Migration & Arbeit
13,3 Millionen Erwerbspersonen mit Migrationsgeschichte in Deutschland
Mehr als ein Fuenftel aller Erwerbspersonen in Deutschland haben einen direkten oder indirekten Migrationshintergrund. Sie sind unverzichtbar fuer den deutschen Arbeitsmarkt — und trotzdem strukturell benachteiligt: durch Einkommensluecken, fehlende Berufsanerkennung und erschwerten Zugang zu Fuehrungspositionen.
13,3 Mio.
Erwerbspersonen mit direktem oder indirektem Migrationshintergrund in Deutschland
86–88 %
Medianeinkommen laenger ansaessiger Migranten im Vergleich zur Gesamtbevoelkerung
77 %
Medianeinkommen neu eingereister Migranten (letzte 5 Jahre) im Vergleich zur Gesamtbevoelkerung
2.–3. Gen.
Zweite und dritte Generation: deutlich bessere Bildungs- und Einkommenssituation als Erstgenerationen
21,2 Mio.
Menschen in Deutschland hatten 2023 eine Einwanderungsgeschichte. Das entspricht 25,2 Prozent der Bevölkerung.
4,8 %
der Bevölkerung hatten 2023 zusätzlich eine einseitige Einwanderungsgeschichte, bei der nur ein Elternteil zugewandert ist.
84,4 Mio.
Menschen lebten Ende 2022 in Deutschland — rund 1,1 Millionen mehr als 2021, vor allem durch starke Zuwanderung.
1,4 Mio.
Menschen sind seit Beginn des Krieges aus der Ukraine nach Deutschland zugezogen.
13,3 Mio.
Erwerbspersonen in Deutschland haben einen direkten oder indirekten Migrationshintergrund.
Mehr als 13 Millionen Menschen mit Migrationsgeschichte sind heute auf dem deutschen Arbeitsmarkt aktiv. Sie arbeiten in Krankenhaeusern und Pflegeeinrichtungen, auf Baustellen und in Bueros, in Lagerhallen und Klassenzimmern. Ohne sie wuerde der Betrieb an vielen Stellen zum Stillstand kommen. Dennoch zeigt ein Blick auf Einkommensverteilung, Berufsstruktur und Aufstiegschancen ein klares Muster: Menschen mit Migrationsgeschichte verdienen im Schnitt weniger, sind seltener in Fuehrungspositionen vertreten und haeufiger in prekaerem Beschaftigungsverhaeltnissen taetig. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis struktureller Benachteiligungen — von fehlender Berufsanerkennung bis hin zu Diskriminierung bei Bewerbungen.
Wer sind die 13,3 Millionen Erwerbspersonen?
Die Gruppe der Erwerbspersonen mit Migrationshintergrund ist intern sehr heterogen. Sie umfasst hochqualifizierte Fachkraefte, die gezielt angeworben wurden, ebenso wie Menschen, die als Fluechtlinge eingereist sind und sich muehsam in den Arbeitsmarkt integrieren. Sie schliesst die Kinder der ehemaligen Gastarbeiter ein, die in Deutschland aufgewachsen sind und oft eine doppelte kulturelle Identitaet verinnerlicht haben, sowie juengst Zugereiste, die mit Sprachbarrieren und fehlender Netzwerken kaempfen.
Auch die geografische Herkunft praegt die wirtschaftliche Lage erheblich. Menschen aus EU-Mitgliedstaaten, vor allem aus Suedeuropa und Osteuropa, haben in der Regel leichteren Zugang zu einer gleichwertigen Anerkennung ihrer Qualifikationen. Menschen aus Drittstaaten stossen haeufiger auf buerokratische Hueden bei der Berufsanerkennung und sind staerker von diskriminierenden Praktiken betroffen.
