Migration & Armut

Geografische Herkunft und Armut: Warum Einwanderer aus Afrika das hoechste Armutsrisiko tragen

Nicht alle Menschen mit Einwanderungsgeschichte sind in Deutschland gleich von Armut bedroht. Je nach Herkunftsregion unterscheidet sich die wirtschaftliche Lage erheblich. Menschen mit Wurzeln in Afrika gehoeren dabei zu den am staerksten gefaehrdeten Gruppen — nicht weil es so sein muss, sondern weil strukturelle Bedingungen es dazu machen.

Schluesselzahlen auf einen Blick

21,2 Mio.
Menschen in Deutschland haben eine Einwanderungsgeschichte — das ist jeder vierte Einwohner
24,3 %
Armutsgefaehrdungsquote bei Menschen mit Einwanderungsgeschichte — mehr als doppelt so hoch wie bei Menschen ohne
69,2 %
Erwerbstaetigenquote bei Eingewanderten — gegenueber 81 % bei Menschen ohne Einwanderungsgeschichte
50 %
Eingewanderte aus Europa (ohne EU) und Afrika haben haeufig keine abgeschlossene Berufsausbildung
61,6 %
Erwerbstaetigenquote bei Menschen mit Einwanderungsgeschichte aus Nord- und Suedamerika — hoechster Wert aller Herkunftsregionen

Warum die Herkunftsregion das Armutsrisiko so stark beeinflusst

Wer in Deutschland von Armut bedroht ist, haengt von vielen Faktoren ab — von Bildung, Alter, Familienstruktur, Wohnort. Aber ein Faktor wird in der oeffentlichen Debatte selten so praezise betrachtet wie das Herkunftsland: Woher jemand stammt, bestimmt in Deutschland in erheblichem Mass, wie gut der Einstieg in den Arbeitsmarkt gelingt, welche Qualifikationen anerkannt werden und wie gross die Gefahr ist, in Armut zu geraten.

Insgesamt haben rund 21,2 Millionen Menschen in Deutschland eine Einwanderungsgeschichte — das entspricht etwa einem Viertel der Gesamtbevoelkerung. Diese Gruppe ist keine homogene Masse. Sie umfasst EU-Buerger, die freizuegig zugewandert sind, Fachkraefte aus Fernost, Familienmitglieder, die nachgezogen sind, Schutzsuchende aus Kriegsgebieten und viele andere. Die wirtschaftliche Lage dieser Menschen unterscheidet sich je nach Herkunftsregion drastisch.

Besonders deutlich zeigt sich dieser Unterschied, wenn man die Erwerbstaetigenquoten vergleicht: Waehrend Menschen mit Wurzeln in der EU oder aus Nord- und Suedamerika zu ueber 60 Prozent einer bezahlten Arbeit nachgehen, liegt dieser Anteil bei Eingewanderten aus dem Nahen und Mittleren Osten sowie aus Afrika deutlich niedriger. Und wer nicht erwerbstaetig ist, hat ein wesentlich hoeheres Risiko, in Armut zu leben oder auf staatliche Leistungen angewiesen zu sein.

Kurzantwort: Die Herkunftsregion ist in Deutschland ein massgeblicher Faktor fuer das Armutsrisiko. Menschen mit Wurzeln in der EU oder den Amerikas gehen deutlich haeufiger einer Erwerbstaetigkeit nach als jene aus Afrika oder dem Nahen Osten. Die Unterschiede erklaeren sich nicht durch persoenliche Eigenschaft, sondern durch strukturelle Bedingungen wie Einwanderungsgrund, Qualifikationsanerkennung und Diskriminierung am Arbeitsmarkt.

Das Herkunftsprofil der in Deutschland lebenden Eingewanderten

Knapp ein Drittel aller Menschen mit Einwanderungsgeschichte, die 2023 in Deutschland lebten, stammte aus EU-Mitgliedstaaten. Die groessten Gruppen sind dabei Polen, Rumaenen und Italiener, gefolgt von Griechen und Kroaten. Diese Menschen kamen in der Regel als Arbeitsmigrantinnen und -migranten, haeufig mit konkreten Jobangeboten oder in gut etablierten Netzwerken.

Weitere rund 34 Prozent stammen aus europaeischen Laendern ausserhalb der EU. Darunter sind Menschen aus der Tuerkei — seit den 1960er Jahren die groesste nicht-EU-Gruppe in Deutschland —, aus Russland, der Ukraine, dem Kosovo, Bosnien-Herzegowina und Serbien. Besonders die Tuerkei mit fast 12 Prozent Anteil praegte ueber Jahrzehnte das Bild der Arbeitsmigration nach Deutschland.

