Statistik & Definitionen

Einwanderungsgeschichte vs. Migrationshintergrund: Warum die Begriffe unterschiedlich sind

Seit 2023 verwendet das Statistische Bundesamt nicht mehr den Begriff "Migrationshintergrund", sondern "Einwanderungsgeschichte". Was sich dahinter verbirgt, warum dieser Wechsel kein Zufall war — und was er fuer das Bild bedeutet, das Statistiken von der Bevoelkerung in Deutschland zeichnen.

Schluesselzahlen

25 %
Armutsrisiko bei Menschen mit Migrationshintergrund — fast doppelt so hoch wie der Durchschnitt
68 %
Armutsgefaehrdungsquote bei Gefluechteten — mehr als dreimal so hoch wie bei Personen ohne Einwanderungsgeschichte
15,3 %
Erwerbstaetiger mit Einwanderungsgeschichte arbeiten als Hilfsarbeitskraefte — gegenueber 4,5 % ohne Einwanderungsgeschichte
2005
Einfuehrung des Konzepts "Migrationshintergrund" im Mikrozensus — 2023 abgeloest durch "Einwanderungsgeschichte"
11 %
Arbeitslosenquote bei Personen mit Migrationshintergrund — mehr als doppelt so hoch wie ohne (5 %)

Wer in Deutschland ueber Migration spricht, stoesst unweigerlich auf zwei Begriffe, die scheinbar dasselbe meinen und doch verschieden sind: "Migrationshintergrund" und "Einwanderungsgeschichte". Beide tauchen in Statistiken, Berichten und politischen Debatten auf — aber sie messen nicht dasselbe, und ihre Unterschiede sind keineswegs nur akademisch. Denn welches Konzept eine Behoerde verwendet, bestimmt, wen sie zaehlt, wen sie unsichtbar macht und wie Deutschland sich selbst im internationalen Vergleich verortet.

Seit der Umstellung des Mikrozensus im Jahr 2023 gilt das Konzept der Einwanderungsgeschichte als neuer Standard. Wer verstehen will, warum diese Aenderung mehr bedeutet als eine Umbenennung, muss beide Begriffe genau kennen.

Was bedeutet "Migrationshintergrund" — und was "Einwanderungsgeschichte"?

Das Konzept "Migrationshintergrund" wurde in Deutschland mit dem Mikrozensus 2005 eingefuehrt. Es erfasste alle Personen, die entweder selbst nach Deutschland eingewandert waren oder deren Eltern dies getan hatten — unabhaengig davon, welche Staatsangehoerigkeit sie heute besitzen. Damit galt auch ein in Muenchen geborener Erwachsener als Person mit Migrationshintergrund, wenn seine Eltern aus einem anderen Land stammen.

Das Konzept der Einwanderungsgeschichte, das der Mikrozensus 2023 einfuehrt, unterscheidet klarer zwischen zwei Gruppen: den Eingewanderten (Personen, die selbst nach Deutschland gezogen sind) und den Nachkommen von Eingewanderten (Personen, deren Eltern eingewandert sind, die aber selbst in Deutschland geboren wurden). Diese Trennung ist praeziser — und international anschlussfahiger.

Begriffe im Ueberblick

Migrationshintergrund
Konzept seit 2005; umfasst sowohl selbst Eingewanderte als auch deren in Deutschland geborene Kinder
Einwanderungsgeschichte
Neues Konzept seit Mikrozensus 2023; unterscheidet klar zwischen Eingewanderten (direkt) und Nachkommen (indirekt)
Direkter Migrationshintergrund
Person ist selbst eingewandert
Indirekter Migrationshintergrund
In Deutschland geboren, Eltern eingewandert
Datenquelle
Mikrozensus — repraesentative Haushaltsbefragung des Statistischen Bundesamts
Kurzantwort: "Migrationshintergrund" ist das aeltere, breitere Konzept, das beide Generationen zusammenfasst. "Einwanderungsgeschichte" ist die neuere, differenziertere Kategorie, die seit 2023 im Mikrozensus verwendet wird und klar zwischen Eingewanderten und ihren in Deutschland geborenen Nachkommen trennt.

