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Was sie bedeutet

Altersarmut & Rente

Lebenserwartung ab 65: Wie lange beziehen Deutsche Rente?

Frauen beziehen ihre Rente im Schnitt rund 21 Jahre, Maenner rund 17 Jahre. Je laenger der Rentenbezug, desto mehr wird eine knappe Rente zum Problem — besonders fuer Frauen, die durch Teilzeit und Carearbeit geringere Rentenansprueche aufgebaut haben.

12 Min. Lesezeit2 Quellen

~21 Jahre

fernere Lebenserwartung ab 65 fuer Frauen — entspricht der durchschnittlichen Rentenbezugsdauer

~17 Jahre

fernere Lebenserwartung ab 65 fuer Maenner — rund vier Jahre kuerzer als bei Frauen

700.000

Menschen beziehen Grundsicherung im Alter — das ist die Auffangleistung bei zu geringer Rente

2.000–2.500 €

monatlicher Eigenanteil fuer ein Pflegeheim — fuer viele Rentnerinnen und Rentner nicht leistbar

17,6 Jahre

So viele weitere Lebensjahre haben 65-jährige Männer nach der Sterbetafel 2020/22 im Durchschnitt. Das entspricht einer erwarteten Gesamtlebensdauer von 82,6 Jahren.

20,9 Jahre

Fernere Lebenserwartung 65-jähriger Frauen im Zeitraum 2020/22. Sie erreichen damit im Schnitt ein Alter von 85,9 Jahren.

8,6 Jahre

Um so viele Jahre kürzer ist die Lebenserwartung von Männern der niedrigsten Einkommensgruppe gegenüber der höchsten. Bei Frauen beträgt der Abstand 4,4 Jahre.

39,4 %

Gender Pension Gap bei Frauen ab 65 Jahren im Jahr 2023: So viel geringer fallen ihre Alterseinkünfte gegenüber denen der Männer aus.

46 %

Fast die Hälfte der armutsgefährdeten 45- bis 64-Jährigen verfügte 2023 über keinerlei zusätzliche finanzielle Altersvorsorge.

Wer in Deutschland in Rente geht, tritt in einen neuen Lebensabschnitt ein — und dieser Abschnitt ist laenger geworden. Die fernere Lebenserwartung ab 65, also die statistisch erwartete Zahl weiterer Lebensjahre ab dem Rentenalter, ist in den letzten Jahrzehnten erheblich gestiegen. Das ist grundsaetzlich eine gute Nachricht — ein Zeichen fuer verbesserte medizinische Versorgung, bessere Ernaehrung und sicherere Lebensverhaeltnisse. Aber eine laengere Rentenbezugsdauer bedeutet auch: Eine knappe Rente reicht ueber immer mehr Jahre nicht aus. Und das ist ein gravierendes Problem fuer einen wachsenden Teil der aelteren Bevoelkerung.

Frauen sind in diesem Zusammenhang besonders gefaehrdet. Sie leben im Schnitt laenger — und haben dennoch niedrigere Rentenansprueche, weil sie im Erwerbsleben haeufiger in Teilzeit gearbeitet haben, haeufiger Unterbrechungen durch Kindererziehung oder Pflege hatten und in Berufen taetig waren, die schlechter entlohnt werden. Laengere Lebenserwartung kombiniert mit niedrigerer Rente ergibt ein hohes Armutsrisiko im hohen Alter.

Was ist die fernere Lebenserwartung?

Kurzantwort: Die fernere Lebenserwartung ab 65 ist eine statistische Kennzahl, die angibt, wie viele weitere Jahre eine Person durchschnittlich lebt, wenn sie das 65. Lebensjahr erreicht hat. Sie ist nicht dasselbe wie die allgemeine Lebenserwartung bei Geburt und haengt stark von Gesundheit, sozialem Status und Lebensbedingungen ab.

