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Familie & Armut

Paartypen in Deutschland: Ehepaare, Lebensgemeinschaften und Alleinerziehende im Vergleich

In Deutschland lebten 2023 rund 17,3 Millionen Ehepaare und 3,4 Millionen Lebensgemeinschaften. Das höchste Armutsrisiko trägt aber eine andere Familienform: 43 Prozent der alleinerziehenden Mütter leben unter der Armutsgefährdungsschwelle.

5 Min. Lesezeit12 Quellen

17,3 Mio.

Ehepaare lebten 2023 in Deutschland. Damit ist die Ehe weiterhin die häufigste Form des Zusammenlebens von Paaren.

3,4 Mio.

Lebensgemeinschaften ohne Trauschein wurden 2023 gezählt. Sie sind damit deutlich seltener als Ehepaare.

43 %

der alleinerziehenden Mütter lebten 2022 von einem jährlichen Nettoäquivalenzeinkommen unter 18.209 Euro. Alleinerziehende Mütter sind damit die am stärksten armutsgefährdete Familienform.

9 %

der Menschen in Deutschland lebten im ersten Halbjahr 2023 in einer Alleinerziehenden-Familie. Die Gruppe ist zahlenmäßig klein, aber besonders belastet.

505.000

Haushalte von Alleinerziehenden bezogen im März 2026 Grundsicherung. Das entspricht 18 Prozent aller Bedarfsgemeinschaften.

Paartypen in Deutschland im Überblick: Zahlen und Verteilung

Kurzantwort: 2023 lebten in Deutschland 17,3 Millionen Ehepaare und 3,4 Millionen Lebensgemeinschaften. Gleichzeitig stieg die Zahl der Alleinlebenden auf 17,0 Millionen — ein Plus von 8 Prozent gegenüber 2013.

Die Statistik unterscheidet beim Zusammenleben mehrere Formen: Ehepaare, nichteheliche und gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften, Alleinlebende und Alleinerziehende. Für das Jahr 2023 ergibt sich folgendes Bild:

LebensformAnzahl (2023)Entwicklung
Ehepaare17,3 Millionenweiterhin häufigste Paarform
Lebensgemeinschaften3,4 Millionendeutlich seltener als Ehen
Alleinlebende17,0 Millionen+8 % gegenüber 2013

Alleinerziehende bilden eine eigene, zahlenmäßig kleine Gruppe: Im ersten Halbjahr 2023 lebten 9 Prozent der Menschen in Deutschland in einer Alleinerziehenden-Familie.

Warum die reine Zahl wenig über Armut sagt

Die Größe einer Gruppe und ihr Armutsrisiko sind zwei verschiedene Dinge. Ehepaare stellen die größte Paargruppe, Alleinerziehende nur einen kleinen Teil der Bevölkerung. Beim Einkommen kehrt sich das Verhältnis um: Zwei Erwachsene können sich Erwerbsarbeit und Betreuung teilen, ein Elternteil allein nicht. Genau darin liegt der zentrale Unterschied, der die folgenden Abschnitte erklären.

Was bislang nicht belegt ist

Für Lebensgemeinschaften liegen keine gesonderten Armutsgefährdungsquoten vor, die sich direkt mit den Werten für Ehepaare oder Alleinerziehende vergleichen ließen. Aussagen dazu wären Spekulation. Ebenso fehlt eine belastbare Aufschlüsselung des Armutsrisikos alleinerziehender Väter gegenüber alleinerziehenden Müttern.

Alleinerziehende: die am stärksten armutsgefährdete Familienform

Kurzantwort: 43 Prozent der alleinerziehenden Mütter lebten 2022 von einem jährlichen Nettoäquivalenzeinkommen unter 18.209 Euro. Keine andere Familienform ist so häufig armutsgefährdet.

