ARMUTDEUTSCHLAND
Was sie bedeutet

Einkommen · Migration · Soziale Ungleichheit

Sozialbericht 2024

Einkommen, Migration und Ungleichheit.
27,5 % der Bevölkerung — und eine Lücke von 300 Euro.

Fast jeder dritte Mensch in Deutschland hat eine Einwanderungsgeschichte. Trotzdem klafft beim Haushaltseinkommen eine messbare Lücke — 1.700 Euro gegenüber 2.000 Euro im Median. Woher kommt dieser Abstand, wer ist am stärksten betroffen, und warum ist die Einkommenssituation von Menschen mit Migrationshintergrund auch eine demografische Schlüsselfrage?

Auf einen Blick

  • 23 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund leben in Deutschland — 27,5 % der Bevölkerung (2021).
  • Einkommenslücke im Median: 1.700 € (mit MH) vs. 2.000 € (ohne MH) Haushaltsnettoäquivalenzeinkommen.
  • Armutsrisiko: 25 % mit MH, 14 % ohne MH, 68 % bei Geflüchteten (2021).
  • Hochschulabschlüsse: nahezu identisch — 25 % (mit MH) vs. 26 % (ohne MH). Das Problem liegt anderswo.
  • Bis Mitte der 2030er steigt die Zahl der Rentner auf 20 Millionen — Zuwanderung wird systemrelevant.
  • Bei niedriger Zuwanderung könnte die Erwerbsbevölkerung um 4,8 Millionen sinken.

Wer über Einkommensungleichheit in Deutschland redet, kommt an einer Zahl nicht vorbei: 27,5 Prozent der deutschen Bevölkerung haben einen Migrationshintergrund. Das sind rund 23 Millionen Menschen — eine Gruppe, die größer ist als die Einwohnerzahl von Nordrhein-Westfalen. Ihre Einkommenssituation prägt die Einkommensstatistik des gesamten Landes. Und sie ist eng verknüpft mit einer der drängendsten gesellschaftlichen Fragen: Wie entwickelt sich das Verhältnis zwischen Erwerbsbevölkerung und Rentnern in einem Land, das älter wird?

Die Einkommenslücke zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund ist real — aber sie ist auch veränderbar. Verstehen, wo sie herkommt und warum sie besteht, ist die Voraussetzung dafür, sie zu schließen.

Die Einkommenslücke: 300 Euro im Median

Das Haushaltsnettoäquivalenzeinkommen ist das Maß, das Haushaltsgröße und -zusammensetzung berücksichtigt und so den verfügbaren Lebensstandard vergleichbar macht. Im Jahr 2021 lag dieser Wert im Median bei Menschen mit Migrationshintergrund bei 1.700 Euro monatlich — bei Menschen ohne Migrationshintergrund bei 2.000 Euro. Eine Lücke von 300 Euro, also 15 Prozent.

Das klingt nach einer moderaten Differenz. Aber 300 Euro im Monat sind für Haushalte im unteren Einkommenssegment keine abstrakte Zahl — sie entscheiden über Miete, Lebensmittel, Teilhabe. Und der Median verbirgt, wie weit die Realitäten innerhalb der Gruppe auseinanderliegen: Menschen mit Migrationshintergrund aus westeuropäischen Ländern oder mit akademischen Berufen können deutlich über dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung liegen — während Geflüchtete oder Personen aus bestimmten Herkunftsgruppen weit darunter bleiben.

Wichtig zu verstehen: Die Einkommenslücke schließt sich mit zunehmender Aufenthaltsdauer. Bereits länger in Deutschland lebende Personen mit Migrationshintergrund erreichten 2021 im Mittel 86 bis 88 Prozent des Medians der Gesamtbevölkerung. Das ist kein Automatismus — es setzt Spracherwerb, Qualifikationsanerkennung und Arbeitsmarktzugang voraus. Aber es zeigt: Integration in den Einkommensbereich ist möglich und sie geschieht.

