ARMUTDEUTSCHLAND
Was sie bedeutet

Wohlfahrtsverbände

AWO (Arbeiterwohlfahrt): Aufgaben, Struktur und Hilfe vor Ort

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) ist einer der sechs Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege in Deutschland. Sie betreibt soziale Einrichtungen und Beratungsangebote vor Ort und vertritt die Interessen von Menschen mit geringem Einkommen gegenüber der Politik.

8 Min. Lesezeit

Kernzahlen 2023

  • 269.994Mitglieder in Deutschland, Stichtag 31.12.2023
  • 250.718Angestellte in Einrichtungen und Diensten
  • 70.758Ehrenamtliche, die sich engagieren
  • 259Anhörungen und Gespräche mit politischen Entscheidern
  • 72Auslandsprojekte von AWO International in 18 Ländern (2024)

AWO-Verbandsangaben, Stichtag 31.12.2023; internationale Zahl mit Stand 2024. Die Zahlen stammen aus der Selbstauskunft des Verbands.

Was die AWO für Menschen in Armut leistet

Kurzantwort: Die AWO ist für Menschen mit wenig Geld vor allem eine Anlaufstelle: Sie betreibt Beratungsstellen und soziale Dienste in Städten und Landkreisen und setzt sich politisch dafür ein, dass Sozialleistungen und soziale Angebote nicht gekürzt werden.

Für Betroffene ist die AWO in zwei Rollen wichtig. Erstens als Trägerin von Einrichtungen: Wer Rat sucht, wendet sich an eine örtliche Beratungsstelle, an eine Familienberatung oder an einen sozialen Dienst in der Nähe. Zweitens als anwaltschaftliche Interessenvertretung: Der Verband bringt die Erfahrungen aus dieser täglichen Arbeit in politische Verfahren ein und äußert sich zu Gesetzentwürfen, die Menschen mit geringem Einkommen betreffen.

Die Größe des Verbands ist dabei kein Selbstzweck. Mehr als 250.000 Angestellte bedeuten, dass Hilfe in vielen Regionen überhaupt verfügbar ist. Rund 70.000 Ehrenamtliche tragen Angebote, die sich rein über Entgelte nicht finanzieren lassen — etwa Begegnungsangebote, Besuchsdienste oder Nachbarschaftshilfe. Und die Beteiligung an politischen Anhörungen bedeutet, dass die Sicht von Betroffenen dort vorgetragen wird, wo über Leistungshöhen und Förderprogramme entschieden wird.

Angebote der AWO vor Ort: Wo Sie Hilfe finden

Kurzantwort: Angebote der AWO gibt es typischerweise in den Feldern Sozial- und Schuldnerberatung, Migrations- und Flüchtlingsberatung, Kinderbetreuung, Familienhilfe, Seniorenarbeit und Pflege. Welche Angebote es konkret gibt, entscheidet sich regional — den Überblick gibt der zuständige Kreis- oder Ortsverband.

Die AWO ist kein zentral gesteuerter Anbieter mit einem bundesweit einheitlichen Angebotskatalog. Einrichtungen und Dienste werden von rechtlich selbstständigen Gliederungen betrieben. Deshalb unterscheidet sich das Angebot von Stadt zu Stadt zum Teil erheblich: In einer Großstadt kann es mehrere Beratungsstellen, Kindertagesstätten und Pflegedienste geben, in einem ländlichen Kreis vielleicht nur einzelne Angebote.

Eine bundesweite Einrichtungsstatistik der AWO liegt in den für diese Seite ausgewerteten Quellen nicht vor. Belastbare Aussagen über die Zahl der Beratungsstellen oder Kitas lassen sich daraus nicht ableiten. Für die Suche nach Hilfe ist das aber kein Hindernis, wenn Sie den folgenden Weg gehen.

So finden Sie die zuständige Anlaufstelle

  1. Suchen Sie nach dem AWO-Kreisverband oder Ortsverein Ihres Wohnorts. Die Kreisverbände führen die Einrichtungen und Dienste in ihrem Gebiet.
  2. Fragen Sie konkret nach dem Anliegen: Schulden, Miete, Sozialleistungen, Betreuung eines Kindes, Pflege eines Angehörigen. Beratungsstellen sind nach Themen zugeschnitten.
  3. Klären Sie im ersten Gespräch, ob die Beratung kostenfrei ist. Allgemeine Sozial- und Schuldnerberatung ist für Ratsuchende in der Regel kostenlos, weil sie öffentlich gefördert wird.
  4. Wenn die AWO vor Ort das passende Angebot nicht hat, fragen Sie nach einer Weitervermittlung. Wohlfahrtsverbände arbeiten örtlich häufig zusammen und kennen die Angebote der anderen Träger.

