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Armut & Einwanderung

Lebensunterhalt in Deutschland: Menschen mit und ohne Einwanderungsgeschichte im Vergleich

Menschen mit Einwanderungsgeschichte tragen in Deutschland ein deutlich höheres Armutsrisiko als Menschen ohne Einwanderungsgeschichte — selbst dann, wenn sie erwerbstätig sind. Dieser Vergleich zeigt die Unterschiede bei Einkommen, Arbeit, Wohnkosten und Bildung anhand aktueller Sozialberichte.

11 Min. Lesezeit3 Quellen

7,1 %

So hoch war 2022 bundesweit die Armutsgefährdungsquote von Erwerbstätigen ohne Einwanderungsgeschichte. Bei Erwerbstätigen mit Einwanderungsgeschichte war sie doppelt so hoch.

13 %

Armutsgefährdungsquote von Personen ohne Einwanderungsgeschichte in Berlin im Jahr 2023. Für Personen mit Einwanderungsgeschichte fällt sie in Berlin höher aus.

9,20 €/m²

Diesen Quadratmeterpreis zahlten Haushalte mit Einwanderungsgeschichte 2022 im Mittel zur Miete — merklich mehr als Haushalte ohne Einwanderungsgeschichte.

34,2 %

Anteil der Kinder mit Einwanderungsgeschichte, die 2023 ein Gymnasium besuchten. Bei Kindern ohne Einwanderungsgeschichte lag der Anteil bei 48,3 %.

25,2 %

Gut ein Viertel der Bevölkerung in Deutschland — 21,2 Millionen Menschen — hatte 2023 eine Einwanderungsgeschichte. Weitere 4,8 % haben eine einseitige Einwanderungsgeschichte.

14,7 % vs. 7,1 %

So hoch war 2022 die Armutsgefährdungsquote von Erwerbstätigen mit bzw. ohne Einwanderungsgeschichte trotz Arbeit — mehr als doppelt so hoch.

9,20 € vs. 8,40 €

Durchschnittliche Bruttokaltmiete je Quadratmeter 2022 für Haushalte mit durchgängiger Einwanderungsgeschichte gegenüber Haushalten ohne.

30,1 % vs. 27,6 %

Mietbelastungsquote 2022: Anteil des Einkommens für die Kaltmiete bei Haushalten mit bzw. ohne Einwanderungsgeschichte, Bundesdurchschnitt lag bei 27,9 %.

34,2 % vs. 48,3 %

Anteil der Kinder mit bzw. ohne Einwanderungsgeschichte, die 2023 ein Gymnasium besuchten.

25,2 % der Bevölkerung

21,2 Millionen Menschen in Deutschland hatten 2023 eine Einwanderungsgeschichte, weitere 4,8 % eine einseitige.

Armutsgefährdung: Mit und ohne Einwanderungsgeschichte im Vergleich

Kurzantwort: Erwerbstätige ohne Einwanderungsgeschichte waren 2022 bundesweit zu 7,1 Prozent armutsgefährdet — bei Erwerbstätigen mit Einwanderungsgeschichte war die Quote doppelt so hoch.

Als armutsgefährdet gilt in der amtlichen Statistik, wer über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung verfügt. Diese Schwelle ist ein relatives Maß: Sie beschreibt nicht das Existenzminimum, sondern den Abstand zum gesellschaftlichen Mittelwert.

Der Vergleich nach Einwanderungsgeschichte zeigt einen deutlichen Unterschied. Unter Erwerbstätigen lag die Armutsgefährdungsquote 2022 bundesweit bei 7,1 Prozent, wenn keine Einwanderungsgeschichte vorlag. Bei Erwerbstätigen mit Einwanderungsgeschichte war sie doppelt so hoch. Das ist der zentrale Befund: Ein Arbeitsplatz schützt beide Gruppen nicht gleich gut vor Armut.

Warum Erwerbsarbeit unterschiedlich stark schützt

Der Unterschied entsteht nicht am Merkmal Einwanderungsgeschichte selbst, sondern an den damit verbundenen Lebenslagen: häufiger niedrigere formale Qualifikationen, häufiger Beschäftigung in gering entlohnten Branchen, häufiger größere Haushalte mit mehr zu versorgenden Personen und höhere Wohnkosten. Jeder dieser Faktoren senkt das verfügbare Einkommen pro Kopf.