Warum hat Deutschland das Konzept gewechselt?

Der Wechsel vom Migrationshintergrund zur Einwanderungsgeschichte war kein spontaner Entschluss. Hinter ihm steckt ein konkretes Problem: Die alte Kategorie war im internationalen Vergleich schwer verwendbar. Andere europaeische Laender arbeiten mit anderen Definitionen, andere Erhebungen messen andere Dinge. Wer Deutschland mit Frankreich, den Niederlanden oder Schweden vergleichen wollte, stiess schnell an Grenzen.

Die neue Terminologie orientiert sich staerker an internationalen Standards und ermoeglicht es, Daten aus Deutschland direkt mit Statistiken aus anderen Mitgliedstaaten der Europaeischen Union oder mit OECD-Laendern in Beziehung zu setzen. Das ist kein buerokratisches Detail — es veraendert, welche politischen Schluesse aus den Zahlen gezogen werden koennen.

Darueber hinaus war das alte Konzept inhaltlich unscharf. Es behandelte Menschen als Gruppe, die hoechst unterschiedliche Realitaeten leben: ein vor drei Jahren aus Syrien Gefluechteter und eine in Stuttgart geborene Wirtschaftsanwaeltin, deren Grosseltern in den 1960er Jahren aus der Tuerkei kamen, wurden statistisch in dieselbe Kategorie gefasst. Das neue Konzept trennt diese Lebenswirklichkeiten praeziser — auch wenn es natuerlich keine Kategorie gibt, die alle sozialen Realitaeten vollstaendig abbildet.

Merkmal Migrationshintergrund Einwanderungsgeschichte
Eingefuehrt Mikrozensus 2005 Mikrozensus 2023
Zielgruppe Eingewanderte + ihre Kinder Unterscheidet: direkt (eingewandert) und indirekt (Nachkommen)
Internationale Vergleichbarkeit Eingeschraenkt Besser an EU/OECD-Standards angepasst
Datengrundlage Mikrozensus Mikrozensus (Erstergebnisse 2023)
Differenzierung Ja/nein Drei Gruppen: Eingewanderte, Nachkommen, ohne EG
Kurzantwort: Deutschland hat das Konzept gewechselt, weil der Migrationshintergrund im internationalen Vergleich kaum anschlussfahig war und die gesellschaftliche Realitaet zu ungenau abbildete. Die neue Einwanderungsgeschichte trennt klarer zwischen selbst Eingewanderten und in Deutschland geborenen Nachkommen und ist staerker an europaeischen Standards orientiert.

Wer wird wie gezaehlt — und welche Gruppen werden sichtbarer?

Die Unterscheidung nach direkt und indirekt eingewandert hat reale Konsequenzen fuer das statistische Bild. Menschen, die selbst eingewandert sind, stehen vor anderen Herausforderungen als Menschen, die in Deutschland aufgewachsen sind und deutsch sprechen, aber Eltern aus einem anderen Land haben. Diese beiden Gruppen unter einem Begriff zusammenzufassen, kann die tatsaechlichen Lebenslagen verschleiern.

Personen mit direkter Einwanderungsgeschichte — also Menschen, die selbst nach Deutschland gekommen sind — wiesen in der Vergangenheit etwas hoehere Armutsrisiken auf als Personen mit indirekter Einwanderungsgeschichte, also den Nachkommen von Eingewanderten. Das ist wenig ueberraschend: Wer neu in ein Land kommt, braucht Zeit, um Fuss zu fassen, Sprache zu lernen, Berufsabschluesse anerkennen zu lassen, Netzwerke aufzubauen.

