ARMUTDEUTSCHLAND
Was sie bedeutet

Migration & Armut

16,2 Millionen Eingewanderte seit 1950: die historische Bilanz der Einwanderung nach Deutschland

Seit 1950 sind 16,2 Millionen Menschen nach Deutschland eingewandert – das sind 19,3 Prozent der heutigen Bevölkerung. Diese Seite ordnet die Zahl ein und zeigt, wie eng Einwanderungsgeschichte und Armutsrisiko zusammenhängen.

4 Min. Lesezeit12 Quellen

16,2 Mio.

So viele Menschen sind seit 1950 nach Deutschland eingewandert. Das entspricht 19,3 Prozent der Bevölkerung.

25,2 %

Gut ein Viertel der Bevölkerung – 21,2 Millionen Menschen – hatte 2023 eine Einwanderungsgeschichte. Weitere 4,8 Prozent haben eine einseitige Einwanderungsgeschichte.

11,5 Mio.

So viele Personen sind seit 2004 aus anderen EU-Mitgliedstaaten nach Deutschland eingewandert.

1,096 Mio.

Zuzüge aus der Ukraine im Jahr 2022. Damit war die Ukraine wichtigstes Herkunftsland bei rund 2,5 Millionen Zuzügen ausländischer Personen.

31 %

Armutsgefährdungsquote eingewanderter Menschen in Berlin im Jahr 2023. Bei Menschen mit zwei eingewanderten Elternteilen lag sie bei rund 33 Prozent.

16,2 Millionen Eingewanderte seit 1950 – die zentrale Zahl

Kurzantwort: Seit 1950 sind 16,2 Millionen Menschen nach Deutschland eingewandert. Sie machen 19,3 Prozent der Bevölkerung aus.

Die Zahl beschreibt Menschen, die selbst über eine Grenze nach Deutschland gezogen sind – nicht ihre hier geborenen Kinder. Der Zeitraum reicht von 1950 bis zum aktuellen Berichtsstand. Gezählt werden alle Personen, die zum Erhebungszeitpunkt in Deutschland leben und irgendwann seit 1950 zugewandert sind. Wer eingewandert und später wieder fortgezogen oder verstorben ist, taucht in dieser Zahl nicht auf. 16,2 Millionen sind also kein Zuzugssaldo über 70 Jahre, sondern ein Bestand: die heute hier lebenden Eingewanderten.

Einordnung zur Gesamtbevölkerung

2023 lebten 83,8 Millionen Menschen in Deutschland. Ende 2022 waren es 84,4 Millionen – rund 1,1 Millionen mehr als 2021, vor allem wegen der starken Zuwanderung aus der Ukraine. Vor diesem Hintergrund bedeutet die Zahl 16,2 Millionen: Etwa jede fünfte Person in Deutschland ist selbst zugewandert.

KennzahlWertStand
Eingewanderte seit 195016,2 Mio. (19,3 %)seit 1950
Bevölkerung in Deutschland83,8 Mio.2023
Bevölkerung in Deutschland84,4 Mio.Ende 2022

Für die Armutsdebatte ist diese Größenordnung wichtig: Wenn eine Bevölkerungsgruppe von 16,2 Millionen Menschen ein überdurchschnittliches Armutsrisiko trägt, wirkt sich das unmittelbar auf die Gesamtarmutsquote aus.

Einwanderungsgeschichte der Bevölkerung 2023

Kurzantwort: 2023 hatten 25,2 Prozent der Bevölkerung – 21,2 Millionen Menschen – eine Einwanderungsgeschichte. Weitere 4,8 Prozent hatten eine einseitige Einwanderungsgeschichte.

Der Begriff Einwanderungsgeschichte reicht weiter als die reine Zuwanderungszahl. Er erfasst zwei Gruppen: Menschen, die selbst eingewandert sind, und Menschen, deren beide Elternteile eingewandert sind. Bei 5,0 Millionen Personen in Deutschland waren beide Elternteile zugewandert – sie selbst wurden hier geboren.

Vollständige und einseitige Einwanderungsgeschichte

  • Einwanderungsgeschichte (25,2 %, 21,2 Mio.): Die Person ist selbst eingewandert oder beide Elternteile sind eingewandert.
  • Einseitige Einwanderungsgeschichte (4,8 %): Nur ein Elternteil ist eingewandert, der andere nicht.

Beide Gruppen zusammen machen rund 30 Prozent der Bevölkerung aus. Die Unterscheidung ist keine Spitzfindigkeit: Die drei Gruppen unterscheiden sich messbar im Armutsrisiko, wie die Berliner Daten weiter unten zeigen.

Der Begriff hat den älteren Ausdruck „Migrationshintergrund“ in der amtlichen Berichterstattung weitgehend abgelöst, weil er präziser an das tatsächliche Einwanderungsereignis anknüpft statt an die Staatsangehörigkeit der Eltern.

