Migration & Integration

Rumänische Migranten in Deutschland: Arbeit, Armut und die Wirklichkeit hinter den Zahlen

Rumänien ist das Herkunftsland mit den meisten Fortzügen aus Deutschland — und gleichzeitig eines der Länder, dessen Einwanderer in Deutschland besonders häufig von prekären Lebenslagen betroffen sind. Was bedeutet das für die Menschen, die hierher kommen, um ihr Leben zu verbessern?

Fakten auf einen Blick
204.000
Rumänische Staatsbürger verließen Deutschland zuletzt wieder — die größte Gruppe aller ausländischen Fortzüge
11 %
Arbeitslosenquote bei Menschen mit Migrationshintergrund — mehr als doppelt so hoch wie bei Personen ohne Migrationshintergrund (5 %)
200 €
Weniger monatliches Nettoerwerbseinkommen für Erwerbstätige mit Migrationshintergrund gegenüber dem Durchschnitt ohne Migrationshintergrund
6.700
Wohnungslose aus Polen, Bulgarien und Rumänien ohne Unterkunft — eine der am stärksten betroffenen Gruppen in der Wohnungslosenhilfe
68 %
Der wohnungslosen Menschen aus diesen drei Ländern sind mindestens ein Jahr lang ohne feste Unterkunft

Wer aus Rumänien nach Deutschland kommt, tut das in den meisten Fällen aus einem einzigen Grund: Arbeit. Mit dem EU-Beitritt Rumäniens 2007 und der vollen Arbeitnehmerfreizügigkeit ab 2014 öffnete sich der deutsche Arbeitsmarkt für rumänische Staatsbürger ohne Einschränkungen. Seither ist Deutschland eines der wichtigsten Zielländer geworden. Doch die Realität nach der Ankunft ist vielfältiger — und für viele schwieriger — als erhofft.

Rumänische Migranten sind keine homogene Gruppe. Unter ihnen sind Bauarbeiter und IT-Spezialisten, Pflegekräfte und Saisonarbeiter, junge Akademiker und ältere Arbeitsuchende. Was sie eint, ist die Erfahrung, in einem fremden System Fuß fassen zu müssen — oft ohne ausreichende Sprachkenntnisse, ohne Netzwerke und ohne Kenntnis ihrer Rechte. Die Konsequenzen zeigen sich deutlich in den Daten zu Armut, Beschäftigung und Wohnungsverhältnissen.

Steckbrief: Rumänische Migranten in Deutschland
Rechtsstatus
EU-Bürger mit voller Arbeitnehmerfreizügigkeit seit 2014
Einwanderungsmotiv
Überwiegend Arbeitsmigration; häufig in Bau, Logistik, Pflege, Landwirtschaft
Armutsrisiko
Erhöht gegenüber Personen ohne Migrationshintergrund; besonders in Ostdeutschland
Wohnungslage
Überproportional häufig von Wohnungslosigkeit betroffen
Hilfsangebote
Migrationsberatung (MBE), Beratungsstellen der Wohlfahrtsverbände, EU-Bürger-Beratung
Irrtum
EU-Bürger haben nicht automatisch Anspruch auf alle Sozialleistungen — Voraussetzungen variieren

Wer kommt — und warum

Die Migrationsgeschichte zwischen Rumänien und Deutschland reicht länger zurück, als viele denken. Bereits nach der deutschen Vereinigung siedelten viele Spätaussiedler aus Rumänien in die Bundesrepublik über — Menschen mit deutschen Wurzeln, die nach Jahrzehnten in die alte Heimat ihrer Vorfahren zogen. Diese erste Welle war geprägt von kultureller Verbundenheit und staatlicher Förderung.

Seit der EU-Osterweiterung 2004 und dem Beitritt Rumäniens und Bulgariens 2007 hat sich das Bild grundlegend verändert. Arbeitsmigration dominiert. Vor allem in Branchen mit hohem Arbeitskräftebedarf — Bau, Schlachtbetriebe, Pflege, Landwirtschaft, Gastronomie — wurden und werden rumänische Staatsangehörige gezielt angeworben oder wandern eigenständig ab.

