Wohlfahrtsverbände
AWO Bundesverband: Struktur, Zahlen und Rolle in der Armutsbekämpfung
Der AWO Bundesverband ist die Dachorganisation der Arbeiterwohlfahrt in Deutschland. Er vertritt die Interessen der AWO-Gliederungen gegenüber Politik und Verwaltung und bündelt Angebote von der Schuldnerberatung bis zur Kindertagesstätte.
269.994
Mitglieder der AWO in Deutschland, Stand 31.12.2023
250.718
Beschäftigte in AWO-Einrichtungen und -Diensten im Jahr 2023
70.758
Ehrenamtlich Engagierte in der AWO im Jahr 2023
259
Anhörungen und Gespräche mit politischen Entscheiderinnen und Entscheidern 2023
145
Stellungnahmen und Positionspapiere des Bundesverbands im Jahr 2023
Kernzahlen 2023
Was ist der AWO Bundesverband? Struktur und Aufgaben
Kurzantwort: Der AWO Bundesverband ist der Spitzenverband der Arbeiterwohlfahrt. Er vertritt die AWO auf Bundesebene politisch, koordiniert die Verbandsarbeit und veröffentlichte 2023 insgesamt 145 Stellungnahmen und Positionspapiere.
Die Arbeiterwohlfahrt ist ein Mitgliederverband. Menschen treten der AWO bei, wählen Gremien und bestimmen so die Ausrichtung des Verbands mit. Das unterscheidet die AWO von Organisationen, die allein von Trägern oder Kirchen gesteuert werden. Zum Stichtag 31. Dezember 2023 hatte die AWO 269.994 Mitglieder.
Der Verband ist föderal gegliedert. Vor Ort arbeiten Ortsvereine, darüber liegen Kreis- und Bezirksverbände, darüber die Landesverbände. Der Bundesverband bildet die oberste Ebene. Diese Struktur bedeutet: Die einzelnen Gliederungen sind rechtlich eigenständig und tragen ihre Einrichtungen selbst. Der Bundesverband spricht für den Gesamtverband nach außen, setzt gemeinsame Standards und organisiert den fachlichen Austausch. Wer ein konkretes Beratungsangebot sucht, wendet sich deshalb an die AWO vor Ort, nicht an den Bundesverband.
Innerhalb dieser Gliederungslogik gilt das Prinzip der demokratischen Willensbildung: Die Mitglieder wählen in den Ortsvereinen Vertreterinnen und Vertreter, die über die Kreis-, Bezirks- und Landesebene bis in die Bundesgremien delegiert werden. Beschlüsse über Grundsatzfragen und Satzungsänderungen fallen auf der jeweils höchsten Ebene des Verbands.
Ein Schwerpunkt der Bundesarbeit ist die sozialpolitische Interessenvertretung. 2023 nahm der Bundesverband an 259 Anhörungen und Gesprächen mit politischen Entscheiderinnen und Entscheidern teil und veröffentlichte 145 Stellungnahmen und Positionspapiere. Damit bringt sich die AWO in Gesetzgebungsverfahren ein, die für Menschen mit geringem Einkommen unmittelbar relevant sind — etwa in der Grundsicherung, der Pflege oder der Kinder- und Jugendhilfe.
Welche AWO-Angebote helfen bei Armut?
Kurzantwort: Die AWO betreibt bundesweit Beratungsstellen und soziale Einrichtungen. Für Menschen in finanzieller Not sind vor allem Schuldner- und Sozialberatung, Wohnungslosenhilfe, Kitas und Familienangebote sowie Migrationsberatung wichtig. Der Zugang läuft über die AWO-Gliederung am Wohnort.
Schuldner- und Sozialberatung. Beratungsstellen helfen, Schulden zu ordnen, mit Gläubigern zu verhandeln und ein Verbraucherinsolvenzverfahren vorzubereiten. Die Sozialberatung unterstützt daneben bei Anträgen auf Sozialleistungen, bei Widersprüchen und bei der Frage, welche Ansprüche überhaupt bestehen. Die Beratung ist in der Regel kostenfrei und vertraulich.
Kitas und Familienangebote. Kindertagesstätten, Familienzentren und offene Treffs gehören zu den größten Arbeitsfeldern der AWO. Für Familien mit knappem Budget sind sie doppelt wichtig: Sie ermöglichen Erwerbsarbeit der Eltern und geben Kindern verlässliche Bildungs- und Betreuungsangebote unabhängig vom Einkommen der Familie.