Wichtig zu wissen: Eine Mitgliedschaft in der AWO ist keine Voraussetzung, um Beratung oder Unterstützung zu erhalten. Die Angebote der freien Wohlfahrtspflege stehen grundsätzlich allen offen, die sie brauchen.

Was ist die AWO? Struktur und Einordnung

Kurzantwort: Die AWO ist ein Mitgliederverband und zugleich Trägerin sozialer Einrichtungen. Sie gliedert sich in den Bundesverband, Landesverbände sowie Bezirks-, Kreisverbände und Ortsvereine.

Der Aufbau folgt dem Prinzip der Selbstständigkeit der Gliederungen. Der Bundesverband nimmt die Aufgaben wahr, die bundesweit anfallen: Vertretung gegenüber der Bundespolitik, fachliche Grundsatzarbeit, Koordination innerhalb des Verbands. Die eigentliche soziale Arbeit findet in den Landes-, Bezirks- und Kreisverbänden sowie in den Ortsvereinen statt. Für Ratsuchende bedeutet das: Zuständig ist fast immer die örtliche Gliederung, nicht der Bundesverband.

Regional ist der Verband unterschiedlich stark verankert. Die höchste Mitgliederzahl hatte 2023 Nordrhein-Westfalen mit 74.539 Mitgliedern, gefolgt von Bayern mit 50.925 Mitgliedern. Beide Zahlen beziehen sich auf den Stichtag 31.12.2023. Eine hohe Mitgliederzahl deutet auf ein dichtes Netz an Ortsvereinen hin, sagt allein aber noch nichts über die Zahl der Beratungsangebote in einer bestimmten Stadt aus.

Die AWO in Zahlen: Mitglieder, Beschäftigte und Ehrenamt

Kurzantwort: Zum Stichtag 31.12.2023 zählte die AWO 269.994 Mitglieder, 250.718 Angestellte und 70.758 Ehrenamtliche in Deutschland.

AWO-Verbandsangaben, Stichtag 31.12.2023
KennzahlWertWas das für Betroffene bedeutet
Mitglieder in Deutschland269.994Trägerschaft und Selbstverwaltung des Verbands; Mitglieder finanzieren über Beiträge auch verbandseigene Angebote mit
Angestellte250.718Fachkräfte in Kitas, Pflege, Beratung und sozialen Diensten — sie erbringen die Hilfe im Alltag
Ehrenamtliche70.758Tragen Angebote wie Begegnung, Besuchsdienste und Nachbarschaftshilfe, die es sonst oft nicht gäbe
Mitglieder Nordrhein-Westfalen74.539Mitgliederstärkster Landesverband, entsprechend dichtes Netz an Ortsvereinen
Mitglieder Bayern50.925Zweitstärkster Landesverband

Die Zahlen stammen aus der Selbstauskunft des Verbands. Sie sind nicht amtlich erhoben und lassen sich deshalb nur eingeschränkt mit Statistiken anderer Träger vergleichen. Auffällig ist das Verhältnis von Mitgliedern zu Beschäftigten: Die AWO ist deutlich mehr als ein Mitgliederverein, sie ist auch eine große Arbeitgeberin im Sozial- und Gesundheitswesen. Für Menschen in Armut ist vor allem die zweite Rolle entscheidend, denn dort entstehen die konkreten Hilfen.

Wie finanziert sich die AWO?

Kurzantwort: Verbände der freien Wohlfahrtspflege finanzieren sich in der Regel aus vier Bereichen: Entgelten der Sozialleistungsträger, öffentlichen Zuschüssen und Projektförderungen, Mitgliedsbeiträgen sowie Spenden und Eigenmitteln. Verbandsweite Finanzkennzahlen der AWO sind in den für diese Seite ausgewerteten Quellen nicht enthalten.

Leistungsentgelte: Den größten Teil machen bei sozialen Trägern üblicherweise Entgelte aus, die Sozialleistungsträger für erbrachte Leistungen zahlen — etwa Pflegekassen für Pflegeleistungen, Kommunen für Kita-Plätze oder Jugendämter für Hilfen zur Erziehung. Die Einrichtung rechnet dabei mit dem Kostenträger ab, nicht mit der betreuten Person.

Öffentliche Zuschüsse und Projektförderung: Beratungsangebote wie die allgemeine Sozialberatung oder die Schuldnerberatung werden häufig aus Mitteln von Bund, Ländern oder Kommunen gefördert. Diese Förderung ist der Grund dafür, dass Beratung für Ratsuchende meist kostenfrei ist — und zugleich der Grund, warum Haushaltskürzungen Beratungsstellen unmittelbar treffen können.

