Familie & Betreuung
Ganztagsbetreuung für Kinder unter 3 Jahren in Deutschland
Im März 2023 wurden bundesweit rund 20 Prozent der Kinder unter drei Jahren ganztags betreut — im Osten Deutschlands waren es 41 Prozent, im Westen 15 Prozent. Dieser Artikel ordnet die Zahlen ein, erklärt den Rechtsanspruch und zeigt, was das für Familien mit wenig Geld bedeutet.
20 %
Anteil der Kinder unter drei Jahren, die im März 2023 bundesweit ganztags betreut wurden — das entspricht rund 463.000 Kindern. 2013 lag der Anteil bei 16 Prozent.
36,4 %
Betreuungsquote von Kindern unter drei Jahren in Kindertagesbetreuung im Jahr 2023, unabhängig vom Betreuungsumfang. Gegenüber 2013 ist sie um 7,1 Prozentpunkte gestiegen.
41 % zu 15 %
Ganztagsbetreuungsquote der unter Dreijährigen 2023 in den östlichen gegenüber den westlichen Bundesländern. Der Osten liegt damit knapp dreimal so hoch.
35 % bis 2030
Politisches Ziel für die Ganztagsbetreuung der 0- bis 2-Jährigen im Rahmen der Nachhaltigkeitsziele. Zuletzt lag der Wert bei 17,1 Prozent.
r = -0,58
Korrelation zwischen der Betreuungsquote von Kindern unter sieben Jahren und dem Anteil von Kindern unter 15 Jahren in SGB-II-Bedarfsgemeinschaften in Berlin. Ein statistischer Zusammenhang, kein Beweis für eine Ursache.
Wie viele Kinder unter 3 Jahren werden in Deutschland ganztags betreut?
Kurzantwort: Im März 2023 wurden bundesweit rund 20 Prozent der Kinder unter drei Jahren ganztags betreut, das waren etwa 463.000 Kinder. 2013 lag der Anteil noch bei 16 Prozent.
Ganztagsbetreuung heißt: Ein Kind kann durchgehend mehr als sieben Stunden am Tag in einer Tageseinrichtung oder bei einer Tagespflegeperson betreut werden. Nach dieser Definition wurden im März 2023 rund 463.000 Kinder unter drei Jahren ganztags betreut — etwa jedes fünfte Kind dieser Altersgruppe.
Der Anstieg über zehn Jahre ist deutlich, aber langsam: 2013 waren es 16 Prozent. Eine zweite Messgröße zeigt denselben Trend. Der Anteil der ganztags betreuten Kinder an allen Kindern in Einrichtungen der Kinderbetreuung stieg bei den 0- bis 2-Jährigen von 13,7 Prozent im Jahr 2013 auf 17,1 Prozent im Jahr 2023.
Ganztags ist nicht gleich Betreuung insgesamt
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen zwei Zahlen, die oft verwechselt werden:
- Betreuungsquote insgesamt: 2023 wurden 36,4 Prozent aller Kinder unter drei Jahren in Kindertagesbetreuung betreut — unabhängig davon, wie viele Stunden am Tag. Seit 2013 ist dieser Wert um 7,1 Prozentpunkte gestiegen.
- Ganztagsbetreuungsquote: Nur rund 20 Prozent der Kinder unter drei Jahren hatten 2023 einen Ganztagsplatz mit mehr als sieben Stunden täglich.
Zwischen beiden Zahlen liegen rund 16 Prozentpunkte. Sie stehen für Familien, die zwar einen Betreuungsplatz haben, aber nur in Teilzeit. Für Eltern, die in Vollzeit oder im Schichtdienst arbeiten wollen oder müssen, reicht ein solcher Platz häufig nicht aus.
Zum Vergleich: die älteren Kinder
Bei den 3- bis unter 6-Jährigen ist Ganztagsbetreuung deutlich verbreiteter. Im März 2023 lag die Quote bundesweit bei 47 Prozent, 2013 waren es 39 Prozent. Der Abstand zwischen den Altersgruppen zeigt: Der Ausbau der Ganztagsplätze hat die Jüngsten bislang am wenigsten erreicht.
Insgesamt betreute die Kindertagesbetreuung 2023 rund 3,1 Millionen Kinder unter sechs Jahren.
Ost-West-Unterschiede bei der Kinderbetreuung
Kurzantwort: Die Ganztagsbetreuungsquote der unter Dreijährigen lag 2023 in den östlichen Bundesländern bei 41 Prozent, in den westlichen bei 15 Prozent — der Osten liegt damit knapp dreimal so hoch.
