Care Gap ist damit eine der zentralen Erklärungen für den Gender Pay Gap.
Gender Pension Gap: Folgen für die Altersarmut von Frauen
Kurzantwort: Frauen ab 65 Jahren haben im Durchschnitt 39,4 Prozent geringere eigene Alterseinkünfte als Männer. Die Lohnlücke des Erwerbslebens setzt sich damit in der Rente fort und vergrößert sich.
Der Gender Pension Gap beschreibt den Unterschied bei den eigenen Alterseinkünften von Frauen und Männern. Bei Frauen ab 65 Jahren liegt er bei 39,4 Prozent. Die Lücke ist damit mehr als doppelt so groß wie der unbereinigte Gender Pay Gap von 18 Prozent.
Das hat einen nachvollziehbaren Grund: Die gesetzliche Rente folgt dem Erwerbsverlauf. Sie richtet sich danach, wie viele Jahre eingezahlt wurde und wie hoch das Einkommen in diesen Jahren war. Jeder Faktor, der während des Erwerbslebens Lohn kostet, wirkt in der Rente ein zweites Mal:
- Teilzeitjahre bedeuten geringere Beiträge und damit weniger Rentenanwartschaften.
- Erwerbsunterbrechungen für Betreuung und Pflege verkürzen die Beitragszeiten.
- Niedrigere Stundenlöhne führen über Jahrzehnte zu einer deutlich niedrigeren Rentenhöhe.
Weil Frauen im Durchschnitt länger leben, müssen sie mit dieser niedrigeren Rente außerdem über einen längeren Zeitraum auskommen. Wer mit den eigenen Alterseinkünften nicht das Existenzminimum erreicht, kann Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nach dem Vierten Kapitel des Zwölften Buches Sozialgesetzbuch (SGB XII) beantragen. Diese Leistung wird nicht automatisch gezahlt, sondern muss beim zuständigen Sozialamt beantragt werden. Auskunft und Antragsformulare gibt es auch bei den Auskunfts- und Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung.
Wie stark der Gender Pension Gap sich in gemessener Altersarmut niederschlägt, hängt zusätzlich von der Haushaltssituation ab: Bei Paaren wird das Einkommen zusammen betrachtet, bei alleinlebenden Frauen wirkt die niedrige eigene Rente unmittelbar.
Trotz besserer Bildung: Frauen in Führungspositionen unterrepräsentiert
Kurzantwort: 2022 hatten 62 Prozent der Frauen zwischen 25 und 29 Jahren Abitur oder Fachhochschulreife, bei Männern waren es 54 Prozent. In der ersten Führungsebene der Privatwirtschaft liegt der Frauenanteil dennoch bei 28 Prozent.
Der Bildungsvorsprung von Frauen ist messbar. In der Altersgruppe 25 bis 29 Jahre verfügten 2022 rund 62 Prozent der Frauen über Abitur oder Fachhochschulreife, bei den Männern waren es 54 Prozent. In Führungspositionen schlägt sich das nicht nieder.
| Kennzahl | Frauenanteil |
|---|---|
| Abitur oder Fachhochschulreife (25–29 Jahre, 2022) | 62 % |
| Erste Führungsebene der Privatwirtschaft | 28 % |
| Hochschulprofessuren | 28 % |
Diese Kombination ist der deutlichste Hinweis darauf, dass die Lohnlücke kein Qualifikationsproblem ist. Wenn Frauen häufiger einen hohen Schulabschluss erreichen, aber nur rund ein Viertel der Spitzenpositionen besetzen, liegen die Hürden nicht beim Bildungsniveau. Sie liegen in den Strukturen: Aufstieg setzt in vielen Betrieben durchgehende Vollzeitbeschäftigung, hohe zeitliche Verfügbarkeit und Anwesenheit voraus — also genau das, was durch die ungleiche Verteilung unbezahlter Arbeit erschwert wird.
Für die Verdienste ist das doppelt relevant. Führungspositionen sind besser bezahlt. Wer sie seltener erreicht, verdient über das Erwerbsleben hinweg weniger und erwirbt geringere Rentenansprüche.
Wie Bildung, Care-Arbeit, Teilzeit und Rente zusammenhängen
Kurzantwort: Die Lohnlücke entsteht nicht an einer Stelle, sondern als Kette: unbezahlte Arbeit führt zu Teilzeit, Teilzeit bremst Aufstieg und Lohn, geringerer Lohn führt zu geringerer Rente.
Die vier Kennzahlen beschreiben nicht vier getrennte Probleme, sondern Stationen desselben Verlaufs:
- Ausgangspunkt Bildung: Frauen erreichen häufiger hohe Schulabschlüsse — 62 Prozent gegenüber 54 Prozent bei Männern in der Altersgruppe 25 bis 29 Jahre.
