Integration und Ausbildung

Ausländische Auszubildende in Deutschland: Mehr Vielfalt in der Berufsausbildung

Der Anteil ausländischer Auszubildender im dualen System ist seit 2012 um rund sechs Prozentpunkte gestiegen. Hinter dieser Zahl stehen junge Menschen aus der zweiten und dritten Einwanderergeneration, Geflüchtete und Zugewanderte — und die Frage, ob das Ausbildungssystem tatsächlich für alle offen ist.

Schlüsselzahlen

+6 PP
Anstieg des Anteils ausländischer Auszubildender seit 2012 — rund 6 Prozentpunkte Zuwachs
~1 Mio.
Ukrainische Schutzsuchende in Deutschland Ende 2023 — zunehmend in Ausbildung und Beschäftigung
Sprache
Deutschkenntnisse sind die wichtigste Hürde für den Einstieg in die duale Berufsausbildung
2. Gen.
Viele "ausländische Auszubildende" sind in Deutschland aufgewachsen — aber haben keine deutsche Staatsangehörigkeit

Wer in Deutschland eine Berufsausbildung absolviert, ist nicht zwingend deutsch. Rund 6 Prozentpunkte mehr ausländische Auszubildende als noch 2012 — das klingt nach einer kleinen Zahl, ist aber eine relevante Verschiebung in einem System, das lange als weitgehend geschlossen für Neuzugewanderte galt. Hinter dem Begriff "ausländische Auszubildende" verbirgt sich eine sehr heterogene Gruppe: Menschen der zweiten oder dritten Einwanderergeneration, die in Deutschland aufgewachsen sind, aber die Staatsangehörigkeit ihrer Herkunftsfamilien behalten haben. Junge Menschen, die als Asylsuchende oder Geflüchtete nach Deutschland gekommen sind. Und Zugewanderte, die gezielt nach Deutschland kommen, um hier eine Ausbildung zu absolvieren.

Wer zählt als ausländischer Auszubildender?

Kurzantwort: Als ausländisch gilt in der deutschen Ausbildungsstatistik, wer keine deutsche Staatsangehörigkeit besitzt — unabhängig davon, ob man in Deutschland aufgewachsen ist. Das bedeutet: Viele "ausländische Auszubildende" sind de facto Inländer, die seit Jahrzehnten hier leben, zur Schule gegangen sind und kulturell vollständig integriert sind.

Die Kategorie "ausländische Auszubildende" ist statistisch klar, aber soziologisch unscharf. Sie fasst sehr unterschiedliche Lebensrealitäten zusammen. Ein junger Mann, dessen Eltern in den 1970er Jahren im Rahmen des Anwerbeabkommens nach Deutschland kamen und der selbst in Bayern geboren und aufgewachsen ist, wird in der Statistik als "ausländisch" geführt — wenn er die Staatsangehörigkeit seiner Eltern behalten hat oder behalten musste. Eine junge Frau, die 2015 als Geflüchtete nach Deutschland kam, wird ebenfalls als "ausländisch" gezählt — mit ganz anderen Voraussetzungen für den Einstieg in die Ausbildung.

Diese Heterogenität ist wichtig zu verstehen, wenn man über die Chancen und Hürden ausländischer Auszubildender spricht. Die Zweite und Dritte Generation kennt das System, spricht Deutsch, hat eine Schulbiografie in Deutschland — und steht dennoch vor strukturellen Benachteiligungen auf dem Ausbildungsmarkt. Erstgenerationsmigranten und Geflüchtete stehen vor anderen, oft größeren Hürden.

Der Anstieg: Was ihn erklärt

Kurzantwort: Der gestiegene Anteil ausländischer Auszubildender hat mehrere Ursachen: der demographische Wandel und der zunehmende Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund in der Bevölkerung, die stärkere Öffnung des Ausbildungsmarkts durch rechtliche Reformen, und der Zuzug von Geflüchteten seit 2015, von denen ein Teil inzwischen in Ausbildung eingemündet ist.

