ARMUTDEUTSCHLAND
Was sie bedeutet

Familie, Demografie & soziale Lage

FReDA-Studie: Was die Familiendemografie-Forschung über Deutschland sagt

Die FReDA-Studie begleitet dieselben Menschen über Jahre und liefert tiefere Einblicke in Partnerschaft, Kinderwunsch und die soziale Lage von Familien in Deutschland.

4 Min. Lesezeit

1,46

Kinder pro Frau — tatsächliche Geburtenrate in Deutschland (2023)

1,5

Durchschnittlicher Kinderwunsch — nahe an der tatsächlichen Geburtenrate

seit 2021

FReDA läuft als bundesweite Längsschnittstudie — Nachfolger von PAIRFAM

offen

Anonymisierte Daten frei zugänglich über GESIS für die Wissenschaft

Was ist die FReDA-Studie und warum ist sie wichtig?

Kurzantwort: FReDA ist eine repräsentative Längsschnittstudie zu Familie, Partnerschaft und Elternschaft in Deutschland. Sie befragt dieselben Menschen über Jahre und liefert damit tiefere Einblicke als Querschnittserhebungen.

FReDA — kurz für "Familien in Deutschland" — ist ein Panelformat, bei dem dieselben Personen in regelmäßigen Abständen befragt werden. Das unterscheidet sie grundlegend von einmaligen Querschnittserhebungen. Wer dieselbe Person über Jahre begleitet, kann Veränderungen sichtbar machen: Wer bekommt Kinder und unter welchen Umständen? Wer trennt sich, und welche Folgen hat das für das Einkommen?

FReDA hat 2021 das bisherige PAIRFAM-Panel abgelöst und weiterentwickelt — mit einer größeren Stichprobe und einem breiteren Fokus, der auch Erwerbstätigkeit, wirtschaftliche Lage und Wohnen stärker einbezieht. Die anonymisierten Daten werden über das GESIS — Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften — der Wissenschaft zugänglich gemacht.

Lebensformen im Wandel

Kurzantwort: Nichteheliche Lebensgemeinschaften nehmen zu, Singlehaushalte ebenfalls. Die traditionelle Eheform mit Kindern ist nach wie vor verbreitet, aber nicht mehr die einzige gelebte Normalität.

Nichteheliche Lebensgemeinschaften — also Paare, die zusammenleben, ohne verheiratet zu sein — sind erheblich häufiger geworden. Rechtlich sind sie der Ehe jedoch in vielen Punkten nicht gleichgestellt, was im Trennungsfall oder beim Tod eines Partners zu erheblichen Nachteilen führen kann.

Singlehaushalte machen inzwischen in Deutschland einen großen Anteil aller Haushalte aus. Besonders in Großstädten leben viele Menschen allein — nicht nur ältere, sondern zunehmend auch jüngere und mittlere Altersgruppen. Das hat Konsequenzen für Wohnungsmarkt, Rentenversicherung und Pflegebedarf. Patchwork-Familien, also Haushalte mit Kindern aus verschiedenen Partnerschaften, stellen Familienpolitik vor Herausforderungen, weil traditionelle Fördermodelle nicht immer passen.

Kinderwunsch und Geburtenrate

Kurzantwort: Im Durchschnitt wünschen sich Menschen in Deutschland rund 1,5 Kinder. Die tatsächliche Geburtenrate liegt bei ähnlichen Werten. Die Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist kleiner als oft behauptet — aber strukturelle Hindernisse bleiben.

Der durchschnittliche Kinderwunsch liegt in Deutschland bei etwa 1,5 Kindern. Die tatsächliche Geburtenziffer lag 2023 bei rund 1,46. Die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist damit auf Aggregatebene kleiner als in älteren Studien. Hinter dem Durchschnitt verbergen sich jedoch große Unterschiede. Für bestimmte Gruppen — etwa Frauen in unsicherer Beschäftigung oder Paare, die keinen Kitaplatz finden — bleibt der Kinderwunsch öfter unerfüllt.

Kinderlosigkeit: Trend bei hochqualifizierten Frauen

Kurzantwort: Kinderlosigkeit steigt, besonders bei hochqualifizierten Frauen. FReDA zeigt, dass dieser Zusammenhang mit Erwerbsbiografien, Partnerschaft und strukturellen Rahmenbedingungen zusammenhängt.

Deutschland zählt zu den Ländern mit einer der höchsten Kinderlosigkeitsquoten weltweit. FReDA zeigt, dass Kinderlosigkeit nicht zufällig verteilt ist, sondern stark mit Bildung und Erwerbsbiografie zusammenhängt. Hochqualifizierte Frauen sind in Deutschland überdurchschnittlich häufig kinderlos: Lange Ausbildungszeiten schieben das erste Kind nach hinten, beruflicher Ehrgeiz konkurriert mit dem Zeitfenster für Elternschaft, und das deutsche System mit begrenzten Krippenplätzen ist wenig kompatibel mit anspruchsvollen Vollzeitberufen.