Erste, zweite, dritte Generation
Die Unterscheidung nach Generationen ist entscheidend fuer das Verstaendnis der wirtschaftlichen Realitaet. Erstgenerations-Migranten, besonders jene, die in den letzten fuenf Jahren eingereist sind, haben mit deutlichen Einkommensrueckstaenden zu kaempfen. Ihr Medianeinkommen liegt bei etwa 77 Prozent des gesamtgesellschaftlichen Medianeinkommens. Bei laenger ansaessigen Migranten verringert sich dieser Abstand auf 86 bis 88 Prozent. Die zweite und dritte Generation naehert sich in Bildungs- und Einkommensprofilen deutlich dem gesamtgesellschaftlichen Durchschnitt an — ein Zeichen dafuer, dass Integration gelingt, aber Zeit braucht, oft mehr als eine Generation.
Einkommensluecke nach Aufenthaltsdauer
- Neu eingereist (letzte 5 Jahre)
- ca. 77 % des gesamtgesellschaftlichen Medianeinkommens
- Laenger ansaessig
- ca. 86–88 % des Medianeinkommens
- Zweite / dritte Generation
- Deutliche Annaeherung an den Gesamtdurchschnitt
- Gesamtbevoelkerung
- 100 % (Referenzgroesse)
Warum besteht eine Einkommensluecke?
Die Einkommensluecke laesst sich nicht auf eine einzige Ursache zurueckfuehren. Mehrere Mechanismen wirken zusammen und verstaerken sich gegenseitig. An erster Stelle steht die fehlende Anerkennung auslaendischer Berufsabschluesse. Wer im Ausland eine Ausbildung oder ein Studium abgeschlossen hat, muss in Deutschland haeufig langwierige Anerkennungsverfahren durchlaufen — und scheitert dabei nicht selten an buerokratischen Hueden, fehlenden Sprachnachweisen oder strukturellen Unterschieden zwischen Ausbildungssystemen. Das Ergebnis: Hochqualifizierte landen in Positionen unterhalb ihrer eigentlichen Qualifikation und erhalten entsprechend niedrigere Loehne.
Sprachkenntnisse spielen eine besondere Rolle, besonders fuer Erstgenerations-Migranten. Eingeschraenkte Deutschkenntnisse erhoehen die Wahrscheinlichkeit, in einfachen Hilfstaetigkeiten beschaeftigt zu sein, und verringern die Chancen auf Karriereentwicklung. Gleichzeitig fehlt es an ausreichenden und schnell zugaenglichen Sprachkursangeboten, die parallel zur Berufsausuebung genutzt werden koennen.
Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt
Diskriminierung bei Bewerbungen und Befoerderungen ist wissenschaftlich gut belegt. Studien mit identischen Bewerbungsunterlagen, bei denen lediglich der Name variiert wurde, zeigen konsistent: Personen mit nicht-deutschem Nachnamen erhalten deutlich seltener Einladungen zu Vorstellungsgespraechen. Diese strukturelle Benachteiligung betrifft auch die Karriereentwicklung — Menschen mit Migrationsgeschichte sind in Fuehrungspositionen stark unterrepraesentiert, unabhaengig von ihrer Qualifikation.
Erwerbstätigenarmut: Die Kombination aus niedrigem Einkommen und Beschaeftigung in Hilfstaetigkeiten fuehrt dazu, dass Menschen mit Migrationsgeschichte uberproportional haeufig von Erwerbstaetigkeitsarmut — dem sogenannten "Working Poor"-Phaenomen — betroffen sind. Arbeit allein schuetzt in diesem Fall nicht vor Armut.
Berufsstruktur: Ueberrepraesentation in bestimmten Sektoren
Die Berufsstruktur zeigt deutliche Muster. Personen mit Migrationsgeschichte sind in Bereichen wie Pflege, Reinigung, Gastronomie, Logistik und Bau uberproportional vertreten. Diese Berufe sind systemrelevant — sie waren waehrend der Corona-Pandemie als "unverzichtbar" anerkannt — und gleichzeitig schlecht bezahlt. Wer hier arbeitet, traegt viel zum Funktionieren der Gesellschaft bei und erhaelt dafuer vergleichsweise wenig Einkommens- und Aufstiegsperspektiven.
