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Wohnen & Wohnungsnot

Ursachen von Wohnungslosigkeit in Deutschland

Wohnungslosigkeit entsteht fast nie aus einem einzigen Grund: Ein angespannter Wohnungsmarkt und hohe Wohnkosten treffen auf persönliche Krisen wie Mietschulden, Trennung, Gewalt oder Krankheit. Anfang 2024 waren rund 531.600 Menschen in Deutschland wohnungslos.

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531.600

So viele Menschen waren Anfang 2024 in Deutschland wohnungslos. Die Zahl stammt aus der bundesweiten Erhebung des Wohnungslosenberichts 2024.

439.500

Der größte Teil der wohnungslosen Menschen war untergebracht — in Notunterkünften, Wohnheimen oder Einrichtungen der Wohnungsnotfallhilfe.

47.300

So viele Menschen lebten ganz ohne Unterkunft, also auf der Straße oder in Behelfsunterkünften.

65 %

Anteil der Menschen ohne Unterkunft, die bereits länger als ein Jahr wohnungslos sind. Wohnungslosigkeit ist damit überwiegend ein Langzeitproblem.

42 %

Deutschland hat die niedrigste Wohneigentumsquote in der EU. Der überwiegende Teil der Haushalte ist auf den Mietmarkt angewiesen.

Warum werden Menschen in Deutschland wohnungslos?

Kurzantwort: Wohnungslosigkeit entsteht durch das Zusammentreffen von strukturellen Bedingungen — knapper und teurer Wohnraum — und persönlichen Krisen wie Mietschulden, Trennung, Gewalt, Arbeitslosigkeit oder Krankheit.

Der Verlust der Wohnung ist in den meisten Fällen das Ende einer längeren Kette. Am Anfang steht selten ein einzelnes Ereignis, sondern eine Lage, in der wenig Geld, wenig bezahlbarer Wohnraum und eine persönliche Krise zusammenkommen.

Fachlich werden zwei Ebenen unterschieden:

  • Strukturelle Ursachen betreffen den Wohnungsmarkt und die soziale Absicherung. Sie erklären, warum es überhaupt so schwer ist, eine Wohnung zu halten oder eine neue zu finden.
  • Individuelle Auslöser sind konkrete Lebensereignisse: eine Kündigung wegen Mietschulden, eine Trennung, Gewalt in der Partnerschaft, der Verlust der Arbeit, eine Erkrankung oder die Entlassung aus der Haft.

Beide Ebenen wirken zusammen. Eine Trennung führt dort schneller in die Wohnungslosigkeit, wo kaum bezahlbare kleine Wohnungen verfügbar sind. Mietschulden werden dort schneller existenzbedrohend, wo die Miete einen großen Teil des Einkommens verschlingt.

Wichtig für das Verständnis: Wohnungslos ist nicht nur, wer auf der Straße lebt. Als wohnungslos gilt auch, wer in einer Notunterkunft untergebracht ist oder ohne eigenen Mietvertrag vorübergehend bei Bekannten und Angehörigen unterkommt.

Welche strukturellen Ursachen gibt es?

Kurzantwort: Angespannte Wohnungsmärkte, hohe Wohnkostenbelastung, ein schrumpfender Bestand an Sozialwohnungen und die niedrigste Wohneigentumsquote der EU machen den Wohnungsverlust wahrscheinlicher und die Rückkehr in eine eigene Wohnung schwerer.

Angespannter Wohnungsmarkt

In vielen Städten und Ballungsräumen übersteigt die Nachfrage nach kleinen und günstigen Wohnungen das Angebot deutlich. Für Menschen mit geringem Einkommen, mit Sozialleistungsbezug oder mit einem Eintrag in der Schufa sinken die Chancen zusätzlich, weil Vermieter aus vielen Bewerbungen auswählen können.

Hohe Wohnkostenbelastung

Je größer der Anteil der Miete am Haushaltseinkommen ist, desto weniger Puffer bleibt bei einem Einkommenseinbruch. Ein ausgefallenes Gehalt, eine hohe Nebenkostennachzahlung oder eine Krankheit können dann innerhalb weniger Monate zu Mietrückständen führen.