- Unbezahlte Arbeit: Frauen übernehmen deutlich mehr Care-Arbeit, 44,3 Prozent mehr als Männer, rund 30 statt 21 Stunden pro Woche.
- Erwerbsarbeit: Diese Zeit fehlt im Beruf. Teilzeit und Erwerbsunterbrechungen werden häufiger.
- Lohn und Aufstieg: Daraus folgt ein unbereinigter Verdienstunterschied von 18 Prozent und ein Frauenanteil von nur 28 Prozent in der ersten Führungsebene.
- Alter: Am Ende steht ein Gender Pension Gap von 39,4 Prozent — und für alleinlebende Frauen ein erhöhtes Armutsrisiko.
Wer die Lohnlücke verringern will, muss deshalb an mehreren Punkten gleichzeitig ansetzen: bei der Verteilung unbezahlter Arbeit zwischen den Geschlechtern, bei verlässlichen Betreuungs- und Pflegeangeboten, bei der Bezahlung in Branchen mit hohem Frauenanteil und bei Aufstiegswegen, die auch in Teilzeit offenstehen.
Die genannten Werte beziehen sich auf die Erhebungsjahre 2022 und 2023. Neuere Vergleichszahlen zu allen vier Kennzahlen liegen in einheitlicher Form derzeit nicht vor.
Quellen
- Jahresbericht 2024 Tafel Deutschland
- Arbeitsmarktbericht Juli 2026
- statistik grundsicherung 20260803143257
- Sozialgesetzbuch XII
- Sozialgesetzbuch XI
- Sozialgesetzbuch X
- Sozialgesetzbuch VIII
- Sozialgesetzbuch VII
- Sozialgesetzbuch VI
- Sozialgesetzbuch V
- Sozialgesetzbuch IX
- Sozialgesetzbuch IV
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen unbereinigtem und bereinigtem Gender Pay Gap?+
Der unbereinigte Gender Pay Gap vergleicht die durchschnittlichen Bruttostundenverdienste aller Männer mit denen aller Frauen. Er lag 2023 bei 18 Prozent. Der bereinigte Gender Pay Gap vergleicht nur Beschäftigte mit vergleichbarem Beruf, vergleichbarer Qualifikation, Branche und Arbeitszeit. Er betrug 6 Prozent. Die Differenz zwischen beiden Werten zeigt: Der größere Teil des Abstands entsteht dadurch, dass Frauen anders beschäftigt sind — häufiger in Teilzeit, häufiger in schlechter bezahlten Branchen. Für das verfügbare Einkommen und die späteren Rentenansprüche zählt allerdings die unbereinigte Lücke von 18 Prozent.
Wie hängt der Gender Care Gap mit dem Gender Pay Gap zusammen?+
Frauen leisteten 2022 täglich 1 Stunde und 19 Minuten mehr unbezahlte Arbeit als Männer, das entspricht einem Gender Care Gap von 44,3 Prozent. Von ihrer Gesamtarbeitswoche von rund 46 Stunden entfielen etwa 30 Stunden auf unbezahlte Arbeit, bei Männern rund 21 Stunden. Diese Zeit steht für Erwerbsarbeit nicht zur Verfügung. Die Folge sind mehr Teilzeit, längere Erwerbsunterbrechungen und seltenere Aufstiege. Genau diese Merkmale erklären den größten Teil des unbereinigten Gender Pay Gap. Der Gender Care Gap ist damit keine Nebensache, sondern eine der zentralen Ursachen der Lohnlücke.
Warum sind Frauen trotz besserer Bildungsabschlüsse seltener in Führungspositionen?+
2022 hatten 62 Prozent der Frauen zwischen 25 und 29 Jahren Abitur oder Fachhochschulreife, bei den Männern 54 Prozent. In der ersten Führungsebene der Privatwirtschaft liegt der Frauenanteil dennoch bei 28 Prozent, bei Hochschulprofessuren ebenfalls bei 28 Prozent. Ein Qualifikationsmangel erklärt diesen Abstand also nicht. Die Ursachen liegen in strukturellen Barrieren des Aufstiegs — welche davon wie stark wirken, lässt sich aus den hier verwendeten Daten nicht quantifizieren. Belegt ist das Ergebnis: Bildungserfolg von Frauen führt nicht automatisch zu gleichen Aufstiegschancen.
