Lohnungleichheit
Schleswig-Holstein: Der niedrigste Stundenverdienst unter westdeutschen Bundesländern
Mit 22,51 Euro Brutto-Stundenverdienst bildet Schleswig-Holstein das Schlusslicht aller westdeutschen Flächenländer. Warum eine Wirtschaft, die auf Tourismus, Landwirtschaft und Saisonarbeit setzt, strukturell niedrigere Löhne produziert als der Süden der Republik.
22,51 €
Brutto-Stundenverdienst Schleswig-Holstein — niedrigster Wert Westdeutschlands
> 30 €
Stundenverdienst in Hamburg und Bayern — deutlich über Schleswig-Holstein
38,4 %
Niedriglohnquote West — zum Vergleich: Ost lag historisch bei 51,2 %
hoch
Anteil Saisonarbeit und Tourismus an der regionalen Beschäftigung
22,51 €
Brutto-Stundenverdienst in Schleswig-Holstein — niedrigster Wert unter den westdeutschen Flächenländern.
> 30 €
Stundenverdienst in Hamburg und Bayern — deutlich über dem Niveau Schleswig-Holsteins.
38,4 %
Niedriglohnquote im Westen; im Osten lag sie historisch bei 51,2 Prozent.
+9.200
Wanderungssaldo Schleswig-Holsteins 2022 insgesamt — der zweithöchste Wert aller Bundesländer nach Brandenburg.
+9.800
Wanderungsüberschuss bei Zuzügen deutscher Staatsangehöriger aus anderen Bundesländern nach Schleswig-Holstein 2022.
Stundenverdienst West (Brutto)
Schleswig-Holstein im westdeutschen Lohnvergleich
Wenn über Lohnungleichheit in Deutschland gesprochen wird, fällt der Blick fast automatisch auf die Ost-West-Spaltung. Dass innerhalb Westdeutschlands erhebliche Unterschiede bestehen, bleibt im öffentlichen Bewusstsein oft unterbelichtet. Dabei zeigt ein Blick auf den Brutto-Stundenverdienst, dass Schleswig-Holstein mit 22,51 Euro deutlich hinter Hamburg und Bayern zurückbleibt, die jeweils über 30 Euro pro Stunde verzeichnen. Die Differenz von fast einem Drittel ist nicht trivial.
Diese Lücke hat keine zufälligen Ursachen. Sie ist das Ergebnis einer gewachsenen Wirtschaftsstruktur, die sich in Jahrzehnten herausgebildet hat und mit kurzfristigen Maßnahmen nicht einfach zu schließen ist. Um zu verstehen, warum das nördlichste Bundesland im Lohnranking der Westländer am unteren Ende steht, muss man seine Branchenstruktur betrachten.
Tourismus, Landwirtschaft, Einzelhandel: die Branchen, die Löhne drücken
Schleswig-Holstein hat eine der höchsten Tourismusdichten in Deutschland. Die Küsten von Nord- und Ostsee ziehen jährlich Millionen von Besuchern an, und damit ist ein erheblicher Teil der Wirtschaft auf Gastronomie, Hotellerie, Freizeitangebote und saisonal arbeitende Hilfskräfte ausgerichtet. Diese Branche gehört bundesweit zu den Sektoren mit den niedrigsten Löhnen, mit Niedriglohnquoten um die 50 Prozent.
Ähnliches gilt für die Landwirtschaft, die in Schleswig-Holstein eine bedeutende Rolle spielt. Erntekräfte, Tierhalter in der Aufzucht und Saisonarbeiter in der Produktion werden häufig über Werkverträge oder befristete Stellen beschäftigt. Nicht selten kommen diese Arbeitskräfte aus Osteuropa, insbesondere aus Polen und dem Baltikum. Ihre Arbeitsverhältnisse sind oft von kurzen Laufzeiten, geringer sozialer Absicherung und Löhnen knapp am gesetzlichen Mindestlohn geprägt.
Der Einzelhandel ergänzt dieses Bild. In den touristisch geprägten Regionen entlang der Küste dominieren Saison- und Teilzeitarbeit. Tarifverträge im Einzelhandel existieren, werden aber nicht flächendeckend angewendet. Die Tarifbindung in Schleswig-Holstein liegt im mittleren Bereich — nicht so niedrig wie in einigen ostdeutschen Regionen, aber deutlich unter dem, was in Bayern oder Baden-Württemberg gilt.
