Soziodemografie

Bevölkerung ohne Einwanderungsgeschichte: Wer sind die 70 Prozent?

Rund 58,7 Millionen Menschen in Deutschland — etwa sieben von zehn — haben keine persönliche oder familiäre Einwanderungsgeschichte. Diese Gruppe ist die älteste der deutschen Gesellschaft und prägt durch ihre soziodemografische Struktur das Bild des Landes grundlegend. Um soziale Ungleichheit wirklich zu verstehen, muss man sie kennen.

Auf einen Blick
58,7 Mio.
Menschen in Deutschland ohne Einwanderungsgeschichte (Stand 2023)
70 %
Anteil an der Gesamtbevölkerung von rund 84 Millionen
47,2 Jahre
Durchschnittsalter dieser Gruppe — die älteste aller drei Bevölkerungsgruppen
51,6 %
sind 50 Jahre oder älter — mehr als die Hälfte befindet sich in der zweiten Lebenshälfte
51 %
arbeiten in mittleren oder höheren Angestelltenberufen — deutlich mehr als bei Personen mit Einwanderungsgeschichte (41 %)

Was bedeutet "keine Einwanderungsgeschichte"?

Die Frage klingt einfacher, als sie ist: Wer zählt eigentlich zu den Menschen ohne Einwanderungsgeschichte? In der deutschen Bevölkerungsstatistik gehört zu dieser Gruppe, wer selbst in Deutschland geboren wurde und bei dem auch kein Elternteil als Ausländer, Aussiedler oder eingebürgerte Person nach Deutschland zugewandert ist. Es ist also eine Definition, die über die eigene Person hinausgeht und die familiäre Herkunft einschließt.

Dass diese Abgrenzung wichtig ist, zeigt sich schnell: Ein Mensch, der in München geboren wurde und dort aufgewachsen ist, dessen Großeltern aber in den 1960er-Jahren aus der Türkei als Gastarbeiter kamen, zählt statistisch zur Gruppe der Nachkommen von Eingewanderten — nicht zur Gruppe ohne Einwanderungsgeschichte. Umgekehrt zählt jemand, der selbst als Kind aus einem anderen Land nach Deutschland gezogen ist, zur Gruppe der Eingewanderten.

Diese Differenzierung ist kein bürokratisches Glasperlenspiel. Sie macht sichtbar, wie unterschiedlich Lebenschancen, Altersstrukturen und soziale Positionen in der deutschen Gesellschaft verteilt sind — und warum rohe Vergleiche ohne diese Unterscheidung oft in die Irre führen.

Kurzantwort: Als "ohne Einwanderungsgeschichte" gelten Personen, die selbst in Deutschland geboren wurden und deren beide Elternteile ebenfalls ohne ausländische Herkunft, ohne Einbürgerung oder ohne Aussiedlerstatus sind. Diese Gruppe umfasst in Deutschland rund 58,7 Millionen Menschen, etwa 70 Prozent der Bevölkerung.

Eine alternde Mehrheit: Die Altersstruktur im Detail

Das markanteste Merkmal dieser Bevölkerungsgruppe ist ihr hohes Durchschnittsalter. Mit 47,2 Jahren ist sie im Schnitt erheblich älter als Eingewanderte (43,1 Jahre) und deutlich älter als die Nachkommen von Eingewanderten, die im Schnitt erst 20,3 Jahre alt sind. Dieser Abstand ist kein Zufall — er ist das Ergebnis jahrzehntelanger Bevölkerungsdynamik.

Konkret bedeutet das: Mehr als die Hälfte der Menschen ohne Einwanderungsgeschichte — nämlich 51,6 Prozent — ist mindestens 50 Jahre alt. Rund 38,4 Prozent sind zwischen 50 und 74 Jahre alt, befinden sich also in der Phase zwischen dem Ende des Erwerbslebens und dem Beginn des hohen Alters. Diese Konzentration auf ältere Jahrgänge hat weitreichende Folgen für das gesamte gesellschaftliche Gefüge.

Zum Vergleich: Bei Menschen mit Einwanderungsgeschichte sind die Altersgruppen der 25- bis 60-Jährigen besonders stark besetzt. Rund 62 Prozent aller Eingewanderten gehören dieser mittleren Erwerbsaltersgruppe an — ein Spiegel dessen, dass Migration oft in der aktiven Lebensphase stattfindet, wenn Menschen Arbeit suchen oder Familien gründen wollen.