Kein anderes Merkmal trennt die Betreuungslandschaft in Deutschland so stark wie die Himmelsrichtung. In den östlichen Bundesländern waren 2023 zwei von fünf Kindern unter drei Jahren in Ganztagsbetreuung. Im Westen war es weniger als jedes siebte Kind.
| Kennzahl (2023) | Ostdeutschland | Westdeutschland | Deutschland |
|---|---|---|---|
| Ganztagsbetreuung unter 3 Jahren | 41 % | 15 % | rund 20 % |
| Ganztagsbetreuung 3 bis unter 6 Jahre | 73 % | 41 % | 47 % |
| Betreuungsquote unter 3 Jahren gesamt | 54 % | 33 % | 36,4 % |
Auch bei den älteren Kindern bleibt der Abstand groß, allerdings mit unterschiedlicher Entwicklung: In den östlichen Bundesländern stieg die Ganztagsquote der 3- bis unter 6-Jährigen zwischen 2013 und 2023 nur von 70 auf 73 Prozent, im Westen dagegen von 32 auf 41 Prozent. Der Westen holt auf, ausgehend von einem sehr viel niedrigeren Niveau.
Unterschiede auch innerhalb der Landesteile
Die Betreuungsquote der unter Dreijährigen insgesamt reicht 2023 von rund 59 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt bis zu knapp 31 Prozent in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bremen. Die fünf Länder mit den höchsten Quoten sind ostdeutsche Flächenländer. Für Familien bedeutet das: Ob ein Ganztagsplatz realistisch erreichbar ist, hängt stark vom Wohnort ab.
Kinderbetreuung und Kinderarmut: Ein Zusammenhang?
Kurzantwort: In Berlin zeigt sich ein statistischer Zusammenhang: Wo die Betreuungsquote von Kindern unter sieben Jahren höher ist, ist der Anteil von Kindern in SGB-II-Bedarfsgemeinschaften niedriger (Pearsons r = -0,58). Eine Ursache-Wirkungs-Beziehung ist damit nicht bewiesen.
Für Berlin liegt eine Auswertung vor, die zwei Kennzahlen gegenüberstellt: die Betreuungsquote von Kindern unter sieben Jahren und den Anteil von Kindern unter 15 Jahren, die in Bedarfsgemeinschaften nach dem SGB II leben — also in Haushalten, die Bürgergeld beziehen. Der Korrelationskoeffizient nach Pearson beträgt -0,58.
Was diese Zahl aussagt — und was nicht
Ein negativer Korrelationskoeffizient bedeutet: Je höher der eine Wert, desto niedriger tendenziell der andere. Bei -0,58 ist dieser Zusammenhang mittelstark. In Berliner Gebieten mit hoher Betreuungsquote leben also im Durchschnitt anteilig weniger Kinder in Bedarfsgemeinschaften.
Eine Korrelation sagt nichts über die Richtung einer Wirkung aus. Denkbar sind mehrere Erklärungen, die sich aus der Zahl allein nicht unterscheiden lassen — etwa dass Betreuungsangebote Erwerbstätigkeit ermöglichen, dass erwerbstätige Eltern häufiger Betreuung nachfragen, oder dass beide Werte von weiteren Merkmalen der jeweiligen Gebiete abhängen. Aussagen wie "mehr Kitaplätze senken die Kinderarmut" lassen sich aus dieser Kennzahl nicht ableiten.
Warum der Zugang trotzdem armutsrelevant ist
Unabhängig von der Korrelation ist der Zusammenhang zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf direkt: Ganztagsbetreuung ist definiert als Betreuung von mehr als sieben Stunden täglich. Wer nur einen Teilzeitplatz erhält, kann eine Vollzeitstelle in der Regel nicht annehmen. Für Alleinerziehende und für Haushalte mit einem Einkommen ist die Betreuungszeit deshalb eine unmittelbare Frage des verfügbaren Haushaltseinkommens.
In Berlin nutzten 2023 deutlich mehr als zwei Drittel der Kinder unter sieben Jahren öffentlich geförderte Kindertagesbetreuung.
Rechtsanspruch: Worauf Eltern Anspruch haben
Kurzantwort: Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr haben nach dem SGB VIII einen Rechtsanspruch auf Förderung in einer Tageseinrichtung oder in Kindertagespflege. Der Anspruch bezieht sich auf einen bedarfsgerechten Platz, nicht automatisch auf einen Ganztagsplatz.