Besonders ausgepraegt sind diese Muster bei bestimmten Herkunftsgruppen. Personen tuerki scher Herkunft und aus den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien — Gruppen, die in Deutschland durch die Gastarbeiterprogramme der 1950er bis 1970er-Jahre stark vertreten sind — weisen hohe Anteile im Niedriglohnsektor auf. Gleichzeitig zeigen sich erhebliche Unterschiede beim Bildungsstand: Ein hoeherer Anteil dieser Gruppen hat maximal einen Grundschulabschluss, was die Zugaenge zum qualifizierten Arbeitsmarkt erheblich einschraenkt.
Osteuropaeische Zuwanderung: Ein anderes Profil
Personen osteuropaeischer Herkunft weisen in Deutschland ein unterschiedliches Profil auf. Viele kommen mit hohen Qualifikationen, sind aber in Berufen beschaeftigt, die diese nicht vollstaendig erfordern oder nutzen — ebenfalls ein Zeichen fuer Anerkennungsluecken. Gleichzeitig ist der Anteil ohne Bildungsabschluss in dieser Gruppe geringer. Die Einkommensluecke besteht dennoch, allerdings aus anderen Gruenden: Sprachbarrieren, befristete Beschaftigungsverhaeltnisse und die Nutzung innereuropaeischer Mobilitaet als Lohndruckmittel spielen eine Rolle.
Zweite und dritte Generation: Integrationserfolge und verbleibende Luecken
Die Situation der zweiten und dritten Generation zeigt, dass Integration langfristig wirkt. Kinder und Enkel von Zugewanderten, die in Deutschland aufgewachsen sind, sprechen die Sprache fliessend, kennen das Bildungssystem und haben Netzwerke aufgebaut, die Erstgenerations-Migranten fehlen. Ihr Bildungsstand ist im Schnitt deutlich hoeher, ihre Berufsprofile naehern sich dem gesamtgesellschaftlichen Durchschnitt an.
Gleichzeitig zeigen Untersuchungen, dass auch die zweite Generation noch mit strukturellen Hindernissen konfrontiert ist. Diskriminierung bei Bewerbungen betrifft sie weiterhin — der Name reicht aus, um Chancen zu mindern. Der Zugang zu elit aeren Bildungsinstitutionen und Netzwerken, die Karrierepfade in Fuehrungspositionen ebnen, bleibt erschwert. Die Einkommensluecke schliesst sich mit jeder Generation, verschwindet aber nicht vollstaendig.
21,2 Millionen Menschen mit Einwanderungsgeschichte: Bevölkerungsanteil und Zuwanderungsdynamik
Kurzantwort: Gut ein Viertel der Bevölkerung in Deutschland hatte 2023 eine Einwanderungsgeschichte: 21,2 Millionen Menschen oder 25,2 Prozent. Der Anstieg der Bevölkerung auf 84,4 Millionen Ende 2022 ging vor allem auf Zuwanderung aus der Ukraine zurück.
Der Sozialbericht 2024 weist für das Jahr 2023 aus, dass 25,2 Prozent der Bevölkerung in Deutschland eine Einwanderungsgeschichte hatten — in absoluten Zahlen 21,2 Millionen Menschen. Hinzu kommen 4,8 Prozent mit einer einseitigen Einwanderungsgeschichte, also Menschen, bei denen nur ein Elternteil nach Deutschland zugewandert ist. Zusammengenommen betrifft das Merkmal damit rund 30 Prozent der Wohnbevölkerung.
Diese Zahl beschreibt die gesamte Bevölkerung. Die auf dieser Seite ausführlich behandelten 13,3 Millionen Erwerbspersonen mit Migrationsgeschichte sind ein Ausschnitt daraus: Menschen, die arbeiten oder Arbeit suchen. Wer beide Zahlen nebeneinander liest, sieht den demografischen Rahmen, in dem sich Arbeitsmarktdaten bewegen.