Stundenverdienst im Bundesländervergleich (Brutto)- Hamburg
- über 30 € — Finanz, Handel, Hafen
- Bayern
- über 30 € — Industrie, IT, Pharma
- Bundesschnitt
- ca. 25–27 € — abhängig von Berechnung
- Schleswig-Holstein
- 22,51 € — niedrigster Westwert
Fehlende Industrie als strukturelle Ursache
Ein wesentlicher Treiber hoher Löhne in Bundesländern wie Bayern, Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen ist die Industrie. Automobilhersteller, Maschinenbauunternehmen, Chemiekonzerne und Technologieunternehmen zahlen überdurchschnittliche Tariflöhne, sind häufig tarifgebunden und bieten langfristige Beschäftigung mit betrieblicher Altersvorsorge. Schleswig-Holstein hat diesen industriellen Kern nicht in vergleichbarer Weise.
Zwar gibt es einzelne Bereiche wie die Windenergie, maritime Industrie und Logistik im Hamburger Umland, doch diese reichen nicht aus, um das Lohnniveau auf das Niveau der süddeutschen Bundesländer zu heben. Die strukturell schwächere Industrie bedeutet nicht nur niedrigere Löhne in der Gegenwart, sondern auch geringere Investitionen in Infrastruktur, Forschung und Fachkräfte — ein sich selbst verstärkender Kreislauf.
Saisonarbeit und saisonale Armut an der Küste
Ein Phänomen, das in der Armutsdebatte selten thematisiert wird, ist die saisonale Armut. In touristisch geprägten Regionen wie Sylt, Flensburg oder dem Kreis Nordfriesland bricht die Nachfrage nach Arbeitskräften außerhalb der Sommermonate stark ein. Viele der Beschäftigten haben befristete Verträge, die im Herbst enden. Sie sind dann auf Arbeitslosengeld angewiesen, das sich aus den Löhnen der Saison berechnet — also aus einem Niedriglohnniveau.
Wer dauerhaft saisonal beschäftigt ist, zahlt weniger in die Rentenversicherung ein, hat weniger Ansprüche bei Krankheit und akkumuliert über Jahrzehnte ein geringeres Vermögen. Das macht Saisonarbeit nicht nur zu einem aktuellen Einkommensproblem, sondern zu einem langfristigen Armutsrisiko.
Kaufkraft vs. Lohnniveau: Ein weiteres Paradoxon tritt in touristischen Regionen auf. Obwohl die Löhne niedrig sind, steigen die Lebenshaltungskosten in Küstennähe durch den Tourismus an. Mieten, Lebensmittelpreise und Freizeitangebote richten sich teilweise an Touristen aus, nicht an lokale Beschäftigte. Das drückt die reale Kaufkraft der Niedriglöhner noch weiter nach unten.
Mindestlohn: Bodenplatte, kein Aufstieg
Seit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns 2015 und seiner späteren Anhebungen hat sich die Lage vieler Geringverdiener in Schleswig-Holstein verbessert. Wer vorher deutlich unter 10 Euro pro Stunde verdient hat, profitiert heute von der gesetzlichen Untergrenze. Doch der Mindestlohn ist strukturell keine Antwort auf regionale Lohnungleichheit: Er hebt alle auf ein nationales Minimum, nicht auf das Niveau industriestarker Regionen.
Tarifverträge, die Branchenstandards über das Mindestlohnniveau hinaus setzen, fehlen in vielen der beschäftigungsstarken Branchen des Landes oder haben geringe Bindungswirkung. Wo Tarifverträge nicht für allgemeinverbindlich erklärt werden, können Arbeitgeber legal darunterbleiben, sobald der Mindestlohn eingehalten ist.
Fachkräfte aus Osteuropa: Druckventil oder Strukturlösung?
Schleswig-Holstein hat eine lange Geschichte als Zielregion für Wanderarbeit aus Osteuropa. Landwirtschaft und Tourismus ziehen jedes Jahr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus Polen, den baltischen Staaten und anderen EU-Ländern an. Sie füllen Stellen, die zu Löhnen nahe dem Mindestlohn besetzt werden müssen, und sind oft in Unterkünften untergebracht, die vom Arbeitgeber gestellt und abgerechnet werden.