EU-Binnenmigration seit 2004 und die Zuwanderung aus der Ukraine

Kurzantwort: Seit 2004 sind 11,5 Millionen Personen aus anderen EU-Mitgliedstaaten nach Deutschland eingewandert. 2022 dominierte dagegen die Fluchtzuwanderung aus der Ukraine mit 1,096 Millionen Zuzügen.

Die 16,2 Millionen Eingewanderten seit 1950 setzen sich aus sehr unterschiedlichen Wanderungsbewegungen zusammen. Zwei davon lassen sich mit belastbaren Zahlen beschreiben.

Freizügigkeit innerhalb der EU

Seit 2004 sind 11,5 Millionen Personen aus anderen EU-Mitgliedstaaten nach Deutschland eingewandert. Dieser Zeitraum beginnt mit der EU-Osterweiterung. Wichtig für das Verständnis: Es handelt sich um Zuzüge, nicht um dauerhaft Gebliebene. EU-Binnenmigration ist in hohem Maß zirkulär – viele Menschen ziehen nach einigen Jahren wieder fort oder pendeln zwischen zwei Ländern. Die 11,5 Millionen sind deshalb nicht als Zuwachs der Bevölkerung zu lesen und auch nicht direkt mit den 16,2 Millionen zu verrechnen.

Fluchtzuwanderung 2022

Im Jahr 2022 wurden rund 2,5 Millionen Zuzüge ausländischer Personen verzeichnet. Wichtigstes Herkunftsland war die Ukraine mit 1,096 Millionen Zuzügen – also gut 43 Prozent aller Zuzüge in diesem Jahr. Der Bevölkerungsstand stieg dadurch Ende 2022 auf 84,4 Millionen Menschen, rund 1,1 Millionen mehr als im Vorjahr.

Der Kontrast zwischen beiden Bewegungen ist sozialpolitisch bedeutsam: EU-Zuwanderung erfolgt überwiegend aus Erwerbsgründen und mit Arbeitsmarktzugang von Beginn an. Fluchtzuwanderung erfolgt unfreiwillig, oft ohne vorbereitete Erwerbsperspektive und mit anderen rechtlichen Rahmenbedingungen. Das prägt die Einkommenslage in den ersten Jahren nach der Ankunft.

Armutsrisiko von Eingewanderten – die Berliner Zahlen

Kurzantwort: In Berlin lag die Armutsgefährdungsquote eingewanderter Menschen 2023 bei rund 31 Prozent, bei Menschen mit zwei eingewanderten Elternteilen bei rund 33 Prozent. Diese Werte gelten für Berlin, nicht für Deutschland insgesamt.

Für Berlin liegen für 2023 nach Einwanderungsgeschichte differenzierte Armutsgefährdungsquoten vor. Sie zeigen ein klares Muster.

Gruppe (Berlin, 2023)Armutsgefährdungsquote
Eingewanderte Menschenrund 31 %
Menschen mit zwei eingewanderten Elternteilenrund 33 %
Menschen mit einem eingewanderten Elternteilrund 21 %

Wie diese Zahlen zu lesen sind

Drei Punkte sind für die Einordnung entscheidend:

  • Regionaler Befund: Die Werte beziehen sich ausschließlich auf Berlin. Sie sind kein Bundesdurchschnitt und dürfen nicht auf Deutschland insgesamt übertragen werden. Berlin hat eine eigene Wirtschafts-, Miet- und Bevölkerungsstruktur.
  • Zweite Generation nicht automatisch besser gestellt: Menschen mit zwei eingewanderten Elternteilen – also die in Deutschland geborene zweite Generation – lagen 2023 in Berlin mit rund 33 Prozent sogar leicht über der Quote der selbst Eingewanderten. Der Nachteil verschwindet also nicht zwangsläufig mit der Generation.
  • Einseitige Einwanderungsgeschichte: Bei nur einem eingewanderten Elternteil lag die Quote mit rund 21 Prozent deutlich niedriger. Der Abstand zwischen 33 und 21 Prozent zeigt, wie stark sich die Gruppen unterscheiden, die umgangssprachlich oft in einen Topf geworfen werden.

Armutsgefährdung bedeutet: Das bedarfsgewichtete Nettoeinkommen eines Haushalts liegt unter 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bezugsregion. Es handelt sich um ein Einkommensmaß, nicht um eine Feststellung von Bedürftigkeit im Einzelfall.

Was die Zahlen nicht zeigen

Kurzantwort: Die vorliegenden Daten beschreiben Bestände und Quoten, aber keine jahrzehntweise Aufschlüsselung der Einwanderung seit 1950 und keine bundesweite Zeitreihe zur Armutsgefährdung Eingewanderter.

