Thema: Digitale Teilhabe & soziale Ungleichheit · Stand: 2024

IKT-Nutzung in deutschen Haushalten: Deutschland im EU-Vergleich

Zahlen & Fakten

Was bedeutet IKT und warum ist es relevant fur soziale Teilhabe?

Kurzantwort

IKT steht fur Informations- und Kommunikationstechnologie: Computer, Internet, Smartphones. Wer keinen Zugang hat oder ihn nicht effektiv nutzen kann, ist in immer mehr Lebensbereichen benachteiligt.

Der Begriff IKT fasst alle technischen Systeme zusammen, die der Verarbeitung, Speicherung und Ubertragung von Informationen dienen. Im Alltag sind das vor allem Computer und Laptops, Smartphones, Internetzugange — ob uber Festnetz-Breitband oder mobile Datenverbindungen — sowie die darauf aufbauenden Dienste: E-Mail, Online-Banking, Behorden-Portale, Jobborten, Streaming, soziale Netzwerke.

Diese Technologien sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Wer sie nicht nutzen kann oder will, steht in wachsendem Masse abseits. Behorden haben ihre Kommunikation digitalisiert. Arbeitgeber erwarten digitale Kompetenzen. Soziale Kontakte verlagern sich in Messenger und Plattformen. Gesundheitsversorgung, Bildung, Bankgeschafte — kaum ein Bereich ist noch vollstandig analog organisiert.

Digitale Teilhabe ist daher kein Luxus, sondern eine Grundvoraussetzung fur gesellschaftliche Teilhabe im 21. Jahrhundert. Wer nicht digital ist, ist nicht nur vom Informationsfluss abgeschnitten, sondern auch von Chancen: auf Arbeit, auf staatliche Leistungen, auf Bildung, auf sozialen Anschluss.

Deutschland im EU-Vergleich: Mittelfeld statt Spitzenreiter

Kurzantwort

Mit rund 92 Prozent Internetnutzung liegt Deutschland im EU-Durchschnitt. Nordische Lander und die Niederlande sind deutlich weiter. Besonders beim Breitbandausbau und bei E-Government-Diensten hat Deutschland Ruckstand.

In der Europaischen Union wird die Digitalisierung regelmasig durch den DESI-Index gemessen — den Digital Economy and Society Index. Er erfasst unter anderem Konnektivitat, digitale Kompetenzen, Internetnutzung, Integration digitaler Technologien in Unternehmen und digitale offentliche Dienste.

Deutschland belegt dabei in der Regel einen Platz im Mittelfeld. Nordische Lander wie Danemark, Schweden und Finnland sowie die Niederlande fuhren die Rangliste an. Sie zeichnen sich durch flachendeckend schnelle Internetzugange, hohe digitale Kompetenz in der Bevolkerung und weit entwickelte E-Government-Dienste aus.

Deutschland hingegen hat trotz seiner Wirtschaftskraft und technologischen Leistungsfahigkeit in einzelnen Bereichen Ruckstande. Das betrifft vor allem den Breitbandausbau in landlichen Regionen, den Ausbau des Glasfasernetzes und die Digitalisierung staatlicher Verwaltungsleistungen.

Breitband und Konnektivitat: Die Lucke auf dem Land

Kurzantwort

In vielen landlichen Regionen Deutschlands fehlt ein schnelles Festnetz-Internet. Das benachteiligt Bewohner nicht nur im Alltag, sondern auch bei der Arbeit — Homeoffice setzt guten Internetzugang voraus.

Deutschland hat sich ehrgeizige Ziele beim Breitbandausbau gesetzt. Der Anschluss aller Haushalte an Gigabit-Netze — also an sehr schnelle Verbindungen uber Glasfaser oder ahnliche Technologien — soll bis 2030 weitgehend abgeschlossen sein. Doch die Umsetzung hinkt hinter den Planen her.

Besonders problematisch ist die Situation in landlichen und strukturschwachen Regionen. Dort rechnet sich der Netzausbau fur private Anbieter weniger, weil die Haushalte weit auseinander liegen und die Investitionskosten hoch sind. Staatliche Forderprogramme sollen die Lucke schliessen, aber der Verwaltungsaufwand und die teils schleppenden Vergaben verzogernd den Fortschritt.