Die allgemeine Lebenserwartung bei Geburt und die fernere Lebenserwartung ab einem bestimmten Alter sind verschiedene Konzepte. Die Lebenserwartung bei Geburt berechnet, wie alt ein heute neugeborenes Kind durchschnittlich werden wird — einschliesslich aller Sterblichkeitsrisiken in Kindheit, Jugend und Erwachsenenleben. Die fernere Lebenserwartung ab 65 fragt dagegen: Wer das 65. Lebensjahr erreicht hat — wie viele weitere Jahre lebt dieser Mensch noch?

Wer 65 wird, hat bereits alle fruehzeitigen Sterblichkeitsrisiken ueberstanden. Die fernere Lebenserwartung ist deshalb haeufig hoeher als man intuitiv vermuten wuerde. Fuer Frauen, die 65 werden, liegt sie derzeit bei rund 20 bis 21 Jahren — sie erreichen damit im Schnitt ein Alter von etwa 85 bis 86 Jahren. Fuer Maenner liegt die fernere Lebenserwartung ab 65 bei rund 17 bis 18 Jahren — also ein durchschnittliches Alter von knapp 83 Jahren.

Frauen leben laenger — und tragen mehr Risiko

Kurzantwort: Frauen leben in Deutschland durchschnittlich laenger als Maenner — und haben gleichzeitig niedrigere Rentenansprueche. Diese Kombination ergibt ein erhoehtes Armutsrisiko im hohen Alter: Eine zu geringe Rente muss ueber mehr Jahre getragen werden.

Das Paradox der weiblichen Altersarmut liegt genau hier: Frauen profitieren von ihrer hoeheren Lebenserwartung in dem Sinne, dass sie mehr Lebensjahre haben. Aber diese Lebensjahre muessen finanziert werden — und fuer viele Frauen ist die Rente dafuer nicht ausreichend. Das Armutsrisiko fuer Frauen ab 65 liegt in Deutschland bei rund 22 Prozent, fuer Maenner bei rund 17 Prozent. Das ist ein erheblicher Unterschied, der sich direkt aus der Verbindung von Erwerbsbiografie und Lebenserwartung erklaert.

Frauen haben im Erwerbsleben systematisch niedrigere Rentenanwartschaften aufgebaut. Die Gruende sind gut bekannt: Teilzeitarbeit waehrend der Kinderbetreuung, Erwerbsunterbrechungen fuer Pflege von Angehoerigen, Beschaeftigung in Branchen und Berufen mit niedrigerem Lohnniveau, der Gender Pay Gap im allgemeinen. All diese Faktoren reduzieren die Rentenansprueche, die nach Jahren der Beitragszahlung entstehen. Das Rentensystem ist ein Spiegel der Erwerbsbiografie — und in einer Gesellschaft, in der Carearbeit unentlohnt bleibt und Teilzeit systematisch weiblich ist, sind die Rentenunterschiede zwischen Maennern und Frauen eine vorhersagbare Konsequenz.

Rentenbezugsdauer und Rentenrendite

Kurzantwort: Die Rentenbezugsdauer bestimmt, wie lange eingezahlte Beitraege durch Rentenzahlungen zurueckkommen. Eine laengere Bezugsdauer ist fuer die individuelle Rentenrendite vorteilhaft — aber sie bedeutet auch, dass Rentenluecken mehr Lebensjahre betreffen und damit ernster wiegen.

Das Rentensystem ist ein Umlageverfahren: Heutige Beitragszahlerinnen und -zahler finanzieren heutige Rentnerinnen und Rentner. Fuer den einzelnen Versicherten stellt sich die Frage der Rentenrendite: Bekomme ich zurueck, was ich eingezahlt habe, und mit welchem "Zinssatz"? Eine laengere Rentenbezugsdauer ist dabei individuell vorteilhaft — je laenger man lebt, desto mehr Rentenzahlungen erhaelt man. Gleichzeitig bedeutet das: Wer lange lebt und eine niedrige Rente hat, traegt eine knappe finanzielle Situation ueber sehr viele Jahre.

Fuer das Rentensystem als Ganzes ist die steigende Lebenserwartung eine Herausforderung. Wenn Rentnerinnen und Rentner laenger leben, muessen mehr Rentenleistungen finanziert werden — bei gleichbleibender oder sinkender Zahl von Beitragszahlenden. Daraus ergibt sich der politische Druck, das Rentenniveau zu senken oder das Renteneintrittsalter anzuheben. Beides trifft vor allem jene, die koerperlich anstrengende Berufe haben und nicht problemlos laenger arbeiten koennen.