Regionale Ebene: Berlin

Für Berlin liegt eine eigene Sozialberichterstattung vor. Dort lag die Armutsgefährdungsquote von Personen ohne Einwanderungsgeschichte 2023 bei rund 13 Prozent; für Personen mit Einwanderungsgeschichte fällt sie höher aus. Berlin ist als Großstadt mit hoher Zuwanderung und angespanntem Wohnungsmarkt jedoch kein Abbild der Bundesrepublik. Berliner Werte lassen sich deshalb nicht auf ganz Deutschland übertragen — und bundesweite Werte nicht auf einzelne Städte.

Erwerbstätigkeit und Erwerbslosigkeit im Vergleich

Kurzantwort: In Berlin ist die Erwerbstätigenquote von Personen mit Einwanderungsgeschichte niedriger und die Erwerbslosenquote deutlich höher als bei Personen ohne Einwanderungsgeschichte.

Der Zugang zum Arbeitsmarkt ist der wichtigste Hebel für den eigenen Lebensunterhalt. Die Berliner Sozialberichterstattung weist für 2023 aus, dass Personen mit Einwanderungsgeschichte seltener erwerbstätig sind als Personen ohne Einwanderungsgeschichte. Gleichzeitig ist ihre Erwerbslosenquote deutlich höher.

Der Zusammenhang mit Berufsabschlüssen

Ein wesentlicher Erklärungsfaktor sind formale Qualifikationen. In Berlin finden sich hohe Anteile von Personen ohne beruflichen oder akademischen Abschluss vor allem unter Menschen mit Einwanderungsgeschichte und unter Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Wer keinen in Deutschland anerkannten Abschluss nachweisen kann, ist häufiger auf Helfertätigkeiten, befristete Verträge und Teilzeit angewiesen — mit entsprechend niedrigen und instabilen Einkommen.

Zu unterscheiden ist dabei zwischen fehlender und nicht anerkannter Qualifikation. Ein im Ausland erworbener Abschluss zählt in der deutschen Statistik nur, wenn er formal anerkannt wurde. Nicht abgeschlossene Anerkennungsverfahren führen deshalb dazu, dass vorhandene berufliche Kompetenz auf dem Arbeitsmarkt nicht wirksam wird.

Was das für den Lebensunterhalt bedeutet

  • Weniger Erwerbseinkommen im Haushalt: Wenn nur eine Person oder niemand im Haushalt erwerbstätig ist, sinkt das Einkommen pro Kopf.
  • Häufigere Unterbrechungen: Befristungen und Saisonarbeit führen zu Phasen ohne Einkommen und zu geringeren Ansprüchen aus der Arbeitslosenversicherung.
  • Niedrigere Alterseinkommen: Kurze und lückenhafte Erwerbsbiografien senken später die Rentenansprüche.

Wohnkosten und Mietbelastung

Kurzantwort: Haushalte mit Einwanderungsgeschichte zahlten 2022 im Mittel 9,20 Euro pro Quadratmeter Miete und damit merklich mehr als Haushalte ohne Einwanderungsgeschichte.

Miete ist für Haushalte mit niedrigem Einkommen der größte Ausgabenblock. Deshalb wirkt sich jeder Euro Quadratmeterpreis unmittelbar darauf aus, wie viel Geld zum Leben bleibt. Das Mikrozensus-Zusatzprogramm Wohnen — eine regelmäßige amtliche Erhebung zur Wohnsituation — zeigt für 2022: Haushalte mit Einwanderungsgeschichte zahlten mit 9,20 Euro je Quadratmeter merklich höhere Mieten als Haushalte ohne Einwanderungsgeschichte.

Warum höhere Mieten bei geringerem Einkommen zusammenfallen

Das Ergebnis wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich, folgt aber der Logik des Wohnungsmarkts:

  • Neuvermietung statt Altvertrag: Wer erst in den letzten Jahren eine Wohnung gesucht hat, zahlt Neuvertragsmieten. Lange bestehende Mietverhältnisse sind meist günstiger.
  • Städtische Lagen: Menschen mit Einwanderungsgeschichte leben überdurchschnittlich häufig in großen Städten, wo die Quadratmeterpreise höher sind.
  • Seltener Wohneigentum: Wohneigentum senkt die laufenden Wohnkosten dauerhaft. Es ist unter Haushalten mit Einwanderungsgeschichte seltener verbreitet, sodass diese Haushalte stärker auf den Mietmarkt angewiesen sind.

