ARMUTDEUTSCHLAND
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Soziale Sicherung & Schulden

Schuldnerberatung in Deutschland: Wann brauchen Menschen Hilfe mit Schulden?

Rund 5,6 Millionen Menschen in Deutschland gelten als uberschuldet. Schuldnerberatung ist kein Zeichen des Versagens — sie ist ein strukturiertes Werkzeug fur den Weg zuruc in finanzielle Kontrolle.

7 Min. Lesezeit12 Quellen

5,6 Mio.

Menschen in Deutschland gelten als uberschuldet

6–12 Mon.

Typische Wartezeit auf einen kostenlosen Beratungstermin in Ballungsraumen

~1.400 Euro

Monatlicher Grundschutz auf dem Pfandungsschutzkonto (P-Konto)

3 Jahre

Dauer der Wohlverhaltensphase bis zur Restschuldbefreiung seit der Reform 2021

§ 16a Nr. 2

Diese Vorschrift des SGB II nennt die Schuldnerberatung ausdrücklich als kommunale Eingliederungsleistung für erwerbsfähige Leistungsberechtigte.

SGB XII

Nach dem Sozialhilferecht sollen angemessene Kosten einer Beratung durch eine Schuldnerberatungsstelle oder andere Fachberatungsstellen übernommen werden.

0 Euro

Für Ratsuchende im Leistungsbezug entstehen keine eigenen Kosten — die Beratung wird über den zuständigen Träger finanziert.

Pauschale

Die Kostenübernahme kann auch als pauschalierte Abgeltung der Leistung der Beratungsstelle erfolgen, statt jeden Einzelfall abzurechnen.

Folge 28

In dieser Podcast-Folge aus dem AWO-Verbandsbericht 2023 schildert Thomas Bode von der AWO-Schuldnerberatung Göttingen Armutsrisiken im Alltag Geflüchteter.

Was bedeutet Uberschuldung wirklich?

Kurzantwort: Uberschuldet ist, wer dauerhaft mehr ausgibt als einnimmt und das auch durch Einschrankungen nicht mehr ausgleichen kann. Es ist kein personliches Versagen, sondern oft Folge einschneidender Lebensereignisse.

Schulden allein machen noch niemanden uberschuldet. Wer einen Ratenkredit bedient und seine Ausgaben deckt, lebt mit vertretbaren Verbindlichkeiten. Uberschuldung beginnt erst dort, wo das Einkommen langfristig nicht ausreicht, um laufende Kosten und Schuldendienst zu bezahlen — selbst wenn man alle Ausgaben auf das Notwendigste reduziert. Das Konto bleibt dauerhaft im Minus, Mahnungen haufen sich, Pfandungen drohen oder sind bereits im Gange.

Dieser Zustand ist in Deutschland weit verbreitet. Bemerkenswert ist, dass die Betroffenen quer durch die Gesellschaft verteilt sind: Nicht nur Langzeitarbeitslose, sondern auch Menschen mit Beschaftigung, Familien mit mehreren Kindern und altere Menschen geraten in Schwierigkeiten.

Ausloser sind haufig konkrete Lebensbruche: der Verlust des Arbeitsplatzes, eine schwere Erkrankung, eine Trennung oder Scheidung, die Kosten einer gescheiterten Selbststandigkeit. Manchmal ist es auch die Kumulation kleiner Verpflichtungen uber Jahre — Handyvertrage, Kleinkredite, Energienachzahlungen — die irgendwann kippt.

Wann sollte man professionelle Hilfe suchen?

Kurzantwort: So fruh wie moglich. Wer merkt, dass die Ausgaben regelmasig die Einnahmen ubersteigen oder erste Mahnungen ignoriert werden, sollte nicht warten, bis Pfandungen drohen.

Viele Menschen warten zu lang. Die Scham, eigene Schulden zuzugeben, ist ein zentrales Hindernis. Hinzu kommt die verbreitete Hoffnung, dass sich die Situation von selbst lost. Doch Schulden wachsen: Verzugszinsen, Mahngebuhren und Gerichtskosten legen sich wie weitere Schichten auf bereits bestehende Verbindlichkeiten.

Erste Warnsignale, bei denen eine Beratung sinnvoll ist:

  • Rechnungen oder Mahnungen werden zur Seite gelegt, weil man sie nicht bezahlen kann
  • Das Girokonto ist dauerhaft uberzogen, ohne Aussicht auf Ausgleich
  • Neue Kredite werden aufgenommen, um alte Schulden zu tilgen
  • Glaubiger drohen mit Inkasso oder gerichtlichen Schritten
  • Der Lebensunterhalt ist trotz Einkommen kaum noch zu bestreiten

Wo gibt es kostenlose Schuldnerberatung?

