Vermögen & Wohnen
Immobilieneigentum in Deutschland: Wer besitzt Haus, Wohnung oder Grundstück?
Weniger als die Hälfte der Privathaushalte in Deutschland besitzt eine selbst genutzte Immobilie — 45 Prozent. Diese niedrige Quote gilt als einer der Gründe für die hohe Vermögensungleichheit im Land.
45 %
So viele Privathaushalte in Deutschland besitzen eine selbst genutzte Immobilie. Die Mehrheit der Haushalte lebt zur Miete.
17 %
Anteil der Privathaushalte mit sonstigem Immobilienbesitz — etwa vermietete Wohnungen, Ferienimmobilien oder unbebaute Grundstücke.
63 %
Anteil der 45- bis unter 65-Jährigen, die 2023 ein Haus, eine Wohnung oder ein Grundstück besaßen.
71 %
Eigentümerquote bei Personen mit Fachhochschul- oder Hochschulreife im Alter von 45 bis unter 65 Jahren (2023) — deutlich über dem Durchschnitt dieser Altersgruppe.
48 %
Eigentümerquote in Österreich. Wie Deutschland gehört das Land zu den Staaten mit niedriger Eigentümerquote und hoher Vermögensungleichheit.
Wie viele Menschen in Deutschland besitzen eine Immobilie?
Kurzantwort: 45 Prozent der Privathaushalte in Deutschland besitzen eine selbst genutzte Immobilie. Weitere 17 Prozent besitzen sonstige Immobilien wie vermietete Wohnungen, Ferienwohnungen oder unbebaute Grundstücke.
Wohneigentum ist in Deutschland kein Normalfall, sondern die Ausnahme. Weniger als die Hälfte der Privathaushalte — 45 Prozent — besitzt eine Immobilie, in der sie selbst wohnt. Die Mehrheit lebt zur Miete.
Daneben gibt es Immobilienbesitz, der nicht selbst genutzt wird. 17 Prozent der Privathaushalte besitzen solche Objekte. Dazu zählen:
- vermietete Wohnungen und Häuser
- Ferienwohnungen und Zweitwohnsitze
- unbebaute Grundstücke
Beide Gruppen überschneiden sich teilweise: Wer eine vermietete Wohnung besitzt, kann gleichzeitig im eigenen Haus wohnen. Die Zahlen lassen sich deshalb nicht einfach addieren.
Was zählt als Immobilieneigentum?
Als Eigentümerin oder Eigentümer gilt, wer im Grundbuch eingetragen ist — bei einem Haus, einer Eigentumswohnung oder einem Grundstück. Ob die Immobilie abbezahlt ist, spielt dabei keine Rolle. Viele Eigentümerhaushalte zahlen über Jahrzehnte einen Kredit ab. Wirtschaftlich stehen sie in dieser Zeit nicht automatisch besser da als Mieterhaushalte, weil die monatliche Belastung durch Zins und Tilgung hoch sein kann.
Wer besitzt Wohneigentum — und wer nicht?
Kurzantwort: Immobilieneigentum ist stark nach Alter, Bildung, Einkommen und Gesundheit verteilt. In der Altersgruppe 45 bis unter 65 Jahre lag die Eigentümerquote 2023 bei 63 Prozent, bei Menschen mit Hochschulreife in dieser Gruppe bei 71 Prozent.
Wohneigentum entsteht meistens in der Lebensmitte — dann, wenn Einkommen und Erwerbsverlauf am stabilsten sind. In der Altersgruppe der 45- bis unter 65-Jährigen besaßen 2023 rund 63 Prozent ein Haus, eine Wohnung oder ein Grundstück. Das liegt deutlich über dem Durchschnitt aller Haushalte.
Innerhalb dieser Altersgruppe fällt die Verteilung sehr unterschiedlich aus. Die Quote variiert stark nach:
- Bildung: Bei Personen mit dem höchsten Bildungsniveau — Fachhochschul- oder Hochschulreife — lag die Eigentümerquote bei 71 Prozent.
- Einkommen: Höhere Einkommen gehen mit deutlich höheren Eigentümerquoten einher.
- Gesundheitsstatus: Auch der Gesundheitszustand hängt mit der Wahrscheinlichkeit zusammen, Immobilienbesitz zu haben.
Ost und West unterscheiden sich heute kaum
In der Altersgruppe 45 bis unter 65 Jahre gibt es 2023 keinen bedeutsamen Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland. Das ist bemerkenswert, weil die Ausgangslage historisch weit auseinanderlag: In der DDR war der Anteil selbst nutzender Immobilienbesitzer deutlich niedriger als in Westdeutschland. Ursachen waren der Wohnungsmangel nach dem Zweiten Weltkrieg und der Vorrang des öffentlich geförderten Mietwohnungsbaus.
Warum die Unterschiede so wirken
Für den Kauf einer Immobilie braucht man Eigenkapital und eine Bank, die einen Kredit vergibt. Beides hängt am Einkommen, an der Sicherheit des Arbeitsplatzes und häufig auch an Unterstützung aus der Familie. Wer wenig verdient, unsicher beschäftigt ist oder aus einem Haushalt ohne Vermögen kommt, hat kaum eine realistische Chance auf Wohneigentum — unabhängig davon, wie sparsam gewirtschaftet wird.
