ARMUTDEUTSCHLAND
Was sie bedeutet

Soziale Ungleichheit

Vermögensverteilung in Deutschland: Ost und West im Vergleich

Vermögen ist in Deutschland deutlich ungleicher verteilt als Einkommen. Besonders groß bleibt der Abstand zwischen ostdeutschen und westdeutschen Haushalten — 2021 erreichte ein ostdeutscher Haushalt im Median nur ein Drittel des westdeutschen Nettovermögens.

4 Min. Lesezeit

0,76

Gini-Koeffizient der Vermögensverteilung (Stand 2014) — seither keine aktuellere Gesamterhebung

56 %

des Gesamtvermögens gehören den reichsten 10 % der Haushalte (2014: 60 %)

6,8

90:50-Perzentilsverhältnis — das Vermögen an der Schwelle zum Top-Zehntel ist 6,8-mal so hoch wie der Median

43 %

des westdeutschen Durchschnittsvermögens erreichten ostdeutsche Haushalte 2021

83 %

der Privathaushalte besaßen 2021 Sachvermögen — Immobilien, Fahrzeuge oder Wertgegenstände

Wie ist das Vermögen in Deutschland verteilt?

Kurzantwort: Sehr ungleich. Der Gini-Koeffizient lag von 2010/11 bis 2014 stabil bei 0,76. Die reichsten 10 Prozent der Haushalte hielten 2021 rund 56 Prozent des gesamten Vermögens.

Der Gini-Koeffizient misst Ungleichheit auf einer Skala von 0 bis 1: Bei 0 besitzen alle gleich viel, bei 1 besitzt ein einziger Haushalt alles. Ein Wert von 0,76 steht für eine stark konzentrierte Vermögensverteilung — im internationalen Vergleich liegt Deutschland damit am oberen Ende der westeuropäischen Länder.

Ein zweites Maß beschreibt den Abstand innerhalb der Verteilung: das 90:50-Perzentilsverhältnis. Es setzt das Vermögen an der Schwelle zum reichsten Zehntel (90. Perzentil) ins Verhältnis zum Vermögen in der Mitte (Median, 50. Perzentil). Der Wert 6,8 für 2021 bedeutet: Wer gerade noch zum reichsten Zehntel gehört, besaß rund siebenmal so viel wie ein Haushalt mit mittlerem Vermögen.

Der Anteil der reichsten 10 Prozent im Zeitverlauf

Der Anteil des reichsten Zehntels am Gesamtvermögen hat sich seit 2014 leicht bewegt:

  • 2014: 60 Prozent — der höchste gemessene Wert
  • 2017: 55 Prozent
  • 2021: 56 Prozent

Trotz des Rückgangs nach 2014 und dem leichten Wiederanstieg 2021 bleibt das Bild stabil: Mehr als die Hälfte des Privatvermögens in Deutschland liegt bei einem Zehntel der Haushalte. Für viele Haushalte in der unteren Hälfte der Verteilung bedeutet das: keine oder kaum finanzielle Rücklage — für eine Autoreparatur, eine kaputte Heizung oder einen unerwarteten Einkommensausfall.

Sachvermögen der deutschen Haushalte

Kurzantwort: 83 Prozent der Privathaushalte verfügten 2021 über Sachvermögen — also Güter wie Immobilien, Grundstücke, Fahrzeuge oder Wertgegenstände. Die Zahl sagt nichts über den Wert dieses Besitzes aus.

Dass fast neun von zehn Haushalten Sachvermögen besitzen, klingt zunächst nach einer breiten Wohlstandsverteilung. Die Zahl sagt aber nur aus, ob solche Güter vorhanden sind — nicht, wie viel sie wert sind. Ein Haushalt mit einem alten Auto zählt genauso wie ein Haushalt mit einem Mehrfamilienhaus.

Genau hier liegt der Unterschied zwischen Verbreitung und Verteilung: Sachvermögen ist weit verbreitet, sein Wert aber extrem unterschiedlich. Die hohen Ungleichheitswerte entstehen nicht dadurch, dass wenige überhaupt etwas besitzen — sondern dadurch, dass die Werte des Besitzes sich stark unterscheiden. Eine Eigentumswohnung in München und ein Fahrzeug im ländlichen Sachsen-Anhalt fallen statistisch in dieselbe Kategorie, unterscheiden sich im Wert aber um das Hundertfache.

Vermögensunterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland

Kurzantwort: Ostdeutsche Haushalte besaßen 2021 im Durchschnitt 150.900 Euro Nettovermögen, westdeutsche 359.800 Euro — das entspricht 43 Prozent. Beim Median (dem typischen Haushalt) ist der Abstand noch größer: 43.400 Euro (Ost) gegenüber 127.900 Euro (West).

Nettovermögen bedeutet: alle Vermögenswerte zusammengerechnet, abzüglich der Schulden. Der Abstand zwischen Ost und West ist erheblich — und er ist beim Median noch ausgeprägter als beim Durchschnitt.

Durchschnitt und Median im Vergleich

Nettovermögen privater Haushalte 2021
Kennzahl Ostdeutschland Westdeutschland
Durchschnitt 150.900 Euro 359.800 Euro
Median 43.400 Euro 127.900 Euro

Der Median ist der Wert in der Mitte der Verteilung: Die eine Hälfte der Haushalte besitzt mehr, die andere Hälfte weniger. Er ist deshalb aussagekräftiger für die typische Lage als der Durchschnitt, den sehr hohe Einzelvermögen nach oben verzerren.