Bevölkerungswachstum durch Zuwanderung
Ende 2022 lebten 84,4 Millionen Menschen in Deutschland — rund 1,1 Millionen mehr als ein Jahr zuvor. Der Zuwachs war vor allem durch die starke Zuwanderung aus der Ukraine bedingt. Seit Beginn des Krieges sind insgesamt 1,4 Millionen Menschen aus der Ukraine nach Deutschland zugezogen.
Für die Einordnung von Armutsrisiken ist das relevant, weil neu Zugewanderte in der Regel unter schwierigeren Bedingungen starten als länger ansässige Menschen mit Einwanderungsgeschichte. Typische Muster sind: Abschlüsse sind noch nicht anerkannt, Sprachkenntnisse werden erst aufgebaut, berufliche Netzwerke fehlen. Die weiter unten auf dieser Seite dargestellten Einkommensabstände — rund 77 Prozent des Medianeinkommens bei neu Zugewanderten gegenüber 86 bis 88 Prozent bei länger Ansässigen — bilden diesen zeitlichen Verlauf ab.
Drei Kennzahlen, die nicht verwechselt werden dürfen
In Debatten werden Bevölkerungs-, Erwerbs- und Zuwanderungszahlen häufig vermischt. Die folgende Übersicht trennt sie:
| Kennzahl | Wert | Bezugsgröße |
|---|---|---|
| Menschen mit Einwanderungsgeschichte | 21,2 Mio. (25,2 %) | Gesamtbevölkerung 2023 |
| Einseitige Einwanderungsgeschichte | 4,8 % | Gesamtbevölkerung 2023 |
| Erwerbspersonen mit Migrationsgeschichte | 13,3 Mio. | Erwerbspersonen |
| Zuzug aus der Ukraine seit Kriegsbeginn | 1,4 Mio. | Zuwanderung |
Bildung, Armut und Einwanderungsgeschichte
Kurzantwort: Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit und mit Einwanderungsgeschichte haben in Berlin besonders häufig keinen beruflichen oder akademischen Abschluss. Einwanderungsgeschichte und Altersarmut sind dabei zwei unterschiedliche, teils überlappende Risikofaktoren.
Der Sozialbericht Berlin 2025 zeigt für die Hauptstadt: Hohe Anteile an Personen ohne beruflichen oder akademischen Abschluss finden sich vor allem unter Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit und unter Menschen mit Einwanderungsgeschichte. Ein fehlender formaler Abschluss gilt als einer der stärksten Risikofaktoren für ein niedriges Erwerbseinkommen — er geht in der Regel mit Helfertätigkeiten, geringeren Stundenlöhnen und häufigeren Befristungen einher.
Wichtig ist die Lesart dieses Befundes: Er beschreibt eine Verteilung, keine Eigenschaft. Ein Teil der Menschen mit Einwanderungsgeschichte hat im Herkunftsland durchaus Qualifikationen erworben, die in Deutschland nicht oder nur teilweise anerkannt werden. In der Statistik erscheinen sie dann als Personen ohne beruflichen Abschluss, obwohl sie fachlich ausgebildet sind.
Gleichzeitig ist Armut in Deutschland nicht auf eine Gruppe reduzierbar. Von den 14,2 Millionen armutsbetroffenen Menschen in Deutschland ist fast ein Viertel im Rentenalter. Einwanderungsgeschichte und Alter sind damit zwei eigenständige Risikodimensionen, die sich überlagern können — etwa bei Menschen, die als Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten kamen, jahrzehntelang in Niedriglohnbereichen gearbeitet haben und im Alter nur geringe Rentenansprüche erreichen.
Was das für die Armutsdebatte bedeutet
- Die Kennzahl 21,2 Millionen sagt für sich genommen nichts über Armut aus — sie beschreibt Herkunft, nicht Einkommen.