Für das Lohnproblem der Region sind diese Migrationsströme keine Lösung. Wenn Arbeitgeber durch Arbeitskräfte aus Niedriglohnländern keine Notwendigkeit sehen, die Löhne anzuheben, bleibt der Druck auf das regionale Lohnniveau bestehen. Gleichzeitig geraten die osteuropäischen Arbeitenden selbst in prekäre Strukturen, da ihre Rechtslage, ihre Sprachkenntnisse und ihre Entfernung von Beratungsangeboten eine Schutzlosigkeit erzeugen.
Was eine strukturelle Wirtschaftsförderung bedeuten würde
Eine strukturelle Wirtschaftsförderung für Schleswig-Holstein müsste an mehreren Punkten gleichzeitig ansetzen. Erstens an der Ansiedlung von Unternehmen in Branchen, die überdurchschnittliche Löhne zahlen: Erneuerbare Energien, digitale Industrie, Logistik mit qualifizierter Beschäftigung. Zweitens an der Stärkung von Tarifverträgen, durch Allgemeinverbindlichkeitserklärungen oder erleichterte Bedingungen für den Beitritt zu Arbeitgeberverbänden. Drittens an der Infrastruktur: Breitbandausbau, Bahnanbindungen und Forschungseinrichtungen sind Grundlage dafür, dass sich Unternehmen in der Region niederlassen, die mehr als Saisonlöhne zahlen wollen.
All das ist keine schnelle Lösung. Die Lohnlücke zu Hamburg und Bayern ist das Ergebnis einer Wirtschaftsstruktur, die sich über Generationen herausgebildet hat. Sie kann nicht in einer Legislaturperiode geschlossen werden. Was politisch aber verhindert werden sollte: die Lücke weiter wachsen zu lassen, indem der Norden Deutschlands bei Investitionen und Fördermitteln systematisch benachteiligt wird.
Schleswig-Holstein im westdeutschen Lohnvergleich
Kurzantwort: Schleswig-Holstein erzielt mit 22,51 Euro den niedrigsten Brutto-Stundenverdienst aller westdeutschen Bundesländer.
Wenn über Lohnungleichheit in Deutschland gesprochen wird, fällt der Blick fast automatisch auf die Ost-West-Spaltung. Dass innerhalb Westdeutschlands erhebliche Unterschiede bestehen, bleibt im öffentlichen Bewusstsein oft unterbelichtet. Dabei zeigt ein Blick auf den Brutto-Stundenverdienst, dass Schleswig-Holstein mit 22,51 Euro deutlich hinter Hamburg und Bayern zurückbleibt, die jeweils über 30 Euro pro Stunde verzeichnen. Die Differenz von fast einem Drittel ist nicht trivial.
Diese Lücke hat keine zufälligen Ursachen. Sie ist das Ergebnis einer gewachsenen Wirtschaftsstruktur, die sich in Jahrzehnten herausgebildet hat und mit kurzfristigen Maßnahmen nicht einfach zu schließen ist. Um zu verstehen, warum das nördlichste Bundesland im Lohnranking der Westländer am unteren Ende steht, muss man seine Branchenstruktur betrachten.
Tourismus, Landwirtschaft, Einzelhandel: die Branchen, die Löhne drücken
Kurzantwort: Die drei dominierenden Branchen in Schleswig-Holstein — Tourismus, Landwirtschaft und Einzelhandel — gehören bundesweit zu den Sektoren mit den niedrigsten Löhnen.
Schleswig-Holstein hat eine der höchsten Tourismusdichten in Deutschland. Die Küsten von Nord- und Ostsee ziehen jährlich Millionen von Besuchern an, und damit ist ein erheblicher Teil der Wirtschaft auf Gastronomie, Hotellerie, Freizeitangebote und saisonal arbeitende Hilfskräfte ausgerichtet. Diese Branche gehört bundesweit zu den Sektoren mit den niedrigsten Löhnen, mit Niedriglohnquoten um die 50 Prozent.
