Migration & Regionen

Migrationsmuster in Ost- und Westdeutschland: Ein Vergleich

Jahrzehntelang war Deutschland ein Land mit klarer Migrationsrichtung: Menschen kamen in den Westen, seltener in den Osten. Inzwischen hat sich das Bild verschoben. Seit einigen Jahren verzeichnen die ostdeutschen Bundeslaender erstmals mehr Zuzuege aus dem Westen als Wegzuege dorthin. Dieser Artikel beleuchtet, wie unterschiedlich sich Zuwanderung in Ost und West entwickelt hat, welche Folgen das fuer Armutsrisiken hat und was hinter dem erstaunlichen Wanderungsumkehr steckt.

Zahlen auf einen Blick

90.600
Menschen zogen 2022 aus Westdeutschland in die ostdeutschen Laender
77 %
der West-nach-Ost-Zuzuege 2022 waren Personen im Erwerbsalter (18–64 Jahre)
3,3 %
der Gesamtbevoelkerung wechselten 2021 ihren Wohnsitz ueber Kreisgrenzen
seit 2017
durchgaengig mehr Zuzuege von West nach Ost als in die umgekehrte Richtung
hoeher
Armutsrisiko in Ostdeutschland — insbesondere fuer Menschen mit direktem Migrationshintergrund

Westdeutschland als historisches Zuwanderungsziel

Wer nach Deutschland einwanderte, landete lange Zeit fast ausschliesslich im Westen. Das ist kein Zufall, sondern Ergebnis einer gezielten Wirtschaftspolitik: Ab 1955 warb die Bundesrepublik Arbeitskraefte aus Suedeuropa und der Tuerkei an. Diese sogenannten Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter kamen in Regionen, in denen Stahl, Automobile und Bergbau boomten — also vorwiegend in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Wuerttemberg. Viele blieben, gruendeten Familien und holten Angehoerige nach. So entstand eine Migrationsgeografie, die bis heute nachwirkt.

Die DDR folgte einem anderen Modell. Auch sie warb ab Mitte der 1960er Jahre Arbeitskraefte an, etwa aus Mosambik und Vietnam. Doch die Zahlen waren deutlich kleiner, und nach der Wende aenderten sich die Verhaeltnisse grundlegend: Waehrend in Westdeutschland eine gewachsene Migrationsinfrastruktur existierte — Beratungsstellen, ethnische Netzwerke, vertraute Strukturen — stand Ostdeutschland als Zuwanderungsziel kaum auf der Karte. Die grosse Zuwanderung der 1990er Jahre, ob Spataaussiedlerinnen aus Polen und der ehemaligen Sowjetunion oder Gefluechtete aus dem Balkan, siedelte sich ebenfalls vorwiegend im Westen an.

Erst die EU-Osterweiterungen ab 2004 aenderten dieses Bild graduell. Seitdem kamen allein aus Polen und Rumaenien jeweils 2,8 Millionen Menschen nach Deutschland — doch auch hier zog es die meisten in wirtschaftsstarke westliche Ballungsraeume.

Kurzantwort: Westdeutschland war seit den 1950er Jahren das zentrale Zuwanderungsziel — durch die Gastarbeiteranwerbung entstanden dort Strukturen, die Zuwanderung langfristig konzentrierten. Die DDR und spaeter die ostdeutschen Bundeslaender spielten als Einwanderungsziel eine marginale Rolle. Erst seit den 2010er Jahren verschiebt sich dieses Muster langsam.

Die Wende im Wanderungsgeschehen: West zieht nach Ost

Lange Zeit war die innerdeutsche Wanderung eindeutig: Menschen verliessen Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt oder Thueringen Richtung Westen — auf der Suche nach Arbeit, Ausbildung, Zukunft. Im Jahr 2016 verzeichneten die ostdeutschen Laender noch einen Abwanderungsueberschuss von fast 15.000 Personen. Dann kippte das Bild.

Seit 2017 ziehen durchgaengig mehr Menschen aus Westdeutschland in den Osten, als umgekehrt aus dem Osten in den Westen abwandern. Im Jahr 2022 zogen insgesamt 90.600 Menschen von West nach Ost. Diese Zahl ist bemerkenswert: Fast vier Fuenftel dieser Zugezogenen waren im erwerbsfaehigen Alter zwischen 18 und 64 Jahren, ein Drittel war sogar zwischen 25 und 34 Jahre alt — also in der Lebensphase, in der Berufskarrieren gestaltet werden.