Grundsicherung im Alter

Kurzantwort: Grundsicherung im Alter ist die staatliche Auffangleistung fuer Menschen, deren Rente das Existenzminimum nicht sichert. Rund 700.000 Menschen beziehen sie. Viele mehr waeren anspruchsberechtigt, beantragen sie aber aus Scham nicht.

Wenn die Rente nicht ausreicht, gibt es in Deutschland die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung — eine Sozialleistung nach dem Sozialgesetzbuch XII. Sie soll sicherstellen, dass niemand im Alter unter dem soziokulturellen Existenzminimum leben muss. Wer Grundsicherung beantragt, bekommt den Unterschied zwischen der eigenen Rente und dem Grundsicherungsbedarf ausgezahlt.

Rund 700.000 Menschen beziehen diese Leistung — eine Zahl, die in den letzten Jahren gestiegen ist. Aber die Zahl der tatsaechlichen Anspruchsberechtigten ist deutlich hoeher. Schaetzungen zufolge beantragt ein erheblicher Teil der Anspruchsberechtigten die Grundsicherung nicht — aus Scham, aus Unkenntnis, aus Angst, Kinder wuerden finanzlich herangezogen werden. Letzteres ist seit einer Gesundheitsrechtsaenderung 2020 fuer Grundsicherung im Alter nur noch bei Eltern mit sehr hohem Einkommen moeglich — aber das Wissen darueber ist noch nicht ueberall angekommen. Nicht-Inanspruchnahme von Sozialleistungen ist ein strukturelles Problem, das besonders im Alter ausgepraegt ist.

Rentenbezug und Armutsrisiko im Ueberblick

Rentenbezug Frauen
ca. 21 Jahre — laengste Bezugsdauer, aber oft geringste Rentenhoehe
Rentenbezug Maenner
ca. 17 Jahre — kuerzer, aber hoehere durchschnittliche Rentenansprueche
Armutsrisiko Frauen 65+
ca. 22 % — deutlich hoeher als bei Maennern
Armutsrisiko Maenner 65+
ca. 17 % — ebenfalls erheblich, aber geringer als bei Frauen

Pflegebedarf und Eigenanteil

Kurzantwort: Pflegebeduerftigkeit im Alter ist haeufig und teuer. Ein Heimplatz kostet monatlich 2.000 bis 2.500 Euro Eigenanteil nach Abzug der Pflegeversicherungsleistungen. Wer das nicht aufbringen kann, ist auf Sozialhilfe angewiesen.

Eine laengere Lebenserwartung bedeutet nicht nur laengerer Rentenbezug — sie erhoht auch die Wahrscheinlichkeit, irgendwann pflegebeduerftigt zu werden. Pflegebeduerftigkeit trifft aeltere Menschen ueberproportional: Waehrend in der Gruppe der 70- bis 75-Jaehrigen noch relativ wenige Pflegeleistungen benoetigen, steigt der Anteil in der Gruppe der ueber 85-Jaehrigen erheblich. Und Frauen sind aufgrund ihrer hoeheren Lebenserwartung in dieser Altersgruppe stark vertreten.

Die Pflegeversicherung in Deutschland deckt die Pflegekosten nur teilweise ab. Was sie nicht deckt, muss aus eigenem Vermogen oder Einkommen bezahlt werden — der sogenannte Eigenanteil. Bei einem stationaeren Heimaufenthalt belaeuft sich der Eigenanteil derzeit auf durchschnittlich 2.000 bis 2.500 Euro pro Monat. Fuer Menschen mit einer Rente von 1.000 bis 1.200 Euro — und das sind viele Frauen — ist das schlicht nicht finanzierbar. In diesem Fall greift die Sozialhilfe, speziell die Hilfe zur Pflege. Das bedeutet: Ein erheblicher Teil der Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohner wird letztlich oeffentlich finanziert — und das Stigma, "Sozialhilfe im Heim" zu beziehen, ist fuer viele Betroffene belastend.