Rund ein Fuenftel kommt aus dem Nahen und Mittleren Osten. Diese Gruppe ist stark durch Fluchtmigration gepraegte, vor allem aus Syrien und Afghanistan. Kasachstan spielt ebenfalls eine bedeutende Rolle, da viele Spaetaussiedlerinnen und Spaetaussiedler von dort stammen. Menschen mit afrikanischen Wurzeln machen zwar einen kleineren Anteil der Gesamtgruppe aus, gehoeren aber zu den am staerksten von Armut bedrohten.

Steckbrief: Herkunftsregionen mit Einwanderungsgeschichte in Deutschland (2023)

Definition
Als Einwanderungsgeschichte gilt: eigene Einwanderung seit 1950 oder beide Elternteile eingewandert
EU-Staaten
30,4 % (Polen 9,2 %, Rumaenien 5,1 %, Italien 3,2 %)
Europa ausserhalb EU
34,1 % (Tuerkei 11,8 %, Russland 6,5 %, Ukraine 4,8 %)
Naher und Mittlerer Osten
19,1 % (vorwiegend Syrien, Afghanistan, Kasachstan)
Haeufiges Missverstaendnis
Nicht alle Eingewanderten sind gleich arm — die Herkunftsregion ist entscheidender als der Migrationsstatus allein
Kurzantwort: Die groessten Gruppen mit Einwanderungsgeschichte in Deutschland kommen aus der EU (30,4 %), aus europaeischen Nicht-EU-Laendern (34,1 %) und dem Nahen Osten (19,1 %). Menschen mit afrikanischer Herkunft sind zahlenmassig kleiner, tragen aber ueberproportional haeufig das Risiko wirtschaftlicher Ausgrenzung.

Qualifikation und Bildung: Welche Herkunftsregionen profitieren, welche verlieren

Bildung ist der wichtigste Hebel gegen Armut — das gilt fuer alle Bevoelkerungsgruppen. Doch gerade bei Eingewanderten zeigen sich je nach Herkunftsregion erhebliche Unterschiede, die oft mit dem Bildungssystem des Herkunftslandes, der Anerkennung von Abschluessen in Deutschland und dem Zeitpunkt der Einwanderung zusammenhaengen.

Menschen mit nord- oder suedamerikanischer Einwanderungsgeschichte haben besonders oft einen akademischen Abschluss — mehr als die Haelfte von ihnen verzeichnet einen Hochschulabschluss. Aehnlich gut sieht es bei Eingewanderten aus dem Fernen Osten aus, wo rund zwei Fuenftel akademisch ausgebildet sind. Zum Vergleich: Bei Menschen mit Wurzeln in Europa oder dem Nahen und Mittleren Osten hat jeweils nur etwa ein Fuenftel einen Hochschulabschluss.

Fuer Menschen mit Einwanderungsgeschichte aus Afrika und dem europaeischen Nicht-EU-Raum ist die Situation besonders herausfordernd: Rund die Haelfte dieser Gruppen hat keine abgeschlossene Berufsausbildung. Bei Zugewanderten aus EU-Mitgliedstaaten betrifft das mit knapp 36 Prozent deutlich weniger Menschen. Eine fehlende oder nicht anerkannte Berufsqualifikation bedeutet in Deutschland oft: niedrigere Lohne, weniger stabile Beschaeftigung und ein deutlich erhoehtes Armutsrisiko.

Zeitpunkt der Einwanderung beeinflusst das Bildungsniveau

Ein interessanter Befund: Je spaeter jemand nach Deutschland eingewandert ist, desto wahrscheinlicher hat diese Person das Abitur oder einen vergleichbaren Abschluss. Bei Eingewanderten, die vor 1980 kamen, hatte nur jede vierte Person das Abitur. Bei jenen, die ab 2010 zuwanderten, liegt dieser Anteil bei rund der Haelfte. Das zeigt, dass juengere Einwanderungswellen bildungsintensiver sind — auch wenn die Anerkennung dieser Bildungsabschluesse haeufig an buerokratischen Huerden scheitert.

Das Durchschnittsalter sagt ebenfalls viel aus: Wer vor 1980 kam, ist heute im Schnitt 57 Jahre alt — steht also kurz vor oder schon im Rentenalter. Wer zwischen 2020 und 2023 zuwanderte, ist im Schnitt 37 Jahre jung und hat noch einen grossen Teil des Erwerbslebens vor sich. Das verdeutlicht, wie vielschichtig die Gruppe der Eingewanderten ist.