Das Binnenwanderungsgeschehen in Deutschland ist insgesamt relativ stabil. Im Jahr 2021 wechselten rund 2,8 Millionen Menschen ihren Wohnsitz ueber Kreisgrenzen — etwas mehr als 3 Prozent der Gesamtbevoelkerung. Im internationalen Vergleich gilt Deutschland damit als moderat mobiles Land: deutlich weniger mobil als Finnland oder Daenemark, aber mobiler als Spanien oder Italien. Junge Erwachsene sind besonders aktiv: Etwa 9 bis 10 Prozent der 18- bis 29-Jaehrigen wechseln im Jahr ihren Kreis, haeufig im Zusammenhang mit Studium, Ausbildungsbeginn oder Berufseinstieg.

Eckdaten: Binnenwanderung Ost-West

Thema
Regionale Migrationsmuster in Deutschland nach der Wiedervereinigung
Wendepunkt
2017: Erstmals mehr Zuzuege von West nach Ost als umgekehrt
Umfang 2022
90.600 Personen zogen von West- nach Ostdeutschland
Altersstruktur
77 % im Erwerbsalter (18–64 J.), 33 % zwischen 25–34 Jahren
Mobilitaetsrate
Ca. 3 % der Bevoelkerung wechseln jaehrlich den Kreis
Historischer Tiefpunkt
2016: Abwanderungsueberschuss von 14.900 Personen aus dem Osten
Kurzantwort: Seit 2017 ist die jahrzehntelange Abwanderung aus Ostdeutschland zum Erliegen gekommen. Stattdessen zieht es ueberwiegend junge Erwachsene im Erwerbsalter von West nach Ost. Im Jahr 2022 machten diese Umzuege 90.600 Personen aus — ein Zeichen fuer veraenderte Lebensentscheidungen und neue Attraktivitaet ostdeutscher Raeume.

Einkommensunterschiede und Armutsrisiken im Ost-West-Vergleich

Trotz dieser Trendumkehr bleiben strukturelle Unterschiede bestehen. Ostdeutschland weist weiterhin ein niedrigeres Einkommensniveau auf als die meisten westdeutschen Regionen — und damit auch ein hoeher Armutsrisiko fuer die Gesamtbevoelkerung. Die Einkommensschere zwischen Ost und West hat sich seit 2020 zwar weiter verengt, aber die groessten Differenzen bestehen nach wie vor bei den Spitzeneinkommen. Wer wenig verdient, ist im Osten und im Westen aehnlich schlecht gestellt — wer viel verdient, verdient im Westen wesentlich mehr.

Ein aufschlussreicher Aspekt: Die Einkommensverteilung in Ostdeutschland war nach der Wende deutlich egalitaerer als im Westen. Im Westen wuchsen die Abstande zwischen unteren und hoeheren Einkommensgruppen ueber Jahrzehnte langsam. Im Osten hingegen nahm die Ungleichheit stark zu und hat sich inzwischen weitgehend dem westdeutschen Niveau angenaehert. Wenn man die Kaufkraftunterschiede einbezieht — Mieten und Lebenshaltungskosten sind im Osten nach wie vor niedriger — verringern sich die realen Einkommensdiskrepanzen bei vielen Gruppen auf unter 10 Prozent.

Fuer Menschen mit Migrationshintergrund stellt sich die Lage noch einmal anders dar. Sie sind in allen Landesteilen einem hoeherem Armutsrisiko ausgesetzt als die Bevoelkerung ohne Migrationshintergrund. In Ostdeutschland ist dieser Effekt jedoch besonders ausgepragt: Wer selbst eingewandert ist und in den ostdeutschen Laendern lebt, traegt dort ein noch groesseres Armutsrisiko als im bundesweiten Durchschnitt. Das haengt unter anderem damit zusammen, dass die wirtschaftliche Basis im Osten schmaeler ist und soziale Netzwerke fuer neu Eingewanderte schwerer zu knuepfen sind.