Armut und Sterblichkeit

Kurzantwort: Die Lebenserwartung ist nicht gleichmaessig verteilt — sie haengt stark vom soziooekonomisc hen Status ab. Arme Menschen sterben im Durchschnitt frueher als wohlhabende. Das bedeutet: Die fernere Lebenserwartung ab 65 gilt fuer arme Rentnerinnen und Rentner in geringerem Mass als fuer reiche.

Die Statistik der ferneren Lebenserwartung ab 65 ist ein Durchschnittswert — und Durchschnitte koennen taeuschen. Hinter diesem Durchschnitt verbergen sich erhebliche Unterschiede nach soziooekonomischem Status. Menschen, die ihr Leben in Armut verbracht haben — mit schlechterer Ernaehrung, weniger Gesundheitsversorgung, belastenden Arbeitsbedingungen und hoeherem Stress — sterben im Schnitt frueher als Menschen mit hohem Einkommen und Bildung.

Das bedeutet im Umkehrschluss: Wer arm in Rente geht, hat im Schnitt weniger Rentenjahre als der statistische Durchschnitt vermuten laesst. Das Paradox der Altersarmut vertieft sich: Die, die am dringendsten auf eine ausreichende Rente angewiesen waeren, leben haeufig kuerzer — waehrend Wohlhabende, die sich selbst helfen koennten, laenger von ihrer Rente profitieren. Das Rentensystem profitiert damit strukturell den Bessergestellten.

Was politisch gefordert wird

Kurzantwort: Debattiert werden in Deutschland eine Rentengarantie auf hoherem Niveau, die Anerkennung von Carearbeit in der Rentenberechnung, eine Rentenversicherungspflicht fuer alle Berufsgruppen und eine Grundrente, die auch fuer kleine Renten ein wuerdevolleres Niveau sichert.

Die politischen Debatten rund um Rente und Lebenserwartung kreisen um mehrere Kernfragen. Eine ist die Sicherung des Rentenniveaus: In Deutschland ist das Rentenniveau — das Verhaeltnis der Rente zum Durchschnittslohn — in den letzten Jahrzehnten gesunken. Eine Rente, die 70 Prozent des Durchschnittslohns abdeckt, waere eine andere als eine, die nur 48 Prozent abdeckt. Die politische Frage ist, wer die Finanzierung einer hoeheren Rentengarantie traegt.

Eine zweite Frage betrifft die Anerkennung von Carearbeit. Kindererziehung und Pflege von Angehoerigen sind gesellschaftlich notwendig — aber sie erzeugen keine Rentenanwartschaften im gleichen Mass wie Erwerbsarbeit. Eine groessere Anerkennung dieser Arbeit in der Rentenberechnung wuerde insbesondere Frauen zugutekommen, die den groessten Teil der Carearbeit leisten. Drittens diskutiert wird eine breitere Basis der Rentenversicherung: Beamte, Selbststaendige und andere Gruppen, die nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, wuerden das System stabiler machen und die Last der Finanzierung breiter verteilen.

Die Grundrente, die seit 2021 fuer Menschen mit langen Beitragszeiten aber niedrigem Einkommen einen Zuschlag bietet, ist ein Schritt in diese Richtung — aber kein ausreichender. Fuer Millionen Menschen, die trotz Jahrzehnten der Beitragszahlung nur eine sehr geringe Rente erhalten, bleibt das Armutsrisiko real und drueckend.

Fernere Lebenserwartung ab 65: Die aktuellen Zahlen

Kurzantwort: Nach der Sterbetafel 2020/22 haben 65-jährige Männer in Deutschland im Durchschnitt noch 17,6 Jahre zu leben, 65-jährige Frauen 20,9 Jahre. Daraus ergibt sich eine erwartete Gesamtlebensdauer von 82,6 beziehungsweise 85,9 Jahren.