Niedrige Eigentumsquote

Mit rund 42 Prozent hat Deutschland die niedrigste Wohneigentumsquote in der Europäischen Union. Historische Gründe dafür sind die Kriegszerstörungen, die Wohnungspolitik der DDR und der traditionell starke Mieterschutz. Praktisch bedeutet das: Die große Mehrheit der Haushalte ist auf den Mietmarkt angewiesen und damit unmittelbar von Mietpreisentwicklung und Kündigungsrisiken betroffen.

Ungleich verteiltes Vermögen

Die reichsten zehn Prozent der Haushalte in Deutschland besitzen rund 56 Prozent des gesamten Vermögens. Wer kein Vermögen hat, kann eine Einkommenslücke nicht überbrücken — weder die Mietkaution für eine neue Wohnung noch einen mehrmonatigen Mietrückstand.

Rückgang preisgebundener Wohnungen

Der Bestand an Wohnungen mit Sozialbindung ist über Jahre gesunken, weil mehr Bindungen ausgelaufen sind, als neue entstanden. Damit fehlt genau das Segment, auf das Haushalte mit niedrigem Einkommen angewiesen sind.

Welche persönlichen Auslöser führen zum Wohnungsverlust?

Kurzantwort: Typische Auslöser sind Mietschulden und die folgende Kündigung, Trennung oder Scheidung, häusliche Gewalt, Arbeitslosigkeit, Krankheit und Suchterkrankungen sowie Übergänge aus Haft, Klinik oder Jugendhilfe.

Die folgenden Ereignisse gelten in der Wohnungsnotfallhilfe als die häufigsten unmittelbaren Auslöser eines Wohnungsverlusts. Sie treten oft in Kombination auf.

  • Mietschulden und Kündigung: Bleiben Mietzahlungen aus, kann der Vermieter fristlos kündigen und Räumungsklage erheben. Zwischen erstem Rückstand und Räumung liegen häufig Monate — Zeit, in der eine Beratungsstelle noch eingreifen kann.
  • Trennung oder Scheidung: Aus einem Haushalt werden zwei. Wer auszieht, braucht kurzfristig eine eigene Wohnung, oft ohne Ersparnisse und ohne Mietvertrag auf den eigenen Namen.
  • Häusliche Gewalt: Betroffene verlassen die gemeinsame Wohnung, um sich zu schützen. Frauenhäuser und Schutzwohnungen sind vielerorts ausgelastet, ein Anschluss an eine eigene Wohnung fehlt.
  • Arbeitslosigkeit und Einkommensverlust: Fällt das Erwerbseinkommen weg, deckt die Grundsicherung die Miete nur bis zu einer als angemessen anerkannten Grenze. Liegt die tatsächliche Miete darüber, entsteht eine dauerhafte Lücke.
  • Krankheit, psychische Erkrankung, Sucht: Erkrankungen erschweren es, Post zu bearbeiten, Fristen einzuhalten und Ämterkontakte zu pflegen. Genau daran scheitern Hilfen häufig, bevor sie greifen.
  • Übergänge aus Einrichtungen: Nach einer Haftstrafe, einem längeren Klinikaufenthalt oder dem Ende der Jugendhilfe fehlt oft eine gesicherte Anschlusswohnung.

Wie groß der Anteil der einzelnen Auslöser am gesamten Wohnungsverlustgeschehen ist, lässt sich bundesweit nicht verlässlich beziffern. Die Aufzählung beschreibt daher Muster, keine Rangfolge.

Wie viele Menschen sind betroffen und wie lange dauert Wohnungslosigkeit?

Kurzantwort: Anfang 2024 waren rund 531.600 Menschen wohnungslos: 439.500 untergebracht, 60.400 verdeckt wohnungslos und 47.300 ohne jede Unterkunft. 65 Prozent der Menschen ohne Unterkunft sind länger als ein Jahr betroffen.

Die Bundesregierung erhebt das Ausmaß der Wohnungslosigkeit auf Grundlage des Wohnungslosenberichterstattungsgesetzes. Der Stichtag der jüngsten Erhebung lag Ende Januar / Anfang Februar 2024.