Besonders deutlich zeigen sich diese Unterschiede beim Thema Erwerbsarbeit. Menschen mit Einwanderungsgeschichte arbeiteten im Jahr 2023 ueberproportional haeufig in gering qualifizierten Taetigkeiten: Knapp 15 von 100 Erwerbstaetigen mit Einwanderungsgeschichte waren als Hilfsarbeitskraefte taetig — bei vergleichbaren Personen ohne Einwanderungsgeschichte war es weniger als jede zwanzigste. Umgekehrt ist der Zugang zu Beamtenstatus bei Eingewanderten deutlich seltener: Nur etwa jede siebzigste erwerbstaetige Person mit Einwanderungsgeschichte bekleidet ein Beamtenverhaeltnis, verglichen mit etwa jeder sechzehnten ohne Einwanderungsgeschichte.

Dabei zeigen sich innerhalb der Gruppe der Menschen mit Einwanderungsgeschichte grosse Unterschiede, die das neue Konzept besser sichtbar machen kann. Migration aus EU-Mitgliedstaaten ist haeufig Arbeitsmigration — die Eingewanderten bringen konkrete Berufserfahrung mit und treten unmittelbar in den Arbeitsmarkt ein. Migration aus dem Nahen und Mittleren Osten sowie aus Teilen Afrikas ist in staeekerem Masse Fluchtmigration, die mit rechtlichen Einschraenkungen beim Arbeitsmarktzugang verbunden ist. Beides unter demselben Statistikbegriff zu fuehren, war methodisch unbefriedigend.

Kurzantwort: Das neue Konzept unterscheidet Eingewanderte von ihren Nachkommen und macht Unterschiede in Lebenslagen sichtbarer. Eingewanderte stehen vor anderen Herausforderungen — beim Arbeitsmarktzugang, bei der Anerkennung von Abschluessen, beim Aufbau sozialer Netzwerke — als in Deutschland aufgewachsene Nachkommen von Eingewanderten.

Was die Zahlen ueber Armutsrisiken sagen

Die Statistiken zu Armutsrisiken zeigen, wie gross die Lebenslagenunterschiede tatsaechlich sind. Das Armutsrisiko bei Menschen ohne Migrationshintergrund liegt bei rund 14 Prozent. Bei Menschen mit Migrationshintergrund steigt es auf 25 Prozent — also auf fast das Doppelte. Bei Gefluechteten ist die Situation nochmals deutlich angespannter: Hier liegt die Armutsgefaehrdungsquote bei rund 68 Prozent.

Diese Zahlen verdeutlichen, dass es sich nicht um eine homogene Gruppe handelt. Wer schon lange in Deutschland lebt, wer gut vernetzt ist, wer seinen Abschluss anerkennen lassen konnte und voll erwerbstaetig ist, hat ein anderes Armutsrisiko als jemand, der erst vor wenigen Jahren eingereist ist und den Einstieg in den Arbeitsmarkt noch vor sich hat.

Besonders betroffene Regionen verstaerken das Bild: In Ostdeutschland war die Armutsbetroffenheit bei Eingewanderten — insbesondere bei direkt Eingewanderten — hoeher als im gesamtdeutschen Vergleich. Das liegt auch daran, dass in ostdeutschen Laendern das allgemeine Einkommens- und Preisniveau anders ist und strukturschwache Regionen weniger Zugaenge zum Arbeitsmarkt bieten.

Beim Thema Vollzeiterwerbstaetigkeit zeigt sich ein aehnliches Muster: Etwas mehr als die Haelfte der Menschen ohne Migrationshintergrund war 2021 in Vollzeit beschaeftigt. Bei Menschen mit Migrationshintergrund waren es zehn Prozentpunkte weniger — also rund die Haelfte. Bei Frauen ist dieser Unterschied besonders ausgepraegt: Frauen, die als Gefluechtete nach Deutschland kamen, waren zu knapp 50 Prozent nicht erwerbstaetig — bei Frauen ohne Migrationshintergrund waren es zehn Prozent.

Wichtig: Diese Zahlen beschreiben strukturelle Realitaeten und keine individuellen Eigenschaften. Hinter jedem Prozentwert stehen sehr unterschiedliche Biografien, Ressourcen und Ausgangssituationen. Statistische Kategorien sind Hilfsmittel — sie erklaeren Zusammenhaenge, nicht Schicksale.