Die fernere Lebenserwartung ist eine statistische Kennzahl. Sie gibt an, wie viele weitere Lebensjahre Menschen eines bestimmten Alters im Durchschnitt noch vor sich haben. Wer bereits 65 Jahre alt geworden ist, hat die Sterblichkeitsrisiken früherer Lebensjahre hinter sich. Deshalb liegt die erwartete Gesamtlebensdauer ab 65 höher als die Lebenserwartung bei Geburt.

Die Sterbetafel 2020/22 des Statistischen Bundesamtes weist folgende Werte aus:

Kennzahl (Sterbetafel 2020/22)MännerFrauen
Fernere Lebenserwartung ab 6517,6 Jahre20,9 Jahre
Daraus erwartete Gesamtlebensdauer82,6 Jahre85,9 Jahre
Lebenserwartung bei Geburt78,3 Jahre83,2 Jahre

Für die Rente ist vor allem die fernere Lebenserwartung ab 65 entscheidend. Sie ist der statistische Näherungswert für die Rentenbezugsdauer — also für den Zeitraum, über den eine Altersrente reichen muss. Wer mit 65 in Rente geht, muss im Durchschnitt also mit rund 18 bis 21 Jahren Rentenbezug planen.

Wichtig ist: Es handelt sich um Durchschnittswerte einer Modellrechnung. Sie sagen nichts über den einzelnen Menschen aus, sondern beschreiben, wie sich die Sterblichkeit über eine ganze Bevölkerung verteilt.

Historischer Vergleich: So stark ist die Lebenserwartung im Alter gestiegen

Kurzantwort: Bis 2020/22 hat sich die fernere Lebenserwartung ab 65 gegenüber 1871/81 bei Männern nahezu verdoppelt, bei Frauen mehr als verdoppelt. Zuletzt gab es allerdings einen leichten Rückgang gegenüber dem Zeitraum vor der Pandemie.

Im Zeitraum 1871/81 hatten 65-jährige Männer im damaligen Deutschen Reich im Durchschnitt noch 9,6 Jahre zu leben, 65-jährige Frauen 10,0 Jahre. Heute sind es 17,6 beziehungsweise 20,9 Jahre.

Fernere Lebenserwartung ab 651871/812020/22
Männer9,6 Jahre17,6 Jahre
Frauen10,0 Jahre20,9 Jahre

Bei Männern entspricht das etwa einer Verdopplung (Faktor 1,8), bei Frauen mehr als einer Verdopplung. Der Zugewinn fällt bei Frauen also deutlich stärker aus. Hinter dieser Entwicklung stehen bessere medizinische Versorgung, sicherere Arbeitsbedingungen, bessere Ernährung und Wohnverhältnisse.

Der Rückgang seit 2020

Der langfristige Anstieg ist zuletzt unterbrochen worden. Die Lebenserwartung in Deutschland sank erstmals seit Bestehen der Bundesrepublik drei Jahre in Folge. Vor der Pandemie, im Zeitraum 2017/19, lag die Lebenserwartung bei Geburt bei Männern rund vier Monate und bei Frauen rund zwei Monate höher als 2020/22: 78,6 statt 78,3 Jahre bei Männern und 83,4 statt 83,2 Jahre bei Frauen.

Der Rückgang ist also messbar, aber im Verhältnis zum historischen Zugewinn klein. Ob er sich fortsetzt oder ausgleicht, lässt sich erst mit späteren Sterbetafeln beurteilen.

Hochaltrigkeit ist heute die Regel, nicht die Ausnahme

Wie weit sich die Altersgrenzen verschoben haben, zeigt der Blick auf die Sterbefälle: Von den Frauen, die 2022 starben, war fast ein Drittel 90 Jahre oder älter. Rund 8.050 verstorbene Frauen und etwa 1.550 verstorbene Männer waren mindestens 100 Jahre alt. Für die Rentenplanung heißt das: Ein Rentenbezug von 25 Jahren und mehr ist kein Ausnahmefall.

Warum die Lebenserwartung vom Einkommen abhängt

Kurzantwort: Menschen mit niedrigem Einkommen leben deutlich kürzer: Frauen der niedrigsten Einkommensgruppe haben eine um 4,4 Jahre, Männer eine um 8,6 Jahre kürzere Lebenserwartung als Menschen der höchsten Einkommensgruppe.