Merkmal Westdeutschland Ostdeutschland
Einkommensniveau Hoeher, groessere Spreizung Niedriger, Angleichung im Gange
Armutsrisiko gesamt Regional variabel, insgesamt niedriger Hoeher als in den meisten westl. Regionen
Armutsrisiko bei Migranten Erhoht, aber strukturell besser abgefedert Besonders hoch, insbes. bei direkt Eingewanderten
Wanderungssaldo (seit 2017) Verliert Einwohner an Osten Gewinnt Einwohner aus dem Westen
Historische Zuwanderung Stark: Gastarbeiter, EU-Zuwanderung, Flucht Gering: Vertragsarbeiter DDR, spaeter wenig
Kaufkraft Nominal hoeher Kaufkraftbereinigt deutlich angenaehert
Kurzantwort: Ostdeutschland hat gegenueber dem Westen aufgeholt, bleibt aber beim Einkommensniveau und Armutsrisiko strukturell benachteiligt. Fuer direkt eingewanderte Menschen ist das Armutsrisiko im Osten besonders hoch. Kaufkraftbereinigt sind die Unterschiede geringer, als nominale Einkommenszahlen vermuten lassen.

Armut und Migration in ostdeutschen Staedte

In den Grossstaedten zeigt sich ein gemischtes Bild. Einerseits sind die Gebiete mit besonders hohen Armutsquoten in ostdeutschen Staedten in den vergangenen Jahren zurueckgegangen — ein Zeichen, dass sich die Lage fuer viele verbessert hat. Andererseits bleibt die raeumliche Konzentration von Armut ein Problem: In Schwerin etwa lebten zeitweise rund 21 Prozent der Bevoelkerung in Stadtteilen, in denen die Armutsquote ueber 25 Prozent lag. In Halle war es sogar ein Viertel der Stadtbevoelkerung.

Gleichzeitig zeigt sich in den Staedten Deutschlands seit Jahren ein zunehmender Zusammenhang zwischen Armut und dem Anteil von Menschen ohne deutsche Staatsangehoerigkeit. Das ist kein Zufall: Viele Eingewanderte finden sich am unteren Ende des Arbeitsmarktes wieder, haeufig in unsicheren Beschaeftigungsverhaeltnissen oder Berufen mit niedrigen Loehnen. Working Poor — also Menschen, die trotz Arbeit arm bleiben — sind unter Eingewanderten ueberproportional haeufig vertreten. Dieser Befund gilt fuer Ost und West, ist aber im Osten aufgrund der breiteren Einkommensarmut der Gesamtgesellschaft verstaerkt.

Menschen aus Mittel- und Hoeherem Angestelltenverhaltnis stammen unter Eingewanderten seltener. Nur fuenf Prozent der Gefluechteten arbeiteten in mittleren und hoeheren Angestelltenpositionen, waehrend es bei der Bevoelkerung ohne Migrationshintergrund mehr als die Haelfte war. Beamtenberufe sind fuer die meisten Eingewanderten aus rechtlichen Gruenden von vornherein verschlossen, da sie die deutsche oder eine EU-Staatsangehoerigkeit voraussetzen.

Kurzantwort: In ostdeutschen Grossstaedten hat sich die extreme Armutskonzentration in einzelnen Stadtteilen leicht verbessert, bleibt aber in Staedten wie Schwerin und Halle erheblich. Der Zusammenhang zwischen auslaendischer Staatsangehoerigkeit und Armut hat sich bundesweit verscharft — in strukturschwachen Regionen im Osten ist er besonders ausgepraegt.

Historische Weichenstellungen und ihre langfristigen Folgen

Warum Ost und West so unterschiedliche Migrationsmuster entwickelt haben, laesst sich nicht ohne Blick auf die Geschichte verstehen. Nach dem ersten Anwerbeabkommen mit Italien 1955 folgten weitere mit Spanien, Griechenland, der Tuerkei, Marokko, Portugal, Tunesien und Jugoslawien — stets war es die Bundesrepublik im Westen, die diese Vertraege schloss und die Infrastruktur aufnahm. Die DDR blieb aussen vor. Als nach der Wiedervereinigung Spataaussiedlerinnen und Spataaussiedler aus Rumaenien, Polen und den Gebieten der frueheren Sowjetunion kamen, verteilten sie sich zwar im gesamten vereinten Deutschland, konzentrierten sich aber auch hier staerker in den alten Bundeslaendern.