Aus der höheren Quadratmetermiete folgt zudem nicht automatisch eine bessere Wohnung. Ein hoher Preis pro Quadratmeter kann auch bei kleinen Wohnungen mit vielen Bewohnern anfallen — dann steigt die Mietbelastung, während die Wohnfläche pro Person sinkt.

Bildungschancen der Kinder als langfristiger Faktor

Kurzantwort: 2023 besuchten 34,2 Prozent der Kinder mit Einwanderungsgeschichte ein Gymnasium, gegenüber 48,3 Prozent der Kinder ohne Einwanderungsgeschichte.

Bildungswege entscheiden über spätere Einkommen. Deshalb ist der Schulbesuch der Kinder ein Frühindikator für Armutsrisiken der nächsten Generation. 2023 besuchten 34,2 Prozent der Kinder mit Einwanderungsgeschichte ein Gymnasium. Bei Kindern ohne Einwanderungsgeschichte waren es 48,3 Prozent — ein Unterschied von rund 14 Prozentpunkten.

Wie sich Einkommenslage und Bildung verschränken

Der Schulerfolg hängt in Deutschland stark mit der sozialen Lage des Elternhauses zusammen. Kinder aus Haushalten mit niedrigem Einkommen haben seltener einen eigenen ruhigen Arbeitsplatz, seltener Zugang zu bezahlter Nachhilfe und häufiger beengte Wohnverhältnisse. Wo zusätzlich die Familiensprache nicht Deutsch ist, kommt der Aufbau der Bildungssprache als eigene Aufgabe hinzu.

Damit entsteht ein Kreislauf: Geringes Einkommen erschwert den Bildungserfolg, ein niedrigerer Bildungsabschluss senkt später das Erwerbseinkommen. Für den Vergleich der Gruppen bedeutet das: Die heute sichtbaren Einkommensunterschiede sind zum Teil das Ergebnis von Bildungsverläufen früherer Jahrzehnte — und die heutigen Schulzahlen deuten darauf hin, dass sich die Unterschiede ohne gezielte Förderung fortsetzen.

Bevölkerungsanteil mit Einwanderungsgeschichte in Deutschland

Kurzantwort: 2023 hatten 25,2 Prozent der Bevölkerung in Deutschland — 21,2 Millionen Menschen — eine Einwanderungsgeschichte, weitere 4,8 Prozent eine einseitige Einwanderungsgeschichte.

Die Größenordnung macht deutlich, dass es hier nicht um eine kleine Randgruppe geht. 2023 hatte gut ein Viertel der Bevölkerung in Deutschland eine Einwanderungsgeschichte: 25,2 Prozent oder 21,2 Millionen Menschen. Weitere 4,8 Prozent haben eine einseitige Einwanderungsgeschichte, das heißt: Ein Elternteil ist eingewandert, das andere nicht.

Was der Begriff bedeutet

Als Menschen mit Einwanderungsgeschichte gelten in der amtlichen Statistik Personen, die selbst nach Deutschland eingewandert sind, sowie Personen, deren beide Eltern eingewandert sind. Der Begriff ersetzt in der neueren Berichterstattung zunehmend die Formulierung "Migrationshintergrund". Er sagt nichts über Staatsangehörigkeit, Aufenthaltsdauer oder Sprachkenntnisse aus — eine seit Jahrzehnten in Deutschland lebende Person mit deutschem Pass kann darunter fallen.

Warum die Gruppe sehr heterogen ist

Hinter dem Sammelbegriff stehen sehr unterschiedliche Lebenslagen: Hochqualifizierte Zugewanderte aus EU-Staaten, Nachkommen der Arbeitsmigration der 1960er- und 1970er-Jahre, Geflüchtete mit kurzer Aufenthaltsdauer. Durchschnittswerte über diese Gruppe hinweg verdecken diese Spannweite. Sie zeigen ein Muster, aber keinen individuellen Lebensweg — und sie taugen nicht als Erklärung für einzelne Personen.

Soziale Absicherung: Wo Lücken entstehen

Kurzantwort: Fehlender Krankenversicherungsschutz betrifft nicht-deutsche Ratsuchende häufiger in Familien mit Kindern: 11,2 Prozent gegenüber 3,5 Prozent bei deutschen Ratsuchenden.

