ARMUTDEUTSCHLAND
Was sie bedeutet

Wohnen & Alter

Umzugsverhalten im Alter: Wann und warum ältere Menschen in Deutschland umziehen

Die meisten Menschen verbringen ihren Lebensabend in derselben Wohnung, die sie schon Jahrzehnte kennen. Doch was steckt hinter dieser Sesshaftigkeit — und wer kann es sich leisten, rechtzeitig umzuziehen?

4 Min. Lesezeit

3 %

der Hochaltrigen ab 80 Jahren planen einen Umzug in eine altersgerechte Wohnung

13 %

der 65- bis 79-Jährigen planen einen Umzug in eine altersgerechte Wohnung

12 %

der ab 65-Jährigen erwägen Betreutes Wohnen als Wohnalternative

78 m²

mittlere Wohnfläche pro Person bei Eigentümern ab 65 Jahren — 28 % mehr als bei 45- bis 64-Jährigen

Warum Menschen im Alter selten umziehen

Kurzantwort: Die meisten älteren Menschen bleiben in ihrer vertrauten Wohnung, weil Bindung, finanzielle Hürden und nachlassende Gesundheit einen Umzug erschweren. Nur eine Minderheit plant aktiv einen Wechsel — und das häufig erst unter Druck.

Wer jahrzehntelang in derselben Wohnung gelebt hat, weiß, wo der Lichtschalter sitzt. Er kennt die Nachbarn, die Bäume vor dem Fenster, die Geräusche des Hauses bei Regen. Solche Vertrautheit ist kein Luxus — sie ist für viele ältere Menschen eine wichtige Quelle von Sicherheit und Identität. Umzüge bedeuten Brüche in diesem Gewebe. Sie kosten Kraft, Geld und soziale Netzwerke.

Bevölkerungsrepräsentative Langzeitdaten zeigen, dass die Umzugsmobilität in Deutschland mit dem Alter deutlich sinkt. Junge Erwachsene ziehen am häufigsten um — für Ausbildung, Arbeit, Partnerschaft. Ab dem Rentenalter wird Sesshaftigkeit zur Regel. Die Gründe sind vielschichtig: emotionale Bindung an den gewohnten Ort, finanzielle Überlegungen und gesundheitliche Einschränkungen, die einen Umzug einerseits notwendiger machen — und andererseits schwerer bewältigbar.

Wichtig: Die Sesshaftigkeit älterer Menschen ist oft nicht nur eine Frage der Präferenz. Sie ist das Ergebnis begrenzter Handlungsspielräume — finanziell, gesundheitlich und sozial.

Altersgerechtes Wohnen: Was es bedeutet und wer es plant

Kurzantwort: Altersgerechtes Wohnen meint barrierearme Ausstattung — kein Treppensteigen, breite Türen, bodengleiche Duschen. Nur 13 % der 65- bis 79-Jährigen planen konkret einen entsprechenden Umzug; bei den über 80-Jährigen sind es gerade noch 3 %.

Der Begriff "altersgerechtes Wohnen" umfasst bauliche Standards wie Schwellenfreiheit, ausreichende Bewegungsflächen im Bad und Flur, Handläufe, Aufzüge oder ebenerdige Duschen. Er schließt auch technische Assistenzsysteme ein. Das Problem: Der Bestand barrierefreier Wohnungen in Deutschland ist gering. Schätzungen gehen davon aus, dass weniger als zwei Prozent aller Wohnungen vollständig barrierefrei sind.

Planungsquoten aus dem Deutschen Alterssurvey zeigen: Bei den 65- bis 79-Jährigen plant gut jeder Siebte einen Umzug in eine altersgerechte Wohnung. Bei den Hochaltrigen ab 80 Jahren sind es nur noch 3 Prozent. Dieser dramatische Rückgang erklärt sich durch nachlassende Planungskapazität, resignative Anpassung an gegebene Verhältnisse und den Umstand, dass ein Teil dieser Gruppe bereits in entsprechenden Einrichtungen lebt.

Geplante Wohnform65–79 JahreAb 80 JahreGesamt ab 65
Altersgerechte Wohnung13 %3 %ca. 10 %
Betreutes Wohnenca. 13 %gering12 %
Seniorenresidenzca. 9 %gering8 %
Verwitwete: altersgerechtca. 5 %unter 5 %5 %
In Partnerschaft: altersgerechtca. 11 %unter 5 %11 %

Die Schere zwischen Eigentum und Miete im Alter

Kurzantwort: Eigentümer ab 65 Jahren bewohnen im Schnitt 78 Quadratmeter pro Person — deutlich mehr als jüngere Altersgruppen. Doch Wohneigentum schützt nicht automatisch: Wer finanziell unter Druck steht, kann sich Umbau und Instandhaltung oft nicht leisten.