Ähnliches gilt für die Landwirtschaft, die in Schleswig-Holstein eine bedeutende Rolle spielt. Erntekräfte, Tierhalter in der Aufzucht und Saisonarbeiter in der Produktion werden häufig über Werkverträge oder befristete Stellen beschäftigt. Nicht selten kommen diese Arbeitskräfte aus Osteuropa, insbesondere aus Polen und dem Baltikum. Ihre Arbeitsverhältnisse sind oft von kurzen Laufzeiten, geringer sozialer Absicherung und Löhnen knapp am gesetzlichen Mindestlohn geprägt.
Der Einzelhandel ergänzt dieses Bild. In den touristisch geprägten Regionen entlang der Küste dominieren Saison- und Teilzeitarbeit. Tarifverträge im Einzelhandel existieren, werden aber nicht flächendeckend angewendet. Die Tarifbindung in Schleswig-Holstein liegt im mittleren Bereich — nicht so niedrig wie in einigen ostdeutschen Regionen, aber deutlich unter dem, was in Bayern oder Baden-Württemberg gilt.
Fehlende Industrie als strukturelle Ursache
Kurzantwort: Während Bayern und Baden-Württemberg von einer starken Industrie profitieren, fehlen diese Sektoren in Schleswig-Holstein weitgehend — mit direkten Folgen für das Lohnniveau.
Ein wesentlicher Treiber hoher Löhne in Bundesländern wie Bayern, Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen ist die Industrie. Automobilhersteller, Maschinenbauunternehmen, Chemiekonzerne und Technologieunternehmen zahlen überdurchschnittliche Tariflöhne, sind häufig tarifgebunden und bieten langfristige Beschäftigung mit betrieblicher Altersvorsorge.
Schleswig-Holstein hat diesen industriellen Kern nicht in vergleichbarer Weise. Zwar gibt es einzelne Bereiche wie die Windenergie, maritime Industrie und Logistik im Hamburger Umland, doch diese reichen nicht aus, um das Lohnniveau auf das Niveau der süddeutschen Bundesländer zu heben. Die strukturell schwächere Industrie bedeutet nicht nur niedrigere Löhne in der Gegenwart, sondern auch geringere Investitionen in Infrastruktur, Forschung und Fachkräfte.
Saisonarbeit und saisonale Armut an der Küste
Kurzantwort: Saisonarbeit im Tourismus und in der Landwirtschaft bedeutet für viele Beschäftigte nicht nur geringere Jahreslöhne, sondern auch Phasen ohne Einkommen und eingeschränkte soziale Absicherung.
Ein Phänomen, das in der Armutsdebatte selten thematisiert wird, ist die saisonale Armut. In touristisch geprägten Regionen wie Sylt, Flensburg oder dem Kreis Nordfriesland bricht die Nachfrage nach Arbeitskräften außerhalb der Sommermonate stark ein. Viele der Beschäftigten haben befristete Verträge, die im Herbst enden. Sie sind dann auf Arbeitslosengeld angewiesen, das sich aus den Löhnen der Saison berechnet — also aus einem Niedriglohnniveau.
Wer dauerhaft saisonal beschäftigt ist, zahlt weniger in die Rentenversicherung ein, hat weniger Ansprüche bei Krankheit und akkumuliert über Jahrzehnte ein geringeres Vermögen. Das macht Saisonarbeit nicht nur zu einem aktuellen Einkommensproblem, sondern zu einem langfristigen Armutsrisiko.
Ein weiteres Paradoxon tritt in touristischen Regionen auf: Obwohl die Löhne niedrig sind, steigen die Lebenshaltungskosten in Küstennähe durch den Tourismus an. Mieten, Lebensmittelpreise und Freizeitangebote richten sich teilweise an Touristen aus, nicht an lokale Beschäftigte. Das drückt die reale Kaufkraft der Niedriglöhner noch weiter nach unten.
Mindestlohn: Bodenplatte, kein Aufstieg
Kurzantwort: Der gesetzliche Mindestlohn hat viele Niedriglohnbeschäftigte real bessergestellt, schließt aber die strukturelle Lücke zum Rest Westdeutschlands nicht.