Der Antrag auf ein besseres Leben ist verständlich: Das Lohnniveau in Deutschland übersteigt das rumänische deutlich. Doch der Schritt in den deutschen Arbeitsmarkt ist für viele mit erheblichen Hürden verbunden, die sich erst nach der Ankunft zeigen.

Kurzantwort: Rumänische Migranten kommen überwiegend als Arbeitsmigrantinnen und -migranten nach Deutschland, angezogen von höheren Löhnen und offenen Grenzen innerhalb der EU. Die größte Einwanderungsphase begann mit der vollen Arbeitnehmerfreizügigkeit ab 2014. Rumänien gehört zu den Ländern mit den höchsten absoluten Fortzugs- und Zuzugszahlen im deutschen Wanderungssaldo.

Beschäftigung und Einkommen: Zwischen Vollbeschäftigung und Prekarität

Menschen mit Migrationshintergrund sind in Deutschland keineswegs seltener erwerbstätig — aber häufiger in schlechter abgesicherten Verhältnissen. Im Jahr 2021 waren rund 50 Prozent der Personen mit Migrationshintergrund in Vollzeit beschäftigt, gegenüber 56 Prozent bei Personen ohne Migrationshintergrund. Bei Männern war der Unterschied ähnlich ausgeprägt: 66 gegenüber 72 Prozent. Bei Frauen mit Migrationshintergrund lag der Anteil der Vollzeiterwerbstätigen bei 34 Prozent, bei Frauen ohne Migrationshintergrund bei 39 Prozent.

Deutlicher werden die Unterschiede beim Einkommen. Das durchschnittliche monatliche Nettoerwerbseinkommen von Erwerbstätigen mit Migrationshintergrund lag bei rund 1.800 Euro — etwa 200 Euro unter dem Durchschnitt der Erwerbstätigen ohne Migrationshintergrund (2.000 Euro). Diese Lücke erklärt sich nicht allein durch unterschiedliche Qualifikationen. Sie spiegelt auch die Branchenverteilung wider: Migranten aus Osteuropa arbeiten überproportional häufig in Bereichen mit niedrigen Löhnen und geringen Aufstiegsmöglichkeiten.

Besonders aussagekräftig ist die Verteilung nach beruflichem Status. Personen mit Migrationshintergrund waren deutlich häufiger als Arbeiter und Arbeiterinnen tätig als Personen ohne Migrationshintergrund — 17 gegenüber 7 Prozent. Das ist kein Zufall, sondern Folge von Anerkennungshürden, Sprachbarrieren und der gezielten Anwerbung in Niedriglohnsektoren. Das Thema Arbeit und Armut ist für viele Migrantinnen und Migranten aus Osteuropa kein Widerspruch, sondern gelebter Alltag.

Arbeitslosigkeit: Doppeltes Risiko

Wer seinen Job verliert, ist als Migrant in Deutschland stärker gefährdet, in Armut abzurutschen. Die Arbeitslosenquote bei Menschen mit Migrationshintergrund lag zuletzt bei 11 Prozent — mehr als doppelt so hoch wie bei Personen ohne Migrationshintergrund (5 Prozent). Besonders betroffen waren Gruppen aus Südwesteuropa und der Türkei, wo die Quote bei 13 Prozent lag.

Für rumänische Migranten, die häufig in konjunkturabhängigen Branchen beschäftigt sind, bedeutet das: Ein wirtschaftlicher Abschwung trifft sie früher und härter. Betriebsschließungen in der Fleischindustrie oder der Rückgang von Bauaufträgen können in kurzer Zeit ganze Beschäftigtengruppen in die Arbeitslosigkeit treiben — ohne ausreichende soziale Absicherung, wenn die Einzahlungszeiten in die Sozialversicherung zu kurz waren.

Kurzantwort: Erwerbstätige mit Migrationshintergrund verdienen im Schnitt 200 Euro monatlich weniger als Vergleichsgruppen ohne Migrationshintergrund und sind häufiger in Hilfsarbeiter-Positionen beschäftigt. Die Arbeitslosenquote bei Personen mit Migrationshintergrund ist mit 11 Prozent mehr als doppelt so hoch wie bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund. Dieses erhöhte Risiko trifft auch viele rumänische Migrantinnen und Migranten direkt.