Neben Einkommen, Arbeit und Wohnen entscheidet der Zugang zu Sozialleistungen darüber, wie stabil der Lebensunterhalt ist. Hier zeigen Daten aus der Beratungspraxis eine besondere Betroffenheit von Familien: Unter den Ratsuchenden ohne Krankenversicherungsschutz lebten 11,2 Prozent der nicht-deutschen Personen in Haushalten mit Kindern, gegenüber 3,5 Prozent der deutschen Personen. Fehlender Versicherungsschutz bedeutet, dass Behandlungskosten privat getragen werden müssen — ein Risiko, das kleine Einkommen schnell überfordert.

Sozialhilfe nach dem Zwölften Buch Sozialgesetzbuch

Wer den Lebensunterhalt nicht aus eigenem Einkommen, Vermögen oder vorrangigen Leistungen bestreiten kann und nicht erwerbsfähig ist, kann Hilfe zum Lebensunterhalt nach dem Zwölften Buch Sozialgesetzbuch (SGB XII) erhalten. Dazu gehören auch die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung sowie die Hilfen zur Gesundheit.

Für Menschen mit Einwanderungsgeschichte hängt der Anspruch von der Aufenthaltssituation ab. Je nach Aufenthaltsstatus können vorrangig andere Regelwerke greifen, etwa Leistungen für Asylsuchende. Welche Leistung im Einzelfall zusteht, lässt sich nur anhand des konkreten Status klären — hierzu beraten Sozialämter sowie unabhängige Beratungsstellen der Wohlfahrtsverbände kostenfrei.

Armutsgefährdung: Mit und ohne Einwanderungsgeschichte im Vergleich

Kurzantwort: Erwerbstätige mit Einwanderungsgeschichte waren 2022 mit 14,7 Prozent mehr als doppelt so häufig armutsgefährdet wie Erwerbstätige ohne Einwanderungsgeschichte (7,1 Prozent).

Als armutsgefährdet gilt in der amtlichen Statistik, wer über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung verfügt. Diese Schwelle ist ein relatives Maß: Sie beschreibt nicht das Existenzminimum, sondern den Abstand zum gesellschaftlichen Mittelwert.

Der Vergleich nach Einwanderungsgeschichte zeigt einen deutlichen Unterschied. Unter Erwerbstätigen lag die Armutsgefährdungsquote 2022 bundesweit bei 7,1 Prozent, wenn keine Einwanderungsgeschichte vorlag. Bei Erwerbstätigen mit Einwanderungsgeschichte war sie mit 14,7 Prozent mehr als doppelt so hoch. Das ist der zentrale Befund: Ein Arbeitsplatz schützt beide Gruppen nicht gleich gut vor Armut.

Warum Erwerbsarbeit unterschiedlich stark schützt

Der Unterschied entsteht nicht am Merkmal Einwanderungsgeschichte selbst, sondern an den damit verbundenen Lebenslagen: häufiger niedrigere formale Qualifikationen, häufiger Beschäftigung in gering entlohnten Branchen, häufiger größere Haushalte mit mehr zu versorgenden Personen und höhere Wohnkosten. Jeder dieser Faktoren senkt das verfügbare Einkommen pro Kopf.

Regionale Ebene: Berlin

Für Berlin liegt eine eigene Sozialberichterstattung vor. Dort lag die Armutsgefährdungsquote 2023 bei rund 13 Prozent für Personen ohne Einwanderungsgeschichte, bei rund 31 Prozent für eingewanderte Personen und bei rund 33 Prozent für Menschen mit eingewanderten Eltern. Berlin ist als Großstadt mit hoher Zuwanderung und angespanntem Wohnungsmarkt jedoch kein Abbild der Bundesrepublik. Die Berliner Werte aus 2023 lassen sich deshalb nicht mit den bundesweiten Werten aus 2022 gleichsetzen — beide Datensätze stammen aus unterschiedlichen Erhebungen und Zeitpunkten und werden hier bewusst getrennt ausgewiesen.

Mehr zu den generationsspezifischen Unterschieden findet sich im Beitrag zur Armutsgefährdung von Eingewanderten und ihren Nachkommen, ein bundesweiter Einkommensvergleich steht unter Einkommen und Migration.