Seit 2012 ist der Anteil ausländischer Auszubildender um rund sechs Prozentpunkte gestiegen. Diese Entwicklung hat mehrere Ursachen. Erstens: Die Bevölkerung in Deutschland ist vielfältiger geworden. Der Anteil von Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit ist gestiegen — sowohl durch Zuwanderung als auch dadurch, dass viele in Deutschland Geborene die deutsche Staatsangehörigkeit nicht erwerben. Damit steigt auch der Pool potenzieller ausländischer Auszubildender.

Zweitens: Rechtliche Hürden für den Ausbildungszugang wurden in den letzten Jahren gesenkt. Asylsuchende und Geduldete können unter bestimmten Voraussetzungen eine Ausbildung beginnen — und erhalten dabei besonderen Schutz vor Abschiebung. Diese sogenannte "3+2-Regelung" ermöglicht es, während der Ausbildung und danach im Land zu bleiben. Sie hat dazu beigetragen, dass mehr Geflüchtete den Weg in die Ausbildung gefunden haben.

Ukraine-Flüchtlinge: neue Dynamik seit 2022

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat ab 2022 eine neue Fluchtbewegung ausgelöst. Ende 2023 hielten sich rund eine Million ukrainische Schutzsuchende in Deutschland auf — fast ein Drittel aller Schutzsuchenden. Im Unterschied zu früheren Fluchtbewegungen haben Ukrainerinnen und Ukrainer sofortigen Zugang zum deutschen Arbeits- und Ausbildungsmarkt erhalten. Eine wachsende Zahl von ihnen beginnt eine Berufsausbildung oder tritt direkt in den Arbeitsmarkt ein.

Diese Gruppe bringt besondere Voraussetzungen mit: Viele haben in der Ukraine eine solide Schulbildung absolviert, manche haben bereits Berufsabschlüsse. Die größte Hürde ist die Sprache — Deutsch ist für die meisten eine neue Sprache, und ein dualer Ausbildungsplatz erfordert in der Regel ausreichende Deutschkenntnisse. Intensivkurse und begleitende Sprachförderung sind daher entscheidend für den Integrationserfolg.

Die Hürden: Was den Einstieg erschwert

Kurzantwort: Die wichtigste Hürde für ausländische Auszubildende ist die Sprache. Dazu kommen: fehlende Kenntnisse über das deutsche Ausbildungssystem, Schwierigkeiten bei der Anerkennung ausländischer Schulabschlüsse, Diskriminierung auf dem Ausbildungsmarkt und in manchen Fällen aufenthaltsrechtliche Unsicherheiten.

Wer als ausländischer Jugendlicher in Deutschland eine Ausbildung beginnen möchte, steht oft vor einem komplexen Hindernisparcours. Die Sprachkompetenz ist die zentrale Voraussetzung. Betriebe erwarten in der Regel Deutschkenntnisse auf einem Niveau, das für viele Neuzugewanderte erst nach intensiven Sprachkursen erreichbar ist. Berufsvorbereitende Maßnahmen und berufsbegleitende Sprachförderung existieren — aber sie sind regional ungleich verteilt und nicht immer ausreichend.

Anerkennung ausländischer Abschlüsse

Für viele Zugewanderte, die bereits im Herkunftsland eine Berufsausbildung oder sogar ein Studium absolviert haben, stellt die Anerkennung ihrer Abschlüsse ein erhebliches Problem dar. Das deutsche Anerkennungsverfahren ist bürokratisch, langwierig und nicht immer mit Erfolg verbunden. Wer keine Anerkennung erhält, kann gezwungen sein, eine Ausbildung von Grund auf zu wiederholen — oder landet in einem Beruf unterhalb seiner Qualifikation.

Anerkennungsberatungsstellen existieren und helfen dabei, den Weg durch diesen Prozess zu navigieren. Aber sie sind nicht überall niedrigschwellig zugänglich, und die Wartezeiten bei den zuständigen Stellen können lang sein. Für Menschen in einer ohnehin prekären Lebenssituation ist das eine erhebliche Belastung.