Kurzantwort: Das Armutsrisiko bei Menschen mit Migrationshintergrund liegt bei rund 25 Prozent, bei Gefluechteten bei bis zu 68 Prozent — verglichen mit 14 Prozent bei Personen ohne Einwanderungsgeschichte. Die Unterschiede sind erheblich, spiegeln aber strukturelle Huerdenbeim Arbeitsmarktzugang wider und keine persoenlichen Defizite.

Haeufige Missverstaendnisse und was die Statistik wirklich zeigt

Ein verbreitetes Missverstaendnis besteht darin, zu glauben, die Kategorie "Migrationshintergrund" oder "Einwanderungsgeschichte" sei ein Indikator fuer fehlende Integration. Das ist falsch. Die Kategorie beschreibt eine Biografie — nicht eine Haltung, nicht eine Leistungsbereitschaft, nicht einen Integrationserfolg.

Ein Beispiel: Die fueher oft beschriebenen Unterschiede im Weiterbildungsverhalten zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund sind weitgehend verschwunden. Menschen mit Migrationshintergrund der ersten Generation nahmen im Jahr 2020 in aehnlichem Umfang an Weiterbildungen teil wie Menschen ohne Migrationshintergrund. Strukturelle Barrieren bestehen trotzdem — sie liegen jedoch nicht in mangelnder Lernbereitschaft, sondern oft in der Art der Taetigkeiten, die mit geringeren Moeglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung verbunden sind.

Ein weiteres Missverstaendnis ist, alle Menschen mit Einwanderungsgeschichte als eine homogene Gruppe zu behandeln. Die Einkommensspanne innerhalb dieser Gruppe ist erheblich. Eingewanderte aus bestimmten EU-Laendern oder mit akademischem Hintergrund haben ein ganz anderes Einkommensniveau als Personen, die als Gefluechtete eingereist sind und erst in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden. Das neue Konzept der Einwanderungsgeschichte soll helfen, diese Unterschiede praeziser abzubilden.

Schliesslich gibt es die falsche Vorstellung, die Umbenennung von "Migrationshintergrund" zu "Einwanderungsgeschichte" sei bloss politisch motiviertes Vokabular-Management. Tatsaechlich steckt dahinter eine methodische Notwendigkeit: Die Anpassung an internationale Erhebungsstandards ist Voraussetzung fuer valide Laendervergleiche — und damit fuer eine informierte politische Debatte.

Kurzantwort: Statistikkategorien wie Migrationshintergrund oder Einwanderungsgeschichte beschreiben Biografien, keine Integration oder Leistungsbereitschaft. Die Unterschiede in Einkommen, Beschaeftigung und Armutsrisiko erklaeren sich durch strukturelle Huerdenim Arbeitsmarkt — nicht durch persoenliche Eigenschaften der Betroffenen.

Was der Konzeptwechsel fuer Politik und Praxis bedeutet

Statistik ist nie neutral. Welche Kategorien verwendet werden, entscheidet darueber, welche Probleme sichtbar werden und welche politischen Konsequenzen gezogen werden koennen. Der Wechsel vom Migrationshintergrund zur Einwanderungsgeschichte ist deshalb auch ein politisches Signal: Es geht darum, differenzierter zu messen, um zielgenauer handeln zu koennen.

Fuer die Arbeitsmarktpolitik bedeutet das: Wer weiss, dass Eingewanderte der ersten Generation vor anderen Herausforderungen stehen als Nachkommen von Eingewanderten, kann Foerderprogramme unterschiedlich ausrichten. Sprachfoerderung, Anerkennungsverfahren fuer auslaendische Berufsabschluesse, gezielte Beratung — all das wird wirksamer, wenn es auf die tatsaechliche Lebenssituation zugeschnitten ist.

Fuer die Sozialberichterstattung bedeutet es: Zahlen zu Einkommensungleichheit, Bildungsarmut oder Working Poor lassen sich praeziser nach Migrationsbiografien aufschlusseln. Das zeigt, wo Handlungsbedarf besteht — und wo Fortschritte sichtbar werden.