Wohnungslosenhilfe. Dazu zählen Notunterkünfte, Tagesaufenthalte, Streetwork und Fachberatung. Ziel ist es, akute Notlagen zu überbrücken, Wohnraum zu sichern oder wiederzuerlangen und den Zugang zu Sozialleistungen und medizinischer Versorgung herzustellen.
Migrationsberatung und Integrationsarbeit. Beratungsstellen begleiten Zugewanderte bei Behördengängen, Sprachkursen, Anerkennung von Abschlüssen und Arbeitssuche. Weil Sprachbarrieren und unklare Aufenthaltsfragen Armutsrisiken verstärken, ist diese Beratung ein wichtiger Baustein der Armutsprävention.
Alle Angebote werden von Ortsvereinen, Kreis-, Bezirks- oder Landesverbänden getragen. Welche Dienste es gibt, unterscheidet sich deshalb regional. Die Suche beginnt am besten bei der AWO-Gliederung in der eigenen Stadt oder im eigenen Kreis.
Mitglieder, Beschäftigte und Ehrenamt in Zahlen
Kurzantwort: Zum 31. Dezember 2023 hatte die AWO 269.994 Mitglieder, 250.718 Beschäftigte und 70.758 Ehrenamtliche. Mitgliederstärkstes Bundesland war Nordrhein-Westfalen mit 74.539 Mitgliedern.
Die AWO ist damit einer der großen Arbeitgeber im Sozialwesen. Die Zahl der Beschäftigten liegt fast so hoch wie die Zahl der Mitglieder — ein Hinweis darauf, wie stark der Verband von seinen Einrichtungen und Diensten geprägt ist: Kitas, Pflegeeinrichtungen, Beratungsstellen und Angebote der Kinder- und Jugendhilfe.
Regional ist die Mitgliedschaft ungleich verteilt. Nordrhein-Westfalen führt mit 74.539 Mitgliedern, Bayern folgt mit 50.925 Mitgliedern. Zusammen entspricht das rechnerisch rund 46 Prozent aller AWO-Mitglieder in Deutschland.
| Bundesland | Mitglieder |
|---|---|
| Nordrhein-Westfalen | 74.539 |
| Bayern | 50.925 |
| AWO insgesamt | 269.994 |
Neben den Beschäftigten trägt das Ehrenamt die Verbandsarbeit. 70.758 Menschen engagierten sich 2023 ehrenamtlich in der AWO, etwa in Besuchsdiensten, Kleiderkammern, Hausaufgabenhilfen oder in der Vereinsarbeit. Rechnerisch kommt damit auf etwa vier Mitglieder eine ehrenamtlich engagierte Person.
Finanzierung: Neues Beitragssystem ab 2024
Kurzantwort: Ab 2024 zahlen erstmals alle sozialwirtschaftlich tätigen Körperschaften unter dem AWO-Dach einen Jahresbeitrag an den Bundesverband. Erwartet werden daraus Einnahmen von rund 1,95 Millionen Euro.
Bisher trugen vor allem die Gliederungen des Verbands die Bundesarbeit. Mit dem neuen Beitragssystem werden auch die sozialwirtschaftlichen Körperschaften einbezogen — also jene rechtlich eigenständigen Gesellschaften und Einrichtungen, die unter dem AWO-Dach Dienstleistungen erbringen. Die Umstellung verbreitert die Finanzierungsbasis des Bundesverbands und verteilt die Kosten der gemeinsamen Verbandsarbeit auf mehr Schultern.
Die Einnahmen des Bundesverbands setzen sich damit im Kern aus drei Bausteinen zusammen: den Verbandsbeiträgen der Gliederungen, den ab 2024 erhobenen Jahresbeiträgen der sozialwirtschaftlich tätigen Körperschaften sowie Projektmitteln und Zuwendungen für einzelne Vorhaben. Belegt ist bislang die erwartete Größenordnung von rund 1,95 Millionen Euro aus dem neuen Beitrag.
Wie ordnet sich die AWO in die Wohlfahrtsverbände ein?
Kurzantwort: Die AWO ist einer von sechs Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege in Deutschland und Mitglied der BAGFW. Anders als Caritas und Diakonie ist sie konfessionell nicht gebunden und als Mitgliederverband mit gewählten Gremien organisiert.