Wohnkosten und Mietbelastung im Vergleich

Kurzantwort: Haushalte mit durchgängiger Einwanderungsgeschichte zahlten 2022 im Schnitt 9,20 Euro je Quadratmeter Bruttokaltmiete gegenüber 8,40 Euro bei Haushalten ohne Einwanderungsgeschichte — bei entsprechend höherer Mietbelastungsquote.

Miete ist für Haushalte mit niedrigem Einkommen der größte Ausgabenblock. Deshalb wirkt sich jeder Euro Quadratmeterpreis unmittelbar darauf aus, wie viel Geld zum Leben bleibt. Das Mikrozensus-Zusatzprogramm Wohnen — eine regelmäßige amtliche Erhebung zur Wohnsituation — zeigt für 2022: Haushalte, in denen alle Mitglieder eine Einwanderungsgeschichte hatten, zahlten mit durchschnittlich 9,20 Euro je Quadratmeter merklich höhere Bruttokaltmieten als Haushalte ohne Einwanderungsgeschichte (8,40 Euro).

Diese Differenz überträgt sich auf die Mietbelastungsquote, also den Anteil des Einkommens, der für die Kaltmiete aufgewendet wird: Sie lag bei Haushalten mit durchgängiger Einwanderungsgeschichte 2022 bei 30,1 Prozent und damit über dem Bundesdurchschnitt von 27,9 Prozent. Haushalte ganz ohne Einwanderungsgeschichte lagen mit 27,6 Prozent etwas darunter.

Warum höhere Mieten bei geringerem Einkommen zusammenfallen

Das Ergebnis wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich, folgt aber der Logik des Wohnungsmarkts:

  • Neuvermietung statt Altvertrag: Wer erst in den letzten Jahren eine Wohnung gesucht hat, zahlt Neuvertragsmieten. Lange bestehende Mietverhältnisse sind meist günstiger.
  • Städtische Lagen: Haushalte mit Einwanderungsgeschichte leben überdurchschnittlich häufig in großen Städten, wo die Quadratmeterpreise höher sind.
  • Seltener Wohneigentum: Wohneigentum senkt die laufenden Wohnkosten dauerhaft. Es ist unter Haushalten mit Einwanderungsgeschichte seltener verbreitet, sodass diese Haushalte stärker auf den Mietmarkt angewiesen sind.

Auch bei Alleinerziehenden zeigen sich Unterschiede in der Mietbelastung: Je nach Wohnform lag die Mietbelastungsquote bei Alleinerziehenden ohne Einwanderungsgeschichte zwischen 28,2 und 35,0 Prozent, bei Alleinerziehenden mit Einwanderungsgeschichte zwischen 19,8 und 24,8 Prozent.

Eine vertiefende Betrachtung der Mietbelastung liefert der Beitrag Mietbelastung in Berlin.

Bildungschancen der Kinder als langfristiger Faktor

Kurzantwort: 2023 besuchten 34,2 Prozent der Kinder mit Einwanderungsgeschichte ein Gymnasium, bei Kindern ohne Einwanderungsgeschichte waren es 48,3 Prozent.

Bildungswege entscheiden über spätere Einkommen. Deshalb ist der Schulbesuch der Kinder ein Frühindikator für Armutsrisiken der nächsten Generation. 2023 besuchten 34,2 Prozent der Kinder mit Einwanderungsgeschichte ein Gymnasium. Bei Kindern ohne Einwanderungsgeschichte waren es 48,3 Prozent — ein Unterschied von rund 14 Prozentpunkten.

Wie sich Einkommenslage und Bildung verschränken

Der Schulerfolg hängt in Deutschland stark mit der sozialen Lage des Elternhauses zusammen. Kinder aus Haushalten mit niedrigem Einkommen haben seltener einen eigenen ruhigen Arbeitsplatz, seltener Zugang zu bezahlter Nachhilfe und häufiger beengte Wohnverhältnisse. Wo zusätzlich die Familiensprache nicht Deutsch ist, kommt der Aufbau der Bildungssprache als eigene Aufgabe hinzu.

Damit entsteht ein Kreislauf: Geringes Einkommen erschwert den Bildungserfolg, ein niedrigerer Bildungsabschluss senkt später das Erwerbseinkommen. Für den Vergleich der Gruppen bedeutet das: Die heute sichtbaren Einkommensunterschiede sind zum Teil das Ergebnis von Bildungsverläufen früherer Jahrzehnte — und die heutigen Schulzahlen deuten darauf hin, dass sich die Unterschiede ohne gezielte Förderung fortsetzen.