Die rechtliche Grundlage der Kindertagesbetreuung ist das Achte Buch Sozialgesetzbuch (SGB VIII), die Kinder- und Jugendhilfe. Es regelt, wer Anspruch auf Förderung in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege hat und wer dafür zuständig ist.
Anspruch und Wirklichkeit
Der gesetzliche Betreuungsanspruch kann nur eingelöst werden, wenn zwei Voraussetzungen erfüllt sind: Es muss genügend Kindertageseinrichtungen geben, und dort muss ausreichend pädagogisches Personal arbeiten. Beides ist derzeit nicht überall gegeben — der Fachkräftemangel in der Kindertagesbetreuung ist ein bekanntes Hemmnis beim weiteren Ausbau.
Ein Ansatzpunkt, der in der Fachdiskussion genannt wird, sind zusätzliche Anreize für männliches Betreuungspersonal. Der Männeranteil am Betreuungspersonal in Kindertageseinrichtungen ist in zehn Jahren von 4,4 auf 8,1 Prozent gestiegen — er bleibt damit gering.
Was Eltern konkret tun können
- Frühzeitig anmelden: Die Anmeldefristen und Vergabeverfahren unterscheiden sich von Kommune zu Kommune. Zuständig ist das örtliche Jugendamt.
- Bedarf schriftlich benennen: Wer eine Vollzeitstelle hat oder aufnehmen will, sollte den benötigten Betreuungsumfang bei der Anmeldung ausdrücklich angeben.
- Kindertagespflege mitdenken: Bei Kindern unter drei Jahren spielt die Kindertagespflege eine deutlich größere Rolle als bei älteren Kindern und kann eine Alternative zur Einrichtung sein.
- Beim Jugendamt nachfassen: Wird kein Platz zugewiesen, ist das Jugendamt der Ansprechpartner für die Erfüllung des Rechtsanspruchs.
Politische Ziele: Wohin steuert Deutschland bei der Kinderbetreuung?
Kurzantwort: Die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie sieht vor, die Ganztagsbetreuung für 0- bis 2-Jährige bis 2030 auf 35 Prozent und für 3- bis 5-Jährige auf 70 Prozent zu steigern. Beide Ziele gelten derzeit als nicht auf Kurs.
Die Ganztagsbetreuung ist als Indikator in den Nachhaltigkeitszielen verankert, konkret beim Ziel "Perspektiven für Familien — Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern". Für zwei Altersgruppen sind Zielwerte bis 2030 festgelegt.
| Indikator | Zielwert 2030 | Zuletzt gemessene Werte |
|---|---|---|
| Ganztagsbetreuung 0- bis 2-Jährige | 35 % | 16,5 % / 17,1 % / 16,8 % |
| Ganztagsbetreuung 3- bis 5-Jährige | 70 % | 45,9 % / 47,6 % / 47,0 % |
Der Abstand zum Ziel
Bei den 0- bis 2-Jährigen liegt der zuletzt gemessene Wert bei rund 17 Prozent. Bis 2030 müsste er sich damit etwa verdoppeln. Die Entwicklung der letzten Jahre verlief flach — die Werte bewegten sich zwischen 16,5 und 17,1 Prozent und gingen zuletzt sogar leicht zurück. Beide Indikatoren werden in der Bewertung nicht als zielkonform eingestuft.
Bemerkenswert ist der Vergleich mit der Ost-West-Verteilung: Die östlichen Bundesländer haben das für 2030 gesetzte Ziel von 35 Prozent mit 41 Prozent bereits übertroffen. Der bundesweite Rückstand entsteht damit überwiegend im Westen, wo die Quote bei 15 Prozent liegt.
Was den Ausbau bremst
Der Ausbau der Ganztagsplätze hängt nicht allein an politischen Zielmarken. Er setzt Einrichtungen und ausreichend pädagogisches Personal voraus. Solange Fachkräfte fehlen, wirken sich zusätzliche Plätze auf dem Papier nicht auf die tatsächliche Betreuungszeit aus, die Familien angeboten werden kann.