Dann kamen in den fruehen 1990er Jahren Gefluechtete aus den Balkangebieten, wieder gefolgt von Zuwanderungswellen im Zuge der EU-Osterweiterung ab 2004 — Polen, Slowakinnen, Rumaenen und Bulgaren kamen in grosser Zahl. Und seit 2011 kamen Menschen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak, aus Eritrea, Somalia, dem Iran und Pakistan: Die modernen Fluchtbewegungen folgten weitgehend den bestehenden Netzwerken und Strukturen — und die lagen grosstenteils im Westen.

All das hat dazu gefuehrt, dass der Anteil von Menschen mit Einwanderungsgeschichte in westdeutschen Regierungsbezirken deutlich hoeher ist als in ostdeutschen Regionen. Ende 2022 lebten rund 80 Prozent der deutschen Bevoelkerung in den westlichen Bundeslaendern, nur knapp 15 Prozent in den neuen Bundeslaendern und 4,5 Prozent in Berlin. Die Migrationsdurchmischung unterscheidet sich entsprechend stark.

Das hat konkrete Konsequenzen: Dort, wo interkulturelle Erfahrung fehlt — in Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft — ist die Integration neu Zugewanderter schwieriger. Gleichzeitig sind bestehende Hilfsangebote, Netzwerke und Beratungsstrukturen fuer Menschen mit Migrationshintergrund, wie sie etwa bei sozialer Teilhabe oder der Unterstuetzung durch Tafeln eine Rolle spielen, in ostdeutschen Regionen oft weniger dicht als im Westen.

Kurzantwort: Die ungleiche Verteilung von Zuwanderung zwischen Ost und West ist das Ergebnis von sieben Jahrzehnten unterschiedlicher Politiken, Wirtschaftsgeschichten und sozialer Netzwerke. Die neuen Bundeslaender hatten schlicht weniger Ausgangspunkte fuer Zuwanderung — und dieser Rueckstand wirkt bis heute in der Migrationsinfrastruktur nach.

Was die Trendumkehr bedeutet und welche Herausforderungen bleiben

Die Wanderungsumkehr seit 2017 ist mehr als eine statistische Kuriositat. Sie zeigt, dass ostdeutsche Regionen attraktiver geworden sind — sei es durch sinkende Mieten, wachsende Wirtschaftsstandorte in einzelnen Staedten oder steigende Lebensqualitaet abseits uberhitzter Grossstadte. Dass drei Viertel der Neu-Ostzuziehenden im Erwerbsalter sind, deutet auf wirtschaftliche Motive hin: Niedrigere Lebenshaltungskosten bei gestiegenen Gehaltsniveaus koennen attraktiv sein, selbst wenn die Nominallohne im Osten weiterhin hinter dem Westen zurueckbleiben.

Gleichzeitig benoetigen die ostdeutschen Laender dringend Zuwanderung — schon allein demografisch. Die Bevoelkerung dort ist im Schnitt aelter als im Westen, die Erwerbsbevoelkerung schrumpft. Wenn also junge Menschen aus dem Westen kommen und sich ansiedeln, ist das kein Verlust fuer den Westen, sondern eine Chance fuer den Osten. Ob es gelingt, diese Zuwanderung — egal woher — nachhaltig zu integrieren und Armutsrisiken zu senken, haengt von strukturellen Faktoren ab: Qualitaet des Arbeitsmarkts, Zugang zu Buergergeld und Grundsicherung, Verfuegbarkeit von Wohngeld, Kinderbetreuungsangebot fuer Familien in Armut.

Die Schere zwischen gut integrierten und schlecht integrierten Eingewanderten ist dabei regional unterschiedlich. Personen aus Suedwesteuropa sowie Spataaussiedlerinnen und Spataaussiedler konnten in Deutschland ueberproportional haufig mittlere und hoehere Angestelltenpositionen besetzen. Bei Gefluechteten dagegen ist dieser Anteil sehr gering — und das Armutsrisiko entsprechend hoch. Dieser Unterschied besteht unabhaengig davon, ob jemand in Bayern oder Sachsen lebt, ist aber in wirtschaftlich schwaecheren Regionen gravierender, da die Aufstiegspfade schmaler sind.