Kurzantwort: Kostenfreie Anlaufstellen sind Caritas, Diakonie, Verbraucherzentralen und kommunale Schuldnerberatungsstellen. Die Wartezeiten sind allerdings oft lang — bis zu einem Jahr.

Wer keine Mittel fur private Rechtsberatung hat, findet Unterstutzung bei gemeinnutzigen und staatlich anerkannten Stellen. Zu den wichtigsten gehoren:

  • Caritas und Diakonie: kirchliche Wohlfahrtsverbande mit flachendeckenden Beratungsangeboten in ganz Deutschland
  • Verbraucherzentralen: bieten Schuldner- und Insolvenzberatung, teils kostenlos oder gegen geringe Gebur
  • Kommunale Beratungsstellen: von Stadten und Landkreisen betrieben, oft kostenlos und mit Kenntnis lokaler Behördenstrukturen
  • AWO und Paritätischer Wohlfahrtsverband: weitere Trager mit regionalen Angeboten

Das grundlegende Problem ist der Mangel an Kapazitaten. Die Nachfrage ubersteigt das Angebot deutlich. Wartezeiten von sechs Monaten bis zu einem Jahr sind in stadtischen Ballungsraumen keine Ausnahme. Wer sich in einer akuten Notlage befindet, sollte das bei der Terminanfrage ausdrucklich kommunizieren.

Was leistet Schuldnerberatung konkret?

Kurzantwort: Eine gute Beratung erfasst alle Schulden, verhandelt mit Glaubigern und begleitet Betroffene durch den gesamten Prozess bis zur Schuldenfreiheit oder Insolvenz.

Schuldnerberatung ist kein einmaliges Gesprach, sondern ein strukturierter Prozess. Zu Beginn steht eine vollstandige Erfassung aller Schulden, Glaubiger und des vorhandenen Einkommens und Vermogens. Auf dieser Basis wird ein realistischer Haushaltsplan erstellt.

Anschliessend nehmen Beraterinnen und Berater Kontakt zu Glaubigern auf. Ziel ist ein aussergerichtlicher Einigungsversuch: Ratenzahlungen, Stundungen oder Teilerlass. Scheitert die aussergerichtliche Einigung, begleitet die Schuldnerberatung in vielen Fallen auch den Weg in die Verbraucherinsolvenz.

Privatinsolvenz und Restschuldbefreiung

Kurzantwort: Seit 2021 dauert das Insolvenzverfahren fur Privatpersonen nur noch drei Jahre. Am Ende steht die Restschuldbefreiung — ein echter Neustart.

Das Verbraucherinsolvenzverfahren ist ein gerichtliches Verfahren, das Privatpersonen die Moglichkeit gibt, sich dauerhaft von ihren Schulden zu befreien. Die sogenannte Wohlverhaltensphase wurde 2021 von sechs auf drei Jahre verkurzt, entsprechend einer EU-Richtlinie, die schnellere Schuldentilgung und Neustart ermoglichen soll.

Nach Ablauf der drei Jahre erteilt das Gericht die Restschuldbefreiung — die verbleibenden Schulden werden erlassen. Ausgenommen von der Befreiung sind bestimmte Schuldenarten, etwa Geldstrafen oder Schulden aus vorsatzlich unerlaubten Handlungen.

Pfandungsschutz: Das P-Konto

Kurzantwort: Das Pfandungsschutzkonto schutzt einen gesetzlichen Grundbetrag vor Kontopfandungen. Sozialleistungen sind grundsatzlich nicht pfandbar.

Auf einem P-Konto ist automatisch ein Grundbetrag geschutzt. Dieser Betrag liegt derzeit bei rund 1.400 Euro monatlich fur Einzelpersonen. Fur Kinder oder unterhaltsberechtigte Personen im Haushalt erhoht sich der Schutz. Jede Bank ist gesetzlich verpflichtet, ein bestehendes Konto auf Antrag in ein P-Konto umzuwandeln — gebuhrenfrei.

Sozialleistungen wie Burgergeld, Wohngeld oder Kindergeld durfen grundsatzlich nicht gepfandet werden. Sie sind im Gesetz ausdrucklich als unpfandbar eingestuft. Das schutzt den Grundbedarf der Betroffenen, auch wenn sonstige Einkufte bereits gepfandet werden.