Armutsrisiko: Strukturell, nicht individuell

Personen mit Migrationshintergrund waren in Deutschland über alle betrachteten Zeiträume hinweg einem höheren Armutsrisiko ausgesetzt als die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund. Das gilt besonders für Menschen mit direkter Migrationserfahrung — also für jene, die selbst eingewandert sind, nicht für die hier geborene zweite Generation.

Das erhöhte Armutsrisiko ist keine individuelle Schwäche und kein kulturelles Phänomen. Es ist das Ergebnis struktureller Benachteiligungen: mangelnde Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse, geringerer Zugang zu gut bezahlter Arbeit, fehlende Netzwerke und — besonders relevant — eingeschränkter Zugang zu Weiterbildung. Menschen mit Migrationshintergrund der ersten Generation nahmen 2020 etwas seltener an non-formaler Weiterbildung teil, was direkt auf geringere Bildungsabschlüsse und damit eingeschränkten Zugang zu Qualifizierungsmaßnahmen zurückzuführen ist.

In Ostdeutschland verschärft sich diese Situation nochmals: Dort waren Migranten mit direktem Migrationshintergrund stärker von Armut betroffen als im Bundesdurchschnitt. Die strukturschwächeren Regionen bieten weniger stabile Arbeitsplätze und ein niedrigeres allgemeines Einkommensniveau. Wer dann noch als Migrant mit sprachlichen oder bürokratischen Hürden kämpft, gerät schneller an die Grenze des Existenzminimums.

Die Frage der Migration und Armut in Deutschland lässt sich nicht auf einfache Formeln reduzieren. Arbeitsmigration aus EU-Ländern wie Rumänien ist per definitionem auf Erwerbstätigkeit ausgerichtet — doch die Realität zeigt, dass Erwerbstätigkeit allein keinen Schutz vor Armut bietet, wenn Löhne zu niedrig und Arbeitsverhältnisse zu instabil sind.

Irrtum widerlegt: EU-Bürger aus Rumänien oder Bulgarien haben nicht automatisch Anspruch auf alle deutschen Sozialleistungen. Der Zugang zu Bürgergeld oder Grundsicherung ist an Voraussetzungen geknüpft — insbesondere an eine ausreichend lange Erwerbstätigkeit in Deutschland. Wer neu einwandert und sofort arbeitslos wird, kann in eine Versorgungslücke fallen.

Wohnungslosigkeit: Das sichtbare Ende einer langen Kette

Wenn die Arbeit wegfällt, verlieren viele Migranten auch ihr Dach über dem Kopf — denn in Deutschland ist Wohnraum häufig direkt an den Arbeitsplatz oder an Gemeinschaftsunterkünfte der Arbeitgeber gekoppelt. Für rumänische Staatsangehörige, die in solchen Strukturen arbeiten, bedeutet Jobverlust oft gleichzeitig Wohnungsverlust.

Die Daten aus der bundesweiten Wohnungslosenerhebung 2024 zeigen das Ausmaß deutlich: Allein 6.700 Menschen aus Polen, Bulgarien und Rumänien lebten ohne jede Unterkunft, weitere 2.600 galten als verdeckt wohnungslos — sie schlafen bei Bekannten, in Autos oder anderen behelfsmäßigen Unterkünften. Insgesamt sind 22.000 nichtdeutsche wohnungslose Menschen nicht institutionell untergebracht.

Besonders auffällig ist die Dauer der Wohnungslosigkeit: 68 Prozent der wohnungslosen Menschen aus Polen, Bulgarien und Rumänien sind mindestens ein Jahr lang ohne feste Unterkunft. Zum Vergleich: Bei allen anderen nicht deutschen Wohnungslosen liegt dieser Anteil bei nur 38 Prozent. Das deutet auf besondere strukturelle Hürden beim Zugang zu stabiler Unterkunft hin — und auf einen Mangel an gezielten Hilfsangeboten.