Die Durchschnittswerte der Sterbetafel verdecken erhebliche soziale Unterschiede. Zwischen der niedrigsten und der höchsten Einkommensgruppe liegen bei Männern 8,6 Lebensjahre, bei Frauen 4,4 Lebensjahre. Bei Männern entspricht der Abstand damit fast der Hälfte der gesamten ferneren Lebenserwartung ab 65.

Für die Rente hat das eine unangenehme Folge: Wer wenig verdient hat, zahlt nicht nur geringere Beiträge ein und erhält eine niedrigere Rente — er bezieht diese Rente im Durchschnitt auch über weniger Jahre. Der Vorteil der gestiegenen Lebenserwartung verteilt sich also ungleich.

Wenig Rente, keine Rücklagen

Hinzu kommt, dass Menschen mit geringem Einkommen kaum zusätzlich vorsorgen können. Fast die Hälfte (46 Prozent) der armutsgefährdeten Personen zwischen 45 und 64 Jahren verfügte 2023 über keinerlei zusätzliche finanzielle Altersvorsorge. Wer in diesen Jahren nichts aufbauen konnte, hat später keine Reserve, um eine knappe gesetzliche Rente zu ergänzen.

Die Armutslage im Alter ist damit häufig schon Jahrzehnte vorher angelegt: niedriges Erwerbseinkommen, unterbrochene Erwerbsbiografien, keine Rücklagen — und darauf folgt eine Rente, die über viele Jahre nicht reicht.

Regionale Unterschiede: Wo Rentner am längsten leben

Kurzantwort: Die Lebenserwartung unterscheidet sich deutlich zwischen den Bundesländern: Baden-Württemberg verzeichnet die höchsten Werte, Sachsen-Anhalt und das Saarland die niedrigsten.

Der Wohnort macht einen messbaren Unterschied. Im Zeitraum 2020/22 lag die Lebenserwartung in Baden-Württemberg am höchsten, in Sachsen-Anhalt und im Saarland am niedrigsten. Auch innerhalb einzelner Städte gibt es eine deutliche Spreizung: In Berlin lag die durchschnittliche Lebenserwartung von Frauen 2019/21 je nach Bezirk zwischen 82,4 und 84,8 Jahren, bei Männern zwischen 77,6 und 79,4 Jahren.

Der Wohnort ist dabei keine Ursache für sich — er bildet ab, wie sich Einkommen, Arbeitsbedingungen und Wohnverhältnisse räumlich verteilen. Eine ausführliche Gegenüberstellung der Bundesländer finden Sie auf unserer Seite zu den regionalen Unterschieden der Lebenserwartung.

Lebenserwartung und Rente: der Gender Pension Gap

Kurzantwort: Frauen leben ab 65 im Schnitt rund drei Jahre länger als Männer, beziehen aber deutlich weniger Alterseinkünfte: Der Gender Pension Gap lag 2023 bei 39,4 Prozent. Eine niedrigere Rente muss also über mehr Jahre reichen.

Frauen ab 65 hatten 2023 Alterseinkünfte, die im Durchschnitt 39,4 Prozent unter denen der Männer lagen. Zum Vergleich: Der unbereinigte Gender Pay Gap, also der Verdienstabstand im Erwerbsleben, betrug 18 Prozent. Der Abstand bei den Alterseinkünften ist damit mehr als doppelt so groß wie der Abstand bei den Löhnen.

Das ist erklärbar: Die Rente bildet die gesamte Erwerbsbiografie ab. Teilzeitarbeit, Unterbrechungen für Kindererziehung und Pflege sowie Beschäftigung in niedriger entlohnten Branchen summieren sich über Jahrzehnte zu geringeren Rentenanwartschaften. Der Verdienstabstand eines einzelnen Jahres wird im Rentenkonto vervielfacht.