Wer mit diesen Zahlen arbeitet, sollte ihre Grenzen kennen. Vier Punkte lassen sich aus den vorliegenden Daten nicht ableiten:

  1. Verteilung auf Jahrzehnte: Die 16,2 Millionen sind eine Gesamtsumme. Wie viele Menschen in den Anwerbejahren der 1950er- und 1960er-Jahre, wie viele als Spätaussiedler nach 1990 und wie viele in den Fluchtjahren ab 2015 kamen, geht aus der Zahl selbst nicht hervor.
  2. Herkunftsländer im Zeitverlauf: Für 2022 ist die Ukraine als wichtigstes Herkunftsland belegt. Für frühere Jahrzehnte liegt an dieser Stelle keine vergleichbare Aufschlüsselung vor.
  3. Regionale Verteilung innerhalb Deutschlands: Wie sich Eingewanderte auf Bundesländer, Städte und ländliche Räume verteilen, beschreiben die hier verwendeten Kennzahlen nicht.
  4. Bundesweite Armutszeitreihe: Die nach Einwanderungsgeschichte differenzierten Armutsquoten stammen aus Berlin und für ein einzelnes Jahr. Eine Entwicklung über die Zeit auf Bundesebene lässt sich daraus nicht ablesen.

Für die Praxis heißt das: Die 16,2 Millionen taugen als Größenordnung und als Einstieg in die Debatte. Für Aussagen über einzelne Zuwanderungsphasen oder über die Lage in einer bestimmten Region braucht es zusätzliche, regional und zeitlich passende Daten.

Quellen

  • STA Statistikbericht 2020
  • Gerull Lebenslagenuntersuchung 2025
  • schutzauftrag-kindeswohlgefaehrdung 2025
  • Arbeitsmarktbericht Juli 2026
  • statistik grundsicherung 20260803143257
  • Sozialgesetzbuch XII
  • Sozialgesetzbuch XI
  • Sozialgesetzbuch X
  • Sozialgesetzbuch VIII
  • Sozialgesetzbuch VII
  • Sozialgesetzbuch VI
  • Sozialgesetzbuch V

Häufige Fragen

Wie viele Menschen sind seit 1950 nach Deutschland eingewandert?+

16,2 Millionen Menschen, die heute in Deutschland leben, sind seit 1950 eingewandert. Das entspricht 19,3 Prozent der Bevölkerung. Die Zahl bezieht sich auf den gesamten Zeitraum seit 1950 und erfasst nur Personen, die selbst zugewandert sind – nicht ihre in Deutschland geborenen Kinder.

Wie viele Menschen in Deutschland haben eine Einwanderungsgeschichte?+

2023 hatten 25,2 Prozent der Bevölkerung – 21,2 Millionen Menschen – eine Einwanderungsgeschichte. Das bedeutet: Sie sind selbst eingewandert oder beide Elternteile sind eingewandert. Weitere 4,8 Prozent haben eine einseitige Einwanderungsgeschichte, bei ihnen ist nur ein Elternteil zugewandert.

Was ist der Unterschied zwischen Einwanderungsgeschichte und einseitiger Einwanderungsgeschichte?+

Von einer Einwanderungsgeschichte spricht man, wenn eine Person selbst eingewandert ist oder beide Elternteile eingewandert sind. Bei einer einseitigen Einwanderungsgeschichte ist nur ein Elternteil zugewandert. Bei 5,0 Millionen in Deutschland lebenden Personen waren beide Elternteile eingewandert.

Sind Eingewanderte stärker von Armut betroffen?+

Für Berlin liegen für 2023 entsprechende Zahlen vor: Eingewanderte Menschen hatten dort eine Armutsgefährdungsquote von rund 31 Prozent, Menschen mit zwei eingewanderten Elternteilen von rund 33 Prozent, Personen mit einem eingewanderten Elternteil von rund 21 Prozent. Diese Werte gelten für Berlin und sind kein Bundesdurchschnitt.

Wie viele Menschen sind seit 2004 aus der EU nach Deutschland eingewandert?+

Seit 2004 sind 11,5 Millionen Personen aus anderen EU-Mitgliedstaaten nach Deutschland eingewandert. Es handelt sich dabei um Zuzüge. Da EU-Binnenmigration häufig zeitlich befristet ist und viele Menschen wieder fortziehen, ist diese Zahl nicht mit einem dauerhaften Bevölkerungszuwachs gleichzusetzen.

Welche Rolle spielte die Zuwanderung aus der Ukraine 2022?+

2022 wurden rund 2,5 Millionen Zuzüge ausländischer Personen verzeichnet. Wichtigstes Herkunftsland war die Ukraine mit 1,096 Millionen Zuzügen. Die Bevölkerung in Deutschland stieg dadurch Ende 2022 auf 84,4 Millionen Menschen – rund 1,1 Millionen mehr als 2021.