Was verhindert, dass sie schneller und vollständiger geschieht, ist eine andere Frage. Die Antwort liegt nicht in der Bildung — bei Hochschulabschlüssen sind Menschen mit und ohne Migrationshintergrund nahezu gleichauf. Das Problem liegt in der Anerkennung dieser Abschlüsse, in Diskriminierung bei Bewerbungsverfahren und in der überproportionalen Konzentration in Branchen mit strukturell niedrigen Löhnen.

Kurzantwort: Das Haushaltsnettoäquivalenzeinkommen liegt bei Menschen mit Migrationshintergrund im Median 300 Euro unter dem von Menschen ohne Migrationshintergrund (1.700 vs. 2.000 €, 2021). Diese Lücke schließt sich mit der Aufenthaltsdauer — bei länger Ansässigen auf 86–88 % des Gesamtmedians. Die Ursache liegt nicht in fehlenden Bildungsabschlüssen, sondern in strukturellen Zugangshürden.

Armutsrisiko nach Gruppe: eine stark gestaffelte Realität

Die Armutsrisikoquote — also der Anteil der Menschen, die unter 60 Prozent des medianen Äquivalenzeinkommens leben — verdichtet Einkommensbenachteiligung in einem einzigen Wert. Für das Jahr 2021 ergibt sich folgendes Bild:

Menschen ohne Migrationshintergrund: 14 Prozent Armutsrisiko. Menschen mit Migrationshintergrund: 25 Prozent. Geflüchtete: 68 Prozent. Das ist eine extreme Staffelung, die zeigt, wie sehr Ankunftsbedingungen, Aufenthaltsdauer und rechtlicher Status das Einkommensrisiko bestimmen.

Das Armutsrisiko von 68 Prozent bei Geflüchteten ist ein Extremwert — aber kein dauerhafter Zustand. Es ist das Ergebnis eines Zeitpunkts: Menschen, die gerade erst angekommen sind, die noch keinen Zugang zum Arbeitsmarkt haben, deren Sprachkenntnisse sich gerade aufbauen, und deren Qualifikationen noch nicht anerkannt sind. Mit zunehmender Aufenthaltsdauer sinkt dieser Wert erheblich. Das bedeutet nicht, dass die Situation harmlos ist — eine Armutsrisikoquote von 68 Prozent ist eine ernste Belastung für betroffene Menschen und für die Aufnahmegesellschaft. Es bedeutet, dass der Integrationsprozess Zeit braucht und strukturelle Unterstützung erfordert.

Zu beachten: Die hier zitierten Daten aus dem Sozioökonomischen Panel decken die Zeit bis 2021 ab. Die ukrainischen Geflüchteten, die ab 2022 in großer Zahl nach Deutschland kamen, sind in diesen Stichproben noch nicht vollständig erfasst. Ihre Einkommenssituation dürfte ähnlichen Mustern folgen — mit dem Unterschied, dass viele von ihnen höhere Bildungsabschlüsse mitbrachten und in einem anderen rechtlichen Status ankamen als frühere Geflüchtetengenerationen.

Kurzantwort: Das Armutsrisiko ist stark nach Migrationsstatus gestaffelt: 14 % (ohne MH), 25 % (mit MH), 68 % (Geflüchtete) im Jahr 2021. Der Extremwert bei Geflüchteten spiegelt den Ankunftszeitpunkt wider — er sinkt deutlich mit zunehmender Aufenthaltsdauer. Ukrainische Geflüchtete ab 2022 sind in diesen Daten noch nicht vollständig erfasst.

27,5 Prozent der Bevölkerung: eine wirtschaftliche Schlüsselgröße

Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund an der deutschen Bevölkerung — 27,5 Prozent — ist nicht nur eine Zahl zur gesellschaftlichen Zusammensetzung. Er ist eine wirtschaftliche Schlüsselgröße, die in den nächsten Jahren immer entscheidender werden wird. Der Grund liegt im demografischen Wandel.