Schulden und Armut: Ein sich selbst verstarkender Kreislauf

Kurzantwort: Armut begunstig Schulden, und Schulden vertiefen Armut. Wer wenig verdient, hat keine Rucklagen fur Krisen und gerat bei kleinen Einbruchen sofort in Ruckstand.

Menschen mit niedrigem Einkommen haben keine finanziellen Puffer. Eine defekte Waschmaschine, eine hohe Nebenkostenabrechnung oder eine Erkrankung, die zu Einkommensausfall fuhrt, reicht aus, um den Haushalt aus dem Gleichgewicht zu bringen. Wer dann auf Kleinkredite mit hohen Zinsen zuruckgreift, bezahlt fur denselben Betrag uberproportional viel.

Gleichzeitig kostet Armut selbst Geld: Wer kein Auto besitzt, braucht teurere Tickets oder muss weite Wege in Kauf nehmen. Wer in einer kleinen Wohnung ohne Vorratskeller lebt, kann nicht in grossen Mengen einkaufen. Diese versteckten Mehrkosten verschlimmern die Lage.

Rechtsanspruch und Kostenübernahme: Was SGB II und SGB XII regeln

Kurzantwort: Schuldnerberatung kann nach § 16a Nummer 2 SGB II als kommunale Eingliederungsleistung erbracht werden; nach dem SGB XII sollen angemessene Kosten einer Beratung durch eine Schuldnerberatungsstelle oder andere Fachberatungsstellen übernommen werden, wenn die Lebenslage sonst nicht zu überwinden ist.

Schuldnerberatung ist im Sozialrecht keine freiwillige Zusatzleistung, sondern in zwei Sozialgesetzbüchern ausdrücklich vorgesehen. Welcher Weg greift, hängt davon ab, welche Leistung jemand bezieht.

Schuldnerberatung nach § 16a Nummer 2 SGB II

Das SGB II regelt die Grundsicherung für Arbeitsuchende. § 16a listet die sogenannten kommunalen Eingliederungsleistungen auf — Leistungen, die nicht direkt Arbeit vermitteln, sondern Hindernisse davor abbauen. Nummer 2 dieser Aufzählung ist die Schuldnerberatung.

Der Gedanke dahinter: Wer Lohnpfändung, Mahnbescheide und ein gesperrtes Konto hat, kommt schwer in Arbeit. Die Beratung soll diese Hürde beseitigen. Erbracht wird sie von der Kommune beziehungsweise über das Jobcenter, das mit Beratungsstellen zusammenarbeitet. Für Leistungsberechtigte entstehen dadurch keine eigenen Kosten.

Wichtig für die Einordnung: § 16a SGB II gilt für erwerbsfähige Leistungsberechtigte und die Menschen in ihrer Bedarfsgemeinschaft. Wer dauerhaft voll erwerbsgemindert ist oder die Altersgrenze erreicht hat, fällt nicht unter das SGB II, sondern unter das SGB XII.

Kostenübernahme nach dem SGB XII

Das SGB XII regelt die Sozialhilfe. Dort ist vorgesehen, dass angemessene Kosten einer Beratung durch eine Schuldnerberatungsstelle oder andere Fachberatungsstellen übernommen werden sollen, wenn eine Lebenslage, die Leistungen der Hilfe zum Lebensunterhalt erforderlich macht, sonst nicht überwunden werden kann.

Zwei Formulierungen sind dabei entscheidend:

  • „sollen übernommen werden“ — eine Soll-Vorschrift. Der Träger übernimmt die Kosten im Regelfall und kann nur in atypischen Ausnahmefällen anders entscheiden. Das ist mehr als ein freies Ermessen.
  • „angemessene Kosten“ — nicht jede beliebige Rechnung, sondern das, was für eine sachgerechte Beratung üblich und erforderlich ist.

Die Kostenübernahme kann auch in Form einer pauschalierten Abgeltung der Leistung der Schuldnerberatungsstelle oder anderer Fachberatungsstellen erfolgen. In der Praxis heißt das: Kommune und Beratungsstelle rechnen häufig nicht jeden Einzelfall ab, sondern vereinbaren eine Pauschale. Ratsuchende merken davon nichts — sie zahlen nichts und müssen keine eigene Kostenerstattung beantragen.

