Frauen & Altersarmut

Geschiedene Frauen in Deutschland: Zahlen, wirtschaftliche Folgen und Altersarmut

Rund 19 Prozent aller alleinstehenden Frauen in Deutschland sind geschieden. Scheidung bedeutet für viele Frauen einen dauerhaften Einkommensverlust — und im Alter oft eine deutlich niedrigere Rente.

Auf einen Blick

19%
der alleinstehenden Frauen in Deutschland sind geschieden (Mikrozensus 2023)
10 Mio.
alleinstehende Frauen insgesamt — 52% aller Alleinstehenden in Deutschland
~40%
weniger Rente bekommen Frauen im Schnitt als Männer (Gender Pension Gap)
+7%
Anstieg alleinstehender Frauen seit 2013

Wer sind geschiedene Frauen in Deutschland?

Kurzantwort: Rund 19 Prozent der knapp 10 Millionen alleinstehenden Frauen in Deutschland sind geschieden. Sie bilden die zweitgrößte Gruppe nach den Ledigen, sind im Schnitt älter als diese und stehen häufig vor spezifischen wirtschaftlichen Herausforderungen, die sich aus der Ehe und ihrer Beendigung ergeben.

Alleinstehende Frauen sind die größte Gruppe unter allen Alleinstehenden in Deutschland: Sie machen rund 52 Prozent aus. Ihre Zahl ist seit 2013 um etwa sieben Prozent gestiegen — ein Anstieg, der sowohl durch demografische Faktoren (mehr ältere Frauen, weil Frauen länger leben) als auch durch gesellschaftliche Veränderungen (spätere Heirat, häufigere Scheidung, bewusst gewähltes Alleinleben) erklärt werden kann.

Innerhalb dieser Gruppe spielen Scheidungen eine erhebliche Rolle. Rund 19 Prozent der alleinstehenden Frauen haben eine Ehe hinter sich. Bei alleinstehenden Männern ist der Anteil Geschiedener ähnlich, allerdings kehren Männer nach einer Scheidung statistisch häufiger und schneller in eine neue Partnerschaft zurück als Frauen.

Alleinstehende Frauen nach Familienstand (Mikrozensus 2023)

Ledig
40% — größte Gruppe, im Schnitt jünger
Verwitwet
35% — vor allem ältere Frauen, da Frauen länger leben
Geschieden
19% — wirtschaftlich oft besonders belastet
Sonstige
6% — z.B. getrennt lebend

Was bedeutet Scheidung wirtschaftlich für Frauen?

Kurzantwort: Scheidung bedeutet für Frauen statistisch einen deutlichen Einkommensverlust — besonders wenn sie während der Ehe die Erwerbsarbeit reduziert haben. Männer erholen sich wirtschaftlich schneller nach einer Scheidung, Frauen oft nicht oder erst verspätet.

In vielen deutschen Ehen läuft es so: Nach der Geburt von Kindern reduziert die Mutter ihre Erwerbsarbeit oder gibt sie zeitweise ganz auf. Der Vater bleibt Vollzeiterwerbstätig. Beide profitieren zunächst vom gemeinsamen Haushaltseinkommen. Wenn die Ehe dann scheitert, ist die Ausgangslage grundverschieden: Der Mann hat seine Berufslaufbahn weiterentwickelt, die Frau hat eine Lücke im Lebenslauf, geringere Rentenansprüche und oft eine niedrig dotierte Teilzeitstelle, die sie nach der Scheidung ausbauen muss, aber nicht immer kann.

Hinzu kommt: Frauen, die geschieden werden, übernehmen in der Mehrheit der Fälle die Hauptbetreuung der gemeinsamen Kinder. Das schränkt die Rückkehr zur Vollzeiterwerbstätigkeit weiter ein — besonders wenn das Betreuungsangebot für Schulkinder am Nachmittag lückenhaft ist oder Kinderbetreuung schlicht zu teuer ist.

Unterhalt: Schutz mit Lücken

Das deutsche Unterhaltsrecht sieht nachehelichen Unterhalt vor — aber unter strengen Voraussetzungen. Seit der Reform 2008 ist der Grundsatz der wirtschaftlichen Eigenverantwortung nach der Scheidung gestärkt worden: Beide Ex-Partner sollen möglichst schnell für sich selbst sorgen. Unterhalt gibt es noch bei Kindesbetreuung, Alter, Krankheit oder Erwerbslosigkeit — und er ist zeitlich befristet, soweit das dem berechtigten Partner zumutbar ist.