Längerer Bezug, geringerer Betrag

Beide Größen wirken zusammen. Frauen beziehen ihre Rente rechnerisch rund 3,3 Jahre länger als Männer — bei einem um 39,4 Prozent geringeren Alterseinkommen. Genau darin liegt das strukturelle Problem: Ein knappes Budget wird nicht kürzer, sondern länger getragen. Rücklagen, die zu Rentenbeginn noch vorhanden sind, sind nach 20 Jahren häufig aufgebraucht.

Hinzu kommen steigende Kosten im hohen Alter, etwa für Pflege oder für einen barrierearmen Umbau der Wohnung. Nur 16 Prozent der 45- bis 90-jährigen Bevölkerung in Deutschland lebten 2023 in einer barrierearmen Wohnung, obwohl der Bedarf mit dem Alter zunimmt. Wer umziehen oder umbauen muss, braucht finanziellen Spielraum — den viele Rentnerinnen nicht haben.

Was die Zahlen für die eigene Rentenplanung bedeuten

Kurzantwort: Die fernere Lebenserwartung ist ein Planungswert, kein persönliches Versprechen. Sinnvoll ist, mit einem Rentenbezug von mindestens 20 Jahren zu rechnen und frühzeitig zu prüfen, welche Ansprüche und Auffangleistungen bestehen.

Aus den Durchschnittswerten lassen sich einige praktische Schlüsse ziehen:

  • Langer Planungshorizont: Wer mit 65 in Rente geht, sollte mit rund 18 bis 21 Jahren Rentenbezug rechnen — bei Frauen eher mehr. Ein Viertel der Menschen lebt deutlich länger als der Durchschnitt.
  • Renteninformation prüfen: Die jährliche Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung zeigt den bisher erworbenen Anspruch. Lücken im Versicherungsverlauf lassen sich klären, solange Nachweise noch vorhanden sind.
  • Ansprüche geltend machen: Reicht die Rente nicht zum Lebensunterhalt, besteht möglicherweise Anspruch auf Grundsicherung im Alter nach dem Sozialgesetzbuch XII. Auch Wohngeld und Zuschüsse zu Gesundheitskosten kommen in Betracht.
  • Wohnsituation früh klären: Ein barrierearmer Umbau oder Umzug ist im Voraus deutlich günstiger zu organisieren als im akuten Pflegefall.

Die statistischen Werte ersetzen keine individuelle Beratung. Kostenlose Auskunft geben die Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung, die Sozialverbände sowie kommunale Seniorenberatungsstellen.

Quellen

  • Sozialbericht 2024 (Destatis/DIW, 18. Ausgabe)
  • Sozialbericht berlin 2025

Häufige Fragen

Wie lange beziehen Deutsche im Schnitt Rente?+

Wer heute mit 65 in Rente geht, bezieht die Rente im Schnitt rund 17 Jahre (Maenner) beziehungsweise rund 21 Jahre (Frauen). Das ist die fernere Lebenserwartung ab 65 — also die statistisch erwartete Zahl weiterer Lebensjahre fuer Menschen, die das Rentenalter bereits erreicht haben. Die tatsaechliche Rentenbezugsdauer haengt stark vom individuellen Renteneintrittsalter und vom Gesundheitszustand ab.

Warum sind Frauen bei der Rente staerker gefaehrdet?+

Frauen haben im Durchschnitt niedrigere Rentenansprueche, weil sie haeufiger in Teilzeit arbeiten, haeufiger Erwerbsunterbrechungen fuer Kindererziehung und Pflege haben und in Berufen mit niedrigerem Lohnniveau taetig sind. Gleichzeitig leben sie laenger. Das Ergebnis: Eine kleinere Rente muss ueber mehr Jahre finanzieren, was das Armutsrisiko erheblich erhoht. Das Armutsrisiko fuer Frauen ab 65 liegt in Deutschland bei rund 22 Prozent, bei Maennern bei rund 17 Prozent.