Wer mehr über die Situation wohnungsloser Menschen in Deutschland erfahren möchte, findet auf der Seite zu Wohnungslosigkeit in Deutschland einen umfassenden Überblick sowie Hinweise auf Hilfsstrukturen.

Diskriminierung als Strukturproblem

Wohnungslose Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit berichten häufig von Diskriminierungserfahrungen. Rund 20 Prozent haben bei Ämtern und Behörden Diskriminierung erlebt, 18 Prozent bei der Wohnungssuche und 16 Prozent bei der Arbeit oder Arbeitssuche. Rund 10 Prozent erlebten Diskriminierung sogar in sozialen Hilfsangeboten — also genau dort, wo eigentlich Unterstützung geleistet werden sollte.

Diese Zahlen unterstreichen, dass der Zugang zu Hilfe für Migranten aus Osteuropa nicht selbstverständlich ist. Sprachbarrieren, fehlende Kenntnis über Rechte und Angebote sowie tatsächliche oder befürchtete Diskriminierung halten viele davon ab, Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Kurzantwort: Rumänische, polnische und bulgarische Staatsbürger stellen in Deutschland eine der am stärksten von Wohnungslosigkeit betroffenen Migrantengruppen dar. 68 Prozent der Wohnungslosen aus diesen drei Ländern sind mindestens ein Jahr ohne Unterkunft — deutlich länger als andere Gruppen. Diskriminierung bei Ämtern, Wohnungssuche und Arbeitssuche ist weit verbreitet und verstärkt die Ausgrenzung.

Integration in den Arbeitsmarkt: Was gelingt, was scheitert

EU-Bürger, die zur Arbeit nach Deutschland kommen, haben einen entscheidenden strukturellen Vorteil: Sie brauchen keine Arbeitserlaubnis und sind in ihren Rechten deutschen Staatsangehörigen weitgehend gleichgestellt. Die Migration aus EU-Mitgliedstaaten dient häufiger der Arbeitsaufnahme als etwa Fluchtmigration aus dem Nahen Osten oder Afrika, die mit rechtlichen Einschränkungen zur Arbeitsmarktbeteiligung einhergehen kann.

Doch Rechte auf dem Papier und gelebte Realität klaffen oft auseinander. Die Frage, wie gut Integration in den Arbeitsmarkt gelingt, hängt weniger vom Rechtsstatus ab als von praktischen Faktoren: Spracherwerb, Anerkennung von Abschlüssen, Qualität der Beschäftigung und sozialer Einbettung.

Weiterbildung als Schlüssel — und Hindernis

Interessanterweise haben sich die Unterschiede im Weiterbildungsverhalten zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund in den letzten Jahren stark angeglichen. Die früher häufig beobachteten Defizite sind für die zweite Generation — also die Kinder der Eingewanderten — weitgehend verschwunden. Das zeigt: Integration ist möglich, aber sie braucht Zeit und die richtigen Bedingungen.

Für die erste Generation, also die Eingewanderten selbst, bestehen noch Unterschiede. Sie nehmen etwas seltener an Weiterbildungsmaßnahmen teil — hauptsächlich weil sie häufiger einen niedrigeren Bildungsabschluss mitbringen, der den Zugang zu formaler Qualifizierung erschwert. Hier liegt ein zentraler Ansatzpunkt: niedrigschwellige Bildungsangebote, die gezielt auf die Bedarfe dieser Gruppe zugeschnitten sind.

Einkommensunterschiede nach Herkunftsgruppe

Innerhalb der Gruppe der Migrantinnen und Migranten bestehen erhebliche Einkommensunterschiede je nach Herkunftsland. Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler — also Menschen mit deutschen Wurzeln aus Osteuropa — erzielen mit rund 2.100 Euro monatlich das höchste Nettoerwerbseinkommen unter den Migrationsgruppen. Menschen aus Südwesteuropa liegen bei rund 1.800 Euro. Diese Unterschiede spiegeln unterschiedliche Qualifikationsniveaus, Branchenzugehörigkeiten und die Dauer des Aufenthalts in Deutschland wider.