Seit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns 2015 und seiner späteren Anhebungen hat sich die Lage vieler Geringverdiener in Schleswig-Holstein verbessert. Wer vorher deutlich unter 10 Euro pro Stunde verdient hat, profitiert heute von der gesetzlichen Untergrenze. Doch der Mindestlohn ist strukturell keine Antwort auf regionale Lohnungleichheit: Er hebt die unterste Grenze an, verändert aber nicht die Branchenstruktur, die das Lohnniveau insgesamt prägt.
Wanderungsgewinne: Schleswig-Holstein als Zuzugsziel 2022
Kurzantwort: Schleswig-Holstein verzeichnete 2022 mit +9.200 Personen den zweithöchsten Wanderungssaldo aller Bundesländer, getragen vor allem durch Zuzüge deutscher Staatsangehöriger aus anderen Bundesländern.
Trotz des niedrigen Lohnniveaus zog Schleswig-Holstein 2022 mehr Menschen an, als es verlor. Der Wanderungssaldo lag bei insgesamt 9.200 Personen — nur Brandenburg verzeichnete mit 14.300 Personen einen höheren Zuwanderungsüberschuss. Diese hohen Werte gehen vor allem auf Zuzüge deutscher Staatsangehöriger aus anderen Bundesländern zurück: Allein hier lag der Wanderungsüberschuss bei 9.800 Personen.
Die Größenordnung dieser Zahlen wird deutlicher, wenn man sie in den bundesweiten Kontext einordnet. 2022 registrierten die Meldebehörden in Deutschland rund 4 Millionen Umzüge über Gemeindegrenzen hinweg. Der überwiegende Teil davon blieb innerhalb des jeweiligen Bundeslandes — nur etwa 26 Prozent, rund 1,1 Millionen Umzüge, fanden zwischen den Bundesländern statt. Vor diesem Hintergrund zählt Schleswig-Holstein zu den wenigen Ländern mit einem deutlich positiven Saldo bei diesen Binnenwanderungen.
Ein Gegenbild liefern die Länder mit den größten Abwanderungsverlusten: Berlin verlor 2022 bei Umzügen zwischen den Bundesländern per Saldo 11.400 Personen, Baden-Württemberg 10.100 Personen. Schleswig-Holstein profitiert also von einer Bewegung, die andernorts als Verlust zu Buche schlägt.
Was diese Zuwanderung für den Wohnungsmarkt, die Einkommensverteilung oder die Armutsquote im Land konkret bedeutet, lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht ableiten. Die Wanderungszahlen zeigen zunächst nur, dass Schleswig-Holstein trotz niedriger Löhne ein attraktives Zuzugsziel für deutsche Binnenmigrantinnen und -migranten ist.
Quellen
- § 7b: Erreichbarkeit | Bundesagentur für Arbeit
- Grundsicherungsgeld: Voraussetzungen, Einkommen und Vermögen | Bundesagentur für Arbeit
- Grundsicherungsgeld: Wohnen und Miete | Bundesagentur für Arbeit
- § 7: Leistungsberechtigte | Bundesagentur für Arbeit
- Handreichung Wohnungsnotfallhilfen im SGB II (MAGS NRW, Februar 2019) — Teil 3
- Handreichung Wohnungsnotfallhilfen im SGB II (MAGS NRW, Februar 2019) — Teil 2
- Handreichung Wohnungsnotfallhilfen im SGB II (MAGS NRW, Februar 2019) — Teil 1
- ZVR-Jahresbericht 2025 — Zentrales Vorsorgeregister (Bundesnotarkammer)
- ZVR-Statistik 2026 — Zentrales Vorsorgeregister (Bundesnotarkammer, Stand 30.06.2026)
- BAG W Statistikbericht 2023 (DzW-Dokumentation)
- Gerull Lebenslagenuntersuchung 2025
- schutzauftrag-kindeswohlgefaehrdung 2025
Häufige Fragen
Warum hat Schleswig-Holstein den niedrigsten Stundenverdienst in Westdeutschland?+
Die Ursache liegt in der Wirtschaftsstruktur des Landes. Tourismus, Landwirtschaft und Einzelhandel dominieren die Beschäftigung, während industriestarke Sektoren fehlen, die anderswo hohe Tariflöhne zahlen. Zudem ist die Tarifbindung nur mittelmäßig ausgeprägt, was Arbeitgebern Spielraum lässt, nahe am Mindestlohn zu zahlen.