Was ist Grundsicherung im Alter?+

Grundsicherung im Alter ist eine Sozialleistung nach dem Sozialgesetzbuch XII. Sie soll sicherstellen, dass niemand im Alter unter dem soziokulturellen Existenzminimum leben muss. Wer eine zu geringe Rente hat, bekommt den fehlenden Betrag ausgezahlt. Rund 700.000 Menschen beziehen diese Leistung — aber viele mehr waeren anspruchsberechtigt und beantragen sie nicht, haeufig aus Scham. Kinder werden bei der Grundsicherung im Alter seit 2020 nur noch bei sehr hohem Einkommen herangezogen.

Was kostet ein Pflegeheim?+

Nach Abzug der Leistungen der Pflegeversicherung belaeuft sich der monatliche Eigenanteil fuer einen stationaeren Heimaufenthalt auf durchschnittlich 2.000 bis 2.500 Euro. Wer das nicht aufbringen kann, hat Anspruch auf Hilfe zur Pflege (Sozialhilfe). Das bedeutet in der Praxis: Ein erheblicher Teil der Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohner wird durch oeffentliche Mittel finanziert.

Welche Rentenreformen werden diskutiert?+

Diskutiert werden eine Rentengarantie auf hoherem Niveau, die staerkere Anerkennung von Kindererziehungs- und Pflegezeiten in der Rentenberechnung, eine breitere Basis der gesetzlichen Rentenversicherung (einschliesslich Selbststaendiger und Beamter) sowie Anpassungen beim Renteneintrittsalter. Die seit 2021 geltende Grundrente bietet Menschen mit langen Beitragszeiten und niedrigem Einkommen einen Zuschlag, wird aber von Sozialpolitikerinnen und -politikern als nicht ausreichend bewertet.

Was bedeutet fernere Lebenserwartung ab 65 genau?+

Die fernere Lebenserwartung ab 65 gibt an, wie viele weitere Lebensjahre eine 65-jährige Person nach der aktuellen Sterbetafel im Durchschnitt noch vor sich hat. Sie ist nicht dasselbe wie die Lebenserwartung bei Geburt, weil die Sterblichkeitsrisiken der früheren Lebensjahre bereits überstanden sind. Nach der Sterbetafel 2020/22 liegt sie bei Männern bei 17,6 und bei Frauen bei 20,9 Jahren.

Wie lange beziehen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland im Durchschnitt Rente?+

Als statistischer Näherungswert für die Rentenbezugsdauer gilt die fernere Lebenserwartung ab 65. Sie beträgt 17,6 Jahre bei Männern und 20,9 Jahre bei Frauen (Sterbetafel 2020/22). Wer früher in Rente geht, bezieht sie entsprechend länger.

Ist die Lebenserwartung in Deutschland gesunken?+

Ja. Die Lebenserwartung sank erstmals seit Bestehen der Bundesrepublik drei Jahre in Folge. Im Zeitraum 2020/22 lag sie bei 78,3 Jahren für Männer und 83,2 Jahren für Frauen. Vor der Pandemie, in den Jahren 2017/19, war sie bei Männern rund vier und bei Frauen rund zwei Monate höher.

Wie stark hängt die Lebenserwartung vom Einkommen ab?+

Sehr stark. Männer der niedrigsten Einkommensgruppe haben eine um 8,6 Jahre kürzere Lebenserwartung als Männer der höchsten Einkommensgruppe. Bei Frauen beträgt der Abstand 4,4 Jahre.

Warum ist der Gender Pension Gap so viel größer als der Gender Pay Gap?+

Weil die Rente die gesamte Erwerbsbiografie abbildet. Teilzeit, Erwerbsunterbrechungen und niedriger entlohnte Berufe summieren sich über Jahrzehnte. 2023 lag der Gender Pension Gap bei Frauen ab 65 bei 39,4 Prozent, der unbereinigte Gender Pay Gap dagegen bei 18 Prozent.

Was tun, wenn die Rente nicht zum Leben reicht?+

Dann kann ein Anspruch auf Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nach dem Sozialgesetzbuch XII bestehen. Der Antrag wird beim Sozialamt oder beim Träger der Rentenversicherung gestellt. Ergänzend kommen Wohngeld und weitere kommunale Leistungen in Betracht. Beratung gibt es kostenlos bei der Deutschen Rentenversicherung und bei den Sozialverbänden.