Fuer Menschen, die selbst betroffen sind, aendert sich durch die neue Bezeichnung im Alltag wenig. Aber es aendert sich, wie der Staat ueber sie denkt, zaehlt und — im besten Fall — handelt. Eine Statistik, die nicht trifft, was sie messen soll, fuehrt zu Massnahmen, die nicht helfen. Eine Statistik, die praezise ist, ist die Grundlage fuer wirkungsvolle Unterstuetzung.

Kurzantwort: Der Konzeptwechsel hat praktische Konsequenzen: Praezisere Kategorien ermoeglichten zielgenaue Foerderprogramme, bessere internationale Vergleiche und eine Sozialpolitik, die tatsaechlich bei den Menschen ankommt. Wer die Unterschiede zwischen Eingewanderten und ihren Nachkommen kennt, kann gezielter helfen.

Haeufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Migrationshintergrund und Einwanderungsgeschichte?

"Migrationshintergrund" ist das seit 2005 verwendete Konzept, das alle Personen erfasst, die selbst eingewandert sind oder deren Eltern eingewandert sind — unabhaengig davon, ob sie selbst in Deutschland geboren wurden. "Einwanderungsgeschichte" ist das neuere Konzept des Mikrozensus 2023, das klar zwischen Eingewanderten (direkt) und ihren in Deutschland geborenen Nachkommen (indirekt) unterscheidet. Letzteres ermoeglicht praezisere Analysen und bessere internationale Vergleichbarkeit.

Warum hat Deutschland das Konzept des Migrationshintergrunds aufgegeben?

Das Konzept war im internationalen Vergleich schwer anschluessfahig, weil andere Laender andere Definitionen verwenden. Ausserdem fasste es sehr unterschiedliche Lebensrealitaeten unter einem einzigen Begriff zusammen. Die neue Einwanderungsgeschichte orientiert sich staerker an EU- und OECD-Standards und ermoeglicht differenziertere Auswertungen.

Wie hoch ist das Armutsrisiko bei Menschen mit Migrationshintergrund?

Das Armutsrisiko liegt bei Menschen mit Migrationshintergrund bei rund 25 Prozent — fast doppelt so hoch wie bei Personen ohne Migrationshintergrund (rund 14 Prozent). Bei Gefluechteten ist es mit rund 68 Prozent besonders hoch. Diese Unterschiede erklaeren sich vor allem durch strukturelle Huerdenim Arbeitsmarkt, rechtliche Einschraenkungen und den zeitlichen Aufwand fuer Anerkennung von Abschluessen.

Sind Menschen mit Einwanderungsgeschichte schlechter in den Arbeitsmarkt integriert?

Es gibt messbare Unterschiede: Im Jahr 2023 arbeiteten 15,3 Prozent der Erwerbstaetigen mit Einwanderungsgeschichte als Hilfsarbeitskraefte — bei Personen ohne Einwanderungsgeschichte waren es 4,5 Prozent. Auch Beamtenverhaeltnisse sind seltener: 1,4 Prozent mit Einwanderungsgeschichte gegenueber 6,3 Prozent ohne. Diese Unterschiede spiegeln strukturelle Barrieren wider — fehlende Netzwerke, erschwerter Zugang zum oeffentlichen Dienst, Anerkennungsprobleme — keine persoenlichen Defizite.

Was bedeutet der Konzeptwechsel fuer konkrete Foerderprogramme?

Eine differenziertere Kategorie erlaubt zielgenauere Politik. Wer weiss, ob jemand selbst eingewandert oder in Deutschland aufgewachsen ist, kann Sprachfoerderung, Berufsanerkennung oder Beratungsangebote besser ausrichten. Auch die Sozialberichterstattung — etwa zu Bildungsarmut oder Einkommensungleichheit — gewinnt an Praezision, wenn Lebenslagen genauer aufgeschluesselt werden koennen.