Der Wert von 18.209 Euro im Jahr ist die Armutsgefährdungsschwelle für das Bezugsjahr 2022. Wer weniger hat, gilt als armutsgefährdet. Bei alleinerziehenden Müttern traf das auf 43 Prozent zu — also auf fast jede zweite.

Was Nettoäquivalenzeinkommen bedeutet

Das Nettoäquivalenzeinkommen ist ein Rechenwert, der Haushalte unterschiedlicher Größe vergleichbar macht. Das gesamte Netto-Einkommen eines Haushalts wird dabei nicht einfach durch die Zahl der Köpfe geteilt. Erwachsene und Kinder werden unterschiedlich gewichtet, weil ein größerer Haushalt gemeinsame Kosten wie Miete oder Strom teilt. Erst dieser Wert erlaubt den Vergleich zwischen einem Ehepaar mit zwei Kindern und einem Elternteil mit einem Kind.

Warum das Risiko so hoch ist

Bei Alleinerziehenden fällt die Erwerbsarbeit auf eine Person, die gleichzeitig die Betreuung übernimmt. Vollzeit ist damit häufig nicht möglich, Teilzeit senkt das Einkommen und später die Rente. Fällt Unterhalt aus oder wird das Kind krank, gibt es keinen zweiten Erwachsenen, der einspringt. Ein Ausfall trifft den Haushalt sofort in ganzer Höhe.

Was das im Alltag heißt

Ein Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle bedeutet nicht automatisch Mangel an allem. Es bedeutet vor allem: kein Puffer. Eine kaputte Waschmaschine, eine Nachzahlung beim Strom oder eine Klassenfahrt lassen sich nicht aus Erspartem bezahlen. Wer in dieser Lage ist, hat unter Umständen Anspruch auf Bürgergeld, Kinderzuschlag, Wohngeld oder Unterhaltsvorschuss — auch bei eigenem Erwerbseinkommen.

Regionale Beispiele: Alleinerziehende in Berlin und Hamburg

Kurzantwort: In Berlin waren 2023 rund 31 Prozent der Alleinerziehenden mit einem Kind und knapp 36 Prozent mit mindestens zwei Kindern armutsgefährdet. In Hamburg lebten 2025 21,6 Prozent aller unter 18-Jährigen bei einem alleinerziehenden Elternteil.

Die Landessozialberichte zeigen, wie sich die bundesweite Lage regional darstellt. Diese Zahlen gelten jeweils nur für das genannte Land und lassen sich nicht auf Deutschland insgesamt übertragen.

Berlin: Armutsgefährdung und Einkommensgrenzen 2023

  • Alleinerziehende mit einem Kind: rund 31 Prozent armutsgefährdet; das monatliche Nettoäquivalenzeinkommen liegt unter 1.691 Euro.
  • Alleinerziehende mit mindestens zwei Kindern: knapp 36 Prozent armutsgefährdet; das monatliche Nettoäquivalenzeinkommen liegt unter 2.248 Euro.

Beide Werte liegen über dem Berliner Durchschnitt. Mit jedem weiteren Kind steigt das Risiko: Der Betreuungsaufwand wächst, die Möglichkeiten zur Erwerbsarbeit schrumpfen.

Hamburg: Anteil der Kinder bei Alleinerziehenden

In Hamburg lebten 2025 21,6 Prozent aller unter 18-Jährigen bei einem alleinerziehenden Elternteil. Im Jahr davor waren es 21,8 Prozent. Der Rückgang ist gering und über einen Ein-Jahres-Vergleich nicht als Trend zu deuten. Aussagekräftig ist vielmehr die Größenordnung: In einer Großstadt wächst rund jedes fünfte Kind bei einem Elternteil allein auf.

Wie regionale Zahlen zu lesen sind

Großstädte haben in der Regel höhere Anteile Alleinerziehender als ländliche Regionen. Gleichzeitig sind dort die Wohnkosten höher, was das verfügbare Einkommen zusätzlich schmälert. Wer die eigene Lage einschätzen will, sollte deshalb den Bericht des jeweiligen Bundeslandes heranziehen und nicht den Bundesdurchschnitt.