Was verdient man in Hamburg im Vergleich zu Schleswig-Holstein?+
Hamburg liegt mit dem Brutto-Stundenverdienst deutlich über 30 Euro und damit rund 30 bis 40 Prozent über dem Niveau Schleswig-Holsteins. Der Unterschied erklärt sich durch Hamburgs Bedeutung als Handels-, Finanz- und Logistikzentrum mit einer Vielzahl hochbezahlter Arbeitsplätze.
Hilft der Mindestlohn gegen niedrige Löhne in Schleswig-Holstein?+
Der Mindestlohn hat viele Geringverdiener real bessergestellt und setzt eine wichtige Untergrenze. Er schließt aber die strukturelle Lücke zum Rest Westdeutschlands nicht. Höhere Löhne in der Breite erfordern stärkere Tarifbindung und eine andere Branchenstruktur, nicht nur eine nationale Lohnuntergrenze.
Was ist saisonale Armut und betrifft sie Schleswig-Holstein besonders?+
Saisonale Armut bezeichnet Einkommenslücken, die entstehen, wenn Saisonarbeitsverhältnisse enden und keine anderen Beschäftigungsangebote folgen. In touristisch geprägten Regionen Schleswig-Holsteins trifft das viele Menschen: Nach der Sommersaison enden Verträge, Arbeitslosengeld berechnet sich aus dem Niedriglohnniveau, und die Wintermonate bringen kaum Anschlussbeschäftigung.
Könnten höhere Investitionen das Lohnniveau in Schleswig-Holstein anheben?+
Ja, aber es wäre ein langer Prozess. Ansiedlung höherwertiger Industrien, Förderung der Windenergie als Technologiesektor, Ausbau von Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie eine stärkere Tarifbindung könnten das Lohnniveau schrittweise anheben. Kurzfristige Wirkungen sind nicht zu erwarten — strukturelle Lohnlücken entstehen über Jahrzehnte und schließen sich auch nicht schnell.
Verdienen Saisonarbeiter aus dem EU-Ausland in Schleswig-Holstein fair?+
Gesetzlich gilt der Mindestlohn auch für EU-Bürger, die in Deutschland arbeiten. In der Praxis gibt es aber Fälle, in denen Unterkunftskosten, Transportkosten oder andere Abzüge den Nettoverdienst erheblich schmälern. Kontrollen durch die Zollbehörden decken regelmäßig Verstöße auf, doch Dunkelziffer und Schutzlosigkeit vieler Wanderarbeiter bleiben ein Problem.
Wie viele Menschen sind 2022 nach Schleswig-Holstein gezogen?+
Schleswig-Holstein verzeichnete 2022 einen Wanderungssaldo von insgesamt 9.200 Personen. Davon entfielen 9.800 Personen auf den Wanderungsüberschuss bei Zuzügen deutscher Staatsangehöriger aus anderen Bundesländern.
Welches Bundesland hatte 2022 den größten Wanderungsgewinn?+
Brandenburg verzeichnete 2022 mit einem Saldo von 14.300 Personen den größten Wanderungsgewinn aller Bundesländer, gefolgt von Schleswig-Holstein mit 9.200 Personen.
Warum ist der Stundenverdienst in Schleswig-Holstein so niedrig?+
Die Wirtschaftsstruktur Schleswig-Holsteins ist stark von Tourismus, Landwirtschaft und Einzelhandel geprägt — Branchen mit traditionell niedrigen Löhnen. Der industrielle Kern, der in Bayern oder Baden-Württemberg für hohe Löhne sorgt, fehlt weitgehend.
Welche Bundesländer verloren 2022 die meisten Menschen durch Abwanderung?+
Berlin verzeichnete bei Umzügen zwischen den Bundesländern 2022 den größten Verlust mit einem Saldo von minus 11.400 Personen, gefolgt von Baden-Württemberg mit minus 10.100 Personen.
Wie viele Binnenwanderungen gab es 2022 insgesamt in Deutschland?+
2022 registrierten die Meldebehörden rund 4 Millionen Umzüge über Gemeindegrenzen hinweg. Davon fanden nur etwa 26 Prozent — rund 1,1 Millionen Umzüge — zwischen verschiedenen Bundesländern statt.