Diskriminierung auf dem Ausbildungsmarkt

Studien belegen: Bewerberinnen und Bewerber mit ausländisch klingenden Namen erhalten bei gleicher Qualifikation seltener eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Diese Form der Diskriminierung ist auf dem Ausbildungsmarkt gut dokumentiert. Jugendliche mit Migrationshintergrund müssen im Schnitt mehr Bewerbungen schreiben als Jugendliche ohne Migrationshintergrund, um die gleiche Anzahl von Einladungen zu bekommen. Das kostet Zeit, Motivation und hinterlässt Spuren — auch in der späteren Berufswahl.

Ausbildungsabbrüche als Signal: Ausländische Auszubildende brechen ihre Ausbildung etwas häufiger ab als deutsche Auszubildende. Das liegt nicht an mangelnder Motivation — sondern an strukturellen Belastungen: Sprachschwierigkeiten im Berufsalltag, mangelnde Unterstützung im Betrieb, finanzielle Engpässe und kulturelle Missverständnisse. Abbrüche sind oft vermeidbar, wenn frühzeitig Unterstützung angeboten wird.

Integration über Ausbildung: der wichtigste Weg

Kurzantwort: Eine abgeschlossene Berufsausbildung ist der wirksamste Weg zur dauerhaften Arbeitsmarktintegration für Zugewanderte und Geflüchtete. Wer eine Ausbildung abschließt, hat langfristig deutlich bessere Einkommensperspektiven und ein erheblich geringeres Armutsrisiko — für sich selbst und für die nächste Generation.

Die Berufsausbildung ist für viele Zugewanderte und Geflüchtete der entscheidende Schritt in ein stabiles Leben in Deutschland. Wer eine anerkannte Berufsausbildung abschließt, hat Zugang zu regulären Arbeitsverhältnissen, Sozialversicherungsschutz, Rentenansprüchen und einem Einkommen, das eine eigenständige Lebensführung ermöglicht. Die Alternative — ungelernte oder angelernte Tätigkeiten in prekären Verhältnissen — bedeutet dauerhaft niedriges Einkommen, hohes Armutsrisiko und geringe soziale Teilhabe.

Für die Zweite Generation ist die Ausbildung häufig der Moment, in dem sich soziale Mobilität entscheidet. Kinder von Einwanderern, die selbst eine Berufsausbildung abschließen, haben statistisch deutlich bessere Einkommensperspektiven als ihre Eltern. Sie verlassen das Einkommenssegment, in dem viele Einwandererfamilien gestrandet sind — niedriglohnige, körperlich belastende, sozial wenig abgesicherte Arbeit.

Branchen und Berufsfelder

Kurzantwort: Ausländische Auszubildende sind besonders stark in Gastronomie, Baugewerbe, Logistik, Reinigung und Lebensmittelhandwerk vertreten. Das sind Branchen mit niedrigem Sozialprestige und teils schlechten Arbeitsbedingungen — aber auch Branchen, die tatsächlich ausbilden und Chancen bieten.

Die Branchenverteilung ausländischer Auszubildender zeigt ein deutliches Muster. Sie sind überproportional häufig in der Gastronomie, im Baugewerbe, in der Logistik, im Lebensmitteleinzelhandel und in Reinigungsberufen zu finden. Das sind Sektoren, die auf Arbeitskräfte angewiesen sind und weniger wählerisch bei der Auswahl von Auszubildenden sind — was für Jugendliche, die auf anderen Wegen keine Chancen bekommen, eine reale Möglichkeit eröffnet.

Gleichzeitig sind das Branchen, in denen Entlohnung und Arbeitsbedingungen oft schwieriger sind als in Industrieberufen oder kaufmännischen Berufen. Wer in diesen Sektoren ausgebildet wird, startet auf einem anderen Niveau als jemand, der eine Ausbildung zum Industriemechaniker oder Bankkaufmann absolviert. Das spiegelt sich in Einkommen, Rentenansprüchen und Aufstiegschancen wider.