Diese strukturellen Altersunterschiede wirken sich auf fast alle Lebensbereiche aus: auf Rentenquoten, auf Bildungsabschlüsse, auf Erwerbsbeteiligung, auf Haushaltsgröße — und damit auch auf die Wahrnehmung und Messung sozialer Ungleichheit. Wer die Gruppen ohne diese Linse vergleicht, vergleicht Äpfel mit Orangen.

Kurzantwort: Die Gruppe ohne Einwanderungsgeschichte ist mit einem Durchschnittsalter von 47,2 Jahren die älteste Bevölkerungsgruppe in Deutschland. Mehr als die Hälfte ist 50 Jahre oder älter. Diese Altersstruktur erklärt viele der beobachteten Unterschiede zu anderen Gruppen bei Bildung, Arbeit und sozialer Lage.

Erwerbsbeteiligung: Solide, aber nicht ohne Schatten

Wer in Deutschland ohne Einwanderungsgeschichte in die Mitte der Erwerbsbiografie tritt, findet grundsätzlich stabile Verhältnisse vor. Im Erwerbsalter zwischen 15 und 74 Jahren liegt die Erwerbsquote dieser Gruppe bei 70,7 Prozent — ein hoher Wert, der über Jahrzehnte gewachsen ist. Maßgeblich dazu beigetragen hat die steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen: Seit 1993 ist die Erwerbsquote von Frauen um fast 13 Prozentpunkte gewachsen. Im Jahr 2023 lag sie bei 65,7 Prozent — leicht unter dem Höchstwert von 2019 (66 Prozent), aber auf historisch hohem Niveau.

Die Erwerbsquote der Männer lag zuletzt bei 74,5 Prozent und bewegt sich damit stabil auf dem Niveau, das sie nach einem zwischenzeitlichen Rückgang um 2005 wieder erreicht hat. Der Abstand zwischen Männern und Frauen beträgt weiterhin knapp 9 Prozentpunkte — ein strukturelles Muster, das sich trotz aller Fortschritte hartnäckig hält.

Ein weiterer deutlicher Trend: Der Übergang in den Ruhestand verschiebt sich. Über die letzten zwei Jahrzehnte ist das durchschnittliche Renteneintrittsalter spürbar gestiegen. Die gesellschaftliche und rechtliche Entwicklung — Anhebung des Renteneintrittsalters, Förderung längerer Erwerbstätigkeit — schlägt sich in den Zahlen nieder. Für viele Menschen bedeutet das: mehr Jahre im Arbeitsleben, aber auch mehr Zeit, um Rentenansprüche aufzubauen.

Kennzahlen im Überblick
Definition
Personen, die selbst in Deutschland geboren sind und bei denen kein Elternteil zugewandert oder eingebürgert ist
Bevölkerungszahl
58,7 Millionen (rund 70 % der deutschen Gesamtbevölkerung, Stand 2023)
Durchschnittsalter
47,2 Jahre — die älteste der drei statistischen Bevölkerungsgruppen
Anteil 50+
51,6 % sind 50 Jahre oder älter
Erwerbsquote
70,7 % (Frauen: 65,7 %; Männer: 74,5 %)
Berufsposition
51 % in mittleren oder höheren Angestelltenberufen (vs. 41 % bei Personen mit Einwanderungsgeschichte)
Häufiges Missverständnis
Nicht alle sozialen Unterschiede zwischen Gruppen spiegeln Diskriminierung wider — ein erheblicher Teil erklärt sich allein durch die unterschiedliche Altersstruktur
Kurzantwort: Die Erwerbsquote der Bevölkerung ohne Einwanderungsgeschichte liegt bei 70,7 Prozent. Frauen sind mit 65,7 Prozent fast so stark eingebunden wie Männer (74,5 %), und der Renteneintritt erfolgt zunehmend später. Die berufliche Position ist im Schnitt höher als in anderen Bevölkerungsgruppen.