Was hat Wohneigentum mit Vermögensungleichheit zu tun?
Kurzantwort: Länder mit einem geringen Anteil an Eigentümern selbst genutzter Immobilien weisen typischerweise eine höhere Vermögensungleichheit auf. Für Deutschland mit 45 Prozent und Österreich mit 48 Prozent gilt dieser Zusammenhang besonders deutlich.
Für die meisten Haushalte ist die eigene Immobilie der größte Vermögensposten überhaupt. Wo viele Haushalte Eigentum haben, ist Vermögen breiter gestreut. Wo nur eine Minderheit Eigentum besitzt, konzentriert sich Vermögen stärker bei wenigen.
Genau dieses Muster zeigt der internationale Vergleich: Länder mit einem geringeren Anteil an Eigentümern selbst genutzter Immobilien weisen typischerweise eine höhere Vermögensungleichheit auf. Deutschland (45 Prozent) und Österreich (48 Prozent) sind dafür die deutlichsten Beispiele.
Der Vermögensaufbau läuft unterschiedlich
Wer eine Immobilie abbezahlt, wandelt eine monatliche Zahlung schrittweise in Vermögen um. Nach der Tilgung sinkt die Wohnkostenbelastung stark. Mieterhaushalte zahlen dagegen bis ins Alter Miete — und die Miete steigt in vielen Regionen weiter. Im Rentenalter macht dieser Unterschied sich besonders bemerkbar, weil das Einkommen sinkt, die Miete aber bleibt.
| Merkmal | Eigentümerhaushalt | Mieterhaushalt |
|---|---|---|
| Wohnkosten im Alter | sinken nach Tilgung deutlich | bleiben bestehen, steigen oft weiter |
| Vermögensaufbau durch Wohnen | ja, über Tilgung und Wertentwicklung | nein |
| Zugangsvoraussetzung | Eigenkapital und Kreditwürdigkeit | Mietvertrag |
| Vererbbarkeit der Wohnsituation | ja | nein |
Weil Immobilien vererbt werden, setzt sich die Verteilung über Generationen fort. Wer aus einem Eigentümerhaushalt kommt, hat später häufiger selbst Eigentum. Wer aus einem Mieterhaushalt kommt, startet ohne diesen Vorteil.
Warum ist die Eigentümerquote in Deutschland so niedrig?
Kurzantwort: Ein Grund ist der im internationalen Vergleich starke Mieterschutz in Deutschland: Er macht das dauerhafte Wohnen in einer Mietwohnung attraktiv. In Ostdeutschland wirkt zusätzlich die Wohnungsbaupolitik der DDR nach.
Die niedrige Eigentümerquote in Deutschland ist kein Zufall, sondern hat historische und rechtliche Gründe.
Starker Mieterschutz
Deutschland zeichnet sich im internationalen Vergleich durch einen hohen Mieterschutz aus. Mietverhältnisse sind auf Dauer angelegt, Kündigungen durch Vermieter sind nur in engen Grenzen möglich. Das macht den Verbleib in einer Mietwohnung attraktiv — Mieten ist hier keine Notlösung für die Zeit bis zum Kauf, sondern eine dauerhafte Wohnform für breite Teile der Bevölkerung.
Nachkriegszeit und DDR-Wohnungspolitik
Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte massiver Wohnungsmangel. In der DDR wurde vor allem öffentlich geförderter Mietwohnungsbau betrieben. Der Anteil selbst nutzender Immobilienbesitzer lag dort deutlich niedriger als in Westdeutschland. Diese Prägung wirkt bis heute nach, auch wenn sich die Quoten in der Altersgruppe 45 bis unter 65 inzwischen angenähert haben.
Hohe Erwerbsnebenkosten und Kaufpreise
Wer kauft, braucht neben dem Kaufpreis Eigenkapital für Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbucheintrag und häufig Maklerprovision. Diese Nebenkosten lassen sich in der Regel nicht mitfinanzieren. Für Haushalte ohne Ersparnisse oder familiäre Unterstützung ist das eine harte Eintrittsschwelle.
Was bedeutet das für Menschen mit geringem Einkommen?
Kurzantwort: Ohne Eigenkapital und stabiles Einkommen ist Wohneigentum praktisch unerreichbar. Für Haushalte mit geringem Einkommen bleibt die Miete der zentrale Kostenfaktor — und im Rentenalter ein wesentlicher Grund für Armutsrisiken.
Für Haushalte mit niedrigem Einkommen ist der Weg ins Wohneigentum in der Praxis verschlossen. Es fehlt an Eigenkapital, und Banken verlangen ein dauerhaft belastbares Einkommen. Die Folge: Die Wohnkosten bleiben ein Leben lang eine laufende Ausgabe und sinken im Alter nicht.