Familienformen im Vergleich

Kurzantwort: Unter Familien mit Einwanderungsgeschichte war 2023 die Ehe mit Kindern mit 74 Prozent deutlich häufiger als unter Familien ohne Einwanderungsgeschichte (64 Prozent).

Auch bei den Familienstrukturen zeigen sich Unterschiede. Unter Familien mit Einwanderungsgeschichte war 2023 die Familienform Ehepaar mit Kind(ern) mit 74 Prozent deutlich weiter verbreitet als unter Familien ohne Einwanderungsgeschichte (64 Prozent). Nur 17 Prozent der Familien mit Einwanderungsgeschichte waren alleinerziehende Mütter oder Väter, gegenüber 22 Prozent bei Familien ohne Einwanderungsgeschichte. Weitere 8 Prozent der Familien mit Einwanderungsgeschichte waren Lebensgemeinschaften mit minderjährigen Kindern, bei Familien ohne Einwanderungsgeschichte waren es 15 Prozent.

Auch bei der Kinderzahl gibt es Unterschiede: In 12 Prozent der Familien mit Einwanderungsgeschichte lebten 2023 drei minderjährige Kinder im Haushalt, in 5 Prozent mindestens vier Kinder unter 18 Jahren. Bei Familien ohne Einwanderungsgeschichte lagen die entsprechenden Anteile bei 8 beziehungsweise 2 Prozent.

Größere Haushalte bedeuten in der Regel ein geringeres Pro-Kopf-Einkommen bei gleichem Haushaltseinkommen — ein Faktor, der zusammen mit Erwerbsbeteiligung und Wohnkosten die Armutsgefährdung mitbestimmt. Details zu Haushaltsstrukturen liefert der Beitrag Haushaltsgrößen nach Einwanderungsherkunft.

Erwerbstätigkeit und Erwerbslosigkeit im Vergleich

Kurzantwort: Personen mit Einwanderungsgeschichte sind seltener erwerbstätig und häufiger erwerbslos als Personen ohne Einwanderungsgeschichte — ein wesentlicher Grund liegt in fehlender oder nicht anerkannter Qualifikation.

Der Zugang zum Arbeitsmarkt ist der wichtigste Hebel für den eigenen Lebensunterhalt. Die Berliner Sozialberichterstattung weist für 2023 aus, dass Personen mit Einwanderungsgeschichte seltener erwerbstätig sind als Personen ohne Einwanderungsgeschichte. Gleichzeitig ist ihre Erwerbslosenquote deutlich höher.

Der Zusammenhang mit Berufsabschlüssen

Ein wesentlicher Erklärungsfaktor sind formale Qualifikationen. In Berlin finden sich hohe Anteile von Personen ohne beruflichen oder akademischen Abschluss vor allem unter Menschen mit Einwanderungsgeschichte und unter Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Wer keinen in Deutschland anerkannten Abschluss nachweisen kann, ist häufiger auf Helfertätigkeiten, befristete Verträge und Teilzeit angewiesen — mit entsprechend niedrigen und instabilen Einkommen.

Zu unterscheiden ist dabei zwischen fehlender und nicht anerkannter Qualifikation. Ein im Ausland erworbener Abschluss zählt in der deutschen Statistik nur, wenn er formal anerkannt wurde. Nicht abgeschlossene Anerkennungsverfahren führen deshalb dazu, dass vorhandene berufliche Kompetenz auf dem Arbeitsmarkt nicht wirksam wird.

Was das für den Lebensunterhalt bedeutet

  • Weniger Erwerbseinkommen im Haushalt: Wenn nur eine Person oder niemand im Haushalt erwerbstätig ist, sinkt das Einkommen pro Kopf.
  • Häufigere Unterbrechungen: Befristungen und Saisonarbeit führen zu Phasen ohne Einkommen und zu geringeren Ansprüchen aus der Arbeitslosenversicherung.
  • Niedrigere Alterseinkommen: Kurze und lückenhafte Erwerbsbiografien senken später die Rentenansprüche.