Berufsposition und soziale Lage: Mehr Angestellte, kaum Beamte ohne Migrationshintergrund

Ein auffälliger Unterschied zwischen den Bevölkerungsgruppen zeigt sich bei der beruflichen Stellung. Rund 51 Prozent der Erwerbstätigen ohne Einwanderungsgeschichte arbeiten in mittleren oder höheren Angestelltenberufen. Bei Personen mit Migrationshintergrund liegt dieser Anteil bei 41 Prozent — ein Unterschied von zehn Prozentpunkten, der Folgen für Einkommen, soziale Sicherheit und Aufstiegschancen hat.

Besonders auffällig ist die Beamtenstelle: Während Personen ohne Einwanderungsgeschichte hier deutlich öfter vertreten sind, ist der Zugang für Menschen mit Migrationshintergrund strukturell eingeschränkt. Beamtenstatus setzt in aller Regel die deutsche oder eine EU-Staatsangehörigkeit voraus. Wer erst später eingebürgert wurde oder noch keine Staatsbürgerschaft besitzt, ist aus diesem Beschäftigungsbereich weitgehend ausgeschlossen.

Das wirkt sich nicht nur auf den gegenwärtigen Lebensstandard aus, sondern auch auf die langfristige Absicherung. Beamte genießen Pensionsansprüche, die außerhalb des gesetzlichen Rentenversicherungssystems liegen — und damit eine andere Art der Altersvorsorge als Angestellte oder Selbstständige. Wer keinen Zugang zu diesem System hat, ist für sein Alter stärker auf die gesetzliche Rente angewiesen, deren Niveau in den vergangenen Jahrzehnten real gesunken ist.

Soziale Ungleichheit in Deutschland ist also nicht nur eine Frage der Einkommensunterschiede im Hier und Jetzt — sie ist auch eine Frage des Zugangs zu bestimmten Beschäftigungsformen und der damit verbundenen Absicherung. Mehr dazu, wie sich diese Muster auf die Alterssicherung auswirken, findet sich im Bereich Altersarmut.

Kurzantwort: Personen ohne Einwanderungsgeschichte besetzen häufiger mittlere und höhere Angestelltenpositionen als Personen mit Migrationshintergrund. Hinzu kommt ein strukturell bevorzugter Zugang zum Beamtenstatus, der an die deutsche oder EU-Staatsbürgerschaft gebunden ist und eine besondere Form der Altersabsicherung bietet.

Warum Gruppenvergleiche ohne Alterskorrektur in die Irre führen

Wer die Lebensverhältnisse verschiedener Bevölkerungsgruppen miteinander vergleicht — Bildungsabschlüsse, Erwerbsquoten, Rentenansprüche, Einkommenshöhe — stößt unweigerlich auf starke Unterschiede. Die naheliegende Frage lautet dann: Woran liegt das? Diskriminierung? Institutionelle Hürden? Mangelnde Unterstützung?

Die Antwort ist oft komplexer. Ein erheblicher Teil der beobachteten Unterschiede erklärt sich schlicht durch die sehr unterschiedliche Altersstruktur der Gruppen. Die Nachkommen von Eingewanderten sind im Schnitt erst 20,3 Jahre alt — mitten in Ausbildung und Studium, noch nicht im Beruf angekommen, noch weit entfernt von Renteneintritt und Vermögensaufbau. Wenn diese Gruppe weniger Bildungsabschlüsse auf dem Markt vorweisen kann, liegt das nicht zwingend an schlechterem Zugang — es liegt oft daran, dass sie schlicht noch zu jung ist, um sie abgeschlossen zu haben.

Umgekehrt ist die Gruppe ohne Einwanderungsgeschichte die älteste: Sie hat längere Erwerbsbiografien hinter sich, mehr Zeit gehabt, Berufserfahrung und Rentenansprüche aufzubauen. Ein direkter Vergleich ohne Berücksichtigung dieser Altersstruktur würde Verzerrungen erzeugen, die nichts über tatsächliche Chancengleichheit aussagen.

Das bedeutet nicht, dass es keine Ungleichheiten gibt — die gibt es, und sie sind real und dokumentiert. Aber eine seriöse Bestandsaufnahme muss die demografische Zusammensetzung der Gruppen im Blick behalten, um nicht zufällige Alterseffekte mit struktureller Benachteiligung zu verwechseln. Mehr dazu, wie Bildungsarmut und soziale Herkunft zusammenhängen, lesen Sie im entsprechenden Bereich dieser Website.

