Armut trifft nicht nur ältere Menschen oder Menschen ohne Ausbildung. Eine der am stärksten wachsenden Risikogruppen in Deutschland sind junge Erwachsene zwischen 18 und 24 Jahren. 2023 waren 24,6 Prozent von ihnen armutsgefährdet — fast ein Viertel. Zwei Jahre zuvor, 2021, waren es noch 16 Prozent. Dieser Anstieg um fast neun Prozentpunkte in zwei Jahren ist bemerkenswert und verlangt nach Erklärungen.
Warum sind junge Erwachsene so stark betroffen?
Die Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen befindet sich in einer wirtschaftlich besonders vulnerablen Phase. Sie verlassen das Elternhaus, beginnen Ausbildung oder Studium, stehen am Anfang ihrer Erwerbsbiografie und haben in der Regel noch keine Ersparnisse. Gleichzeitig müssen sie Miete zahlen, sich versorgen und Ausbildungskosten tragen.
Der Anstieg zwischen 2021 und 2023 fällt zeitlich mit der Energiekrise und dem starken Anstieg der Wohnkosten zusammen. Junge Menschen, die in eigenen Haushalten leben, haben keine Möglichkeit, Preissteigerungen durch familiäre Solidarität abzufedern. Wer noch bei den Eltern wohnt, ist statistisch besser geschützt — wer es nicht ist, trägt das volle Risiko.
Wer in dieser Altersgruppe ist besonders gefährdet?
Innerhalb der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen gibt es erhebliche Unterschiede:
- Studierende in eigenen Haushalten: BAföG reicht oft nicht aus, um Miete und Lebensunterhalt in teuren Hochschulstädten zu decken. Viele jobben zusätzlich — was auf Kosten des Studiums geht.
- Auszubildende: Ausbildungsvergütungen sind in vielen Branchen niedrig. Wer in einer Großstadt ausbildet, zahlt oft mehr für die Wohnung als die Ausbildungsvergütung hergibt.
- Junge Menschen ohne Ausbildung: Wer weder Ausbildung noch Studium hat und in unqualifizierter Beschäftigung oder Minijobs arbeitet, ist am stärksten gefährdet.
- Junge Eltern: Wer in dieser Altersgruppe bereits ein Kind hat, trägt doppelte Last — eigene Ausbildungsphase und Kinderversorgung ohne ausreichendes Einkommen.
Folgen von Armut in jungen Jahren
Armut in der Übergangsphase zwischen Jugend und Erwachsensein hat langfristige Konsequenzen. Wer in dieser Phase nicht ausreichend in Bildung, Gesundheit und soziale Teilhabe investieren kann, startet mit Defiziten in die Erwerbsbiografie. Armutsbedingte Studienabbrüche verzögern oder verhindern Qualifikationen. Schlechte Ernährung und mangelnde medizinische Versorgung beeinträchtigen Gesundheit. Soziale Isolation erschwert den Aufbau beruflicher Netzwerke.
Armut in jungen Jahren erhöht damit das Risiko dauerhafter Einkommensarmut im Erwachsenenalter. Was als vorübergehende Notlage beginnt, kann strukturell werden.
Welche Hilfen gibt es für junge Erwachsene?
- BAföG für Studierende — Prüfung des Anspruchs lohnt sich, auch wenn die Eltern Einkommen haben
- Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) für Auszubildende mit eigener Wohnung
- Bürgergeld für junge Erwachsene ohne Ausbildung oder Arbeit (mehr zum Bürgergeld)
- Wohngeld für Haushalte mit niedrigem Einkommen (mehr zu Wohngeld)
- Sozialberatung an Hochschulen, beim Studierendenwerk und bei Wohlfahrtsverbänden