- Armutsrisiken entstehen entlang von Bildungsabschluss, Anerkennung, Aufenthaltsdauer und Branche.
- Alter, Alleinerziehendenstatus und Erwerbslosigkeit wirken unabhängig davon — und treffen Menschen mit und ohne Einwanderungsgeschichte.
Einwanderungsgeschichte und Migrationshintergrund: Was die Begriffe unterscheidet
Kurzantwort: Beide Begriffe beschreiben ähnliche Gruppen, werden aber unterschiedlich abgegrenzt. Wer Zahlen vergleicht, muss deshalb immer prüfen, welche Definition und welche Bezugsgröße zugrunde liegt.
In der amtlichen Statistik hat sich der Begriff Einwanderungsgeschichte neben dem älteren Begriff Migrationshintergrund etabliert. Gemeint ist im Kern dasselbe Prinzip: Erfasst werden Menschen, die selbst zugewandert sind, sowie deren in Deutschland geborene Nachkommen. Die konkrete Abgrenzung — etwa wie viele Generationen mitgezählt werden — unterscheidet sich je nach Erhebung.
Der Sozialbericht 2024 unterscheidet zusätzlich zwischen einer Einwanderungsgeschichte und einer einseitigen Einwanderungsgeschichte. Letztere liegt vor, wenn nur ein Elternteil zugewandert ist. 2023 traf das auf 4,8 Prozent der Bevölkerung zu.
Warum die Unterscheidung praktisch wichtig ist
Wer Statistiken vergleicht, sollte drei Fragen stellen:
- Wird die Gesamtbevölkerung betrachtet oder nur ein Teil, etwa Erwerbspersonen oder Erwerbstätige?
- Werden Nachkommen mitgezählt — und wenn ja, bis zu welcher Generation?
- Geht es um Staatsangehörigkeit oder um Einwanderungsgeschichte? Beides überschneidet sich, ist aber nicht dasselbe: Viele Menschen mit Einwanderungsgeschichte sind deutsche Staatsangehörige.
Diese Unterscheidungen erklären, warum in öffentlichen Debatten sehr unterschiedliche Zahlen zirkulieren, ohne dass eine davon falsch sein muss.
Quellen
- Sozialbericht 2024 (Destatis/DIW, 18. Ausgabe)
- Sozialbericht 2024 bf k2 Teil07
- Sozialbericht berlin 2025
- Jahresbericht 2024 Tafel Deutschland
Häufige Fragen
Wie gross ist die Einkommensluecke zwischen Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte?+
Laenger ansaessige Migranten erreichen im Median etwa 86 bis 88 Prozent des Einkommens der Gesamtbevoelkerung. Neu eingereiste Migranten der letzten fuenf Jahre kommen auf etwa 77 Prozent. Die zweite und dritte Generation naehert sich deutlich an den Gesamtdurchschnitt an.
Warum werden auslaendische Berufsabschluesse in Deutschland haeufig nicht anerkannt?+
Die Anerkennung haengt von Abschlussart, Herkunftsland und deutschen Anforderungen ab. Reglementierte Berufe erfordern oft aufwendige Verfahren, Nachqualifizierungen oder zusaetzliche Pruefungen. Fehlende Unterlagen, sprachliche Hueden und Buerokratie verlaengern das Verfahren erheblich.
Was ist Erwerbstaetigkeitsarmut ("Working Poor")?+
Als "Working Poor" bezeichnet man Menschen, die trotz Berufstaetigkeit unter der Armutsgrenze leben. Das betrifft besonders Menschen im Niedriglohnsektor — einem Bereich, in dem Personen mit Migrationsgeschichte uberproportional beschaeftigt sind.