In der Praxis bedeutet das: Viele Frauen erhalten keinen oder nur kurzzeitigen Unterhalt. Das ist politisch gewollt, weil dauerhafte Abhängigkeit vom Ex-Mann als überholt gilt. Aber es setzt voraus, dass Frauen nach der Scheidung tatsächlich eine angemessen vergütete Erwerbsstelle finden und besetzen können — was nicht immer der Fall ist.

Unterhaltsausfall als Armutsrisiko: Wenn Unterhalt nicht oder zu wenig gezahlt wird — ob weil der Ex-Partner zahlungsunfähig ist oder zahlt, was ihm nicht nachgewiesen werden kann —, fallen vor allem Frauen mit Kindern in eine akute Einkommenslücke. Der staatliche Unterhaltsvorschuss schließt diese Lücke nur teilweise und ist auf das Kindesalter bis 18 beschränkt.

Der Versorgungsausgleich: Was er schützt — und was nicht

Kurzantwort: Der Versorgungsausgleich teilt bei Scheidung die während der Ehe erworbenen Rentenansprüche beider Partner hälftig auf. Das schützt Frauen mit Erwerbspausen — ist aber kein vollständiger Ausgleich, weil es nur um die Ehezeit geht und nichts an den geringen laufenden Einkünften nach der Scheidung ändert.

Der Versorgungsausgleich ist eines der stärksten Instrumente zum Schutz von Frauen nach einer Scheidung. Er bewirkt, dass die während der Ehe erworbenen Rentenansprüche beider Ehepartner addiert und dann hälftig geteilt werden. Eine Frau, die zehn Jahre lang wegen Kinderbetreuung keine oder geringe Rentenpunkte angesammelt hat, bekommt dadurch einen Teil der vom Mann in dieser Zeit erworbenen Rentenansprüche übertragen.

Das klingt gerecht — und ist es in Teilen auch. Allerdings hat der Versorgungsausgleich Grenzen: Er bezieht sich ausschließlich auf die Ehezeit. Wer nach der Scheidung noch Jahrzehnte bis zur Rente hat und in dieser Zeit niedrig verdient, sammelt kaum neue Ansprüche an. Der Ausgleich der Vergangenheit ändert nichts an der Zukunft.

Gender Pension Gap: Frauen bekommen deutlich weniger Rente

Kurzantwort: Frauen bekommen in Deutschland im Schnitt rund 40 Prozent weniger gesetzliche Rente als Männer. Dieser sogenannte Gender Pension Gap spiegelt ein Leben lang geringere Löhne, kürzere Vollzeitphasen und mehr unbezahlte Fürsorgearbeit wider.

Der Gender Pension Gap ist eine der markantesten Kennzahlen für strukturelle Ungleichheit im deutschen Rentensystem. Er entsteht, weil Rente im Umlageverfahren direkt von den während des Berufslebens erzielten Einkommen abhängt. Wer weniger verdient und weniger Jahre in Vollzeit arbeitet, bekommt weniger Rente. Beides trifft Frauen überproportional.

Für geschiedene Frauen, die nach der Scheidung allein für sich sorgen müssen, hat der Gender Pension Gap unmittelbare Konsequenzen. Sie haben im Alter eine kleinere Rente als Männer in vergleichbarer Lebenssituation — und keinen Ehepartner mehr, dessen Einkommen oder Rente das ausgleichen könnte. Das macht geschiedene Frauen im Alter zu einer der am stärksten von Altersarmut bedrohten Gruppen.

Teilzeitfalle und ihre Folgen für die Rente

Teilzeitarbeit ist für viele Mütter — und damit für viele der Frauen, die später geschieden werden — keine freie Wahl, sondern eine strukturelle Notwendigkeit. Fehlende Ganztagesbetreuung, die Erwartungen des Arbeitgebers und die ungleiche Verteilung von Hausarbeit und Kinderbetreuung zwischen den Geschlechtern machen Teilzeit für Mütter oft zur einzig praktikablen Option.

Jedes Jahr in Teilzeit bedeutet proportional weniger Rentenpunkte. Wer 20 Jahre lang in Teilzeit arbeitet, hat am Ende möglicherweise nur halb so viele Rentenpunkte angesammelt wie jemand, der die gleiche Zeit in Vollzeit gearbeitet hat. Diese Diskrepanz ist nach einer Scheidung ohne den Puffer des gemeinsamen Haushalts unmittelbar spürbar.

Kosten der Scheidung: Wer kann sie sich leisten?

Kurzantwort: Eine gerichtliche Scheidung in Deutschland kostet je nach Einkommen und Verfahrensdauer zwischen einigen Hundert und mehreren Tausend Euro. Für Frauen mit geringem Einkommen ist das eine erhebliche Belastung — der Staat bietet Verfahrenskostenhilfe, die aber ebenfalls an Einkommensgrenzen geknüpft ist.