Wo Mieterhaushalte konkret entlastet werden können
Wohneigentum ist für viele keine Option — Unterstützung bei den Wohnkosten ist es dagegen sehr wohl. Wichtige Ansprüche:
- Wohngeld für Haushalte mit geringem Einkommen, die keine Grundsicherung beziehen (Wohngeldgesetz).
- Kosten der Unterkunft und Heizung im Bürgergeld nach § 22 SGB II beziehungsweise in der Grundsicherung im Alter nach § 42 Nummer 4 SGB XII.
- Wohnberechtigungsschein für öffentlich geförderte Wohnungen — die Voraussetzungen legen die Länder fest.
Beratung ist kostenlos möglich
Bei Mietproblemen, Kündigung oder drohendem Wohnungsverlust helfen die Wohnungsnotfallhilfen der Kommunen, die Fachstellen der Wohlfahrtsverbände und die allgemeine Sozialberatung. Mietervereine beraten gegen einen Jahresbeitrag; bei geringem Einkommen ist über Beratungshilfe auch anwaltliche Erstberatung möglich.
Wer eine Immobilie besitzt und in eine Notlage gerät, ist nicht automatisch vom Bürgergeld ausgeschlossen: Ein selbst genutztes Hausgrundstück oder eine selbst genutzte Eigentumswohnung von angemessener Größe zählt nach § 12 SGB II zum geschützten Vermögen.
Quellen
- BAG W Statistikbericht 2023 (DzW-Dokumentation)
- Gerull Lebenslagenuntersuchung 2025
- schutzauftrag-kindeswohlgefaehrdung 2025
- Arbeitsmarktbericht Juli 2026
- statistik grundsicherung 20260803143257
- Sozialgesetzbuch XII
- Sozialgesetzbuch XI
- Sozialgesetzbuch X
- Sozialgesetzbuch VIII
- Sozialgesetzbuch VII
- Sozialgesetzbuch VI
- Sozialgesetzbuch V
Häufige Fragen
Wie hoch ist die Wohneigentumsquote in Deutschland?+
45 Prozent der Privathaushalte in Deutschland besitzen eine selbst genutzte Immobilie. Die Mehrheit der Haushalte lebt damit zur Miete. Weitere 17 Prozent der Haushalte besitzen sonstige Immobilien wie vermietete Wohnungen, Ferienwohnungen oder unbebaute Grundstücke.
In welchem Alter besitzen die meisten Menschen eine Immobilie?+
Der Immobilienbesitz ist in der Lebensmitte am höchsten. In der Altersgruppe der 45- bis unter 65-Jährigen besaßen 2023 rund 63 Prozent ein Haus, eine Wohnung oder ein Grundstück. In dieser Lebensphase sind Einkommen und Erwerbsverlauf am stabilsten.
Gibt es Unterschiede beim Immobilienbesitz zwischen Ost- und Westdeutschland?+
In der Altersgruppe 45 bis unter 65 Jahre unterscheidet sich die Eigentümerquote 2023 nicht bedeutsam zwischen Ost- und Westdeutschland. Historisch lag der Anteil selbst nutzender Immobilienbesitzer in der DDR deutlich niedriger als in Westdeutschland — bedingt durch den Wohnungsmangel nach dem Krieg und den Vorrang des öffentlich geförderten Mietwohnungsbaus.
Warum verstärkt eine niedrige Eigentümerquote die Vermögensungleichheit?+
Die eigene Immobilie ist für die meisten Haushalte der größte Vermögensposten. Wo nur eine Minderheit Eigentum besitzt, konzentriert sich Vermögen stärker bei wenigen. Länder mit geringerem Anteil an Eigentümern selbst genutzter Immobilien weisen typischerweise höhere Vermögensungleichheit auf — besonders deutlich in Deutschland mit 45 Prozent und Österreich mit 48 Prozent.
Welche Rolle spielt Bildung beim Immobilienbesitz?+
Die Eigentümerquote hängt stark mit dem Bildungsniveau zusammen. Bei Personen mit Fachhochschul- oder Hochschulreife in der Altersgruppe 45 bis unter 65 Jahre lag sie 2023 bei 71 Prozent — deutlich über dem Durchschnitt dieser Altersgruppe von 63 Prozent. Bildung wirkt dabei vor allem über Einkommen und Beschäftigungssicherheit.
Muss ich mein Haus verkaufen, wenn ich Bürgergeld beantrage?+
Nein, nicht in jedem Fall. Ein selbst genutztes Hausgrundstück oder eine selbst genutzte Eigentumswohnung von angemessener Größe gehört nach § 12 SGB II zum geschützten Vermögen und muss nicht verwertet werden. Wie die Angemessenheit im Einzelfall beurteilt wird, prüft das Jobcenter.
Welche Unterstützung gibt es für Mieterhaushalte mit geringem Einkommen?+
Wohngeld nach dem Wohngeldgesetz für Haushalte, die keine Grundsicherung beziehen. Im Bürgergeld werden die Kosten der Unterkunft und Heizung nach § 22 SGB II übernommen, in der Grundsicherung im Alter nach § 42 Nummer 4 SGB XII. Für öffentlich geförderte Wohnungen ist ein Wohnberechtigungsschein nötig, den die Kommune ausstellt.