Alleinerziehende im Grundsicherungssystem

Kurzantwort: Im März 2026 waren 505.000 Bedarfsgemeinschaften Haushalte von Alleinerziehenden — 18 Prozent aller Bedarfsgemeinschaften. Bei Krankheit des Kindes haben Alleinerziehende nach § 146 Abs. 2 SGB III Anspruch auf bis zu 20 Tage Leistungsfortzahlung statt 10 Tage.

Eine Bedarfsgemeinschaft ist die Einheit, mit der das Jobcenter rechnet: alle Personen eines Haushalts, deren Bedarf gemeinsam geprüft wird. Im März 2026 waren 505.000 dieser Bedarfsgemeinschaften Haushalte von Alleinerziehenden. Das sind 18 Prozent aller Bedarfsgemeinschaften — deutlich mehr, als es dem Anteil Alleinerziehender an der Bevölkerung entspricht.

Sonderregel bei Krankheit des Kindes

Wer Arbeitslosengeld bezieht und ein krankes Kind betreuen muss, erhält die Leistung weiter. Der Umfang unterscheidet sich nach Familienform:

SituationLeistungsfortzahlung pro Kalenderjahr
Elternteil in Partnerschaftbis zu 10 Tage
Alleinerziehendebis zu 20 Tage

Grundlage ist § 146 Abs. 2 des Dritten Buches Sozialgesetzbuch. Der doppelte Zeitraum folgt einem einfachen Gedanken: Es gibt keinen zweiten Erwachsenen, der die Betreuung übernehmen könnte.

Was Betroffene konkret tun können

  1. Krankheit des Kindes sofort melden. Die Bescheinigung der Kinderärztin oder des Kinderarztes an die Agentur für Arbeit weitergeben, damit die Fortzahlung greift.
  2. Alle Leistungen gemeinsam prüfen lassen. Neben Bürgergeld kommen Kinderzuschlag, Wohngeld, Unterhaltsvorschuss und Leistungen für Bildung und Teilhabe infrage.
  3. Unterhaltsvorschuss beantragen, wenn der andere Elternteil keinen oder zu wenig Unterhalt zahlt. Zuständig ist das Jugendamt.
  4. Beratung nutzen. Verbände der freien Wohlfahrtspflege und Verbände für Alleinerziehende beraten kostenlos zu Anträgen und Widersprüchen.
  5. Bescheide prüfen. Gegen einen Bescheid kann innerhalb eines Monats Widerspruch eingelegt werden.

Was die Zahlen für den Vergleich der Familienformen bedeuten

Kurzantwort: Ehepaare sind die häufigste Paarform, Alleinerziehende die am stärksten armutsgefährdete Familienform. Für Lebensgemeinschaften liegen keine vergleichbaren Armutsquoten vor.

Aus den vorliegenden Daten lassen sich drei Aussagen belastbar ableiten:

  • Häufigkeit: Mit 17,3 Millionen Paaren ist die Ehe 2023 die verbreitetste Paarform; Lebensgemeinschaften kommen auf 3,4 Millionen.
  • Belastung: Alleinerziehende Mütter tragen mit 43 Prozent Armutsgefährdung (2022) das höchste Risiko aller Familienformen.
  • Grundsicherung: Mit 18 Prozent aller Bedarfsgemeinschaften (März 2026) sind Alleinerziehende im Grundsicherungssystem überproportional vertreten.

Datenstände beachten

Die genannten Zahlen stammen aus unterschiedlichen Jahren — von 2022 bis 2026 — und aus bundesweiten wie regionalen Erhebungen. Sie ergänzen sich, ersetzen sich aber nicht. Ein direkter Vergleich ist nur zwischen Werten desselben Erhebungsjahres und derselben Quelle sinnvoll.