Kurzantwort: Die Trendumkehr in der innerdeutschen Wanderung seit 2017 ist eine echte Entwicklung, keine statistische Anomalie. Sie bietet den ostdeutschen Bundeslaendern eine Chance — setzt aber voraus, dass Strukturen fuer Integration, soziale Sicherung und wirtschaftliche Teilhabe ausgebaut werden. Ohne das bleibt das Armutsrisiko fuer Eingewanderte im Osten ueberdurchschnittlich hoch.

Haeufige Fragen

Warum gibt es so grosse Unterschiede in der Zuwanderung zwischen Ost- und Westdeutschland?

Die Unterschiede haben historische Wurzeln: Westdeutschland warb seit 1955 aktiv Arbeitskraefte aus dem Ausland an und baute Strukturen auf, die Zuwanderung erleichterten. Die DDR verfolgte ein anderes Modell, das weit weniger Zuwanderung erzeugte. Nach der Wiedervereinigung blieb Ostdeutschland fuer viele Eingewanderte kein naheliegendes Ziel — fehlende Netzwerke und ein schmaelerer Arbeitsmarkt spielten dabei eine entscheidende Rolle.

Stimmt es, dass seit 2017 mehr Menschen von West nach Ost ziehen als umgekehrt?

Ja. Bis 2016 verzeichneten die ostdeutschen Laender noch einen Wanderungsverlust Richtung Westen. Seit 2017 hat sich das umgekehrt: Es ziehen durchgaengig mehr Menschen aus Westdeutschland in den Osten. Im Jahr 2022 waren das 90.600 Personen — der ueberwiegende Teil davon im Erwerbsalter.

Sind Eingewanderte in Ostdeutschland staerker von Armut betroffen als im Westen?

Ja, das zeigen Daten aus dem Sozialbericht. Menschen mit direktem Migrationshintergrund — also jene, die selbst eingewandert sind — weisen in Ostdeutschland ein besonders hohes Armutsrisiko auf, das noch ueber dem bundesweiten Durchschnitt fuer diese Gruppe liegt. Das haengt mit dem insgesamt niedrigeren Einkommensniveau und der schmaeleren Wirtschaftsstruktur in vielen ostdeutschen Regionen zusammen.

Haben sich die Einkommensunterschiede zwischen Ost und West verringert?

Ja, die Angleichung schreitet fort — besonders seit 2020. Bei den mittleren und unteren Einkommensgruppen sind die nominalen Unterschiede kleiner geworden. Rechnet man die guenstigeren Lebenshaltungskosten im Osten ein, verringern sich die realen Differenzen bei vielen Gruppen auf unter 10 Prozent. Am staerksten bleiben die Unterschiede bei den Spitzeneinkommen.

Wie mobil ist die deutsche Bevoelkerung im Vergleich zu anderen Laendern?

Deutschland gilt im internationalen Vergleich als moderat mobiles Land. Rund 3 Prozent der Bevoelkerung wechseln jaehrlich ihren Wohnkreis. Nordeuropaeische Laender wie Daenemark oder Finnland weisen deutlich hoehere Mobilitaetsraten auf, suedeuropaeische Laender wie Spanien oder Italien hingegen niedrigere. Am mobielsten sind junge Erwachsene zwischen 18 und 30 Jahren — sie wechseln rund drei- bis viermal so haeufig den Wohnort wie aeltere Bevoelkerungsgruppen.

Welche Berufsgruppen sind unter Eingewanderten besonders stark vertreten?

Menschen ohne Migrationshintergrund sind in mittleren und hoeheren Angestelltenberufen staerker vertreten (rund 51 Prozent) als Menschen mit Migrationshintergrund (rund 41 Prozent). Besonders ausgepraegt ist der Unterschied bei Gefluechteten: Nur 5 Prozent von ihnen arbeiteten in mittleren und hoeheren Angestelltenpositionen. Beamtenberufe sind fuer die meisten Eingewanderten aus rechtlichen Gruenden nicht zugaenglich.