Mitgliedsbeiträge: Die Beiträge der Mitglieder finanzieren vor allem die Verbandsarbeit und ehrenamtlich getragene Angebote der Ortsvereine.

Spenden und Eigenmittel: Spenden, Bußgelder und Rücklagen dienen oft der Kofinanzierung. Viele Förderprogramme verlangen einen Eigenanteil des Trägers, der aus solchen Mitteln aufgebracht wird.

Zu welchen Anteilen sich die AWO insgesamt aus diesen Quellen finanziert, lässt sich aus den hier ausgewerteten Berichten nicht beziffern. Konkrete Auskünfte zu einzelnen Einrichtungen geben die jeweiligen Kreisverbände.

AWO im Vergleich zu den anderen Wohlfahrtsverbänden

Kurzantwort: Die AWO ist einer von sechs Spitzenverbänden der freien Wohlfahrtspflege, die in der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) zusammengeschlossen sind. Der wesentliche Unterschied zwischen ihnen liegt in der weltanschaulichen Prägung, nicht in völlig unterschiedlichen Aufgaben.

Die sechs Spitzenverbände der BAGFW sind:

  • Arbeiterwohlfahrt (AWO) — der Arbeiterbewegung nahestehend, weltanschaulich nicht konfessionell gebunden
  • Deutscher Caritasverband — katholisch geprägt
  • Diakonie Deutschland — evangelisch geprägt
  • Der Paritätische Wohlfahrtsverband — konfessionell und weltanschaulich nicht gebunden, Dachverband sehr unterschiedlicher Mitgliedsorganisationen
  • Deutsches Rotes Kreuz (DRK) — konfessionell nicht gebunden, den Rotkreuz-Grundsätzen verpflichtet
  • Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) — jüdisch geprägt

Für Ratsuchende ist diese Unterscheidung in der Praxis meist zweitrangig. Beratungsstellen aller Verbände stehen grundsätzlich allen Menschen offen, unabhängig von Religion oder Weltanschauung. Entscheidend ist eher, welcher Träger das passende Angebot in erreichbarer Nähe betreibt. Wer unsicher ist, kann bei einer beliebigen Beratungsstelle anfragen und um Weitervermittlung bitten.

Vergleichszahlen zu Mitgliedern, Beschäftigten oder Einrichtungen der übrigen Verbände sind in den für diese Seite ausgewerteten Quellen nicht enthalten und werden hier deshalb nicht genannt.

Politische Arbeit: Interessenvertretung für Menschen in Armut

Kurzantwort: Die AWO bringt sich in Gesetzgebungsverfahren und Fachdebatten ein. 2023 nahm der Bundesverband an 259 Anhörungen und Gesprächen mit politischen Entscheidern teil und veröffentlichte 145 Stellungnahmen und Positionspapiere.

Diese Arbeit ist für Betroffene relevant, weil in solchen Verfahren über Regelsätze, Wohnkosten, Beratungsförderung und Zugangsvoraussetzungen zu Leistungen entschieden wird. Wohlfahrtsverbände werden dabei als Sachverständige gehört. Sie tragen vor, welche Folgen geplante Regelungen im Alltag der Menschen haben, die ihre Einrichtungen aufsuchen.

Ein Teil der Arbeit läuft gemeinsam mit den anderen Verbänden. 2023 koordinierte der AWO Bundesverband 211 Abstimmungsprozesse im Rahmen der BAGFW-Federführung; 92 davon mündeten in veröffentlichte Stellungnahmen. Gemeinsame Positionen der Wohlfahrtspflege haben politisch mehr Gewicht als Einzelmeinungen. Hinzu kamen 141 Fachveranstaltungen, in denen Fachkräfte, Verwaltung und Politik Themen der sozialen Arbeit bearbeiteten.

Beispiel für anwaltschaftliche Interessenvertretung: die Kampagne gegen Haushaltskürzungen

Wie öffentliche Interessenvertretung aussehen kann, zeigt die Kampagne „Die Letzte macht das Licht aus“. Nach Verbandsangaben mobilisierte die AWO damit über 3.000 Menschen vor dem Bundestag. Im Anschluss an die Kampagne wurden wesentliche geplante Haushaltskürzungen zurückgenommen. Ein alleiniger Ursachenzusammenhang lässt sich daraus nicht ableiten — an solchen Entscheidungen wirken viele Akteure mit. Das Beispiel zeigt aber, wie Träger sozialer Angebote versuchen, Kürzungen bei Beratungsstellen und Projekten abzuwenden, die Menschen mit geringem Einkommen direkt betreffen.