SGB II und SGB XII im Vergleich

Merkmal§ 16a Nr. 2 SGB IISGB XII
PersonenkreisErwerbsfähige Leistungsberechtigte und ihre BedarfsgemeinschaftMenschen, die Hilfe zum Lebensunterhalt benötigen
EinordnungKommunale EingliederungsleistungÜbernahme angemessener Beratungskosten
ZweckHindernisse für die Eingliederung in Arbeit abbauenEine Lebenslage überwinden, die sonst Hilfe zum Lebensunterhalt erfordert
AbrechnungÜber die Kommune als Träger der LeistungAuch als pauschalierte Abgeltung möglich

Beide Wege führen zum selben Ergebnis: Die Beratung ist für Betroffene kostenfrei. Wer unsicher ist, welche Grundlage im eigenen Fall greift, muss das nicht selbst klären — die Beratungsstelle ordnet den Fall zu.

Schuldnerberatung in der Praxis: Beispiel AWO Göttingen

Kurzantwort: Thomas Bode von der AWO-Schuldnerberatung Göttingen schildert in Folge 28 des AWO-Podcasts Armutsrisiken im Alltag Geflüchteter — ein Einblick in den Beratungsalltag vor Ort, kein Durchschnittsbild.

Wie Beratungsalltag konkret aussieht, zeigt die Arbeit der AWO-Schuldnerberatung in Göttingen. Thomas Bode von dieser Beratungsstelle spricht in Folge 28 des AWO-Podcasts über Armutsrisiken im Alltag Geflüchteter. Der Beitrag ist im Verbandsbericht der AWO für 2023 dokumentiert.

Das Beispiel macht sichtbar, dass Schuldnerberatung selten nur mit Zahlen zu tun hat. Sie berührt Sprachbarrieren, unklare Verträge, fehlende Kenntnis des deutschen Vertrags- und Mahnwesens und die Frage, welche Forderung überhaupt berechtigt ist. Beratungsstellen bei Wohlfahrtsverbänden arbeiten deshalb oft eng mit Migrationsberatung, Wohnungsnotfallhilfe und allgemeiner Sozialberatung zusammen.

Zur Einordnung: Dieser Einblick beschreibt die Erfahrung einer einzelnen Beratungsstelle. Er beschreibt keinen bundesweiten Durchschnitt und keine repräsentative Verteilung von Beratungsanlässen.

Wo Betroffene eine Beratungsstelle finden

Kurzantwort: Anerkannte Schuldnerberatungsstellen werden von Kommunen, Wohlfahrtsverbänden und Verbraucherzentralen getragen; erste Anlaufstellen sind Jobcenter, Sozialamt oder direkt die Beratungsstelle vor Ort.

Anerkannte Schuldnerberatungsstellen beraten unabhängig und sind für Menschen mit geringem Einkommen kostenfrei. Erste Anlaufstellen sind:

  • das zuständige Jobcenter, das im Bürgergeldbezug auf die kommunale Schuldnerberatung verweisen kann
  • das Sozialamt, wenn Leistungen nach dem SGB XII bezogen werden
  • Beratungsstellen der Wohlfahrtsverbände, etwa AWO, Caritas, Diakonie, Paritätischer oder Deutsches Rotes Kreuz
  • die Verbraucherzentrale des jeweiligen Bundeslandes

Anerkannte Stellen dürfen auch die Bescheinigung über den gescheiterten außergerichtlichen Einigungsversuch ausstellen. Diese Bescheinigung ist Voraussetzung, um beim Amtsgericht ein Verbraucherinsolvenzverfahren zu eröffnen. Davon zu unterscheiden sind kommerzielle Anbieter, die für eine „Schuldenregulierung“ Geld verlangen — sie sind keine anerkannten Stellen im Sinne des Insolvenzverfahrens.

Wer sich unsicher ist, sollte vor dem ersten Termin Unterlagen sammeln: Mahnungen, Vollstreckungsbescheide, Verträge, aktuelle Kontoauszüge und den Leistungsbescheid. Das verkürzt die Beratung erheblich.

Quellen

  • STA Statistikbericht 2020
  • Gerull Lebenslagenuntersuchung 2025
  • schutzauftrag-kindeswohlgefaehrdung 2025
  • Arbeitsmarktbericht Juli 2026
  • statistik grundsicherung 20260803143257
  • Sozialgesetzbuch XII
  • Sozialgesetzbuch XI
  • Sozialgesetzbuch X
  • Sozialgesetzbuch VIII
  • Sozialgesetzbuch VII
  • Sozialgesetzbuch VI
  • Sozialgesetzbuch V

Häufige Fragen

Was kostet Schuldnerberatung?+

Bei gemeinnutzigen Tragern wie Caritas, Diakonie oder kommunalen Beratungsstellen ist Schuldnerberatung in der Regel kostenlos. Verbraucherzentralen erheben manchmal geringe Gebuhren. Private Anwaltskanzleien oder Insolvenzberater sind kostenpflichtig.