Bevölkerungsanteil mit Einwanderungsgeschichte in Deutschland

Kurzantwort: 2023 hatte gut ein Viertel der Bevölkerung in Deutschland eine Einwanderungsgeschichte: 25,2 Prozent bzw. 21,2 Millionen Menschen, weitere 4,8 Prozent eine einseitige Einwanderungsgeschichte.

Die Größenordnung macht deutlich, dass es hier nicht um eine kleine Randgruppe geht. 2023 hatte gut ein Viertel der Bevölkerung in Deutschland eine Einwanderungsgeschichte: 25,2 Prozent oder 21,2 Millionen Menschen. Weitere 4,8 Prozent haben eine einseitige Einwanderungsgeschichte, das heißt: Ein Elternteil ist eingewandert, das andere nicht.

Was der Begriff bedeutet

Als Menschen mit Einwanderungsgeschichte gelten in der amtlichen Statistik Personen, die selbst nach Deutschland eingewandert sind, sowie Personen, deren beide Eltern eingewandert sind. Der Begriff ersetzt in der neueren Berichterstattung zunehmend die Formulierung "Migrationshintergrund". Er sagt nichts über Staatsangehörigkeit, Aufenthaltsdauer oder Sprachkenntnisse aus — eine seit Jahrzehnten in Deutschland lebende Person mit deutschem Pass kann darunter fallen.

Warum die Gruppe sehr heterogen ist

Hinter dem Sammelbegriff stehen sehr unterschiedliche Lebenslagen: Hochqualifizierte Zugewanderte aus EU-Staaten, Nachkommen der Arbeitsmigration der 1960er- und 1970er-Jahre, Geflüchtete mit kurzer Aufenthaltsdauer. Durchschnittswerte über diese Gruppe hinweg verdecken diese Spannweite. Sie zeigen ein Muster, aber keinen individuellen Lebensweg — und sie taugen nicht als Erklärung für einzelne Personen.

Auch bei den Schulabschlüssen der Erwachsenen zeigt sich diese Heterogenität: Eingewanderte Personen selbst haben zwar vergleichsweise häufig keinen Schulabschluss, gleichzeitig ist unter ihnen aber auch der Anteil an Personen mit Hochschulreife überdurchschnittlich hoch. Die Nachkommen Eingewanderter erreichen ebenfalls häufig die Hochschulreife, verfügen aber deutlich seltener über keinen Schulabschluss als die Eingewanderten selbst.

Ergänzende Zahlen zur Einkommensverteilung liefert der Beitrag Einkommen und Migration, ein Überblick zur Armutslage insgesamt findet sich unter Armut im Vergleich nach Einwanderungsgeschichte.

Quellen

  • Sozialbericht 2024 (Destatis/DIW, 18. Ausgabe)
  • Sozialbericht berlin 2025
  • Mikrozensus-Zusatzprogramm Wohnen 2022

Häufige Fragen

Sind Menschen mit Einwanderungsgeschichte in Deutschland häufiger armutsgefährdet?+

Ja. Bei Erwerbstätigen lag die Armutsgefährdungsquote 2022 bundesweit für Personen ohne Einwanderungsgeschichte bei 7,1 Prozent — bei Erwerbstätigen mit Einwanderungsgeschichte war sie doppelt so hoch. Der Unterschied erklärt sich vor allem über Qualifikationen, Branchen, Haushaltsgröße und Wohnkosten, nicht über die Einwanderungsgeschichte selbst.

Was bedeutet Einwanderungsgeschichte in der amtlichen Statistik?+

Als Menschen mit Einwanderungsgeschichte gelten Personen, die selbst nach Deutschland eingewandert sind, und Personen, deren beide Eltern eingewandert sind. Ist nur ein Elternteil eingewandert, spricht die Statistik von einseitiger Einwanderungsgeschichte. Der Begriff sagt nichts über Staatsangehörigkeit oder Aufenthaltsdauer aus.

Warum zahlen Haushalte mit Einwanderungsgeschichte höhere Mieten?+

2022 lag ihre Miete im Mittel bei 9,20 Euro je Quadratmeter und damit merklich über der von Haushalten ohne Einwanderungsgeschichte. Gründe sind häufigere Neuvertragsmieten, überdurchschnittliches Wohnen in Großstädten und seltener vorhandenes Wohneigentum, das die laufenden Wohnkosten dauerhaft senken würde.