Sind Menschen mit Migrationsgeschichte seltener in Fuehrungspositionen?+
Ja. Menschen mit Migrationsgeschichte sind in Fuehrungspositionen stark unterrepraesentiert — auch bei vergleichbarer Qualifikation. Diskriminierung bei Befoerderungsentscheidungen und fehlende Netzwerke spielen eine nachgewiesene Rolle.
Verbessert sich die wirtschaftliche Situation in der zweiten Generation?+
Ja, erheblich. Die zweite und dritte Generation weist deutlich bessere Bildungs- und Einkommensprofile auf. Dennoch bestehen strukturelle Benachteiligungen fort, etwa durch anhaltende Diskriminierung bei Bewerbungen trotz gleicher Qualifikation.
Was bedeutet "Einwanderungsgeschichte" laut amtlicher Statistik?+
Eine Einwanderungsgeschichte haben Menschen, die selbst nach Deutschland zugewandert sind, sowie deren in Deutschland geborene Kinder. Der Sozialbericht 2024 unterscheidet zusätzlich die einseitige Einwanderungsgeschichte: Sie liegt vor, wenn nur ein Elternteil zugewandert ist. 2023 hatten 25,2 Prozent der Bevölkerung eine Einwanderungsgeschichte, weitere 4,8 Prozent eine einseitige. Der ältere Begriff Migrationshintergrund beschreibt eine ähnliche Gruppe, wird in einzelnen Erhebungen aber anders abgegrenzt — deshalb sind Zahlen aus verschiedenen Quellen nicht immer direkt vergleichbar.
Wie viele Menschen sind seit dem Ukraine-Krieg nach Deutschland gezogen?+
Seit Beginn des Krieges sind 1,4 Millionen Menschen aus der Ukraine nach Deutschland zugezogen. Dieser Zuzug ist der wesentliche Grund dafür, dass die Bevölkerung Ende 2022 auf 84,4 Millionen Menschen anstieg — rund 1,1 Millionen mehr als 2021.
Wie viele Menschen in Deutschland haben eine Einwanderungsgeschichte?+
2023 waren es 21,2 Millionen Menschen, also 25,2 Prozent der Bevölkerung. Zählt man die 4,8 Prozent mit einseitiger Einwanderungsgeschichte hinzu, betrifft das Merkmal rund 30 Prozent der Menschen in Deutschland.
Worin unterscheiden sich die 21,2 Millionen von den 13,3 Millionen Erwerbspersonen?+
Die 21,2 Millionen beziehen sich auf die gesamte Bevölkerung — also einschließlich Kindern, Rentnerinnen und Rentnern sowie Menschen, die nicht erwerbstätig sind. Die 13,3 Millionen Erwerbspersonen mit Migrationsgeschichte sind ein Ausschnitt daraus: Menschen, die arbeiten oder Arbeit suchen. Beide Zahlen widersprechen sich nicht, sie haben unterschiedliche Bezugsgrößen.
Bedeutet eine Einwanderungsgeschichte automatisch ein höheres Armutsrisiko?+
Nein. Die Kennzahl beschreibt Herkunft, nicht Einkommen. Armutsrisiken hängen an konkreten Faktoren wie fehlenden oder nicht anerkannten Abschlüssen, Aufenthaltsdauer, Branche und Erwerbsform. Der Sozialbericht Berlin 2025 zeigt zum Beispiel, dass hohe Anteile ohne beruflichen oder akademischen Abschluss vor allem bei Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit und mit Einwanderungsgeschichte auftreten — das ist ein Bildungsbefund, kein Automatismus.
Wie hängen Altersarmut und Einwanderungsgeschichte zusammen?+
Es sind zwei eigenständige Risikofaktoren, die sich überlagern können. Von den 14,2 Millionen armutsbetroffenen Menschen in Deutschland ist fast ein Viertel im Rentenalter. Wer jahrzehntelang in Niedriglohnbereichen gearbeitet hat, erreicht im Alter oft nur geringe Rentenansprüche — unabhängig davon, ob eine Einwanderungsgeschichte vorliegt.