Wie lange dauert ein Privatinsolvenzverfahren?+

Seit der Reform 2021 betragt die Wohlverhaltensphase drei Jahre. Nach erfolgreichem Abschluss erteilt das Gericht die Restschuldbefreiung, und verbleibende Schulden werden erlassen.

Konnen Sozialleistungen gepfandet werden?+

Nein. Burgergeld, Wohngeld, Kindergeld und andere Sozialleistungen sind gesetzlich von der Pfandung ausgenommen. Sie sollen den Lebensunterhalt in jeder Lage sichern.

Was schutzt das Pfandungsschutzkonto?+

Das P-Konto schutzt einen monatlichen Grundbetrag von rund 1.400 Euro vor Kontopfandungen. Fur Unterhaltsberechtigte im Haushalt erhoht sich der Schutz. Jede Bank ist verpflichtet, ein Konto auf Antrag in ein P-Konto umzuwandeln.

Welche Schulden werden bei der Restschuldbefreiung nicht erlassen?+

Bestimmte Schuldenarten sind von der Restschuldbefreiung ausgenommen: dazu gehoren Geldstrafen, Schulden aus vorsatzlich begangenen unerlaubten Handlungen sowie Schulden aus Steuerhinterziehung.

Wer bezahlt die Schuldnerberatung?+

Für Menschen im Leistungsbezug übernimmt der Träger die Kosten. Im Bürgergeld kann die Beratung nach § 16a Nummer 2 SGB II als kommunale Eingliederungsleistung erbracht werden. In der Sozialhilfe sollen nach dem SGB XII die angemessenen Kosten einer Beratung durch eine Schuldnerberatungsstelle oder andere Fachberatungsstellen übernommen werden. Betroffene zahlen dafür nichts.

Was regelt § 16a Nummer 2 SGB II genau?+

§ 16a SGB II zählt die kommunalen Eingliederungsleistungen auf — Leistungen, die Hindernisse auf dem Weg in Arbeit abbauen sollen. Nummer 2 nennt ausdrücklich die Schuldnerberatung. Sie richtet sich an erwerbsfähige Leistungsberechtigte und Personen in ihrer Bedarfsgemeinschaft.

Habe ich einen Rechtsanspruch auf Kostenübernahme nach dem SGB XII?+

Das SGB XII sieht vor, dass angemessene Beratungskosten übernommen werden sollen, wenn eine Lebenslage, die Hilfe zum Lebensunterhalt erforderlich macht, sonst nicht überwunden werden kann. Eine Soll-Regelung bedeutet: Im Regelfall wird übernommen, eine Ablehnung braucht einen atypischen Ausnahmefall.

Was bedeutet pauschalierte Abgeltung bei der Schuldnerberatung?+

Die Kostenübernahme kann auch als pauschalierte Abgeltung der Leistung der Schuldnerberatungsstelle oder anderer Fachberatungsstellen erfolgen. Träger und Beratungsstelle rechnen dann nicht jeden Einzelfall ab, sondern einen vereinbarten Pauschalbetrag. Für Ratsuchende ändert sich dadurch nichts.

Worin unterscheiden sich SGB II und SGB XII bei der Schuldnerberatung?+

Das SGB II betrifft erwerbsfähige Leistungsberechtigte, das SGB XII die Sozialhilfe. Im SGB II ist die Schuldnerberatung eine kommunale Eingliederungsleistung mit dem Ziel, den Weg in Arbeit frei zu machen. Im SGB XII geht es um die Übernahme angemessener Beratungskosten, damit eine schwierige Lebenslage überwunden werden kann.

Wo finde ich eine anerkannte Schuldnerberatungsstelle?+

Anlaufstellen sind das Jobcenter, das Sozialamt, Beratungsstellen der Wohlfahrtsverbände wie AWO, Caritas, Diakonie oder Paritätischer sowie die Verbraucherzentralen der Bundesländer. Nur anerkannte Stellen dürfen die Bescheinigung über den gescheiterten außergerichtlichen Einigungsversuch für ein Verbraucherinsolvenzverfahren ausstellen.