Offene Punkte in der Datenlage

Drei Fragen lassen sich mit den derzeit veröffentlichten Zahlen nicht beantworten: das Armutsrisiko von Lebensgemeinschaften im Vergleich zu Ehepaaren, ein bundesweiter Vergleich aller Familienformen aus einer einzigen aktuellen Erhebung sowie der Unterschied zwischen alleinerziehenden Vätern und Müttern. Wo Zahlen fehlen, bleibt diese Seite bei dem, was belegt ist.

Quellen

  • STA Statistikbericht 2020
  • Gerull Lebenslagenuntersuchung 2025
  • schutzauftrag-kindeswohlgefaehrdung 2025
  • Arbeitsmarktbericht Juli 2026
  • statistik grundsicherung 20260803143257
  • Sozialgesetzbuch XII
  • Sozialgesetzbuch XI
  • Sozialgesetzbuch X
  • Sozialgesetzbuch VIII
  • Sozialgesetzbuch VII
  • Sozialgesetzbuch VI
  • Sozialgesetzbuch V

Häufige Fragen

Welche Familienform ist in Deutschland am stärksten von Armut betroffen?+

Alleinerziehende Mütter. 43 Prozent von ihnen lebten 2022 von einem jährlichen Nettoäquivalenzeinkommen unter 18.209 Euro und gelten damit als armutsgefährdet. Keine andere Familienform erreicht einen so hohen Wert. Für Ehepaare und Lebensgemeinschaften liegen keine vergleichbaren Quoten in dieser Höhe vor; speziell für Lebensgemeinschaften fehlen gesonderte Armutsgefährdungsquoten bislang ganz.

Wie viele Alleinerziehende gibt es in Deutschland und wie hoch ist ihr Anteil an allen Familien?+

Im ersten Halbjahr 2023 lebten 9 Prozent der Menschen in Deutschland in einer Alleinerziehenden-Familie. Regional liegt der Anteil höher: In Hamburg wuchsen 2025 21,6 Prozent aller unter 18-Jährigen bei einem alleinerziehenden Elternteil auf, 2024 waren es 21,8 Prozent.

Welche besonderen Rechte haben Alleinerziehende bei der Kinderbetreuung im Krankheitsfall?+

Nach § 146 Abs. 2 SGB III erhalten Alleinerziehende bei Erkrankung des Kindes bis zu 20 Tage Leistungsfortzahlung pro Kalenderjahr. Bei Eltern in Partnerschaft sind es bis zu 10 Tage. Voraussetzung ist, dass die Betreuung des Kindes nachgewiesen notwendig ist; die ärztliche Bescheinigung ist bei der Agentur für Arbeit vorzulegen.

Wie viele Ehepaare und Lebensgemeinschaften gibt es in Deutschland?+

2023 lebten in Deutschland 17,3 Millionen Ehepaare und 3,4 Millionen Lebensgemeinschaften. Die Zahl der Alleinlebenden stieg im selben Jahr auf 17,0 Millionen und lag damit 8 Prozent über dem Wert von 2013.

Wie hoch ist das Armutsrisiko von Alleinerziehenden in Berlin?+

In Berlin waren 2023 rund 31 Prozent der Alleinerziehenden mit einem Kind und knapp 36 Prozent der Alleinerziehenden mit mindestens zwei Kindern armutsgefährdet. Die zugehörigen Einkommensgrenzen lagen bei unter 1.691 Euro monatlich (ein Kind) beziehungsweise unter 2.248 Euro monatlich (zwei oder mehr Kinder).

Was ist eine Bedarfsgemeinschaft und wie viele Alleinerziehende sind betroffen?+

Eine Bedarfsgemeinschaft umfasst alle Personen eines Haushalts, deren Bedarf das Jobcenter gemeinsam prüft. Im März 2026 waren 505.000 Bedarfsgemeinschaften Haushalte von Alleinerziehenden — das entspricht 18 Prozent aller Bedarfsgemeinschaften.