Wichtiger Hinweis: Fehlende Qualifikationsanerkennung ist eine der zentralen Armutsursachen bei Eingewanderten. Viele Menschen bringen im Ausland erworbene Berufs- oder Hochschulabschluesse mit, die in Deutschland nicht oder nur teilweise anerkannt werden. Beratungsstellen wie die Anerkennungsberatung des IQ-Netzwerks helfen bei diesem Prozess — unabhaengig von Herkunft und Aufenthaltsstatus.

Kurzantwort: Eingewanderte aus den Amerikas und Fernost haben besonders haeufig akademische Abschluesse und damit gute Voraussetzungen am deutschen Arbeitsmarkt. Eingewanderte aus Afrika und dem Nicht-EU-europaeischen Raum verzeichnen hohe Anteile ohne Berufsqualifikation, was das Armutsrisiko spuerbar erhoehte. Bildungsbezogene Ungleichheiten erklaeren sich nicht zuletzt durch Einwanderungsgrund und mangelhafte Anerkennungsprozesse.

Erwerbstaetigkeit: Welche Gruppen am Arbeitsmarkt ankommen

Der Arbeitsmarkt ist in Deutschland eng mit dem sozialen Status verknuepft. Wer erwerbstaetig ist, hat zumeist Zugang zu sozialer Absicherung, Rentenanspruechen und einem stabilen Einkommen. Wer keine Arbeit findet oder nur unterbezahlte Taetigkeit ausuebt, laeuft Gefahr, in die Armutsspirale zu geraten.

Menschen ohne Einwanderungsgeschichte gehen zu 81 Prozent einer bezahlten Beschaeftigung nach — ein hoher Wert, der das hohe Beschaeftigungsniveau in Deutschland widerspiegelt. Bei Eingewanderten insgesamt liegt diese Quote mit 69,2 Prozent spuerbar niedriger. Dieser Unterschied von knapp 12 Prozentpunkten ist bedeutsam, erklaert sich aber nicht allein durch mangelnde Bereitschaft oder Faehigkeit der Eingewanderten.

Die Gruende sind struktureller Natur: Sprachbarrieren, die fehlende Anerkennung auslaendischer Qualifikationen, Zugangsbeschraenkungen fuer bestimmte Aufenthaltstitel, Diskriminierung bei Bewerbungen und die schiere Schwierigkeit, in einem fremden Sozialsystem Fuss zu fassen — all das beeinflusst die Erwerbschancen. Hinzu kommt, dass die Einwanderungsmotive stark variieren: Wer als Fachkraft kommt, hat oft bereits einen Arbeitsvertrag. Wer als Schutzsuender kommt, muss erst ein aufwendiges Asylverfahren durchlaufen, bevor er in den Arbeitsmarkt eintreten kann.

Herkunftsregion und Erwerbstaetigkeit: Der Vergleich

Besonders hoch ist die Erwerbstaetigenquote bei Menschen mit Einwanderungsgeschichte aus EU-Laendern (rund 60 Prozent) und aus den Amerikas (rund 62 Prozent). Diese Gruppen kommen haeufig mit konkreten Arbeitsambitionen und profitieren oft von sprachlicher Naehe oder gut etablierten Migrationsnetzwerken.

Bei Menschen mit Wurzeln in Afrika und dem Nahen Osten ist die Erwerbsbeteiligung deutlich geringer. Ein wesentlicher Faktor ist das Einwanderungsmotiv: Ein erheblicher Teil dieser Gruppen kam als Schutzsuchende — also in einer Lebenssituation, die nicht primier auf sofortigen Arbeitsmarktzugang ausgerichtet war. Der Weg aus dem Asylverfahren in eine stabile Erwerbstaetigkeit dauert in Deutschland im Schnitt mehrere Jahre. Wer waehrenddessen nur beschraenkte Arbeitserlaubnisse hat oder in Gemeinschaftsunterkuenften leben muss, hat schlechte Karten.

Interessant ist auch, wie ein Teil des Lebensunterhalts finanziert wird: Bei Menschen mit asiatischer Einwanderungsgeschichte und aus den Amerikas spielen Unterstuetzungsleistungen aus dem Familienkreis eine vergleichsweise grosse Rolle — rund jede fuenfte Person in diesen Gruppen gibt an, hauptsaechlich durch Angehoerige unterstuetzt zu werden.