Das hat direkte Konsequenzen fur Arbeit und Einkommen. Homeoffice — das sich in den Pandemiejahren als wichtige Beschuftigungsform etabliert hat — setzt einen zuverlassigen und schnellen Internetzugang voraus. Wer diesen nicht hat, kann von den Vorteilen des ortsunabhangigen Arbeitens nicht profitieren. Gleichzeitig sind in strukturschwachen Regionen die alternativen Arbeitsmoglichkeiten ohnehin begrenzt.

Die digitale Spaltung: Wer ist offline?

Kurzantwort

Altere Menschen, Menschen ohne Berufsausbildung und Personen mit niedrigem Einkommen sind uberproportional oft offline. Digitale Ausgrenzung verstarkt bereits bestehende soziale Ungleichheit.

Die Rede von acht Prozent der Bevolkerung ohne Internetzugang klingt nach einer kleinen Minderheit. Doch hinter dieser Zahl verbergen sich mehrere Millionen Menschen — und ihre Verteilung in der Gesellschaft ist alles andere als zufallig.

Drei Gruppen sind uberproportional haufig offline oder nutzen das Internet nur sehr eingeschrankt:

Das Problem ist nicht nur, ob jemand ein Gerat besitzt, sondern auch, wie souveran er damit umgeht. Jemand, der zwar ein Smartphone hat, aber keine amtlichen Formulare online ausfullen, keine Behordenkommunikation digital fuhren und keine Jobbewerbung per E-Mail einreichen kann, ist de facto digital ausgegrenzt — auch wenn er formal als Nutzer zahlt.

Kinder aus armen Haushalten und digitale Bildung

Kurzantwort

Kinder aus einkommensschwachen Haushalten haben schlechtere digitale Ausstattung und weniger Unterstutzung beim digitalen Lernen. Der Digitalpakt Schule soll Abhilfe schaffen — die Umsetzung ist aber schleppend.

Digitale Ungleichheit beginnt fruhen im Leben. Kinder, die in einkommensschwachen Haushalten aufwachsen, haben seltener Zugang zu eigenen Geraten, zu schnellem Internet zuhause und zu einem ruhigen Platz zum digitalen Lernen. Eltern konnen die Nutzung digitaler Lernplattformen weniger gut begleiten, teils weil ihnen selbst digitale Kompetenz fehlt, teils weil die Zeit fehlt.

Die Pandemie hat diese Ungleichheit sichtbar gemacht: Als Schulen schliessen mussten und Lernen von zuhause verpflichtend wurde, konnten viele Kinder nicht ausreichend teilnehmen. Fehlende Gerate, mangelhaftes Internet und ungeeignete Wohnverhaltnisse schlossen sie faktisch aus dem Unterricht aus.

Der Digitalpakt Schule, der 6,5 Milliarden Euro fur die Ausstattung von Schulen mit digitalen Endgeraten und Infrastruktur bereitstellt, ist ein politischer Versuch, diese Lucke zu schliessen. Doch die Umsetzung war und ist schleppend: Fordermittel wurden nicht abgerufen, Gerate kamen spat an, Lehrkrafte wurden nicht ausreichend geschult. Der Pakt lost das Problem der hauslichen Ausstattung ohnehin nur teilweise — Schule ist nicht der einzige Ort, an dem Kinder digital lernen.

E-Government: Digitale Behorden als Ziel und Hürde

Kurzantwort

Das Onlinezugangsgesetz verpflichtet Behorden, ihre Leistungen digital anzubieten. Die Umsetzung ist weit hinter dem Zeitplan. Wer ohnehin digital ausgegrenzt ist, profitiert von E-Government am wenigsten.

Das Onlinezugangsgesetz verpflichtet Bund, Lander und Kommunen, ihre Verwaltungsleistungen bis zu einem bestimmten Datum digital anbieten zu mussen. Das Ziel: Burger sollen Ummeldungen, Forderantrage, Fuhrerscheinverlagerungen und viele weitere Behordengange online erledigen konnen — ohne Warteschlange und Offnungszeiten.