Die Erfolgsgeschichten der zweiten Generation

Es gibt sie: junge Menschen, deren Eltern als Gastarbeiter, Geflüchtete oder Arbeitsmigranten nach Deutschland kamen — und die selbst eine qualifizierte Ausbildung abgeschlossen haben. Sie verdienen mehr als ihre Eltern, haben stabilere Arbeitsverhältnisse, weniger Armutsrisiko. Für sie war die Berufsausbildung ein echter sozialer Aufstieg. Diese Erfolgsgeschichten sind real — aber sie erfordern, dass das System funktioniert: dass Ausbildungsplätze zugänglich sind, dass Sprache kein unüberwindbares Hindernis ist, dass Diskriminierung nicht den Weg versperrt.

Ausländische Auszubildende: Hürden und Hebel

Sprache
Wichtigste Hürde — Sprachförderung begleitend zur Ausbildung entscheidend
Anerkennung
Ausländische Abschlüsse müssen oft aufwendig anerkannt werden
Diskriminierung
Belegt: ausländische Namen erhalten weniger Einladungen zum Gespräch
3+2-Regelung
Schutz vor Abschiebung während und nach der Ausbildung für Geduldete
Ukraine 2022+
Sofortiger Arbeitsmarktzugang — wachsende Gruppe in Ausbildung

Häufige Fragen zu ausländischen Auszubildenden in Deutschland

Wie viele ausländische Auszubildende gibt es in Deutschland?

Der Anteil ausländischer Auszubildender im dualen System ist seit 2012 um rund sechs Prozentpunkte gestiegen. Zur Gruppe gehören Menschen der zweiten und dritten Einwanderergeneration, Geflüchtete und Zugewanderte — also eine sehr heterogene Gruppe mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen und Lebensrealitäten.

Dürfen Geflüchtete in Deutschland eine Ausbildung machen?

Ja, unter bestimmten Voraussetzungen. Asylsuchende und Geduldete können eine Berufsausbildung beginnen und profitieren dabei von der sogenannten 3+2-Regelung: Schutz vor Abschiebung während der Ausbildung und für zwei weitere Jahre danach, wenn sie anschließend in ihrem Ausbildungsberuf beschäftigt sind.

Was ist die größte Hürde für ausländische Auszubildende?

Deutschkenntnisse sind die wichtigste Hürde. Duale Ausbildungsplätze erfordern ausreichende Sprachkompetenz — für den betrieblichen Alltag und die Berufsschule. Daneben spielen Diskriminierung bei Bewerbungen, fehlende Kenntnisse über das Ausbildungssystem, und aufenthaltsrechtliche Unsicherheiten eine Rolle.

Warum brechen ausländische Auszubildende häufiger ab?

Abbrüche sind etwas häufiger als bei deutschen Auszubildenden. Die Ursachen sind strukturell: Sprachschwierigkeiten im Arbeitsalltag, mangelnde betriebliche Unterstützung, finanzielle Belastungen und kulturelle Missverständnisse. Frühzeitige Begleitung kann Abbrüche in vielen Fällen verhindern.

In welchen Branchen arbeiten ausländische Auszubildende besonders häufig?

Besonders häufig in Gastronomie, Baugewerbe, Logistik, Reinigung und Lebensmittelhandwerk. In industriellen und kaufmännischen Berufen sind sie unterrepräsentiert. Die Branchenverteilung spiegelt teils strukturelle Benachteiligung auf dem Ausbildungsmarkt wider.

Wie verändert eine abgeschlossene Ausbildung die Lebenschancen von Zugewanderten?

Eine abgeschlossene Berufsausbildung ist der wirksamste Weg zur dauerhaften Arbeitsmarktintegration. Wer eine Ausbildung abschließt, hat Zugang zu regulären Arbeitsverhältnissen, Sozialversicherungsschutz und stabilem Einkommen — und ein erheblich geringeres Armutsrisiko als in ungelernten Tätigkeiten. Für die zweite Generation bedeutet das oft den entscheidenden Schritt aus dem Niedriglohnbereich der Eltern.