Kurzantwort: Die Erwerbstaetigenquote von Eingewanderten (69,2 %) liegt spuerbar unter der der Bevoelkerung ohne Einwanderungsgeschichte (81 %). Menschen aus der EU und den Amerikas erzielen die hoechsten Beschaeftigungsquoten. Eingewanderte aus Afrika und dem Nahen Osten sind haeufig am staerksten vom Arbeitsmarkt ausgegrenzt — strukturelle Gruende wie Aufenthaltsrechtsbeschraenkungen und nicht anerkannte Qualifikationen spielen dabei eine zentrale Rolle.

Armut und Wohnungslosigkeit: Der Zusammenhang mit dem Migrationsstatus

Armutsgefaehrdung und Wohnungslosigkeit gehoeren zu den sichtbarsten Folgen wirtschaftlicher Ausgrenzung. Rund jeder vierte Mensch mit Einwanderungsgeschichte in Deutschland gilt als armutsgefaehrdet — ein Anteil, der mehr als doppelt so hoch ist wie in der Bevoelkerung ohne Einwanderungsgeschichte. Das ist keine abstrakte Zahl, sondern beschreibt konkrete Lebenssituationen: zu wenig Geld fuer Miete, Ernaehrung, Gesundheitsversorgung und soziale Teilhabe.

Noch konkreter wird das Bild, wenn man die Wohnungslosigkeit betrachtet. Auch hier zeigt sich eine ungleiche Verteilung nach Herkunft. Von Menschen, die voellig ohne eigene Unterkunft sind — also auf der Strasse leben oder in Notunterkuenften untergebracht sind —, kommt ein sehr kleiner Anteil vom afrikanischen Kontinent. Anders sieht es bei der sogenannten verdeckten Wohnungslosigkeit aus: Menschen, die bei Bekannten, Verwandten oder unter unwuerdigen Bedingungen unterkommen, ohne offiziell als wohnungslos zu gelten. Hier ist der Anteil mit afrikanischer Staatsangehoerigkeit deutlich hoeher.

Verdeckte Wohnungslosigkeit ist besonders problematisch, weil sie in Statistiken schwer erfasst wird und betroffene Menschen seltener Hilfe suchen oder finden. Wer auf dem Sofa von Bekannten schlaeft, taucht in keiner offiziellen Unterkunftstatistik auf — und bleibt oft auch ohne Zugang zu langfristiger sozialer Unterstuetzung. Mehr dazu auf unserer Seite zur Wohnungslosigkeit in Deutschland.

Die raeumliche Dimension: Armut konzentriert sich in bestimmten Stadtteilen

In vielen deutschen Staedten hat sich in den vergangenen Jahren ein klares Muster herauskristallisiert: In Stadtteilen mit einem hohen Anteil an Menschen mit auslaendischer Staatsangehoerigkeit ist auch der Anteil der SGB-II-Leistungsbeziehenden besonders hoch. Dieser Zusammenhang hat sich in den vergangenen Jahren verstaerkt — insbesondere in Grossstaedten und im Ruhrgebiet ist diese Konzentration raeumlich gut dokumentiert.

Das bedeutet nicht, dass Auslaender arm machen — es bedeutet, dass arme Menschen mit Einwanderungsgeschichte sich in preiswerteren, haeufig weniger gut versorgten Stadtteilen konzentrieren. Die Folge: soziale Problemlagen verstaerken sich gegenseitig, Schulen in diesen Vierteln haben schlechtere Startbedingungen, Wohnraum ist oft einfacher Standard und soziale Netzwerke koennen nur eingeschraenkt fuer gesellschaftlichen Aufstieg sorgen. Armut vererbt sich so in bestimmten Stadtteilen weiter — unabhaengig davon, ob jemand neu eingewandert ist oder schon in zweiter Generation in Deutschland lebt. Lesen Sie mehr zum Thema Einkommensungleichheit in Deutschland.

Kurzantwort: Rund ein Viertel aller Menschen mit Einwanderungsgeschichte ist in Deutschland armutsgefaehrdet. Wohnungslosigkeit betrifft Menschen mit afrikanischer Herkunft ueberproportional haeufig in der schwerer sichtbaren Form der verdeckten Wohnungslosigkeit. Raeumlich konzentriert sich Armut in bestimmten Stadtteilen — ein Muster, das sich in den vergangenen Jahren verstaerkt hat.

Worin liegen die Ursachen — und was kann sich aendern?