AWO International: Engagement gegen Armut weltweit

Kurzantwort: AWO International führte 2024 insgesamt 72 Auslandsprojekte in 18 Ländern durch und erreichte damit nach eigenen Angaben 500.430 Menschen direkt.

AWO International ist der Fachverband für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe innerhalb der AWO. Die Projekte richten sich an Menschen in Regionen, in denen Armut, Flucht oder Naturkatastrophen die Lebensgrundlagen bedrohen. Umgesetzt wird die Arbeit gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen.

Zwei Arbeitsschwerpunkte sind besonders sichtbar: das Engagement für die zivilgesellschaftliche Seenotrettung im Mittelmeer sowie die Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen in El Salvador gemeinsam mit der Partnerorganisation Cristosal. Beides verbindet praktische Hilfe mit dem Eintreten für Rechte — dieselbe Doppelrolle, die die AWO auch in Deutschland einnimmt.

Mitglied werden oder sich engagieren

Kurzantwort: Wer sich engagieren möchte, wendet sich an den Ortsverein oder Kreisverband vor Ort. 70.758 Menschen waren zum Stichtag 31.12.2023 ehrenamtlich für die AWO aktiv.

Ehrenamtliche Aufgaben reichen je nach Ort von Begegnungs- und Besuchsdiensten über Hausaufgabenhilfe bis zur Mitarbeit in Kleiderkammern oder Nachbarschaftsprojekten. Eine Mitgliedschaft ist für ehrenamtliches Engagement nicht zwingend erforderlich; Mitglieder haben aber Stimmrecht in den Gremien und wirken an der Ausrichtung des Verbands mit. Welche Aufgaben konkret gesucht werden, erfahren Interessierte direkt beim örtlichen Verband.

Häufige Fragen

Wie viele Mitglieder hat die AWO in Deutschland?+

Zum Stichtag 31.12.2023 zählte die AWO 269.994 Mitglieder in Deutschland. Der mitgliederstärkste Landesverband war Nordrhein-Westfalen mit 74.539 Mitgliedern, gefolgt von Bayern mit 50.925 Mitgliedern. Die Angaben stammen aus der Selbstauskunft des Verbands.

Wie viele Menschen arbeiten oder engagieren sich bei der AWO?+

Nach Verbandsangaben waren zum Stichtag 31.12.2023 insgesamt 250.718 Menschen bei der AWO angestellt. Hinzu kamen 70.758 Ehrenamtliche. Die Angestellten arbeiten überwiegend in Einrichtungen und Diensten wie Kitas, Pflege, Beratung und Familienhilfe.

Welche Angebote der AWO gibt es vor Ort?+

Typische Angebotsfelder sind Sozial- und Schuldnerberatung, Migrations- und Flüchtlingsberatung, Kinderbetreuung, Familienhilfe, Seniorenarbeit und Pflege. Da die Gliederungen rechtlich selbstständig sind, unterscheidet sich das Angebot regional. Eine bundesweite Einrichtungsstatistik liegt in den ausgewerteten Quellen nicht vor. Auskunft gibt der AWO-Kreisverband oder Ortsverein am Wohnort.

Muss ich AWO-Mitglied sein, um Beratung zu bekommen?+

Nein. Beratungsangebote der freien Wohlfahrtspflege stehen grundsätzlich allen Menschen offen, unabhängig von einer Mitgliedschaft, von Religion oder Weltanschauung. Allgemeine Sozial- und Schuldnerberatung ist für Ratsuchende in der Regel kostenfrei, weil sie öffentlich gefördert wird.

Was unterscheidet die AWO von Caritas und Diakonie?+

AWO, Deutscher Caritasverband, Diakonie Deutschland, Der Paritätische Wohlfahrtsverband, Deutsches Rotes Kreuz und die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland sind die sechs Spitzenverbände der BAGFW. Sie unterscheiden sich vor allem in ihrer weltanschaulichen Prägung: Die AWO steht der Arbeiterbewegung nahe und ist konfessionell nicht gebunden, die Caritas ist katholisch, die Diakonie evangelisch, die ZWST jüdisch geprägt. Die Aufgabenfelder überschneiden sich weitgehend.

Was macht AWO International?+

AWO International ist der Fachverband für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe innerhalb der AWO. 2024 führte er 72 Auslandsprojekte in 18 Ländern durch und erreichte nach eigenen Angaben 500.430 Menschen direkt. Zu den Schwerpunkten zählen das Engagement für die zivilgesellschaftliche Seenotrettung im Mittelmeer und die Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen in El Salvador gemeinsam mit der Partnerorganisation Cristosal.

Das könnte dich auch interessieren