GruppeAnzahl (Anfang 2024)Bedeutung
Wohnungslose insgesamt531.600Alle erfassten Formen zusammen
Untergebracht439.500Notunterkunft, Wohnheim, Einrichtung
Verdeckt wohnungslos60.400Ohne eigenen Mietvertrag bei Bekannten oder Angehörigen
Ohne jede Unterkunft47.300Auf der Straße oder in Behelfsunterkünften

Wohnungslosigkeit dauert lange

65 Prozent der Menschen ohne Unterkunft sind bereits länger als ein Jahr wohnungslos. Bei untergebrachten Personen beträgt die durchschnittliche Unterbringungsdauer 122 Wochen — also mehr als zwei Jahre. Das zeigt: Eine Notunterkunft ist in der Praxis häufig keine kurze Zwischenlösung, sondern ein Dauerzustand.

Je länger die Wohnungslosigkeit dauert, desto schwerer wird der Weg zurück. Ohne feste Adresse werden Arbeitssuche, Behördenpost und medizinische Versorgung zum Problem, und mit jedem Jahr wächst die Distanz zum regulären Wohnungsmarkt.

Warum bleibt Wohnungslosigkeit von Frauen oft unsichtbar?

Kurzantwort: Knapp zwei Drittel der wohnungslosen Menschen sind männlich. Frauen kommen deutlich häufiger verdeckt bei Bekannten und Angehörigen unter und tauchen deshalb in Notunterkünften und im Straßenbild seltener auf.

Die Zahlen des Wohnungslosenberichts 2024 zeigen: Knapp zwei Drittel aller wohnungslosen Personen sind Männer. Diese Verteilung bildet die Lage jedoch nur teilweise ab, denn Frauen sind überproportional häufig verdeckt wohnungslos.

Was verdeckte Wohnungslosigkeit bedeutet

Verdeckt wohnungslos ist, wer keine eigene Wohnung und keinen eigenen Mietvertrag hat, aber vorübergehend bei Freundinnen, Verwandten oder Bekannten unterkommt. Rund 60.400 Menschen lebten Anfang 2024 in dieser Lage.

Warum das für Frauen ein besonderes Risiko ist

Wer verdeckt wohnungslos ist, erscheint in keiner Unterbringungsstatistik und wird von Hilfsangeboten oft nicht erreicht. Zugleich sind die Wohnverhältnisse ungesichert: Endet das Arrangement, folgt der Weg in die Notunterkunft oder auf die Straße. Für Frauen kommt hinzu, dass sie sich in gemischten Notunterkünften häufig unsicher fühlen und deshalb Ausweichlösungen suchen — auch solche, die neue Abhängigkeiten schaffen.

Für die Praxis heißt das: Angebote, die nur auf sichtbare Straßenwohnungslosigkeit ausgerichtet sind, erreichen einen erheblichen Teil der betroffenen Frauen nicht.

Was hilft gegen Wohnungslosigkeit?

Kurzantwort: Am wirksamsten ist Prävention: Wer Mietrückstände frühzeitig meldet und eine Beratungsstelle einschaltet, kann den Wohnungsverlust oft noch abwenden. Ist die Wohnung bereits verloren, sichert die Kommune die Unterbringung.

Frühzeitig handeln

Der wichtigste Zeitpunkt liegt vor der Räumung. Wer Post vom Vermieter, eine Kündigung oder eine Räumungsklage erhält, sollte diese Schreiben nicht liegen lassen, sondern sofort Beratung suchen. Fristen laufen ab, sobald die Post zugestellt ist — nicht erst, wenn sie geöffnet wird.