Die Realitat sieht noch anders aus. Viele Kommunen sind digital noch nicht ausreichend aufgestellt. Portale existieren, sind aber nicht intuitiv bedienbar oder erfordern Voraussetzungen — wie die Nutzung des Online-Ausweises — die viele Burger nicht erfullen. Das System ist so komplex, dass selbst digital Gewandte manchmal scheitern.

Fur Menschen, die ohnehin weniger digital kompetent sind, stellt das eine doppelte Hurde dar: Die Behorde geht online, aber sie konnen nicht folgen. Die analoge Alternative wird abgebaut, ohne dass der digitale Zugang fur alle sichergestellt ware.

Digitale Teilhabe als sozialpolitisches Thema

Kurzantwort

Wer digital ausgegrenzt ist, verliert Zugang zu Arbeit, Bildung, Gesundheitsversorgung und staatlichen Leistungen. Digitale Teilhabe ist deshalb kein technisches Problem, sondern eine soziale Frage.

Die Digitalisierung verandert Gesellschaft und Wirtschaft in einem Tempo, das politische und soziale Systeme herausfordert. Wahrend Technologie fur viele Menschen Komfort und Effizienz bringt, verstarkt sie fur andere bestehende Nachteile.

Digitale Kompetenz wird zur Bedingung fur gesellschaftliche Teilhabe: fur das Auffinden einer Arbeitsstelle, fur den Zugang zu staatlichen Leistungen, fur das Nutzen von Bildungsangeboten, fur die Gesundheitsversorgung. Telemedizin, elektronische Patientenakte, Online-Rezepte — wer hier ausgeschlossen ist, wird auch medizinisch schlechter versorgt.

Digitale Teilhabe ist daher eine sozialpolitische Aufgabe, keine rein technische. Es geht nicht nur darum, Breitband zu verlegen oder Gerate zu verteilen. Es geht darum, Menschen zu befahigen, digitale Werkzeuge tatsachlich zu nutzen — und sicherzustellen, dass analoge Alternativen nicht einfach abgeschafft werden, bevor digitale Zugange fur alle funktionstuchtig sind.

Haufige Fragen zur IKT-Nutzung und digitalen Teilhabe

Was bedeutet IKT?

IKT steht fur Informations- und Kommunikationstechnologie. Dazu gehoren Computer, Smartphones, Internetzugange und alle digitalen Kommunikationsdienste. IKT-Nutzung beschreibt, wie verbreitet und intensiv diese Technologien in einem Haushalt oder einer Bevolkerungsgruppe genutzt werden.

Wie hoch ist der Anteil der Internetnutzenden in Deutschland?

Rund 92 Prozent der Bevolkerung in Deutschland nutzen das Internet. Das bedeutet aber auch, dass rund 8 Prozent — mehrere Millionen Menschen — keinen Internetzugang haben oder ihn nicht nutzen.

Welche Lander fuhren beim EU-Vergleich der Digitalisierung?

Danemark, Schweden, Finnland und die Niederlande fuhren regelmassig den DESI-Index der EU an, der Digitalisierung in Wirtschaft und Gesellschaft misst. Deutschland liegt im Mittelfeld.

Was ist der Digitalpakt Schule?

Der Digitalpakt Schule ist ein Forderprogramm des Bundes, das 6,5 Milliarden Euro fur die digitale Ausstattung von Schulen bereitstellt. Ziel ist es, Schulen mit Netzinfrastruktur, Endgeraten und digitalen Lernmitteln auszustatten. Die Umsetzung verlauft schleppend.

Warum sind arme Haushalte seltener online?

Die Kosten fur Gerate, Datentarife und Breitbandanschlusse sind fur einkommensschwache Haushalte eine reale Hurde. Selbst wenn ein Smartphone vorhanden ist, fehlt oft ein heimischer Breitbandanschluss — mobiles Datenvolumen reicht nicht fur alle digitalen Aufgaben.

Was regelt das Onlinezugangsgesetz?

Das Onlinezugangsgesetz verpflichtet Bund, Lander und Kommunen, ihre Verwaltungsleistungen digital anzubieten. Ziel ist es, Burgern zu ermoglichen, Behordengange online zu erledigen. Die vollstandige Umsetzung ist bislang noch nicht erreicht.