Wenn Menschen mit afrikanischer Einwanderungsgeschichte in Deutschland ein besonders hohes Armutsrisiko tragen, liegt das nicht an Herkunft oder Kultur, sondern an einer Kombination struktureller Faktoren, die sich oft gegenseitig verstaerken. Es waere falsch und stigmatisierend, diesen Zusammenhang auf persoenliche Eigenschaften zu reduzieren.

Der wichtigste Faktor ist das Einwanderungsmotiv. Wer aus humanitaeren Gruenden flieht, kommt in der Regel ohne sofortige Arbeitserlaubnis, ohne einschlaeige Sprachkenntnisse und ohne die wirtschaftlichen Ressourcen, die einen gelingenden Start erleichtern. Die EU-Binnenmigrantin, die mit einem Arbeitsvertrag in der Tasche nach Deutschland zieht, hat strukturell voellig andere Chancen als der junge Eritreer, der nach einer langen Flucht in Deutschland Schutz sucht und jahrelang auf eine Entscheidung ueber seinen Aufenthaltsstatus wartet.

Anerkennungsluecken als systemisches Problem

Ein weiteres zentrales Problem ist die mangelnde Anerkennung auslaendischer Qualifikationen. Aerztin, Ingenieur, Lehrerin — viele Menschen bringen anspruchsvolle Berufsausbildungen mit, die in Deutschland nicht oder nur teilweise anerkannt werden. Der Anerkennungsprozess ist aufwendig, kostspielig und langsam. Wer nicht weiss, wie er ihn angeht, landet haeufig in einer Taetigkeit weit unterhalb des eigenen Qualifikationsniveaus oder gar in Arbeitslosigkeit.

Fuer Menschen mit afrikanischer Herkunft kommt hinzu, dass die Bildungssysteme vieler afrikanischer Laender in Deutschland schlicht weniger bekannt sind. Pruefstellen haben weniger Erfahrung mit Abschluessen aus dem westafrikanischen oder ostafrikaischen Raum, was Anerkennungsverfahren zusaetzlich verzoegert.

Diskriminierung am Arbeitsmarkt

Studien belegen wiederholt, dass Bewerberinnen und Bewerber mit auslaendisch klingendem Namen oder bestimmten Herkunftsmerkmalen bei ansonsten gleichen Qualifikationen seltener zu Vorstellungsgespraechen eingeladen werden. Diese Diskriminierung trifft Menschen mit afrikanischer Herkunft besonders stark, weil die Vorurteile, mit denen sie konfrontiert werden, oft tiefer verwurzelt und expliziter sind als gegenueber anderen Gruppen. Das Ergebnis ist eine doppelte Benachteiligung: mangelnde Qualifikationsanerkennung auf der einen, geringere Chancen trotz vorhandener Qualifikation auf der anderen Seite.

Was kann sich aendern? Erstens: Schnellere und transparentere Anerkennungsverfahren fuer auslaendische Abschluesse. Zweitens: Gezielte Sprachfoerderung, die nicht nach Jahren Asylverfahren, sondern sofort mit der Einreise beginnt. Drittens: Konsequentere Durchsetzung des Antidiskriminierungsrechts am Arbeitsmarkt. Anlaufstellen wie die Antidiskriminierungsstelle des Bundes bieten Beratung und Unterstuetzung fuer Menschen, die Diskriminierung am Arbeitsmarkt erlebt haben. Das Thema Bildungsarmut ist dabei ebenso zentral wie der Zugang zu Beratungsangeboten im Bereich Grundsicherung.

Kurzantwort: Das erhoehte Armutsrisiko von Menschen mit afrikanischer Einwanderungsgeschichte erklaert sich durch strukturelle Benachteiligungen: humananitaere Einwanderungsgruende ohne sofortigen Arbeitsmarktzugang, mangelhafte Qualifikationsanerkennung und nachgewiesene Diskriminierung bei Bewerbungen. Massnahmen zur Verbesserung erfordern politischen Willen bei Anerkennungsverfahren, Sprachfoerderung und Antidiskriminierungsschutz.

Was ein haufiges Missverstaendnis ist — und was die Daten wirklich zeigen

Es gibt ein weit verbreitetes Missverstaendnis: dass Menschen aus bestimmten Regionen — insbesondere aus Afrika — schlicht weniger arbeiten wollen oder koennen. Diese Annahme ist falsch und durch die vorliegenden Daten klar widerlegt.