Deutschland altert. Die Zahl der Menschen im Rentenalter — 67 Jahre und älter — wird von heute 16,4 Millionen auf mindestens 20 Millionen bis Mitte der 2030er Jahre steigen. Gleichzeitig könnte die Zahl der Menschen im Erwerbsalter (20 bis 66 Jahre) bei niedriger Nettozuwanderung (180.000 Personen jährlich) bis Mitte der 2030er um 4,8 Millionen sinken. Das ist ein massiver Einbruch der Erwerbsbasis — mit direkten Auswirkungen auf Beiträge zur Sozialversicherung, auf den Arbeitsmarkt und auf die Finanzierung des Rentensystems.

Zuwanderung ist unter diesen Bedingungen keine politische Option unter vielen — sie ist eine demografische Notwendigkeit. Bei moderater Nettozuwanderung von durchschnittlich 290.000 Personen pro Jahr würde die Bevölkerung bis 2031 auf 85 Millionen Menschen anwachsen. Bei niedriger Zuwanderung von 180.000 Personen jährlich würde sie bis 2070 auf 75 Millionen sinken. Der Unterschied — zehn Millionen Menschen — ist auch ein Unterschied in der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, in der Beitragsbasis der Sozialsysteme und in der gesellschaftlichen Innovationskraft.

In den 2050er und 2060er Jahren werden voraussichtlich zwischen sieben und zehn Millionen hochaltrige Menschen (80 Jahre und älter) in Deutschland leben — mehr als doppelt so viele wie heute. Diese Gruppe braucht Pflege, Unterstützung und Gesundheitsversorgung. Wer diese Arbeit leisten wird, steht in direktem Zusammenhang mit der Frage, wie gut die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in den Arbeitsmarkt gelingt — heute, in zehn Jahren, in zwanzig Jahren.

Die Einkommenssituation von Menschen mit Migrationshintergrund ist deshalb kein isoliertes Wohlfahrtsproblem. Sie ist eine zentrale Variable in der Frage, wie stabil und leistungsfähig das deutsche Sozialsystem in einer alternden Gesellschaft bleibt.

Kurzantwort: Die Erwerbsbevölkerung schrumpft: Bei niedriger Zuwanderung könnten bis Mitte der 2030er 4,8 Millionen Erwerbspersonen fehlen, während die Zahl der Rentner auf 20 Millionen steigt. Bis 2070 könnten je nach Zuwanderungsszenario 75–85 Millionen Menschen in Deutschland leben. Zuwanderung ist damit eine wirtschaftliche Notwendigkeit — und die erfolgreiche Einkommensintegration von Migrantinnen und Migranten eine Systemfrage.

Einkommensungleichheit: Ost und West, und eine gemeinsame Herausforderung

Die Einkommensungleichheit in Deutschland hat mehrere Dimensionen. Die bekannteste ist der Ost-West-Unterschied: Trotz erheblicher Annäherung seit der Wiedervereinigung bestehen weiterhin messbare Einkommensabstände zwischen den Bundesländern. In ostdeutschen Bundesländern sind die mittleren Einkommen systematisch niedriger als im Westen — was auch erklärt, warum bestimmte Armutsrisikoquoten dort höher ausfallen.

Innerhalb dieser regionalen Ungleichheit verläuft eine zweite Dimension: die Einkommenssituation nach Migrationsstatus. Die Einkommensverteilung von Menschen mit Migrationshintergrund wird durch die Wechselwirkung beider Faktoren geprägt. In städtischen Ballungsräumen mit hohem Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund — wie Berlin, Hamburg, Frankfurt oder München — zeigen sich spezifische Muster: höhere Lebenshaltungskosten, stärkere räumliche Konzentration von Armut in bestimmten Stadtteilen, aber auch bessere Zugänge zu Arbeitsmarkt und Bildungseinrichtungen.

Einkommensungleichheit ist in Deutschland nicht statisch. Sie verändert sich — durch wirtschaftliche Konjunktur, durch politische Entscheidungen, durch Zuwanderung, durch Demographiewandel. Die Entwicklung der Einkommenslücke zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund ist dabei ein Indikator für die Geschwindigkeit und Qualität der Integration: Schließt sie sich, gelingt Integration wirtschaftlich. Bleibt sie konstant oder wächst sie, gibt es strukturelle Hindernisse, die politischer Intervention bedürfen.