Das ist kein individuelles Versagen, sondern Ausdruck struktureller Bedingungen. Solange Elternschaft — und hier besonders Mutterschaft — mit erheblichen Karrierenachteilen verbunden ist, werden Abwägungen zugunsten der Kinderlosigkeit rational bleiben.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Kurzantwort: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist das häufigste Thema in der Familienforschung. Kita-Mangel und starre Arbeitszeiten sind die größten Hindernisse.

Deutschland hat in den vergangenen Jahren erheblich in den Ausbau der Kinderbetreuung investiert. Der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz ab dem ersten Lebensjahr existiert. Die Realität ist aber eine andere: In vielen Regionen fehlen Plätze. Wartelisten sind lang, Öffnungszeiten oft nicht mit Vollzeitarbeit vereinbar.

Viele Mütter reduzieren nach der Geburt ihre Arbeitszeit erheblich. Das hat langfristige Folgen für ihre Rentenansprüche, ihre Karriere und ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit. Väter sind heute zwar stärker an der Kinderbetreuung beteiligt als frühere Generationen, doch die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit zwischen den Geschlechtern ist weiterhin ausgeprägt.

Armut und Familienstabilität

Kurzantwort: FReDA zeigt eine enge Verbindung zwischen Einkommensarmut und Familienstabilität. Armut belastet Partnerschaften, erhöht das Trennungsrisiko und wirkt sich direkt auf Kinder aus.

Finanzielle Belastung ist ein häufiger Trennungsgrund. Wer dauerhaft zu wenig Geld hat, lebt unter chronischem Stress. Das Trennungsrisiko ist in einkommensschwachen Haushalten messbar höher. Trennung wiederum hat ökonomische Konsequenzen, die Armut verstärken können — besonders für Alleinerziehende. Alleinerziehende Mütter gehören in Deutschland zu den einkommensschwächsten Gruppen überhaupt.

Für Kinder bedeutet das: Armut ist kein momentaner Zustand, sondern prägt Chancen. Kinder, die in einkommensschwachen Haushalten aufwachsen, haben im Durchschnitt schlechtere Bildungsabschlüsse, geringere Gesundheit und niedrigere spätere Einkommen. FReDA ermöglicht es, diese Pfade im Längsschnitt zu verfolgen und damit die Mechanismen der Weitergabe von Armut sichtbar zu machen.

Pandemie und Demografie

Kurzantwort: Die Corona-Pandemie hat einen temporären Anstieg der Geburtenzahlen ausgelöst. FReDA konnte diesen Effekt durch die laufende Befragung dokumentieren und einordnen.

FReDA konnte durch die laufende Pandemie-Phase belastbare Daten sammeln. Die Geburtenzahlen stiegen 2021 leicht an. FReDA-Daten zeigen, dass es sich eher um einen vorgezogenen Effekt handelte: Paare, die bereits Kinder wollten, zogen den Kinderwunsch zeitlich vor. Gleichzeitig dokumentiert die Studie, wie die Pandemie die Ungleichheiten in der Aufgabenteilung zuhause verstärkte — Mütter übernahmen überproportional häufig Betreuungsaufgaben, als Schulen und Kitas geschlossen waren.

Häufige Fragen

Was ist die FReDA-Studie?+

FReDA steht für "Familien in Deutschland" und ist eine bundesweite Längsschnittstudie, die seit 2021 läuft. Sie befragt dieselben Personen über Jahre hinweg zu Themen wie Partnerschaft, Kinderwunsch, Elternschaft und Erwerbstätigkeit.

Was ist der Unterschied zwischen FReDA und PAIRFAM?+

PAIRFAM war ein ähnliches Panelprojekt, das über viele Jahre Partnerschafts- und Familienentwicklung dokumentiert hat. FReDA ist sein Nachfolger mit größerer Stichprobe und einem erweiterten thematischen Fokus, der auch wirtschaftliche Lage und Wohnen stärker einbezieht.

Wie hoch ist die Geburtenrate in Deutschland?+

Die zusammengefasste Geburtenziffer in Deutschland lag 2023 bei rund 1,46 Kindern pro Frau. Das ist deutlich unter dem Bestandserhaltungsniveau von 2,1.

Warum sind hochqualifizierte Frauen in Deutschland häufiger kinderlos?+

Lange Ausbildungszeiten, fehlende Krippenplätze, Karrierenachteile durch Mutterschaft und starre Arbeitszeitmodelle machen es für Frauen in anspruchsvollen Berufen schwerer, Elternschaft und Beruf zu verbinden. Kinderlosigkeit ist dann oft keine ideologische Entscheidung, sondern Ergebnis struktureller Hindernisse.

Wie hängt Armut mit Familienstabilität zusammen?+

Einkommensarmut belastet Partnerschaften durch chronischen Stress und Konflikte um Geld. Das Trennungsrisiko ist in einkommensschwachen Haushalten erhöht. Alleinerziehende nach einer Trennung — überwiegend Frauen — sind in Deutschland besonders häufig von Armut betroffen.