Die Zahlen zeigen, dass Einwanderungsmotiv, rechtlicher Status und Qualifikationsanerkennung die entscheidenden Variablen sind — nicht die Herkunft als solche. Menschen, die unter vergleichbaren Bedingungen nach Deutschland einwandern — also mit anerkannter Qualifikation, gesichertem Aufenthalt und ohne Sprachbarrieren —, weisen unabhaengig von ihrer ethnischen Herkunft aehnliche Integrationsergebnisse auf.

Was die Daten tatsaechlich zeigen: Bestimmte Einwanderungsformen — insbesondere Flucht unter Aufgabe aller Ressourcen, gefolgt von langen Asylverfahren mit eingeschraenkten Rechten — produzieren Armut. Das ist kein Versagen der betroffenen Menschen, sondern ein Versagen der Bedingungen, unter denen sie ankommen muessen. Wer das aendern will, muss die Bedingungen aendern, nicht die Menschen.

Kurzantwort: Die hoehere Armutsgefaehrdung von Menschen mit afrikanischer Einwanderungsgeschichte ist kein Beleg fuer mangelnde Bereitschaft zur Integration. Sie ist das Ergebnis struktureller Ungleichheiten: erschwerte Rechtspositionen, mangelhafte Qualifikationsanerkennung und Diskriminierung. Die Daten sprechen klar gegen eine ethnische oder kulturelle Erklaerung.

Haeufig gestellte Fragen

Warum sind Menschen mit afrikanischer Einwanderungsgeschichte staerker von Armut bedroht?

Das erhoehte Armutsrisiko erklaert sich vor allem durch strukturelle Faktoren: Viele kommen als Schutzsuchende ohne sofortigen Arbeitsmarktzugang, ihre im Ausland erworbenen Qualifikationen werden haeufig nicht oder nur teilweise anerkannt, und sie begegnen nachweislich Diskriminierung bei Bewerbungsverfahren. Es ist kein Merkmal der Herkunft als solche, sondern der Bedingungen, unter denen diese Menschen ankommen.

Welche Herkunftsgruppe hat die hoechste Erwerbstaetigenquote?

Menschen mit Einwanderungsgeschichte aus Nord- und Suedamerika erzielen mit rund 61,6 Prozent die hoechste Erwerbstaetigenquote unter allen Herkunftsgruppen — knapp vor EU-Zuwanderern mit ca. 60 Prozent. Menschen ohne Einwanderungsgeschichte liegen mit 81 Prozent noch einmal deutlich hoeher. Die niedrigsten Quoten verzeichnen Menschen, die haeufig als Schutzsuchende eingewandert sind.

Welche Rolle spielt Bildung beim Armutsrisiko von Eingewanderten?

Bildung ist ein zentraler Schutzfaktor. Rund die Haelfte der Menschen mit Einwanderungsgeschichte aus Europa (ausserhalb der EU) und Afrika hat keine abgeschlossene Berufsausbildung — ein wesentlich hoeherer Anteil als bei EU-Zuwanderern (ca. 36 %). Fehlende oder nicht anerkannte Qualifikationen fuehren oft zu Beschaeftigung unterhalb des eigenen Ausbildungsniveaus oder zur Arbeitslosigkeit. Beratungsangebote zur Qualifikationsanerkennung sind deshalb besonders wichtig.

Wie haengen Wohnungslosigkeit und afrikanische Herkunft zusammen?

Von Menschen, die voellig ohne Unterkunft sind, kommen nur rund 4 Prozent vom afrikanischen Kontinent. Bei der verdeckten Wohnungslosigkeit — also Menschen, die ohne eigene Wohnung bei Bekannten oder unter prekaeren Bedingungen unterkommen — ist der Anteil mit afrikanischer Staatsangehoerigkeit mit rund 14 Prozent deutlich hoeher. Verdeckte Wohnungslosigkeit ist schwerer sichtbar und bleibt ohne gezielte Unterstuetzungsangebote oft unbemerkt.

Was koennen betroffene Menschen tun, wenn Qualifikationen nicht anerkannt werden?

Das IQ-Netzwerk (Integration durch Qualifizierung) bietet bundesweite Beratung zur Anerkennung auslaendischer Berufsabschluesse an. Die Anlaufstelle auf make-it-in-germany.com gibt erste Orientierung. Bei Diskriminierung im Bewerbungsprozess beraten die Antidiskriminierungsstellen auf Bundes- und Laenderebene. Jobcenter sind verpflichtet, Eingewanderte beim Zugang zu Weiterbildung und Qualifizierungsmassnahmen zu unterstuetzen.