Kurzantwort: Unterschiede bei Bildung, Einkommen oder Rentenansprüchen zwischen Bevölkerungsgruppen erklären sich zu einem erheblichen Teil durch die stark abweichende Altersstruktur: Die Nachkommen von Eingewanderten sind jung, die Gruppe ohne Einwanderungsgeschichte ist alt. Rohe Gruppenvergleiche ohne Alterskorrektur führen deshalb systematisch in die Irre.

Rentnerquote und die Zukunft der sozialen Sicherung

Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ohne Einwanderungsgeschichte ist 50 Jahre oder älter. Das bedeutet: Ein wachsender Anteil nähert sich dem Rentenalter oder hat es bereits überschritten. Die Rentnerquote in dieser Gruppe ist deutlich höher als in der Einwanderergruppe oder bei den Nachkommen — was kaum verwundert, wenn man die Altersverteilung kennt.

Für die gesetzliche Rentenversicherung hat das direkte Konsequenzen. Die Finanzierung des Rentensystems hängt davon ab, dass ausreichend viele Menschen im erwerbsfähigen Alter in das System einzahlen. Wenn eine Bevölkerungsgruppe überproportional aus älteren Menschen besteht, die bereits Leistungen beziehen, verschiebt sich das Verhältnis von Beitragszahlern zu Empfängern — und damit die Belastung für alle. Zuwanderung und die Kinder von Eingewanderten spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige stabilisierende Rolle.

Gleichzeitig ist nicht jede Rentnerin und jeder Rentner ohne Einwanderungsgeschichte automatisch gut versorgt. Auch in dieser Gruppe gibt es erhebliche Unterschiede. Wer in Niedriglohnbranchen gearbeitet hat, wessen Erwerbsbiografie durch Pflege, Teilzeit oder Arbeitslosigkeit unterbrochen wurde, oder wer keine private Vorsorge aufgebaut hat, steht im Alter vor denselben Fragen wie Menschen aus anderen Bevölkerungsgruppen. Das Thema Altersarmut betrifft die deutsche Gesellschaft in ihrer ganzen Breite — unabhängig von der Herkunftsfrage.

Kurzantwort: Die Bevölkerung ohne Einwanderungsgeschichte hat die höchste Rentnerquote aller drei statistischen Gruppen, was die Finanzierung des Rentensystems zunehmend unter Druck setzt. Auch innerhalb dieser Gruppe bestehen deutliche soziale Unterschiede — Altersarmut ist kein Thema, das an Herkunftsgrenzen haltmacht.

Was diese Zahlen gesellschaftspolitisch bedeuten

Die statistische Betrachtung der Gruppe ohne Einwanderungsgeschichte ist kein Selbstzweck. Sie ist Voraussetzung dafür, gesellschaftliche Debatten auf einem soliden Fundament zu führen. Wer über Integration spricht, über soziale Gerechtigkeit, über die Zukunft des Rentensystems oder über Chancengleichheit im Bildungswesen, braucht genaue Kenntnis darüber, wer in diesem Land lebt, wie alt diese Menschen sind und welche Ressourcen ihnen zur Verfügung stehen.

Eine alternde Bevölkerungsmehrheit, deren Angehörige im Schnitt 47 Jahre alt sind und häufig in mittleren und höheren Angestelltenpositionen arbeiten oder bereits in Rente sind, hat andere Bedürfnisse und andere politische Prioritäten als eine jüngere, heterogene Gruppe, die sich im Aufbau befindet. Das prägt politische Mehrheiten, Investitionsentscheidungen und den Umgang mit sozialen Risiken.

Gleichzeitig wäre es ein Fehler, diese Gruppe als homogene Masse zu betrachten. Auch unter den 58,7 Millionen Menschen ohne Einwanderungsgeschichte gibt es armutsgefährdete Menschen, Menschen ohne ausreichende Rentenansprüche, Menschen, die von steigenden Wohnkosten verdrängt werden oder deren Kinder schlechtere Startbedingungen haben als andere. Armut kennt keine Herkunft — sie folgt anderen Mustern: schlechte Ausbildung, prekäre Arbeit, fehlende soziale Netzwerke, chronische Krankheit.