Für ältere Menschen mit Migrationshintergrund ist die Einkommenssituation besonders kritisch. Gesetzliche Renten und soziale Sicherungsleistungen decken oft nicht alle Lebenskosten — besonders dann nicht, wenn die Erwerbsbiografie durch Unterbrechungen, Niedriglohnphasen oder fehlende Rentenzeiten geprägt war. Wer jahrzehntelang in einkommensschwachen Positionen gearbeitet hat, trägt diesen Nachteil in die Rente. Altersarmut ist für Menschen mit Migrationshintergrund deshalb ein erhöhtes Risiko — ein Risiko, das sich heute aufbaut und erst in zehn oder zwanzig Jahren vollständig sichtbar wird.

Kurzantwort: Einkommensungleichheit in Deutschland hat mehrere Schichten: regional (Ost-West), sozial (nach Bildung und Beruf) und nach Migrationsstatus. Die Einkommenslücke zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund ist ein Indikator für den Integrationserfolg. Für Ältere mit MH ist das Altersarmutsrisiko erhöht — weil niedrige Erwerbseinkommen sich in niedrige Renten übersetzen.

Was Einkommensintegration ermöglicht — und was sie blockiert

Einkommensintegration ist kein Selbstläufer. Sie entsteht nicht einfach dadurch, dass Menschen in Deutschland leben. Sie braucht konkrete Bedingungen — und scheitert an konkreten Hindernissen.

Was nachweislich wirkt: Sprachkompetenz. Menschen mit Migrationshintergrund, die gut Deutsch sprechen, haben deutlich bessere Arbeitsmarktchancen und höhere Einkommen. 83 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund schätzen ihre Sprechfähigkeiten als gut oder sehr gut ein — bei der jungen Nachkommen-Generation sind es 98 Prozent. Das ist eine starke Basis. Was fehlt, sind oft die Brücken: Berufsbegleitende Sprachkurse, schnellere Anerkennungsverfahren für Qualifikationen, diskriminierungsfreie Bewerbungsverfahren.

Was blockiert: Die Nicht-Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse ist ein massives strukturelles Problem. Wer einen Ingenieursstudiengang in einem Nicht-EU-Land abgeschlossen hat, kann oft jahrelang nicht in seinem Beruf arbeiten — und arbeitet stattdessen in ungelernten Tätigkeiten mit entsprechend niedrigen Löhnen. Das drückt das Haushaltseinkommen, erhöht das Armutsrisiko und verschwendet gesellschaftlich wertvolles Humankapital.

Hinzu kommt strukturelle Diskriminierung: Bewerbungen mit nicht deutschen Namen erhalten nachweislich seltener Einladungen zu Vorstellungsgesprächen — bei gleichwertigen Qualifikationen. Diese Praxis ist nicht nur moralisch inakzeptabel, sie ist auch ökonomisch irrational: Sie hält qualifizierte Menschen aus Jobs heraus, für die sie geeignet wären. Das schwächt den Arbeitsmarkt — gerade in einer Zeit, in der Fachkräftemangel und alternde Belegschaften zu den größten wirtschaftlichen Herausforderungen gehören.

Für Betroffene, die trotz Beschäftigung in Armut leben, stehen verschiedene Unterstützungsangebote zur Verfügung: ergänzende Grundsicherungsleistungen, Beratung zur Abschlusserkennung bei der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB), Migrationsberatungsstellen der großen Wohlfahrtsverbände (Caritas, Diakonie, AWO) — oft mehrsprachig zugänglich.

Kurzantwort: Einkommensintegration gelingt durch Spracherwerb, Abschlusserkennung und diskriminierungsfreie Zugänge. Was sie blockiert: fehlende Anerkennungsverfahren, Diskriminierung bei Bewerbungen und strukturelle Konzentration auf Niedriglohnbranchen. Beratung bieten Migrationsberatungsstellen der Wohlfahrtsverbände und die ZAB.