Wohin man sich wenden kann

  • Kommunale Fachstelle für Wohnungsnotfälle oder das Sozialamt der Stadt beziehungsweise des Landkreises
  • Wohnungslosenhilfe der Wohlfahrtsverbände — etwa Diakonie, Caritas, Arbeiterwohlfahrt, Deutsches Rotes Kreuz oder Paritätischer Wohlfahrtsverband
  • Schuldnerberatungsstellen, wenn Mietrückstände Teil einer größeren Schuldensituation sind
  • Frauenhäuser und Fachberatungsstellen bei Gewalt in der Partnerschaft
  • Jobcenter oder Sozialamt, wenn Leistungen für Unterkunft und Heizung beantragt oder angepasst werden müssen

Wenn die Wohnung bereits verloren ist

Kommunen sind verpflichtet, unfreiwillige Obdachlosigkeit abzuwenden und Betroffene ordnungsrechtlich unterzubringen. Zuständig ist die Gemeinde am Ort. Eine Unterbringung in einer Notunterkunft ersetzt jedoch keine Wohnung — parallel sollte immer die Suche nach einer dauerhaften Lösung mit Unterstützung einer Fachberatungsstelle laufen.

Was langfristig wirkt

Weil die Ursachen zu großen Teilen struktureller Natur sind, wirken einzelne Hilfen nur begrenzt, solange bezahlbarer Wohnraum fehlt. Zusätzlicher preisgebundener Wohnungsbau, gesicherte Zugänge für Haushalte mit geringem Einkommen und eine funktionierende Prävention vor der Räumung setzen an derselben Stelle an wie die Ursachen.

Häufige Fragen

Wie viele Menschen sind in Deutschland wohnungslos?+

Anfang 2024 waren rund 531.600 Menschen in Deutschland wohnungslos. Davon waren 439.500 untergebracht, 60.400 verdeckt wohnungslos und 47.300 lebten ganz ohne Unterkunft. Die Zahlen stammen aus der bundesweiten Erhebung zum Stichtag Ende Januar / Anfang Februar 2024.

Was ist der Unterschied zwischen wohnungslos und obdachlos?+

Wohnungslos ist, wer keinen eigenen Mietvertrag und keine gesicherte eigene Wohnung hat — auch wenn er in einer Notunterkunft oder bei Bekannten unterkommt. Obdachlos im engeren Sinn ist, wer ganz ohne Unterkunft lebt, also auf der Straße oder in Behelfsunterkünften. Obdachlosigkeit ist damit eine Teilgruppe der Wohnungslosigkeit.

Was ist verdeckte Wohnungslosigkeit?+

Verdeckt wohnungslos sind Menschen ohne eigene Wohnung, die vorübergehend bei Freunden, Verwandten oder Bekannten unterkommen. Anfang 2024 betraf das rund 60.400 Menschen. Frauen sind überproportional häufig betroffen, weshalb ihre Wohnungslosigkeit in Statistiken und im Straßenbild oft unsichtbar bleibt.

Ist Wohnungslosigkeit meist nur eine kurze Phase?+

Nein. 65 Prozent der Menschen ohne Unterkunft sind bereits länger als ein Jahr wohnungslos. Bei untergebrachten Personen liegt die durchschnittliche Unterbringungsdauer bei 122 Wochen, also über zwei Jahren. Wohnungslosigkeit ist überwiegend ein Langzeitphänomen.

Warum ist der Wohnungsmarkt eine so zentrale Ursache?+

Deutschland hat mit rund 42 Prozent die niedrigste Wohneigentumsquote in der EU — die große Mehrheit der Haushalte ist auf Mietwohnungen angewiesen. Wenn günstiger Wohnraum knapp ist, führt eine persönliche Krise schneller zum Wohnungsverlust und die Rückkehr in eine eigene Wohnung dauert länger.

Was kann ich bei Mietschulden tun, bevor die Wohnung weg ist?+

Reagieren Sie sofort auf Schreiben des Vermieters und wenden Sie sich an die kommunale Fachstelle für Wohnungsnotfälle, das Sozialamt oder eine Beratungsstelle der Wohnungslosenhilfe. Auch eine Schuldnerberatung kann helfen. Je früher die Beratung beginnt, desto größer sind die Chancen, die Wohnung zu behalten.

Wer muss mich unterbringen, wenn ich meine Wohnung verloren habe?+

Zuständig ist die Kommune, also die Stadt oder Gemeinde am Ort. Sie ist verpflichtet, unfreiwillige Obdachlosigkeit abzuwenden und für eine Unterbringung zu sorgen. Anlaufstelle ist in der Regel das Ordnungsamt oder die Fachstelle für Wohnungsnotfälle.