Ein tieferes Verständnis der sozialen Lage in Deutschland erfordert deshalb beides: die strukturierte Betrachtung nach Bevölkerungsgruppen, um Muster zu erkennen — und den Blick auf den einzelnen Menschen, um diese Muster nicht mit Schicksalen zu verwechseln. Wie Einkommensungleichheit in Deutschland entstanden ist und wächst, lesen Sie in einem eigenen Abschnitt auf dieser Website.

Kurzantwort: Die Kenntnis der soziodemografischen Struktur der Bevölkerung ohne Einwanderungsgeschichte ist unverzichtbar für belastbare gesellschaftspolitische Debatten. Zugleich ist diese Gruppe intern sehr heterogen: Armut, prekäre Beschäftigung und fehlende Absicherung betreffen auch Menschen ohne jede Einwanderungsgeschichte in erheblichem Ausmaß.

Häufige Fragen

Wie viele Menschen in Deutschland haben keine Einwanderungsgeschichte?
Im Jahr 2023 lebten rund 58,7 Millionen Menschen in Deutschland ohne Einwanderungsgeschichte. Das entspricht etwa 70 Prozent der Gesamtbevölkerung von rund 84 Millionen. Die übrigen 30 Prozent verteilen sich auf Eingewanderte sowie deren in Deutschland geborene Nachkommen.
Warum ist die Bevölkerung ohne Einwanderungsgeschichte im Schnitt älter?
Der hohe Altersdurchschnitt (47,2 Jahre) erklärt sich durch die Bevölkerungsgeschichte Deutschlands. Migration findet typischerweise in der aktiven Lebensphase statt, weshalb Eingewanderte jünger sind. Die Nachkommen von Eingewanderten sind sogar noch jünger, da sie meist in jüngeren Generationen in Deutschland geboren wurden. Die alteingesessene Bevölkerung ohne Einwanderungsgeschichte ist dagegen durch geburtenstarke Jahrgänge der Nachkriegszeit geprägt, die heute in der zweiten Lebenshälfte sind.
Haben Menschen ohne Einwanderungsgeschichte bessere Berufschancen?
Im Schnitt arbeiten mehr Menschen ohne Migrationshintergrund in mittleren und höheren Angestelltenpositionen (51 Prozent) als Personen mit Migrationshintergrund (41 Prozent). Hinzu kommt der Zugang zum Beamtenstatus, der an die deutsche oder EU-Staatsbürgerschaft gebunden ist. Allerdings spielen auch hier Alterseffekte eine Rolle: Wer länger im Berufsleben steht, hat mehr Zeit gehabt, sich beruflich zu entwickeln.
Sind auch Menschen ohne Einwanderungsgeschichte von Armut betroffen?
Ja. Armut ist kein Phänomen, das an Herkunftsgrenzen haltmacht. Auch unter den 58,7 Millionen Menschen ohne Einwanderungsgeschichte gibt es erhebliche Anteile, die armutsgefährdet sind oder in Altersarmut leben — insbesondere Menschen mit lückenhaften Erwerbsbiografien, Niedriglohnbeschäftigte oder Langzeitarbeitslose.
Warum ist der Gruppenvergleich zwischen Menschen mit und ohne Einwanderungsgeschichte so schwierig?
Die Altersstruktur der Gruppen ist so unterschiedlich, dass direkte Vergleiche ohne statistische Bereinigung verzerren. Die Nachkommen von Eingewanderten sind im Schnitt 20 Jahre alt — sie sind noch in Ausbildung, haben noch kein Arbeitseinkommen und keine Rentenansprüche aufgebaut. Die Gruppe ohne Einwanderungsgeschichte ist fast 50 Jahre alt und verfügt über jahrzehntelange Berufserfahrung. Beobachtete Unterschiede lassen sich nicht einfach als Diskriminierung oder als strukturelle Benachteiligung deuten, ohne diese demografischen Faktoren zu berücksichtigen.
Welche Rolle spielt diese Bevölkerungsgruppe für das Rentensystem?
Da über die Hälfte dieser Gruppe 50 Jahre oder älter ist, nähern sich viele Angehörige dem Rentenalter oder haben es bereits erreicht. Das bedeutet: Ein wachsender Anteil der Gesellschaft bezieht Rentenleistungen, während die Zahl der aktiv Einzahlenden relativ sinkt. Zuwanderung und die Kinder von Eingewanderten übernehmen in diesem System eine wichtige stabilisierende Funktion.