Freie Wohlfahrtspflege bezeichnet die organisierte soziale Arbeit gemeinnütziger Träger. Ihre Spitzenverbände sind neben der Arbeiterwohlfahrt der Deutsche Caritasverband, die Diakonie Deutschland, das Deutsche Rote Kreuz, Der Paritätische Wohlfahrtsverband und die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland. In der BAGFW stimmen diese Verbände gemeinsame sozialpolitische Positionen ab.
Strukturell unterscheidet sich die AWO in zwei Punkten: Erstens ist sie weltanschaulich, aber nicht konfessionell gebunden — Caritas und Diakonie sind Teil der katholischen bzw. evangelischen Kirche und wenden ein eigenes kirchliches Arbeitsrecht an. Zweitens ist die AWO ein Mitgliederverband: Ihre Gremien werden von den Mitgliedern über die Ortsvereine und die Verbandsebenen hinweg gewählt.
AWO International: Engagement über Deutschland hinaus
Kurzantwort: AWO International ist der Fachverband der AWO für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe. 2024 führte er 72 Auslandsprojekte in 18 Ländern durch und erreichte 500.430 Menschen direkt.
Die Projekte richten sich auf Armutsbekämpfung, Katastrophenvorsorge und die Unterstützung von Menschen auf der Flucht. Damit greift AWO International Themen auf, die auch die Inlandsarbeit der AWO prägen — Existenzsicherung, Zugang zu Bildung und Gesundheit, Schutz vor Ausbeutung.
Ein politischer Schwerpunkt ist die Seenotrettung. AWO International fordert den Ausbau zivilgesellschaftlicher Seenotrettung im Mittelmeer. Am Weltflüchtlingstag 2024 machte der Verband mit einer Kunstinstallation aus 112 XXL-Origami-Booten öffentlich auf das Thema aufmerksam. Zur Arbeit des Verbands gehört daneben die Dokumentation von Menschenrechtslagen in Projektregionen, etwa in El Salvador.
Häufige Fragen
Was macht der AWO Bundesverband?+
Der AWO Bundesverband ist die Dachorganisation der Arbeiterwohlfahrt. Er vertritt die AWO auf Bundesebene gegenüber Politik und Verwaltung, koordiniert die Verbandsarbeit und setzt fachliche Standards. 2023 nahm er an 259 Anhörungen und Gesprächen mit politischen Entscheiderinnen und Entscheidern teil und veröffentlichte 145 Stellungnahmen und Positionspapiere.
Wie viele Mitglieder hat die AWO?+
Zum Stichtag 31. Dezember 2023 hatte die AWO 269.994 Mitglieder in Deutschland. Mitgliederstärkstes Bundesland war Nordrhein-Westfalen mit 74.539 Mitgliedern, gefolgt von Bayern mit 50.925 Mitgliedern.
Wie viele Menschen arbeiten bei der AWO?+
2023 beschäftigte die AWO 250.718 Angestellte. Hinzu kamen 70.758 ehrenamtlich Engagierte. Damit gehört die AWO zu den größten Arbeitgebern im deutschen Sozialwesen.
Welche AWO-Angebote helfen bei Geldsorgen und Schulden?+
Für Menschen in finanzieller Not sind vor allem die Schuldner- und Sozialberatung relevant. Sie hilft, Schulden zu ordnen, mit Gläubigern zu verhandeln, ein Insolvenzverfahren vorzubereiten und Ansprüche auf Sozialleistungen zu prüfen. Zuständig ist die AWO-Gliederung am Wohnort, also der Ortsverein oder der Kreis- bzw. Bezirksverband.
Wie finanziert sich der AWO Bundesverband?+
Der Bundesverband finanziert sich über Verbandsbeiträge der Gliederungen, Projektmittel und Zuwendungen. Ab 2024 zahlen zusätzlich erstmals alle sozialwirtschaftlich tätigen Körperschaften unter dem AWO-Dach einen Jahresbeitrag an den Bundesverband. Daraus werden Einnahmen von rund 1,95 Millionen Euro erwartet.
Was unterscheidet die AWO von Caritas und Diakonie?+
Die AWO ist einer der sechs Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege und Mitglied der BAGFW. Anders als Caritas und Diakonie, die zur katholischen bzw. evangelischen Kirche gehören und kirchliches Arbeitsrecht anwenden, ist die AWO konfessionell nicht gebunden. Sie ist zudem ein Mitgliederverband: Ihre Gremien werden von den Mitgliedern über die Verbandsebenen gewählt.