Scheidungen sind in Deutschland immer gerichtliche Verfahren — anders als in manchen anderen Ländern gibt es keine außergerichtliche Trennung. Das bedeutet: Auch wenn beide Partner einverstanden sind, müssen sie einen oder beide Anwälte bezahlen und Gerichtskosten tragen. Die Kosten richten sich nach dem gemeinsamen Nettoeinkommen der Eheleute und steigen mit höherem Einkommen.

Für Frauen mit geringem Einkommen nach der Trennung ist das eine reale Hürde. Der Staat ermöglicht Verfahrenskostenhilfe für Menschen, die die Kosten nicht selbst aufbringen können — aber auch dieser Anspruch ist an Einkommensgrenzen gebunden und muss beantragt werden. Wer nicht weiß, dass es diese Möglichkeit gibt, trägt die Kosten im Zweifel selbst — oder kann sich die Scheidung schlicht nicht leisten und bleibt rechtlich verheiratet, obwohl die Partnerschaft längst zerbrochen ist.

Häufige Fragen zu geschiedenen Frauen in Deutschland

Wie viele Frauen in Deutschland sind geschieden?

Laut Mikrozensus 2023 sind rund 19 Prozent der alleinstehenden Frauen in Deutschland geschieden. Bei insgesamt knapp 10 Millionen alleinstehenden Frauen entspricht das etwa 1,9 Millionen Frauen. Hinzu kommen Frauen, die nach einer Scheidung eine neue Partnerschaft eingegangen sind und deshalb nicht mehr als alleinstehend erfasst werden.

Was ist der Versorgungsausgleich bei der Scheidung?

Der Versorgungsausgleich ist ein Mechanismus im deutschen Scheidungsrecht, der die während der Ehezeit erworbenen Rentenansprüche beider Partner hälftig aufteilt. Das bedeutet: Wenn ein Partner in der Ehe deutlich mehr Rentenpunkte gesammelt hat als der andere — oft weil einer für Kinderbetreuung weniger gearbeitet hat —, werden die Ansprüche bei der Scheidung ausgeglichen. Der Ausgleich gilt aber nur für die Ehezeit und schützt nicht vor zukünftig niedrigen Rentenansprüchen.

Warum sind geschiedene Frauen besonders von Altersarmut bedroht?

Geschiedene Frauen haben im Alter oft niedrige Renten, weil sie während der Ehe häufig die Erwerbsarbeit reduziert haben, um Kinder zu betreuen. Nach der Scheidung haben sie keinen Partner mehr, dessen Einkommen oder Rente ausgleichend wirkt. Der Gender Pension Gap — Frauen bekommen im Schnitt rund 40 Prozent weniger Rente als Männer — trifft geschiedene Frauen deshalb besonders hart.

Haben geschiedene Frauen Anspruch auf nachehelichen Unterhalt?

Nachehelicher Unterhalt ist möglich, aber seit der Reform 2008 deutlich eingeschränkt. Er wird vor allem gewährt, wenn jemand wegen Kinderbetreuung, Krankheit, Alter oder Arbeitslosigkeit nicht für sich selbst sorgen kann. Grundsätzlich gilt der Grundsatz der wirtschaftlichen Eigenverantwortung nach der Scheidung. In der Praxis erhalten viele Frauen daher keinen oder nur befristeten Unterhalt.

Was passiert, wenn der Ex-Partner keinen Unterhalt zahlt?

Wenn der unterhaltspflichtige Ex-Partner nicht zahlt — weil er nicht zahlen kann oder will —, können Betroffene den Unterhaltsanspruch gerichtlich durchsetzen. Für Kinder bietet der staatliche Unterhaltsvorschuss eine Zwischenlösung: Das Jugendamt zahlt bis zu einem gesetzlichen Höchstbetrag vor und versucht, das Geld vom Unterhaltspflichtigen zurückzuholen. Kindesunterhalt wird bis zum 18. Lebensjahr vorgestreckt; für die Mutter selbst gibt es keinen vergleichbaren staatlichen Vorschuss.

Was kostet eine Scheidung in Deutschland?

Die Kosten einer Scheidung hängen vom gemeinsamen Nettoeinkommen der Eheleute ab. Bei durchschnittlichen Einkommensverhältnissen sind Gerichts- und Anwaltskosten von mindestens 1.500 bis 3.000 Euro keine Seltenheit — bei strittigen Scheidungen können die Kosten deutlich höher sein. Wer die Kosten nicht aufbringen kann, hat Anspruch auf staatliche Verfahrenskostenhilfe, muss diesen aber aktiv beantragen.