Wie groß ist der Unterschied beim Gymnasialbesuch der Kinder?+

2023 besuchten 34,2 Prozent der Kinder mit Einwanderungsgeschichte ein Gymnasium, gegenüber 48,3 Prozent der Kinder ohne Einwanderungsgeschichte. Der Abstand von rund 14 Prozentpunkten gilt als struktureller Faktor für spätere Einkommens- und Armutsunterschiede.

Gelten die Berliner Zahlen auch für ganz Deutschland?+

Nein. Die Berliner Sozialberichterstattung weist eigene Werte aus, etwa eine Armutsgefährdungsquote von rund 13 Prozent für Personen ohne Einwanderungsgeschichte im Jahr 2023. Berlin hat als Großstadt mit hoher Zuwanderung und angespanntem Wohnungsmarkt eine eigene Struktur. Bundesweite und regionale Zahlen sollten deshalb getrennt betrachtet werden.

Welche Leistungen sichern den Lebensunterhalt, wenn das Einkommen nicht reicht?+

Für nicht erwerbsfähige Personen kommt Hilfe zum Lebensunterhalt nach dem Zwölften Buch Sozialgesetzbuch (SGB XII) in Betracht, ebenso die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung. Bei Menschen mit Einwanderungsgeschichte richtet sich der Anspruch nach dem Aufenthaltsstatus; Sozialämter und Beratungsstellen der Wohlfahrtsverbände klären den Einzelfall kostenfrei.

Warum sind Menschen mit Einwanderungsgeschichte trotz Arbeit häufiger armutsgefährdet?+

2022 waren 14,7 Prozent der Erwerbstätigen mit Einwanderungsgeschichte trotz Arbeit armutsgefährdet, gegenüber 7,1 Prozent bei Erwerbstätigen ohne Einwanderungsgeschichte. Wesentliche Gründe sind häufiger niedrigere formale Qualifikationen oder nicht anerkannte ausländische Abschlüsse, eine stärkere Konzentration auf gering entlohnte Branchen und Helfertätigkeiten sowie größere Haushalte, in denen das Einkommen auf mehr Personen verteilt wird.

Zahlen Haushalte mit Einwanderungsgeschichte höhere Mieten?+

Ja. Haushalte, in denen alle Mitglieder eine Einwanderungsgeschichte hatten, zahlten 2022 im Schnitt 9,20 Euro je Quadratmeter Bruttokaltmiete, Haushalte ohne Einwanderungsgeschichte 8,40 Euro. Die Mietbelastungsquote lag entsprechend bei 30,1 Prozent gegenüber 27,6 Prozent (Bundesdurchschnitt: 27,9 Prozent). Ein Grund ist, dass Haushalte mit Einwanderungsgeschichte häufiger in Großstädten und häufiger in erst kürzlich bezogenen Wohnungen zu Neuvertragskonditionen leben.

Sind die Berliner Zahlen auf ganz Deutschland übertragbar?+

Nein. Die Berliner Sozialberichterstattung liefert eigene Werte für 2023, etwa zur Armutsgefährdungsquote. Berlin ist als Großstadt mit hoher Zuwanderung und angespanntem Wohnungsmarkt jedoch kein Abbild der Bundesrepublik. Bundesweite Werte stammen zudem teils aus dem Jahr 2022. Beide Ebenen werden auf dieser Seite deshalb getrennt ausgewiesen und nicht vermischt.

Was bedeutet der Begriff Einwanderungsgeschichte in der amtlichen Statistik?+

Als Menschen mit Einwanderungsgeschichte gelten Personen, die selbst nach Deutschland eingewandert sind, sowie Personen, deren beide Eltern eingewandert sind. Bei einseitiger Einwanderungsgeschichte ist nur ein Elternteil eingewandert. Der Begriff sagt nichts über Staatsangehörigkeit oder Aufenthaltsdauer aus und ersetzt zunehmend die Bezeichnung Migrationshintergrund.

Wie unterscheiden sich die Bildungschancen der Kinder nach Einwanderungsgeschichte?+

2023 besuchten 34,2 Prozent der Kinder mit Einwanderungsgeschichte ein Gymnasium, bei Kindern ohne Einwanderungsgeschichte waren es 48,3 Prozent. Der Unterschied hängt eng mit der sozialen Lage der Elternhäuser zusammen, etwa mit Wohnverhältnissen, Zugang zu Nachhilfe und der Familiensprache.