Quellen
- Gerull Lebenslagenuntersuchung 2025
- Handreichung Wohnungsnotfallhilfen im SGB II (MAGS NRW, Februar 2019) — Teil 3
- Handreichung Wohnungsnotfallhilfen im SGB II (MAGS NRW, Februar 2019) — Teil 2
- Handreichung Wohnungsnotfallhilfen im SGB II (MAGS NRW, Februar 2019) — Teil 1
- ZVR-Jahresbericht 2025 — Zentrales Vorsorgeregister (Bundesnotarkammer)
- ZVR-Statistik 2026 — Zentrales Vorsorgeregister (Bundesnotarkammer, Stand 30.06.2026)
- BAG W Statistikbericht 2023 (DzW-Dokumentation)
- schutzauftrag-kindeswohlgefaehrdung 2025
- Arbeitsmarktbericht Juli 2026
- statistik grundsicherung 20260803143257
- Sozialgesetzbuch XII
- Sozialgesetzbuch XI
Häufige Fragen
Was bedeutet Ganztagsbetreuung genau?+
Ganztagsbetreuung bedeutet, dass ein Kind durchgehend mehr als sieben Stunden je Tag in einer Tageseinrichtung oder bei einer Tagespflegeperson betreut werden kann. Maßgeblich ist die vertraglich vereinbarte Betreuungszeit pro Betreuungstag. Alles darunter zählt statistisch nicht als Ganztagsbetreuung, auch wenn ein Betreuungsplatz vorhanden ist.
Wie viele Kinder unter drei Jahren werden in Deutschland ganztags betreut?+
Im März 2023 waren es bundesweit rund 20 Prozent der Kinder unter drei Jahren, das entspricht etwa 463.000 Kindern. 2013 lag der Anteil bei 16 Prozent. Rechnet man alle Betreuungsformen unabhängig vom Stundenumfang zusammen, lag die Betreuungsquote der unter Dreijährigen 2023 bei 36,4 Prozent.
Warum ist die Betreuungsquote im Osten höher als im Westen?+
Die Daten belegen den Unterschied deutlich: 41 Prozent Ganztagsbetreuung bei unter Dreijährigen im Osten gegenüber 15 Prozent im Westen, bei der Gesamtbetreuungsquote 54 gegenüber 33 Prozent. Auffällig ist auch die Entwicklung: Im Osten war das Niveau bereits 2013 hoch und stieg seither nur wenig, im Westen wuchs es von einem niedrigen Ausgangswert schneller. Das spricht für über lange Zeit gewachsene Unterschiede in Angebot und Nachfrage. Eine belastbare Ursachenanalyse liefern die Betreuungsstatistiken selbst nicht.
Gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz für unter 3-Jährige?+
Ja. Das Achte Buch Sozialgesetzbuch (SGB VIII), die Kinder- und Jugendhilfe, regelt den Anspruch auf Förderung in Kindertageseinrichtungen und in Kindertagespflege ab dem vollendeten ersten Lebensjahr. Der Anspruch richtet sich auf einen bedarfsgerechten Platz, nicht automatisch auf einen Ganztagsplatz. Zuständig für die Erfüllung ist das örtliche Jugendamt.
Warum bekommen Eltern trotz Rechtsanspruch oft keinen Platz?+
Der gesetzliche Betreuungsanspruch kann nur gewährleistet werden, wenn es genügend Kindertageseinrichtungen gibt und dort ausreichend pädagogisches Betreuungspersonal vorhanden ist. Der Fachkräftemangel in der Kindertagesbetreuung ist ein bekanntes Hemmnis. Der Männeranteil am Betreuungspersonal stieg in zehn Jahren zwar von 4,4 auf 8,1 Prozent, bleibt aber gering.
Hängen Kinderbetreuung und Kinderarmut zusammen?+
Für Berlin liegt ein statistischer Zusammenhang vor: Zwischen der Betreuungsquote von Kindern unter sieben Jahren und dem Anteil von Kindern unter 15 Jahren in SGB-II-Bedarfsgemeinschaften beträgt der Korrelationskoeffizient nach Pearson -0,58. Das ist ein mittelstarker negativer Zusammenhang, aber kein Nachweis einer Ursache. Direkt nachvollziehbar ist dagegen der Bezug zur Erwerbstätigkeit: Wer nur einen Teilzeitplatz hat, kann eine Vollzeitstelle meist nicht annehmen.
Welche Ziele hat Deutschland bei der Ganztagsbetreuung bis 2030?+
Vorgesehen ist ein Anstieg der Ganztagsbetreuung für 0- bis 2-Jährige auf 35 Prozent und für 3- bis 5-Jährige auf 70 Prozent bis 2030. Die zuletzt gemessenen Werte lagen bei rund 17 Prozent beziehungsweise rund 47 Prozent. Beide Indikatoren gelten damit als nicht auf Zielkurs.