Der Abstand zwischen Durchschnitt und Median fällt in Ost und West ähnlich groß aus: In Ostdeutschland liegt der Median bei rund 29 Prozent des Durchschnitts, in Westdeutschland bei rund 36 Prozent. Das zeigt: Nicht nur zwischen Ost und West klafft eine große Lücke, sondern auch innerhalb beider Landesteile ist das Vermögen stark ungleich verteilt.

Der Satz „im Osten ist man ärmer" erfasst die Realität also nur teilweise. Ein Teil der ostdeutschen Haushalte verfügt über erhebliches Vermögen — aber die typische Mehrheit liegt weit darunter.

Begriffe kurz erklärt

Gini-Koeffizient
Maß für Ungleichheit zwischen 0 (alle gleich) und 1 (einer besitzt alles). Je höher, desto ungleicher.
Median
Mittlerer Wert der Verteilung: Eine Hälfte liegt darüber, eine darunter. Robuster als der Durchschnitt, weil er von Extremwerten nicht verzerrt wird.
Nettovermögen
Alle Vermögenswerte (Immobilien, Geldanlagen, Sachgüter) abzüglich Schulden.
Sachvermögen
Besitz in Form von greifbaren Gütern: Immobilien, Grundstücke, Fahrzeuge, Wertgegenstände.

Was diese Zahlen nicht beantworten

Kurzantwort: Die vorliegenden Daten beschreiben den Stand 2021. Ursachen des Ost-West-Abstands, regionale Unterschiede innerhalb der Landesteile und die Entwicklung nach 2021 sind damit nicht belegt.

Drei Punkte bleiben nach dieser Datenlage offen:

  • Entwicklung nach 2021: Aktuellere Werte zur Vermögensverteilung liegen dieser Auswertung nicht vor.
  • Ursachen des Ost-West-Abstands: Häufig genannte Faktoren wie unterschiedliche Immobilienwerte oder historische Erbschaftsverläufe sind in diesen Zahlen nicht belegt und werden daher nicht als Ursache behauptet.
  • Regionale Unterschiede innerhalb der Landesteile: Ob und wie stark sich Vermögen zwischen einzelnen Bundesländern oder zwischen Stadt und Land unterscheidet, geht aus diesen Kennzahlen nicht hervor.

Häufige Fragen

Wie hoch ist der Gini-Koeffizient für Vermögen in Deutschland?+

Der Gini-Koeffizient der Vermögensverteilung lag von 2010/11 bis 2014 stabil bei 0,76. Der Wert liegt zwischen 0 und 1: Je näher an 1, desto ungleicher ist das Vermögen verteilt. 0,76 steht für eine stark konzentrierte Verteilung und zählt zu den höchsten Werten in Westeuropa.

Wie groß ist der Vermögensunterschied zwischen Ost- und Westdeutschland?+

2021 besaßen ostdeutsche Haushalte im Durchschnitt 150.900 Euro Nettovermögen, westdeutsche 359.800 Euro — das entspricht 43 Prozent des Westwerts. Beim Median, der die typische Haushaltslage besser abbildet, lag Ostdeutschland bei 43.400 Euro und Westdeutschland bei 127.900 Euro. Der Abstand ist beim Median also noch größer.

Wie viel Vermögen besitzen die reichsten 10 Prozent in Deutschland?+

2021 hielten die reichsten 10 Prozent der Haushalte 56 Prozent des Gesamtvermögens. 2014 lag dieser Anteil mit 60 Prozent auf dem höchsten gemessenen Wert, 2017 bei 55 Prozent. Trotz leichtem Rückgang liegt mehr als die Hälfte des privaten Vermögens bei einem Zehntel der Bevölkerung.

Was bedeutet das 90:50-Perzentilsverhältnis von 6,8?+

Es vergleicht das Vermögen an der Schwelle zum reichsten Zehntel (90. Perzentil) mit dem Vermögen in der Mitte der Verteilung (Median, 50. Perzentil). Der Wert 6,8 für 2021 bedeutet: Wer knapp zum reichsten Zehntel gehört, besaß rund siebenmal so viel wie ein Haushalt mit mittlerem Vermögen.

Wie viele Haushalte in Deutschland besitzen Sachvermögen?+

2021 verfügten 83 Prozent der Privathaushalte über Sachvermögen — also über Güter wie Immobilien, Grundstücke, Fahrzeuge oder Wertgegenstände. Diese Zahl sagt nichts über den Wert dieses Besitzes aus, der sich je nach Haushalt stark unterscheidet.

Warum unterscheiden sich Durchschnitt und Median beim Vermögen so stark?+

Der Durchschnitt wird von sehr hohen Einzelvermögen nach oben gezogen. Der Median bildet dagegen die Mitte der Verteilung ab und ist robuster gegenüber Extremwerten. 2021 lag der Median in Ostdeutschland bei 43.400 Euro, der Durchschnitt bei 150.900 Euro. In Westdeutschland: Median 127.900 Euro, Durchschnitt 359.800 Euro. Diese Lücken zeigen: Vermögen ist auch innerhalb beider Landesteile stark ungleich verteilt.