Das Thema Einkommen und soziale Ungleichheit bei Migranten ist Teil eines größeren Bildes, das die Seite zu Einkommen, Migranten und Integration vertieft.

Kurzantwort: Die Integration rumänischer Migranten in den deutschen Arbeitsmarkt gelingt häufig in der ersten Generation nur teilweise — trotz fehlender rechtlicher Hürden als EU-Bürger. Niedrige Qualifikationsprofile, Branchenkonzentration im Niedriglohnbereich und fehlender Zugang zu Weiterbildung halten viele in precären Verhältnissen. Die zweite Generation hingegen zeigt deutlich bessere Integrationsergebnisse.

Häufige Missverständnisse über rumänische Migranten

Rund um das Thema Migration aus Rumänien und Bulgarien kursieren in der öffentlichen Debatte hartnäckige Klischees. Drei davon verdienen eine nüchterne Einordnung.

Missverständnis 1: Rumänische Migranten kommen vor allem, um Sozialleistungen zu beziehen. Das Gegenteil ist der Fall. EU-Bürger, die ohne vorherige Beschäftigung einwandern, haben in Deutschland keinen oder nur stark eingeschränkten Zugang zu staatlichen Transferleistungen. Die überwiegende Mehrheit kommt zur Arbeit — und nimmt teilweise erhebliche Risiken in Kauf.

Missverständnis 2: Wer arbeitet, ist automatisch gut abgesichert. Viele rumänische Arbeitsmigranten sind in Bereichen tätig, die mit Niedriglöhnen, hoher Fluktuation und geringer sozialer Absicherung verbunden sind. Saisonarbeit, befristete Werkverträge und informelle Beschäftigung erhöhen das Risiko von Armut erheblich — auch bei Vollzeitbeschäftigung.

Missverständnis 3: Integration gelingt automatisch durch Erwerbstätigkeit. Erwerbstätigkeit ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für Integration. Ohne Sprachkenntnisse, soziale Einbettung und Zugang zu Bildung bleibt die Teilhabe an der Gesellschaft begrenzt — unabhängig davon, ob jemand arbeitet oder nicht.

Kurzantwort: Rumänische Migranten kommen überwiegend zur Arbeit nach Deutschland und sind als EU-Bürger ohne Beschäftigung kaum anspruchsberechtigt auf Sozialleistungen. Trotzdem führt Arbeit allein nicht aus der Armut heraus, wenn Löhne zu niedrig und Arbeitsverhältnisse zu instabil sind. Integration braucht mehr als Erwerbstätigkeit — sie braucht Bildung, Sprache und gesellschaftliche Teilhabe.

Anlaufstellen und Rechte

EU-Bürger aus Rumänien haben in Deutschland umfangreiche Rechte, kennen diese aber oft nicht ausreichend. Folgende Anlaufstellen sind besonders relevant:

  • Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE) — kostenlose Beratung zu Arbeit, Sprache, Bildung und Sozialleistungen; wird von Wohlfahrtsverbänden wie Caritas, Diakonie, AWO und Paritätischem angeboten
  • Faire Mobilität — bundesweites Projekt zur Beratung von EU-Bürgerinnen und -Bürgern zu Arbeitnehmerrechten in Deutschland, mehrsprachig
  • Fachberatungsstellen für Wohnungslose — bei akutem Wohnungsverlust ist die kommunale Wohnungslosenhilfe zuständig; niedrigschwellige Notunterkünfte sind auch für EU-Bürger zugänglich
  • Agentur für Arbeit / Jobcenter — zuständig für Fragen der Arbeitsvermittlung und — bei erfüllten Voraussetzungen — Transferleistungen
  • Antidiskriminierungsberatung — bei Diskriminierung in der Arbeit oder auf dem Wohnungsmarkt gibt es kostenlose rechtliche Beratung durch anerkannte Beratungsstellen

Wer sich über das Gesamtsystem der deutschen Sozialleistungen informieren möchte, findet dort einen strukturierten Überblick über Ansprüche und Voraussetzungen.