Warum verdienen Menschen in Ostdeutschland weniger?+
Der Lohnrückstand in ostdeutschen Bundesländern hat mehrere Ursachen: Die Tarifbindung ist dort geringer — weniger Unternehmen zahlen nach Flächentarifverträgen. Die Wirtschaftsstruktur ist kleinteiliger; große, lohnstarke Industriebetriebe fehlen weitgehend. Abwanderung entzieht den Regionen Fachkräfte, die eine Lohnanpassung erzwingen könnten. Und historisch wurden nach 1990 ostdeutsche Betriebe häufig in den Wettbewerb gegen westdeutsche Standards gestellt, ohne die entsprechende Infrastruktur zu besitzen. Das hat sich strukturell verfestigt.
Was ist der Unterschied zwischen Bruttostundenverdienst und Mindestlohn?+
Der Mindestlohn ist die gesetzliche Untergrenze, die kein Arbeitgeber unterschreiten darf — 2024 lag er bei 12,41 Euro je Stunde. Der Bruttostundenverdienst ist der tatsächliche Durchschnittswert aller Beschäftigten einer Region oder Branche — er liegt in den meisten Bundesländern deutlich über dem Mindestlohn, weil der Schnitt auch höher entlohnte Jobs einschließt. Für Menschen im Niedriglohnsektor kann der Abstand zwischen Mindestlohn und einem auskömmlichen Lebenshaltungsniveau trotzdem erheblich sein — besonders in teuren Städten.
Wer zählt als Working Poor?+
Als Working Poor gelten Personen, die trotz Erwerbstätigkeit arm sind — statistisch definiert als Personen, die mindestens sieben Monate im Jahr beschäftigt waren, aber dennoch unterhalb der Armutsrisikogrenze (60 Prozent des Median-Äquivalenzeinkommens) leben. In Deutschland sind das rund 8 Prozent der Vollzeitbeschäftigten. Besonders betroffen sind Alleinstehende im Niedriglohnsektor, Alleinerziehende mit Teilzeitarbeit und Personen in befristeter oder geringfügiger Beschäftigung.
Wie hängen Löhne und Altersarmut zusammen?+
Die gesetzliche Rente basiert auf Entgeltpunkten: Wer sein ganzes Arbeitsleben unter dem Durchschnittsverdienst verdient, sammelt entsprechend weniger Punkte — und bekommt im Alter eine niedrigere Rente. Wer dauerhaft im Niedriglohnbereich arbeitet, Minijobs hat oder lange Zeiten in Teilzeit verbringt (häufig Frauen wegen Sorgearbeit), hat am Ende ein Rentenanspruch, der kaum über die Grundsicherungsschwelle reicht. Altersarmut ist oft keine plötzliche Katastrophe, sondern die kumulierte Folge eines Arbeitslebens mit zu niedrigen Löhnen.
Was hat die Ersatzfreiheitsstrafe mit dem Arbeitsmarkt zu tun?+
Wer eine Geldstrafe nicht bezahlen kann, riskiert Inhaftierung. Das trifft überproportional Menschen mit niedrigem Einkommen. 2024 wurden über 507.800 Tage Ersatzfreiheitsstrafe durch gemeinnützige Arbeit abgewendet — ein Hinweis auf die Größenordnung des Problems. Wer inhaftiert wird, verliert oft seinen Job und in der Folge seine Wohnung. Damit ist die Ersatzfreiheitsstrafe ein Mechanismus, der finanzielle Prekarität in sozialen Absturz umwandelt. Ein Arbeitsmarkt mit auskömmlichen Löhnen für alle würde diesen Kreislauf an seiner Wurzel unterbrechen.
Was ist der Unterschied zwischen unbereinigtem und bereinigtem Gender Pay Gap?+
Der unbereinigte Gender Pay Gap vergleicht die durchschnittlichen Bruttostundenverdienste aller Männer mit denen aller Frauen. Er lag 2023 bei 18 Prozent. Der bereinigte Gender Pay Gap vergleicht nur Beschäftigte mit vergleichbarem Beruf, vergleichbarer Qualifikation, Branche und Arbeitszeit. Er betrug 6 Prozent. Die Differenz zeigt: Der größere Teil des Abstands entsteht dadurch, dass Frauen anders beschäftigt sind — häufiger in Teilzeit, häufiger in schlechter bezahlten Branchen. Für das verfügbare Einkommen und die späteren Rentenansprüche zählt allerdings die unbereinigte Lücke von 18 Prozent.