Quellenangabe

Sozialbericht 2024 der Bundesregierung · Bereitsteller: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) · Originaldatensatz · Daten wurden für diese Seite redaktionell bearbeitet und aufbereitet.

Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Namensnennung – Version 2.0 (dl-de/by-2-0)

Weitere Quellen: Mikrozensus 2021 (Statistisches Bundesamt); SOEP v38.1 (DIW Berlin / WZB); Angaben zu Geflüchteten: IAB-BAMF-SOEP-Befragung. Datengrundlage für Geflüchtete endet 2021 (Ukrainer ab 2022 noch nicht vollständig erfasst).

Stand: 2024

Häufige Fragen

Wie groß ist die Einkommenslücke zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund?+

Im Median verfügen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland über ein Haushaltsnettoäquivalenzeinkommen von 1.700 Euro monatlich — gegenüber 2.000 Euro bei Menschen ohne Migrationshintergrund. Das ist eine Lücke von 300 Euro oder 15 Prozent. Wichtig: Dieser Abstand schließt sich mit zunehmender Aufenthaltsdauer. Personen, die schon länger in Deutschland leben, erreichen im Durchschnitt rund 86 bis 88 Prozent des Medians der Gesamtbevölkerung.

Wie viele Menschen mit Migrationshintergrund leben in Deutschland?+

Laut Mikrozensus 2021 lebten rund 23 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland — das entspricht etwa 27,5 Prozent der Gesamtbevölkerung. Fast jeder dritte Mensch in Deutschland hat also eine Einwanderungsgeschichte. Diese Gruppe ist nicht homogen: Sie umfasst eingebürgerte Deutsche, Ausländerinnen und Ausländer, Spätaussiedler und Geflüchtete — mit sehr unterschiedlichen Einkommenssituationen.

Warum ist das Armutsrisiko bei Geflüchteten mit 68 % so hoch?+

Geflüchtete stehen beim Ankommen in Deutschland vor einem Bündel gleichzeitiger Hürden: eingeschränkter Arbeitsmarktzugang in den ersten Jahren, fehlende Sprachkenntnisse, nicht anerkannte Qualifikationen, unterbrochene Erwerbsbiografien. Das Armutsrisiko sinkt mit der Aufenthaltsdauer erheblich — der Ausgangspunkt ist aber so hoch, dass selbst deutliche Verbesserungen die Gruppe noch weit über dem Bevölkerungsdurchschnitt lassen. Die Daten des Sozioökonomischen Panels decken die Ukraine-Geflüchteten, die ab 2022 nach Deutschland kamen, noch nicht ab.

Was hat demografischer Wandel mit Einkommensungleichheit bei Migranten zu tun?+

Sehr viel. Deutschland wird in den nächsten Jahren mit einem massiven Rückgang der Erwerbsbevölkerung konfrontiert: Die Zahl der Menschen im Rentenalter steigt bis Mitte der 2030er auf mindestens 20 Millionen, während die Zahl der 20- bis 66-Jährigen bei niedriger Zuwanderung um bis zu 4,8 Millionen sinken könnte. Zuwanderung ist damit nicht nur ein soziales Thema — sie ist eine wirtschaftliche Notwendigkeit, um die Sozialsysteme zu stabilisieren.

Warum haben Menschen mit Migrationshintergrund trotz ähnlicher Bildung geringere Einkommen?+

Bei Hochschulabschlüssen sind Menschen mit und ohne Migrationshintergrund nahezu gleichauf — 25 vs. 26 Prozent. Der Einkommensabstand entsteht also nicht primär durch fehlende Bildung, sondern durch strukturelle Barrieren: Nicht-Anerkennung ausländischer Abschlüsse, Diskriminierung bei Bewerbungen, überproportionale Konzentration in einkommensschwachen Branchen und fehlenden Zugang zu beruflichen Netzwerken. Das ist ein systemisches Problem, kein individuelles.