Kurzantwort: EU-Bürger aus Rumänien haben in Deutschland weitreichende Rechte, aber vielen sind Beratungsangebote und Hilfsstrukturen nicht bekannt. Zentrale Anlaufstellen sind die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE), das Projekt Faire Mobilität sowie kommunale Wohnungslosenhilfen. Sprachbarrieren und Diskriminierungserfahrungen erschweren den Zugang zu Unterstützung erheblich.

Häufige Fragen zu rumänischen Migranten in Deutschland

Haben rumänische Staatsbürger in Deutschland Anspruch auf Bürgergeld?

Nicht automatisch. EU-Bürger aus Rumänien haben in Deutschland keinen Leistungsanspruch auf Bürgergeld allein aufgrund ihrer EU-Staatsangehörigkeit. Ein Anspruch entsteht erst nach einer nachgewiesenen, ausreichend langen Erwerbstätigkeit in Deutschland. Wer ohne vorherige Beschäftigung einwandert und arbeitslos wird, kann in eine Versorgungslücke fallen.

Migrationsberatungsstellen können im Einzelfall klären, welche Leistungen konkret infrage kommen. Wichtig: Beratung immer frühzeitig suchen, bevor die finanzielle Situation kritisch wird.

Warum sind rumänische Migranten häufiger wohnungslos?

Eine Hauptursache ist die enge Kopplung von Wohnen und Arbeit in bestimmten Sektoren. Viele rumänische Arbeitsmigranten leben in Unterkünften, die ihr Arbeitgeber bereitstellt. Verlieren sie den Job, verlieren sie gleichzeitig das Dach über dem Kopf. Auf dem freien Wohnungsmarkt sind sie dann ohne Referenzen, ohne ausreichende Sprachkenntnisse und oft ohne finanzielle Reserven.

Hinzu kommen Diskriminierungserfahrungen bei der Wohnungssuche: Rund 18 Prozent der wohnungslosen Menschen ohne deutschen Pass berichten von Benachteiligung auf dem Wohnungsmarkt.

Warum verdienen Menschen mit Migrationshintergrund weniger?

Die Einkommensunterschiede sind strukturell bedingt. Menschen mit Migrationshintergrund sind häufiger in Branchen mit niedrigen Löhnen tätig — Bau, Pflege, Landwirtschaft, Logistik. Ausländische Bildungsabschlüsse werden oft nicht oder nur teilweise anerkannt, was den Zugang zu besser bezahlten Positionen erschwert.

Auch fehlende Netzwerke und Sprachbarrieren spielen eine Rolle: Gut bezahlte Stellen werden häufig über persönliche Kontakte besetzt, die Neuzugewanderten oft noch fehlen.

Wie gelingt Integration für rumänische Migranten besser?

Entscheidend sind drei Faktoren: Spracherwerb, Bildungszugang und soziale Einbettung. Sprachkurse — auch für EU-Bürger — sind der erste Schritt. Danach geht es um die Anerkennung mitgebrachter Qualifikationen und den Zugang zu Weiterbildung. Für die zweite Generation, also die in Deutschland aufgewachsenen Kinder, zeigen Daten, dass die Unterschiede in Bildung und Weiterbildungsverhalten gegenüber der Mehrheitsbevölkerung weitgehend verschwinden.

Arbeitgeber können Integration aktiv fördern: durch mehrsprachige Informationsangebote, interkulturelle Sensibilisierung und faire Lohnbedingungen unabhängig von der Herkunft.

Wo finden rumänische Migranten in Deutschland Beratung und Hilfe?

Die wichtigste Anlaufstelle ist die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE), die von Wohlfahrtsverbänden wie Caritas, Diakonie, AWO, Paritätischem und Zentralwohlfahrtsstelle der Juden betrieben wird. Die Beratung ist kostenlos und wird in mehreren Sprachen angeboten.

Für Fragen zu Arbeitnehmerrechten ist das Projekt Faire Mobilität zuständig — ein bundesweites Netzwerk mit mehrsprachigen Beratungsangeboten speziell für mobile EU-Bürgerinnen und -Bürger. Bei Wohnungslosigkeit ist die kommunale Wohnungslosenhilfe der erste Anlaufpunkt; Notunterkünfte stehen auch EU-Bürgerinnen und -Bürgern offen.