Die Wohnverhältnisse älterer Menschen in Deutschland sind durch eine tiefe Spaltung geprägt: zwischen denjenigen, die Wohneigentum besitzen, und denjenigen, die zur Miete leben. Eigentümer ab 65 Jahren verfügen im Schnitt über 78 Quadratmeter Wohnfläche pro Person — das sind 28 Prozent mehr als in der Altersgruppe der 45- bis 64-Jährigen. Eine große Wohnung zu erhalten kostet jedoch Geld. Wer über eine geringe Rente verfügt, kann in Wohnkostenarmut geraten.

Viele ältere Eigenheime sind Bauten aus den 1950er bis 1980er Jahren — mit engen Treppenhäusern und nicht barrierefreien Bädern. Ein barrierefreier Umbau kostet je nach Umfang zwischen einigen tausend und mehreren zehntausend Euro. Für finanziell belastete Eigentümer ist das nicht leistbar. Mieterinnen und Mieter stehen vor anderen Problemen: In angespannten Wohnungsmärkten ist ein Wohnungswechsel mit dem Risiko deutlich höherer Mieten verbunden.

Vulnerable Gruppen: Verwitwete, Hochaltrige, finanziell Schwache

Kurzantwort: Wer verwitwet ist, plant seltener einen Umzug als Menschen in Partnerschaft. Hochaltrige über 80 verlieren mit der Zeit Planungsfähigkeit. Wer wenig Geld hat, kann sich weder Umbau noch barrierefreie Wohnung leisten.

Verwitwete

Von den Personen ab 65 Jahren, die noch einen Partner an ihrer Seite haben, planen 11 Prozent einen Umzug in eine altersgerecht gestaltete Wohnung. Unter den Verwitweten sind es nur 5 Prozent. Verwitwete Personen haben häufig eine schwächere Vermögenssituation, weil der gemeinsame Haushalt nun von einer Person getragen werden muss. Die emotionale Belastung des Verlustes reduziert die Planungsenergie.

Hochaltrige

Menschen ab 80 Jahren bilden eine besonders vulnerable Gruppe. Nur 3 Prozent planen noch einen altersgerechten Umzug. Das bedeutet nicht, dass die anderen zufrieden mit ihrer Wohnsituation sind — es bedeutet, dass Planung und Umsetzungsfähigkeit in diesem Alter stark sinken. Wer in einer nicht barrierefreien Altbauwohnung lebt und keine unterstützenden Personen hat, ist auf externe Hilfe angewiesen.

Finanziell schwache Haushalte

Finanziell angespannte Eigentümer verzichten häufig auf notwendige Umbaumaßnahmen — nicht aus mangelndem Willen, sondern weil das Geld fehlt. Finanziell schwache Mieter sind auf dem freien Wohnungsmarkt fast chancenlos, wenn sie eine barrierearme Wohnung suchen. Für diese Gruppe ist Grundsicherung im Alter oft die letzte Auffanglinie.

Häufige Fragen

Warum planen so wenige Hochaltrige einen Umzug in eine altersgerechte Wohnung?+

Ab 80 Jahren sinken Planungskapazität, körperliche Belastbarkeit und finanzielle Handlungsspielräume deutlich. Viele Hochaltrige haben sich bereits an ihre aktuelle Wohnsituation angepasst oder werden durch informelle Hilfe stabilisiert. Der Markt für barrierefreie Wohnungen ist zudem eng und teuer.

Was ist der Unterschied zwischen Betreutem Wohnen und einer Seniorenresidenz?+

Betreutes Wohnen bietet eigenständige Wohneinheiten mit optionalen Serviceleistungen ohne dauerhaftes Pflegepersonal vor Ort. Seniorenresidenzen bieten umfassendere Betreuungsangebote, oft Pflegestufen und stationäre Strukturen — und sind entsprechend teurer.

Werden Umbaukosten für Barrierefreiheit gefördert?+

Die Pflegekasse übernimmt unter bestimmten Voraussetzungen bis zu 4.000 Euro pro Umbaumaßnahme bei bestehender oder drohender Pflegebedürftigkeit. Es gibt außerdem zinsgünstige Förderprogramme für barrierefreien Umbau. Kommunale Beratungsstellen helfen bei der Antragstellung. Wer keine Pflegestufe hat und nicht kreditwürdig ist, profitiert jedoch kaum.

Was passiert, wenn ältere Menschen sich ihre Wohnung nicht mehr leisten können?+

Wer im Rentenalter zu geringe Einkünfte hat, kann Grundsicherung im Alter beantragen. Diese deckt auch die Kosten für Unterkunft und Heizung ab — allerdings nur im Rahmen der kommunal festgelegten Angemessenheitsgrenzen. Wer über diesen Grenzen liegt, muss gegebenenfalls in eine günstigere Wohnung wechseln.

Warum sind Verwitwete beim Thema Umzug besonders benachteiligt?+

Verwitwete Menschen tragen den Haushalt allein, verfügen oft über geringere Renten und haben ein schmaleres soziales Netz, das beim Umzug helfen könnte. Gleichzeitig leben sie statistisch häufiger in zu großen oder nicht barrierefreien Wohnungen, die nach dem Tod des Partners nicht mehr passend sind.