Wie hängt der Gender Care Gap mit dem Gender Pay Gap zusammen?+
Frauen leisteten 2022 täglich 1 Stunde und 19 Minuten mehr unbezahlte Arbeit als Männer, das entspricht einem Gender Care Gap von 44,3 Prozent. Von ihrer Gesamtarbeitswoche von rund 46 Stunden entfielen etwa 30 Stunden auf unbezahlte Arbeit, bei Männern rund 21 Stunden. Diese Zeit steht für Erwerbsarbeit nicht zur Verfügung. Die Folge sind mehr Teilzeit, längere Erwerbsunterbrechungen und seltenere Aufstiege. Genau diese Merkmale erklären den größten Teil des unbereinigten Gender Pay Gap.
Warum sind Frauen trotz besserer Bildungsabschlüsse seltener in Führungspositionen?+
2022 hatten 62 Prozent der Frauen zwischen 25 und 29 Jahren Abitur oder Fachhochschulreife, bei den Männern 54 Prozent. In der ersten Führungsebene der Privatwirtschaft liegt der Frauenanteil dennoch bei 28 Prozent, bei Hochschulprofessuren ebenfalls bei 28 Prozent. Ein Qualifikationsmangel erklärt diesen Abstand nicht. Die Ursachen liegen in strukturellen Barrieren des Aufstiegs — welche davon wie stark wirken, lässt sich aus den verwendeten Daten nicht quantifizieren.
Was ist der Unterschied zwischen unbereinigtem und bereinigtem Gender Pay Gap?+
Der unbereinigte Gender Pay Gap vergleicht die durchschnittlichen Bruttostundenverdienste aller Frauen mit denen aller Männer. Er lag 2023 bei 18 Prozent. Der bereinigte Gender Pay Gap rechnet Unterschiede in Beruf, Branche, Qualifikation, Berufserfahrung und Arbeitszeit heraus und lag bei 6 Prozent. Der unbereinigte Wert zeigt also die tatsächliche Einkommenslücke, der bereinigte Wert den Teil, der sich mit diesen Merkmalen nicht erklären lässt.
Wie hängt der Gender Care Gap mit dem Gender Pay Gap zusammen?+
Frauen leisteten 2022 täglich 1 Stunde und 19 Minuten mehr unbezahlte Arbeit als Männer, das entspricht einem Gender Care Gap von 44,3 Prozent. Diese Zeit steht für bezahlte Arbeit nicht zur Verfügung. Die Folge sind häufiger Teilzeitbeschäftigung und Erwerbsunterbrechungen — beides senkt den Stundenlohn, die Zahl der Beschäftigungsjahre und die Aufstiegschancen. Der Gender Care Gap ist damit eine der wichtigsten Ursachen des Gender Pay Gap.
Warum sind Frauen trotz besserer Bildungsabschlüsse seltener in Führungspositionen?+
2022 hatten 62 Prozent der Frauen zwischen 25 und 29 Jahren Abitur oder Fachhochschulreife, bei Männern waren es 54 Prozent. In der ersten Führungsebene der Privatwirtschaft und bei Hochschulprofessuren liegt der Frauenanteil trotzdem nur bei 28 Prozent. Die Ursache liegt damit nicht in fehlender Qualifikation, sondern in strukturellen Hürden: Aufstieg setzt vielfach durchgehende Vollzeitarbeit, hohe zeitliche Verfügbarkeit und Präsenz voraus.
Wie groß ist der Rentenunterschied zwischen Frauen und Männern?+
Bei Frauen ab 65 Jahren liegt der Gender Pension Gap bei 39,4 Prozent: Ihre eigenen Alterseinkünfte sind im Durchschnitt um 39,4 Prozent niedriger als die von Männern. Der Grund ist der Erwerbsverlauf — Teilzeitjahre, Unterbrechungen für Betreuung und Pflege sowie niedrigere Löhne führen zu geringeren Rentenanwartschaften.
Hat sich der Gender Care Gap in den letzten Jahren verändert?+
Ja. 2012/13 lag der Gender Care Gap bei 52,4 Prozent, 2022 bei 44,3 Prozent. Die Lücke bei der unbezahlten Arbeit ist also kleiner geworden, besteht aber weiter deutlich: Frauen leisten pro Tag noch rund 1 Stunde und 19 Minuten mehr unbezahlte Arbeit als Männer.
Was können Frauen mit niedriger Rente tun, wenn das Geld nicht reicht?+
Wer mit den eigenen Alterseinkünften das Existenzminimum nicht erreicht, kann Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nach dem Vierten Kapitel des Zwölften Buches Sozialgesetzbuch (SGB XII) beantragen. Die Leistung wird nicht automatisch gezahlt, sondern muss beim zuständigen Sozialamt beantragt werden. Beratung und Antragsunterstützung gibt es zusätzlich bei den Auskunfts- und Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung sowie bei den Sozialverbänden.